Schlagworte: Bezirk

Gründe für die Stattbad-Schließung

Stattbad FassadeAufgrund einer Mängelanzeige und Veranstaltungsankündigungen im Internet fiel dem Bezirksamt Mitte auf, dass das Stattbad Wedding entgegen der 2012 erteilten Baugenehmigung genutzt wird. Daher wurden die Nutzer aufgefordert, den Zutritt zum Gebäude zu verhindern. Doch wer ist nun eigentlich schuld an der Schließung des Stattbades? Eine unkreative Verwaltung – oder gar Menschen, die dem Stattbad etwas Böses wollen? Weiterlesen

Neues Familienzentrum am Nauener Platz

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Cornelia Dette (r.) mit einigen Frauen in der Küche des Familienzentrums.

Am großen Tisch in der Cafeteria faltet eine Frau konzentriert an leuchtend gelben Papierbooten für eine Flüchtlings-Kampagne von Amnesty Interational. Eine zweite Frau kommt hinzu, überlegt nicht lange und macht mit. In einem kleinen Büroraum nebenan tippt ein Mann währenddessen in einen Computer, er arbeitet an der Internetseite des Hauses. In der Küche backen drei Frauen plaudernd und fröhlich lachend Kuchen. Die Leiterin des Familienzentrums am Nauener Platz, Cornelia Dette, hat heute Geburtstag, der duftende Kuchen ist für sie.

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Der “gefühlte Wedding”

Erkläre mal jemandem den Wedding. Den einzigen Berliner Ortsteil, der für seinen Eigennamen einen Artikel braucht. Und dann auch noch einen männlichen. Doch was vom Rest Berlins als “Ghetto” oder krimineller Armenbezirk abgetan wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ziemlich komplexes Gebilde.

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Kolumne: Zögern, retten und sparen

Musiktheater und HochschulgebäudeKindermusiktheater Atze hat Zukunft

Diese Woche soll endlich mal versöhnlich ausklingen. Wie jetzt aus der Beantwortung einer Großen Anfrage an die Genossen vom Bezirksamt Mitte zu erfahren war, sind in Sachen Atze Musiktheater alle Weichen in Richtung einer dauerhaften Zukunft gestellt worden. Zumindest aus Sicht unserer Bezirkverwaltung. Die hatte im vergangenen Jahr durch ein Gemisch aus Jammern und Drohen dafür gesorgt, dass im Haus an der Luxemburger Straße und bei all seinen großen und kleinen Fans die komplette Verunsicherung ausbrach, wie es denn nun mit Spiel und Spaß im ehemaligen Max-Beckmann-Saal weitergeht. Am Ende fanden sich dann doch noch ein paar Vernünftige in Bezirksamt und Senat, die die Bedeutung dieses Theaters für die Kulturlandschaft im Wedding, der ganzen Stadt und darüber hinaus erkannten. Jetzt steht fest, dass die Immobilie ab 1. Januar 2015 dem Land Berlin gehört, Atze dafür aber für Betriebskosten und Miete selbst auskommen muss. Dafür allerdings bekommen die Theaterleute vom Senat eine Spielstättenförderung in Höhe von 870.000 Euro. Das Allerschönste aber ist, dass der Bezirksetat durch diese Regelung ab 2015 wahrscheinlich um insgesamt 480.000 Euro entlastet wird. Was beweist: Klug regieren kann auf keinen Fall schaden.
Autor: Ulf Teichert
Die Kolumne erscheint ebenfalls jeden Samstag im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding

Müllerstraße: Großer Boulevard mit Lackschäden

An der Müllerstraße ist der Lack ab

Die Müllerstraße, die über drei Kilometer lange, unangefochtene Hauptschlagader des Wedding, besitzt noch das Format einer Hauptstraße. Ihr bescheidener Anfang als Sandpiste zwischen Tegel und Berlin ist ihr jedenfalls nicht mehr anzusehen, Reste der ländlichen Bebauung vor den Toren Berlins gibt es auch nicht mehr. Wie so viele Magistralen anderer Weltstädte führt sie schnurgerade aus den Vororten direkt ins Herz der Innenstadt.

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Weddingwoche #39: Kein Foto mit den Fans

Ein bisschen komisch war ihm schon – dem Bezirksstadtrat Carsten Spallek, als er jüngst zur Einweihung schritt. Mit Absperrband, Schere und vereinzeltem Blitzlichtgewitterchen. Zu eröffnen gab’s die neue Toilettenanlage auf dem Leopoldplatz. Ein Hightech-Teil mit verschließbarer Toilette (15 Minuten für 10 Cent) und angeschlossenem Pissoir (kostenlos).  Das wirklich Schöne: Uns Steuerzahler kostet “die Reduzierung der vorhandenen Nutzungskonflikte auf dem Leopoldplatz” (Politikersprech) keinen Cent. Weil nämlich der Herr Spallek hart verhandelt und den Stadtmöbelbetreiber und Draußenwerber Stroer AG dazu bekommen hat, alle Kosten für Anlage und Wartung zu übernehmen. Als Gegenleistung darf Stroer einige neue Standorte mit supermodernen Werbeflächen bespielen. Ach ja: Bei der Toiletteneröffnung hatten Spallek und seine Entourage jede Menge Publikum. Vornehmlich Damen und Herren, die gerne mal schon früh einen heben. Deren Freude war groß. Ein gemeinsames Foto mit seinen begeisterten Fans wusste der Stadtrat allerdings zu verhindern.

Autor: Ulf Teichert

Unsere Kolumne “Weddingweisers Woche” erscheint jeden Samstag in der Bezirksausgabe Wedding des Berliner Abendblatts.

Fahrräder im Wedding: Einiges zu tun!

Immer beliebter ist die unkomplizierte, umweltfreundliche Nutzung des Fahrrads für den innerstädtischen Verkehr in Berlin. Doch die Infrastruktur von Radwegen und Radstreifen in Berlin-Mitte ist weder den heutigen Bedürfnissen noch dem gewachsenen Verkehrsaufkommen angepasst. Immerhin beginnt sich jetzt auch die Bezirkspolitik für das Thema zu interessieren.

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Planschen zur Abwechslung mal voller Wasser?

Die Kinder haben ihren Spaß an der alt-neuen Plansche im Schillerpark
Plansche im Schillerpark

Noch nicht ganz trocken hinter den Ohren sind oft die lieben Kleinen im Wedding. Dafür blieben aber viele Kinderplanschen trocken: die Haushaltsnotlage des Bezirks Berlin-Mitte hatte im letzten Sommer verhindert, dass es auf den beliebten Wasserspielplätzen “Wasser marsch” heißen konnte – und das Wetter war daran ausnahmsweise einmal nicht allein schuld. Die SPD-Fraktion im Bezirk hatte im letzten Jahr das Bezirksamt aufgefordert, nach einem Sponsor zu suchen. Die Bezirksverordneten schlossen sich dieser Forderung an. Mit der Werbefirma Ströer hat sich nun ein Geldgeber für die nächsten fünf Jahre gefunden. Großzügig werden durch den Sponsor auch einige ältere Planschen saniert – weniger Energie und Wasser sollen so verbraucht werden. Auch die Plansche im Schillerpark – erst 2012 frisch saniert, modernisiert und nach ausgiebigen Testläufen freigegeben – kann demnächst wie die Plansche im Goethepark in Betrieb gehen.

„Wir freuen uns für die Kinder im Bezirk – und hoffen, dass Petrus mitspielt und die Lufttemperaturen über 25 Grad liegen!“, sagt Janina Körper, Sprecherin der SPD-Fraktion in der BVV Mitte für Grünflächen in einer Pressemitteilung der SPD. Der klamme Bezirk Berlin-Mitte ist zwar immer noch nicht flüssig, aber wenigstens spüren die Kleinen das nicht mehr beim Planschen…

Planschen im Wedding:

Schillerpark: Bristol- Ecke Dubliner Straße

Goethepark: Dohnagestell Ecke Transvaalstraße

“StandortGemeinschaft Müllerstraße”: Wirtschaftliche Interessen bündeln

Müllerstraße von oben

In diesen Tagen wird von Freiberuflern, Künstlern und Gewerbetreibenden der Verein „StandortGemeinschaft Müllerstraße“ gegründet. Bei einer Abendveranstaltung in der Galerie Wedding am 31. Januar stellen sich der gewählte Vorstand und die Gründungsmitglieder vor. Zweck des Vereins ist die Belebung und Stärkung des Kultur- und Wirtschaftsraums Müllerstraße.

Permanenter Wechsel in der Müllerstraße
Permanenter Wechsel in der Müllerstraße

Mit der Vereinsgründung kommt das Geschäftsstraßenmanagement Müllerstraße dem etwas näher, wofür es eingerichtet worden ist, nämlich sich eines Tages selbst überflüssig zu machen. So fungierte es in der Zwischenzeit als Koordinationsstelle, brachte die Gewerbetreibenden und Freiberufler zusammen, lädt zum Händlerfrühstück ein und gab bislang zwei Einkaufsführer unter dem Namen „Müller-Tipp“ heraus. Dies alles soll nun die neue Standortgemeinschaft übernehmen, die in wenigen Tagen gegründet wird. Dabei hat das Geschäftsstraßenmanagement an der Müllerstraße durchaus zur Eile gemahnt. Eine der Initiatorinnen der StandortGemeinschaft, die Steuerberaterin Dr. Dorothee Böttges-Papendorf, betonte im Interview mit der Zeitung Ecke Müllerstraße (1/2013), weshalb es jetzt schnell gehen musste: “”Sicher überschneiden sich die Aufgaben und natürlich ist auch geplant, intensiv zusammen zu arbeiten. Aber das Geschäftsstraßenmanagement ist ja nur als zeitweise Einrichtung vorgesehen. Wir brauchen in der Müllerstraße aber selbsttragende Strukturen, die auch noch Bestand haben sollen, wenn das Geschäftsstraßenmanagement nicht mehr durch das Aktive Zentrum finanziert werden wird.”

Einen Verein zu gründen ist das Eine – ihn zielorientiert zu leiten das Andere. Es hat sich außerdem in den letzten Jahren gezeigt, dass die Aufgabe, die da zu bewältigen ist, von den Beteiligten anfangs unterschätzt wurde. Die Vielzahl der Akteure und die große Inhomogenität, nicht nur aufgrund der unterschiedlichen Berufsgruppen, Generationen und kulturellen Hintergründe, stellt eine Herausforderung dar.

Nun kann man darüber traurig sein, dass das Preisgeld für die Bewerbung bei der Zentrumsinitiative „Mitten Drin“ nicht an die Müllerstraße ging. Es ist aber durchaus als Erfolg zu werten, aus 18 Bewerbern unter die ersten acht und damit in die Nominierungsphase gekommen zu sein. Zum Anderen ist hervorzuheben, dass die Bewerbung nicht aus phantasievollen Utopien bestand, sondern aus handfesten Bausteinen, die zu einem großen Teil auch ohne große Förderung umsetzbar sind. In diesem Sinne ist das Geschäftsstraßenmanagement auch zu loben, das den Akteuren nicht mit Luftschlössern, sondern mit sehr konkreten Tipps und Werkzeugen zu Seite stand und stehen wird. Denn die nächsten Jahre wird die StandortGemeinschaft Aufbauarbeit leisten und das wird zunächst bedeuten, Andere dazu zu bewegen, sich zu engagieren.

Zu den bürgerschaftlichen Gremien gesellt sich nun ein gewerbliches

Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

Die Gründung dieser Gemeinschaft ist aber vor allem Ausdruck einer positiven Entwicklung, die sich in der Müllerstraße vollzieht. Sie ist ein Zeichen für den sich fortsetzenden Aufbau handlungsfähiger Institutionen, wie sie in der Stadtteilvertretung und dem Runden Tisch Leopoldplatz schon einen Ausdruck gefunden hat. Die neue Standortgemeinschaft kann jetzt auch die wirtschaftlichen Interessen der Müllerstraßen-Anlieger gegenüber der Verwaltung gebündelt wahrnehmen. Damit wird sie mit einer Bürgerinitiative nicht zu verwechseln sein. Dieser Aufgabe wird in anderen Gremien ja bereits erfolgreich nachgegangen. Von der Standortgemeinschaft sollte einen Aspekt – der u.a. die Grundlage der Initiative Aktive Zentren darstellt –in den Vordergrund treten lassen, nämlich die dringend notwendige Stärkung der Müllerstraße als einer Geschäftsstraße und eines Wirtschaftsstandorts.

Der Weddingweiser wünscht der StandortGemeinschaft viel Erfolg.

Gründungsveranstaltung

31.Januar, 18:30 Uhr, Galerie Wedding, Müllerstr. 146/147, 13353 Berlin

Der wilde Wedding – Vorteil oder Vorurteil?

Der Ortsteil Wedding hat bekanntlich einen sehr schlechten Ruf und wird vereinzelt sogar als Ghetto bezeichnet. Dafür spricht sicherlich die Tatsache, dass der Wedding in Hinblick auf den Bezug von Arbeitslosengeld deutschlandweit zu den Spitzenreitern gehört. Auch liegt der Anteil der Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, an manchen Schulen bei über 90%. Doch das ist nur die eine Seite.

BillardWas steht auf der Positiv-Seite? Niedrige Mietkosten für schöne Wohnungen in City-Nähe, viele Grünflächen, die von Familien dazu genutzt werden, die Nachmittage draußen zu verbringen und jede Menge Spielplätze, dazu Bars, die man nie als Fremder verlässt und in denen man noch kostenlos Kickern oder Billard spielen kann. Ein kleiner Fluss mit dem Namen Panke, der mit den umliegenden Grünfächen eine Heimat für Fischreiher, Füchse und andere Tiere bietet. Multikulturelle Vielfalt, welche sich nicht nur in den Gesichtern der Menschen widerspiegelt, sondern auch im kulinarischen Angebot. Künstler, die ihre Kunst noch kostenlos anbieten und in der Vielfalt die Inspiration suchen. Das sind wohl die Gründe, wegen denen manch einer sehr gerne im Wedding lebt, obgleich die meisten beim Einzug in diesen Bezirk kaum wissen, was sie außerdem erwartet.

Nicht für jeden das Richtige

Nachts im WeddingNatürlich sind Hundekot, soziale Probleme und auch der teilweise achtlose Umgang mit schönen alten Immobilien schon beim Vorbeigehen nicht zu übersehen. Auch ist der Wedding nicht für jeden etwas. Wer mit halb eingezogenem Kopf, seine Handtasche festkrallend, durch die Straßen rennt, zeigt jedem der es wissen will: ich habe Angst, ich werde dir nicht widersprechen und habe etwas in meiner Handtasche, das es wert wäre mich zu überfallen. Ein Individualist mit einer starken Persönlichkeit hingegen wird (wenn er nicht gerade Streit sucht) in der Regel sehr gerne gesehen und in den meisten Geschäften – wenn auch oft in gebrochenem Deutsch- sehr herzlich empfangen.

Angst vor etwas ganz Anderem

Straßenszene im Wedding (Foto: Soldiner Kiez Kurier)Doch warum schockiert man die Leute, wenn man ihnen erzählt, dass man gerne im Wedding lebt? Die Menschen, die den Wedding nur oberflächlich kennen, sollten wissen, welchen Charme der Ortsteil neben den reinen Tatsachen und oberflächlichen Eindrücken entfalten kann. Wollen Großstädter denn, dass die Straßen nachts wie ausgestorben sind, damit sie sich sicherer fühlen? In Gesprächen mit einigen langjährigen Bewohnern zeigt sich: die Angst, nachts überfallen zu werden, ist nicht so groß. Statt dessen befürchten viele, dass der Ortsteil durch Gentrifizierung zum Szenebezirk werden könnte und dadurch die Mietpreise weiter steigen. Tatsächlich haben viele Weddinger den Eindruck, dass die Nachbarschaftsverhältnisse klarer sind als in anderen Bezirken und auch der türkische Gemüsehändler freundlicher ist als die deutsche Verkäuferin im Supermarkt.

Bezirke wie Prenzlauer Berg sind mittlerweile vieles, aber nicht mehr das, wodurch sie zu dem wurden, was sie einmal waren: ein Geheimtipp für Menschen, die etwas anderes suchen als die breite Masse. Die es sich leisten können, die Ruhe und die Anonymität der Großstadt zu suchen und zu finden.

Ganz allgemein gilt: dieser Ortsteil taugt nicht für Pauschalisierungen. Der Eindruck, den der Wedding hinterlässt, ist nämlich genauso vielfältig ist wie seine Bewohner. Vielleicht sind also die Negativschlagzeilen und Vorurteile dem Wedding gegenüber in gewisser Hinsicht ein Schutzwall, um die genannten Positivbeispiele, welche den Wedding für viele Bewohner so liebenswert machen, zu erhalten.

Autorin / Fotos: Serena Trommer