Belegte Brötchen zum Tag der Arbeit

Das Schöne an historischen Ereignissen ist, dass man sie entsprechend der eigenen Weltsicht interpretieren kann. So ruft das Bündnis „Hände Weg vom Wedding“ am Vorabend des 1. Mai zu seiner alljährlichen „Antikapitalistischen Demonstration“ auf. Immerhin terminlich so gelegt, dass die Teilnehmer am eigentlichen Maifeiertag bei der eher ritualisierten Demonstration des DGB mit marschieren können. Die Organisatoren der „Revolutionären 1. Mai Demonstration“ in Kreuzberg wiederholen auch in diesem Jahr das Tauziehen mit der Polizei um die richtige Demonstrationsroute. Und das Myfest – das zu einem friedlichen Miteinander beitragen möchte – hat sich im Laufe der Jahre zu einem ansehnlichen Volksfest entwickelt.

Die Panke entlang (Teil 2)

Gedenkstein WiesenstrIm ersten Teil sind wir schon von der Mündung der Panke am Nordhafen bis zur Pankstraße entlanggewandert – durch eine Art Niemandsland, zwischen Wohnhauszeilen und alten Fabrikgebäuden. Jetzt geht es weiter durch Gesundbrunnen bis fast zum Bürgerpark Pankow.

Wir starten an der Pankstraße 83. Idyllisch fließt hier die kanalisierte Panke zwischen den Brücken der Pankstraße und der Wiesenstraße, entlang begrünter Hinterhöfe und Wohnhäuser der 1950er Jahre. Der erste nachweisbare Siedlungskern des Wedding, ein landwirtschaftliches Gut im Besitz der Stadt Berlin und später des Kurfürsten, erstreckte sich genau hier ab dem 13. Jahrhundert. Die letzten Gebäude des Weddinghofes verschwanden erst während des Mietskasernenbaus der Gründerzeit. Genauso schwer ist heute vorstellbar, dass am 1. Mai 1929 in der Kösliner Straße, die sich hinter den Neubauten befindet, Straßenschlachten tobten, die mindestens 19 zivile Todesopfer forderten. Dieses Gebiet war eine kommunistische Hochburg, die den Beinamen des Bezirks „Roter Wedding“ prägte. Nur ein Findlings-Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke erinnert heute noch daran – die einst so stadtbildprägenden Mietskasernen sind hier jedenfalls verschwunden.

Ein Gedenkstein soll kommentiert werden

Gedenkstein WiesenstrDas Tageszentrum Wiese 30, eine therapeutische Tagesstätte, lädt für den 10. Februar von 17:00 bis 19:00 Uhr zu einer „AG-Gedenkstein“ ein. Anlass bildet ein Findling auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Einrichtung, der an die politischen Ereignisse des 1. Mais 1929 erinnern soll und in den 1950er Jahren enthüllt wurde. Nach dem Wunsch der Initiatoren dieser AG-Gedenkstein soll dort zukünftig eine zusätzliche Gedenktafel die historischen Zusammenhänge erläutern.