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Crêpes, Waffeln, Eis, Brot… :
Speisekammer: Im Herzen des Soldiner Kiezes

Für selbstgemachtes Eis, Brot und Kaffeespezialitäten ist die Prinzenallee eher weniger bekannt. Umso schöner, dass Robert Zückmantel und sein Team mit ihrer „Speisekammer“ einen unaufgeregten kleinen Imbisswagen auf dem Vorplatz vor der Stephanuskirche im Soldiner Kiez betreiben.

Der “Dorfplatz” hat einen Treffpunkt

Als ich recht früh am Mor­gen vor dem impo­san­ten Turm der Ste­pha­nu­s­kir­che im Sol­di­ner Kiez ankom­me, ist Mario Frei­herr schon umtrie­big in der „Spei­se­kam­mer“ am Wer­keln. „Ich habe noch eini­ges bis heu­te Abend vor­zu­be­rei­ten“, denn am Abend steigt ist eine Wahl­ver­an­stal­tung vor der Kir­che. Mario hat sich bereit erklärt, für das leib­li­che Wohl zu sor­gen. Bevor wir uns im klei­nen Gar­ten, der direkt an und hin­ter den Wagen angrenzt, set­zen, macht uns Mario noch schnell zwei Milch­kaf­fee, den es auch mit Hafer­milch gibt.

Speisekammer Mario Freiherr

Eröff­net hat Mario die „Spei­se­kam­mer“ im April 2019. Vie­le Jah­re galt der klei­ne Vor­platz, der von den Kiezbewohner*innen auch lie­be­voll Dorf­platz genannt wird, als einer der kon­flikt­träch­tigs­ten und dre­ckigs­ten Ecken im Gesund­brun­nen. Als ille­ga­ler Müll­ab­la­de­platz (das Müll­mu­se­um hat nicht zufäl­lig sei­ne Räum­lich­kei­ten im Sei­ten­trakt der Kir­che auf­ge­schla­gen), als Auto­ab­stell­platz, gar als „öffent­li­che Toi­let­te“ wur­de der Platz vor der Kir­che genutzt. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren gab es immer mal wie­der Ver­su­che sei­tens des QMs Sol­di­ner Kiez sowie durch Anwohner:innen-Initiativen, das zu ändern. So rich­tig Erfolg zeig­ten die­se Bemü­hun­gen bis dato aber nicht. Umso erstaun­li­cher, dass es Mario trotz der lär­men­den Prin­zen­al­lee in weni­gen Mona­ten gelun­gen ist, den Vor­platz in eine klei­ne Oase zu ver­wan­deln, die zum Ver­wei­len ein­lädt. Auch für Mario ist es „hier ein biss­chen wie auf dem Dorf“, schließ­lich kämen hier alle doch irgend­wann mal vor­bei und damit meint Mario, wie er deut­lich betont: „Alle!“. Denn der Dis­coun­ter Pen­ny, der Zei­tungs-und Tabak­wa­ren­la­den, die Kiezapo­the­ke „Hein­rich Zil­le“ und die Bus­hal­te­stel­le der legen­dä­ren Wed­ding-Linie M 27 lie­gen in Mari­os täg­li­chem Blickfeld.

Blick an einem Kirchturm hoch in den blauen Himmel
Foto: Wed­ding­wei­ser

Auch die Nach­bar­schaft hat sich ver­än­dert. So sei es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren doch bemerk­bar „Pren­zel­berg-sty­li­scher“ gewor­den, meint Mario. Erfreut zeigt er sich aber vor allem dar­über, dass auch deut­lich zuneh­mend die alt­ein­ge­ses­se­ne Nach­bar­schaft sich ger­ne mal ein Eis vor Ort gön­ne. Die Men­schen erle­be er hier als sehr offen und freund­lich, aber natür­lich wür­de es auch immer ein paar Spiel­ver­der­ber geben, sagt Mario und schaut viel­sa­gend. Im Novem­ber 2019 war das etwa die Denk­mal­schutz­be­hör­de des Bezir­kes. Die­se war der Mei­nung, dass die Spei­se­kam­mer die Sicht auf den fast 80 Meter hohen Kirch­turm mas­siv beein­träch­ti­ge. Nach öffent­li­chen Pro­tes­ten und einem offe­nen Appell des Quar­tiers­ra­tes an den bezirk­li­chen Denk­mal­schutz hat das Amt „Gna­de vor Bau­denk­mal“ wal­ten las­sen. In den kom­men­den Jah­ren steht sowie­so erst ein­mal die seit lan­gem über­fäl­li­ge Sanie­rung der Kir­che an. Solan­ge hat die Spei­se­kam­mer vor­läu­fig Ruhe. „Danach“, so Mario, „müs­se man wei­ter schau­en“. Auch die ehe­ma­li­ge Pfar­re­rin, Vero­ni­ka Kröt­ke, unter­stüt­ze die Spei­se­kam­mer öffent­lich und befand, dass Platz durch die Spei­se­kam­mer deut­lich gewönne.

Im Sommer Eis, im Winter Waffeln

Kinder bestellen etwas in der Speisekammer

Nicht sel­ten lan­det man etwa Frei­tag nach­mit­tags mit sei­nem Eis vor der „Spei­se­kam­mer“, kommt dort mit den Leu­ten auf dem Platz ins Gespräch und wirft auch mal einen Blick in das Kir­chen­in­ne­re mit sei­ner neo­go­ti­schen Back­stein­ar­chi­tek­tur. Über­haupt klap­pe die Zusam­men­ar­beit mit der Kir­chen­ge­mein­de “An der Pan­ke” recht gut, etwa bei der Nut­zung des Gar­tens für Ver­an­stal­tun­gen hin­ter der Kir­che oder etwa bei der Ver­an­stal­tung „Orgel mit Biss“. Auf Grund von Coro­na gibt es jetzt eben Eis zur Orgel­mu­sik“. Denn Eis spielt eine ganz zen­tra­le Rol­le für die Spei­se­kam­mer: Das Eis wird tages­frisch in der Eis­ma­schi­ne her­ge­stellt. Neben klas­si­schem Milch­eis gibt es zahl­rei­che Sor­bet-Sor­ten. Die Zuta­ten bezieht Mario über­wie­gend von regio­na­len Bio­land­wir­ten. Wer ein­mal das sel­te­ne Glück hat­te, die Sor­te „Land­gur­ke“ schle­cken zu dür­fen, der merkt sofort, dass Mari­os Eis pri­ma ohne Kris­tall­zu­cker, Geschmack­ver­stär­ker, sämt­li­chen E‑oder ähn­li­chen Zusatz­stof­fen aus­kommt. Eis­spe­zia­li­tä­ten wür­de es wie­der bis Weih­nach­ten geben und das natür­lich mit den super­le­cke­ren Weih­nachts­eis­sor­ten wie zum Bei­spiel Zimtspekulatius.

Zu Weih­nach­ten wird die Spei­se­kam­mer auch ger­ne von Mario fest­lich deko­riert. Wäh­rend der kal­ten Jah­res­zeit bie­tet die Spei­se­kam­mer Crê­pes und bel­gi­sche Waf­feln an. Kaf­fee­spe­zia­li­tä­ten gibt es in der Spei­se­kam­mer dage­gen das gan­ze Jahr. Im Som­mer natür­lich auch einen per­fek­ten Eis­kaf­fee zur Abküh­lung. Auch wer schnell ein­mal ein fri­sches Brot braucht, wird bei der Spei­se­kam­mer fün­dig. Mario bie­tet jeden Tag ver­schie­de­ne frisch geba­cke­ne Voll­korn­bio­bro­te der Ber­li­ner ufaFa­brik an.

Wer also schon ein­mal an der Spei­se­kam­mer vor­bei­ge­kom­men ist – und das dürf­ten zumin­dest im Sol­di­ner Kiez alle gewe­sen sein – soll­te auf jeden Fall einen Zwi­schen­stopp ein­le­gen und einen klei­nen Plausch mit Mario füh­ren. Denn dafür ist, solan­ge die Schlan­ge nicht all­zu lang ist, bei Mario immer Zeit.

Text/Fotos: Micha­el Stamm

Spei­se­kam­mer

Prin­zen­al­lee 39/40,13359 Ber­lin (Auf dem Vor­platz vor der Stephanuskirche)

Mo/Di, Do-Sa. 14 – 20 Uhr, So. 14.00 – 18.00 Uhr

Gastautor

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