Drei Frauen kämpfen um den Wahlkreis 7 – Maja Lasic im Interview

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Wird es eng? Zumindest wenn man die Linien der Erststimmen-Ergebnisse der letzten Jahre verlängert. - Grafik Andrei Schnell.
Wird es eng? Zumin­dest wenn man die Lini­en der Erst­stim­men-Ergeb­nis­se der letz­ten Jah­re ver­län­gert. – Gra­fik And­rei Schnell.

In Mit­tes Wahl­kreis 7, der aus dem Brun­nen­vier­tel und dem Spren­gel­kiez besteht, tre­ten drei Frau­en gegen­ein­an­der an. Die drei haben gute Aus­sich­ten, im Sep­tem­ber mit den Erst­stim­men ins Abge­ord­ne­ten­haus ein­zu­zie­hen. Neben­ste­hen­de Gra­fik zeigt eine Pro­gno­se auf Basis der gewon­ne­nen Erst­stim­men ver­gan­ge­ner Wah­len. Im Inter­view stel­len sich die drei Kan­di­da­tin­nen vor: Maja Lasić, Katha­ri­na Becker (CDU) und Jen­ny Neu­bert (Grü­ne).

Maja Lasić (SPD) im Vorgespräch

Maja Lasić, die Direkt­kan­di­da­tin der SPD im Wahl­kreis 7, schlägt für das Tref­fen mit dem Wed­ding­wei­ser das Sweet House am obe­ren Ende der Brun­nen­stra­ße vor. Das Vor­ge­spräch zeigt, dass für die pro­mo­vier­te Bio­lo­gin Maja Lasić poli­ti­sche Fra­gen dazu da sind, um über sie zu dis­ku­tie­ren. Ihren eige­nen Kopf hat sie nicht bei der Par­tei abge­ge­ben. Und sie hat offen­kun­dig auch Spaß dar­an, über Poli­tik ins Gespräch zu kom­men – so wie ande­re viel­leicht Spaß dar­an haben, ein Fuß­ball­spiel zu ana­ly­sie­ren. Es ist ihr (und der poli­ti­schen Öffent­lich­keit) zu wün­schen, dass sie aus die­ser Ein­stel­lung ein poli­ti­sches Pro­fil mün­zen kann.

Interview mit Maja Lasić

Direktkandidatin Maja Lasić (SPD). Foto Andrei Schnell
Direkt­kan­di­da­tin Maja Lasić (SPD). Foto And­rei Schnell

Wed­ding­wei­ser: Die Qui­noa-Schu­le sucht benach­tei­lig­te Schü­ler. Die Gus­tav-Fal­ke-Grund­schu­le will Kin­der bil­dungs­be­wuss­ter Eltern anlo­cken. Wel­che Schu­le tickt falsch?

Maja Lasić: Kei­ne, in bei­den Fäl­len wol­len die Schu­len ihren Schü­lern die bes­te Schu­le anbie­ten. Es gibt da kei­ne Patent­lö­sung. An die Gus­tav-Fal­ke-Grund­schu­le kom­men die Kin­der, die gut Deutsch spre­chen und ver­ste­hen, in die soge­nann­ten Nawi-Klas­sen. Dadurch wird die Schu­le auch für bil­dungs­be­wuss­te Eltern inter­es­sant. So erreicht die Gus­tav-Fal­ke-Schu­le wie­der eine gut gemisch­te Schü­ler­schaft. Ich bin über­zeugt, dass das Kon­zept für die­sen Stand­ort das rich­ti­ge ist. Qui­noa wie­der­um wid­met sich aktu­ell gezielt benach­tei­li­gen Schü­lern und ent­wi­ckelt im klei­nen Rah­men groß­ar­ti­ge Kon­zep­te. Bei­de haben die ein­zel­nen Schü­ler fest im Blick, bei­de Schu­len tra­gen einen ent­schei­den­den Bei­trag für unse­ren Stadt­teil. Grund­sätz­lich gesagt: Ich bin über­zeugt, und Stu­di­en bele­gen es auch, dass Schü­ler an hete­ro­ge­nen Schu­len bes­ser geför­dert wer­den. Daher ist neben dem Ein­satz für qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ges, schü­le­roi­en­tier­tes Arbei­ten auch wich­tig, Schu­len wie die Gus­tav-Fal­ke zu stär­ken, die Anrei­ze schaf­fen, um für alle Fami­li­en attrak­tiv zu bleiben.

Wed­ding­wei­ser: Sie selbst haben als Fel­low von Teach-First in einer Wed­din­ger Schu­le unter­rich­tet. Soll­te Teach First ver­bind­lich sein?

Maja Lasić: Nein, nicht per Gesetz. Bei Teach First gehen jun­ge, erfolg­rei­che Uniab­sol­ven­ten bewusst an Brenn­punkt-Schu­len. Die­se soge­nann­ten Fel­lows brin­gen dann wert­vol­les Know-how in die Schu­len. Bei mir stan­den z.B. fast in jeder Bio- und Che­mie­stun­de Expe­ri­men­te an – mei­ne Schü­ler Schü­ler haben davon stark pro­fi­tiert. Aber es ist klar, dass jede ein­zel­ne Schu­le für sich ent­schei­den muss, ob Teach First für sie pas­send ist.

Wed­ding­wei­ser: Um einen Kita­platz zu bekom­men, erhal­ten Eltern ein­fach einen Gut­schein, es gibt kei­ne Len­kung. Wäre das auch ein Modell für Grundschulen?

Maja Lasić: Nein, das wäre nicht gut. Die voll­kom­men freie Schul­wahl wür­de die Ent­mi­schung, Fach­leu­te spre­chen von Segre­ga­ti­on, deut­lich ver­schär­fen. Das Prin­zip Wohn­ort­schu­le wür­de ver­lie­ren und das Gefühl des Abge­häng­tseins sich ver­stär­ken. Und: Ja, auf Senats­ebe­ne muss etwas gelöst wer­den. Bei Schu­len, die nicht vor­an­kom­men, muss über per­so­nel­le Kon­se­quen­zen nach­ge­dacht wer­den. Eine wei­te­re Auf­ga­be der Senats­ebe­ne ist es, die Benach­tei­li­gung der Grund­schu­len zu been­den, zum Bei­spiel bei den Funk­ti­ons­stel­len wie dem Sekre­ta­ri­at oder bei der Attrak­ti­vi­tät des Berufs Grundschullehrer.

Wed­ding­wei­ser: Ist es eigent­lich okay, wenn Leh­rer streiken?

Maja Lasić: Ich bin eine Befür­wor­te­rin des Prin­zips Anstel­lungs-Leh­rer. Es soll­te kei­ne Rück­kehr zu Leh­rer­be­am­ten geben. Natür­lich dür­fen Leh­rer dann auch strei­ken, das ist ihr gutes Recht. Ich bin aber opti­mis­tisch, dass man im Gespräch mit der Gewerk­schaft, in die­sem Fall der GEW, zu dem Schluss kommt, dass z.B: Streiks in der Prü­fungs­zeit kei­ne gute Lösung sind.

Schlußbemerkung

Im Wahl­kreis 7 (Brun­nen­vier­tel und Spren­gel­kiez) kämp­fen drei Frau­en um das Direkt­man­dat. Der Wed­ding­wei­ser hat mit ihnen gespro­chen. Hier geht es zum Inter­view mit Maja Lasic (SPD), Katha­ri­na Becker (CDU) und Jen­ny Neu­bert (Grü­ne).

Inter­view, Gra­fik und Foto: And­rei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

8 Comments

  1. Lie­ber Andrei,
    Pro­gno­sen haben ange­sichts der immer bes­ser wer­den­den Algo­rith­men weni­ger den Hauch von Kaffeesatzlesen.
    Ein­fach die Kur­ven ver­län­gern ist tat­säch­lich Kaffeesatzlesen 🙂
    Du ver­gißt lei­der die AfD z.B.

    • Lie­ber Moritz, ich bin nicht so opti­mis­tisch, was die Algo­rith­men angeht. Gera­de bei knap­pen Ent­schei­dun­gen ver­traue zumin­dest ich ihnen nicht. / Dass die AfD bei den Erst­stim­men, wo es um den Direkt­kan­di­da­ten geht, wirk­lich mit­spielt, ver­mu­te ich nicht. / Aber Du hast recht, Usus ist es, die Mei­nungs­um­fra­gen ernst zu neh­men; wer davon abweicht, muss das erklären.

    • Pro­gno­sen haben mit Kaf­fee­satz­le­sen gemein­sam, dass sie von der Zukunft han­deln, die nie­mand kennt. Sonst wäre es nicht reiz­voll über sie spe­ku­lie­ren. Im Arti­kel wur­den die Lini­en, die sich erge­ben, wenn man die Wahl­er­geb­nis­se der letz­ten zwei Abge­ord­ne­ten­haus­wah­len in ein Koor­di­na­ten­sys­tem ein­trägt, ein­fach ver­län­gert. Hät­te ich erklä­ren müs­sen – dan­ke für die Anmerkung.

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