Tradition: Möbel an der Pankstraße

Möbel Kraft Eingangsbereich zum MöbelhausIm Wed­ding ste­hen Möbel manch­mal ein­fach auf der Stra­ße, zum Mit­neh­men, aber eher zum Ent­sor­gen. War­um fällt Ber­li­nern trotz­dem “Möbel­kauf” ein, wenn sie an den Wed­ding den­ken? Der Grund ist das Möbel­haus in der Pankstra­ße, das lan­ge als “Höff­ner” fir­mier­te und jetzt “Möbel Kraft” heißt. Aber auch das Restau­rant des Möbel­hau­ses ist ein Anzie­hungs­punkt an der Pankstraße.

“Liebes Wedding” – Berlins erste deutsch-türkisch-polnische Veranstaltungsreihe

liebes-wedding_titelbild_1200x6003„Ähm, ursprüng­lich aus Polen“ und „Ja, mei­ne Eltern sind in der Tür­kei gebo­ren“ – zwei Sät­ze, die tau­sen­de jun­ger Deutsch-Polen und Deutsch-Tür­ken schon zig Mal gesagt haben. Doch die bei­den größ­ten Migra­ti­ons­grup­pen Ber­lins wol­len nicht immer nur reden, son­dern gemein­sam fei­ern – mit allen Inter­es­sier­ten aus dem Wedding.

Lotsin im Weddinger Sprachengewirr

Schon der ers­te flüch­ti­ge Ein­druck der frei­be­ruf­li­chen Über­set­ze­rin Mar­lis Gosch-Franz in ihrer gemüt­lich ein­ge­rich­te­ten Woh­nung im Hin­ter­haus der Sparr­stra­ße 22 lässt erah­nen, dass hier neben dem eigent­li­chen Geschäft auch per­sön­li­ches Inter­es­se und Kon­takt zu den Kun­den nicht zu kurz kom­men. Und tat­säch­lich kommt auch sie in unse­rem Gespräch mehr­mals zu dem Schluss, dass die Arbeit für Pri­vat­kun­den eine per­fek­te Ergän­zung zu den eher tech­ni­schen Auf­trä­gen von Behör­den und Insti­tu­tio­nen ist.

Opferfest: Ein stinknormaler Arbeitstag?

Die­sen Text schrei­be ich am 15.10.2013, dem größ­ten mus­li­mi­schen Fei­er­tag, dem Opfer­fest. An die­sem Tag feh­len vie­le Kin­der im Schul­un­ter­richt und im Kin­der­gar­ten, größ­ten­teils auch ent­schul­digt. Den­noch wer­den vie­le der Mit­schü­ler und Erzie­he­rin­nen nicht wis­sen, wo die mus­li­mi­schen Kin­der blei­ben. Trotz der hohen Zahl an Mus­li­men in man­chen Bezir­ken Ber­lins, ist die­ser Tag für vie­le ein stink­nor­ma­ler Arbeitstag.

Weih­nach­ten in der Tür­kei: wenn du mit christ­li­cher Kon­fes­si­on in der Tür­kei auf­wächst und nicht auf eine abend­länd­li­che Schu­le wie z.B. ein deut­sches Gym­na­si­um gehst, bist du vom Reli­gi­ons­un­ter­richt befreit. Den­noch sind christ­li­che Fei­er­ta­ge wie Ostern und Weih­nach­ten ganz nor­ma­le Schul- und Arbeitstage.

Mit einer (nicht beson­ders) deutsch-christ­li­chen Mut­ter und einem (nicht beson­ders) tür­kisch-mus­li­mi­schen Vater wuchs ich in der Tür­kei auf. Ich und mein Bru­der gin­gen am 24. Dezem­ber wie jeden Tag in die Schu­le.  Als wir nach Hau­se kamen, war der Weih­nachts­baum auf­ge­stellt und die Geschen­ke war­te­ten. Mei­ne tür­ki­schen Groß­t­el­tern und mei­ne Tan­te kamen zum Abend­essen, es gab Kar­tof­fel­sa­lat und Würst­chen aus Rind­fleisch: nicht dass wir kein Schwei­ne­fleisch aßen, es gab kei­ne Schwei­ne­würst­chen zu kau­fen. Die Besche­rung fand ganz tra­di­tio­nell erst nach dem Abend­essen statt. Und am 25. wach­ten wir zum nächs­ten Schul­tag auf.

Die mus­li­mi­sche Tra­di­ti­on sieht vor, dass am Opfer­fest jeder Gläu­bi­ge, der es sich leis­ten kann, ein männ­li­ches Tier schlach­tet und das Fleisch größ­ten­teils an Bedürf­ti­ge ver­teilt, die es sich nicht leis­ten kön­nen, Fleisch zu essen. Außer­dem spen­den die Gläu­bi­gen 1/41. ihres Ver­mö­gens an Ärme­re. Es ver­steht sich, dass Reich­tum ein rela­ti­ver Begriff ist und vie­le Mus­li­me unsi­cher sind, ob sie nun ver­mö­gend sind oder nicht und wie sie ihren Besitz durch 41 divi­die­ren sol­len. Den­noch hat Spen­den im Islam eine Tra­di­ti­on. Vie­le der moder­nen Mus­li­me spen­den auch anstel­le eines buch­stäb­li­chen Opfers Geld an gemein­nüt­zi­ge Orga­ni­sa­tio­nen und unter­stüt­zen somit die huma­ni­tä­re Hil­fe in Krisengebieten.

Nun muss ich eine kur­ze Pau­se ein­le­gen, denn schließ­lich muss ich ja zur Arbeit.

Es ist ein selt­sa­mes Gefühl, in einer Gesell­schaft zu leben, in der die Fei­er­ta­ge, die man aus der Kind­heit kennt, wenig Bedeu­tung haben. Umge­kehrt fin­de ich es nicht so befremd­lich. Je mehr Fei­er­ta­ge, des­to lus­ti­ger. Heu­te muss­te ich arbei­ten, wäh­rend mein Bru­der in der Tür­kei die gan­ze Woche frei hat. Auf mei­ner Arbeit gab es ein Fest (zu einem voll­kom­men ande­ren Anlass) mit Brat­würst­chen vom Grill, aber ich nahm lie­ber die Tofu­wurst. In Zei­ten bru­ta­ler Mas­sen­tier­hal­tung hät­te ich am Bay­ram kei­ne gequäl­te Mast­sau run­ter­ge­kriegt. Die zwei mus­li­mi­schen Müt­ter tru­gen etwas zum Buf­fet bei, konn­ten aber per­sön­lich nicht dabei sein. Wer wür­de auch Hei­lig­abend frei­wil­lig in einer Bil­dungs­ein­rich­tung verbringen?

Ihr wer­det die­sen Bei­trag wäh­rend der Fei­er­ta­ge oder nach den Fei­er­ta­gen lesen. Viel­leicht goo­geln wir mal den nächs­ten Rama­dan, das chi­ne­si­sche Neu­jahr etc. und gra­tu­lie­ren unse­ren Kol­le­gen aus ande­ren Kul­tur­krei­sen zu ihren Fei­er­ta­gen. Ich hät­te mich als Schü­ler über ein “fro­he Weih­nach­ten” unglaub­lich gefreut, wenn ich schon wie an jedem ande­ren Tag in die Schu­le musste.

Autor: A. Bükey

Benimm à la Wedding

© pixel­roi­ber

Das ist passiert

Mit der neu­en, engen Hose schlen­der­te ich fröh­lich durch den Kiez und muss­te am Leo­pold­platz an einer Grup­pe jun­ger Män­ner vor­bei. Man sah mich, man bemerk­te mich und fing offen­sicht­lich an über mich zu tuscheln. Als ich an den Fün­fen vor­bei ging, rief einer mit deut­lich tür­ki­schem Akzent „Hey, schö­nes Weib!“. Ich grins­te freund­lich vor mich hin und setz­te mei­nen Weg unbe­irrt fort. Ein Kum­pel kicher­te und ver­bes­ser­te lei­se „Das heißt ‚Bei­ne’.“ Typ Num­mer Eins kor­ri­gier­te laut­hals „Hey – schö­nes Bei­ne!“. Spon­ta­nes Geläch­ter in der Grup­pe. Ich dreh­te mich im Wei­ter­ge­hen um, lach­te dabei, aber ich konn­te lei­der nicht mehr hören, was die Jungs unter­ein­an­der bespro­chen haben.

Das steckt sprachlich dahinter

Fazit der fröh­li­chen Kiez­be­geg­nung: Weib und Bein zu ver­wech­seln kann zu Kom­mu­ni­ka­ti­ons­hür­den füh­ren. Im Tür­ki­schen sind es zwei grund­ver­schie­de­ne Wor­te, näm­lich karı und bacak. Letz­te­res könn­te mit bardak (Glas) ver­wech­selt wer­den, aber das soll hier nicht The­ma sein.

Wir ler­nen: Man sagt z.B. „Hey, schö­nes Weib!“. Oder „Hey, schö­ne Frau!“ wenn einem das Gesamt­erschei­nungs­bild gefällt. Wenn es nur um die unte­ren Extre­mi­tä­ten geht, wäre „Hey, schö­ne Bei­ne!“ ein Anfang. Auch wenn das für Mut­ter­sprach­ler wegen des kom­plett unter­schied­li­chen Auf­baus der tür­ki­schen Gram­ma­tik eine ech­te Hür­de ist, drü­cken wir uns bes­ser in einem voll­stän­di­gen Satz aus, da im deut­schen Satz­bau „Bei­ne“ gram­ma­ti­ka­lisch Sub­jekt sind und inso­fern eigent­lich nicht direkt ange­spro­chen wer­den kön­nen. Außer genau das ist der Sinn des Ausrufs.

Wir sagen also: „Hey, Du hast schö­ne Bei­ne!“ mit Beto­nung auf „schö­ne“ oder „Bei­ne“, je nach dem was man genau meint. Man kann vari­ie­ren, denn mög­li­cher­wei­se möch­te man die Dame ja öfter anspre­chen oder gleich die nächs­te dahin­ter auch, dann ist es blöd, wenn immer nur der glei­che Satz zu hören ist. Eine ein­fa­che Vari­an­te ergibt sich durch Wort­dre­hun­gen: „Hey, schö­ne Bei­ne hast Du“. Hier bie­tet sich die Beto­nung auf „schö­ne“ an. Voka­bel-Vari­an­ten sind z.B.: schö­ne Augen (güzel göz­ler), schö­ne Haa­re (güzel saçlar) oder, all­ge­mei­ner, schö­nes Haar (güzel saç) (Der deutsch­spra­chi­ge Leser wird an die­ser Stel­le bemer­ken, dass Adjek­ti­ve im Tür­ki­schen nicht gebeugt wer­den müs­sen. Prak­tisch, oder?)

Das sollte man aber beachten

Und wir beden­ken bei Begeis­te­rungs­aus­brü­chen die­ser Art: Immer freund­lich lächeln, eine offe­ne, läs­si­ge Kör­per­hal­tung ein­neh­men, auch ein klei­nes, aner­ken­nen­des Nicken mit dem Kopf ist ange­mes­sen. Kei­nes­wegs auf die Dame-des-Gefal­lens zuge­hen, bis die­se nicht ein­deu­tig signa­li­siert hat, dass sie das möch­te. Falls sie nicht oder womög­lich ver­är­gert reagiert, bit­te nicht ent­täuscht oder gar gekränkt sein. Es pas­siert den char­man­tes­ten Kava­lie­ren, dass sie einen „Korb“ bekom­men, vul­go “voll krass abblit­zen“. Hier­zu sagt ein deut­sches Sprich­wort: Ein neu­er Tag, ein neu­es Glück. Apro­pos: Bei Nacht oder an schlecht beleuch­te­ten Orten unter­las­sen wir solch ein Anspre­chen tun­lichst, da es Frau­en im All­ge­mei­nen eher ver­un­si­chert als erfreut. Dass sich obs­zö­ne Ges­ten, auch in zar­tes­ter Andeu­tung, bei die­ser Art von Kom­mu­ni­ka­ti­on von selbst ver­bie­ten, sei hier nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber erwähnt.

Autorin: Anke Rommel