Drei Frauen kämpfen um den Wahlkreis 7 – Jenny Neubert im Interview

Wird es eng? Zumindest wenn man die Linien der Erststimmen-Ergebnisse der letzten Jahre verlängert. - Grafik Andrei Schnell.
Wird es eng? Zumindest wenn man die Linien der Erststimmen-Ergebnisse der letzten Jahre verlängert. – Grafik Andrei Schnell.

In Mittes Wahlkreis 7, der aus dem Brunnenviertel und dem Sprengelkiez besteht, treten drei Frauen gegeneinander an. Die drei haben gute Aussichten, im September mit den Erststimmen ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Nebenstehende Grafik zeigt eine Prognose auf Basis der gewonnenen Erststimmen vergangener Wahlen. Im Interview stellen sich die drei Kandidatinnen vor: Maja Lasic (SPD), Katharina Becker (CDU) und Jenny Neubert (Grüne).

Jenny Neubert im Vorgespräch

Jenny Neubert, die Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis 7, trifft sich mit dem Weddingweiser im Humboldthain. Die veranschlagte knappe Stunde für das Gespräch nutzt sie auch, um ihren Hund auszuführen. Sie redet viel, weil es viel zu sagen gibt. Vieles, was mit Schule zu tun hat, lässt sich nicht leicht in Formulierungen bringen, die plastisch sind. Es kommt rüber, dass sie das Schulleben als Lehrerin von innen und gleichzeitig von außen aus Sicht der Politik kennt (seit 2011 ist sie für die Grünen im Bezirksparlament, der so genannten Bezirksverordnetenversammlung).

Direktkandidatin Jenny Neubert (Grüne). Foto: Andrei Schnell
Direktkandidatin Jenny Neubert (Grüne). Foto: Andrei Schnell

Interview mit Jenny Neubert

Weddingweiser: Was ist gute Schulpolitik?

Jenny Neubert: Wir Grünen haben da konkrete Vorstellungen. Beim Bonusprogramm will ich, dass etwa 10% der Gelder in einen Schülerhaushalt und in die Arbeit der Elternvertretung fließen, denn auch sie sind Akteure einer Schule. Beim Thema Personal braucht Berlin klar mehr Lehrer, aber nicht irgendwelche, sondern gut ausgebildete und offene Personen, die gern im Team arbeiten und Vielfalt leben können. Ich habe 2010 in Istanbul studiert und Syrien bereist: das hilft mir heute sehr.  Durch passende Hochschulrahmenverträge sollen die Unis genügend zweckgebundene Mittel für die Lehrerausbildung erhalten. Das wirkt sich aber erst in fünf Jahren aus. Zusätzlich brauchen wir einen Master für Quereinsteiger und wir brauchen Lehramtsstudierende, die zum dringend benötigten Grundschullehramt umsatteln wollen. Das könnte Berlin schneller, das heißt, innerhalb von zwei Jahren, zu neuen Lehrern verhelfen. Außerdem müssen erfahrene Lehrer entlastet werden, wenn sie einen Quereinsteiger betreuen.

Weddingweiser: Sie sind seit 2011 in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Bezirk Mitte. Was haben sie dort im  Schulausschuss erreicht?

Jenny Neubert: Um in der Bildungspolitik wirklich etwas zu erreichen, ist es der beste Weg, erst einmal im Bezirk in der BVV aktiv gewesen zu sein. Da sammelt man Erfahrungen und verankert sich im Kiez. Schließlich ist die Schulpolitik in Berlin Zuständigkeit des Bezirks und des Landes.
Im Schulausschuss konnten wir zum Beispiel erreichen, dass es nicht zu Schulschließungen kam. Stadträtin Sabine Smentek wollte die Max-Planck-Schule schließen. Dagegen haben wir uns gewehrt. Jetzt ist die Stadträtin froh, dass die Schule nicht geschlossen wurde. Ich persönlich habe beim Thema Schultoiletten eine Umfrage unter allen Schulen gestartet. Da gab es sofort Antworten. Diese haben dann zu einer Prioritätenliste geführt. Auch sichere Schulwege waren ein wichtiges Thema im Bezirk. Zum Beispiel bei der Heinrich-Seidel-Grundschule im Brunnenviertel ist es aufgrund meiner Anstrengungen zu einem Beschluss der BVV gekommen. Die BVV fordert dort unter anderem breitere Radwege und einen Zebrastreifen für mehr Verkehrssicherheit. Außerdem haben wir in den Schulentwicklungsplan die Willkommensklassen hineingebracht und Sommerferien-Sprachkurse für Geflüchtete beantragt.

Weddingweiser: Berliner Schulen sollen die Inklusion schaffen, also Schüler mit Behinderungen mitunterrichten. Kann das gelingen?

Jenny Neubert: Ich selbst unterrichte an einer von sechs inklusiven Schwerpunktschulen in Berlin, die vor 15 Jahren mit Inklusion begonnen hat. Inklusion funktioniert, aber nicht durch Zwang von heute auf morgen! Wir stehen bei diesem Thema noch am Anfang. Ich erlebe vor allem das Problem, dass am Ende der Schulzeit Schluss ist mit Inklusion. Hier muss sich der Senat künftig stärker engagieren.

Schlußbemerkung

Im Wahlkreis 7 (Brunnenviertel und Sprengelkiez) kämpfen drei Frauen um das Direktmandat. Der Weddingweiser hat mit ihnen gesprochen. Hier geht es zum Interview mit Maja Lasic (SPD), Katharina Becker (CDU) und Jenny Neubert (Grüne).

Interview, Grafik und Foto: Andrei Schnell

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