Der Wedding in Zeiten von Corona (13. Woche)

Für manche, die den Wedding nur aus der Ferne be- oder (noch lieber) verurteilen, war ein Gang durch unseren quirlig-bunten Stadtteil, in dem sich Sprachfetzen aus aller Herren Länder mit einem allgemeinen Gefühl von entspanntem Schlendrian vermischen, schon der reinste Horrortrip. Nun, in Zeiten von Corona, wirken die relativ leeren Straßen, geschlossenen Geschäfte und deutlich weniger Passanten auf den Gehwegen endgültig wie eine Szenerie aus einem Science-Fiction-Film. Wer hätte einen so ruhigen Wedding noch vor 4 Wochen für möglich gehalten? Dabei schaut ganz Deutschland täglich in unseren Teil der Stadt. Schließlich befindet sich das Robert-Koch-Institut bei uns am Nordufer, von wo aus über die Nachrichtenkanäle täglich neue Zahlen vermeldet werden. Und dazu auch eine Risiko-Einschätzung, auf der die momentan so gravierenden politischen Entscheidungen basieren.

Viel passiert, auch wenn alle zu Hause bleiben

Hilfen in Zeiten von CoronaDas Corona-Lagezentrum von Mitte befindet sich im Wedding – im Rathaus am Leopoldplatz. Ziel: finden und isolieren von Infizierten und Kontaktpersonen im Bezirk Mitte, Schutzausrüstung bestellen und Anrufe von Bürgern entgegennehmen. Mehr im Tagesspiegel

Kulturtreibende wie die beiden Kinos, prime-time– und Atze Musiktheater, Lesebühnen und Musiker:innen müssen jetzt ganz tapfer sein. Der ganze Kulturbetrieb liegt lahm, und kein Mensch weiß, ob das kulturelle Leben in dieser Stadt wieder auf die Beine kommt, wenn das alles hier vorbei ist. Da helfen auch keine Livestreams des RBB aus Theatern und Opern mehr, sondern da ist der Staat gefordert. Hier gibt es seit gestern Infos zu Hilfen.

So schreibt das City Kino an seine Partner: „Wir hoffen, es geht Euch allen den Umstände entsprechend gut und Ihr verkraftet sowohl die viele Zeit zu Hause als auch die dramatischen Nachrichten aus unseren Nachbarländern. Wir haben doch ziemlich zu knapsen hier in der „Quarantäne“, denn, wie es ein Kinokollege kürzlich formulierte, unsere Tätigkeit ist wirklich weggebrochen. Wir können uns nun natürlich lustige Ideen ausdenken, wie weiter mit unseren Gästen über soziale Medien in Kontakt bleiben, aber unsere Kerntätigkeit ist es eben, ein Kinoprogramm zu gestalten und die Türen zu öffnen. Das ist es natürlich auch, womit wir unser Geld verdienen und das ist gerade nicht möglich. Natürlich kümmern wir uns nun auch um Förderungen, die verschiedenen Hilfspakete, Zuschüsse, aber da ist noch viel Work-in-Progress, was angesichts der Schnelligkeit, in der all das passieren muss, natürlich verständlich ist. … Wir sind im Kern zuversichtlich, wir wollen weitermachen, wir wissen, dass wir Ideen haben werden und wir wissen, dass unsere Leidenschaft das Kino ist und nichts anderes. Drücken wir also alle die Daumen, dass wir diese schwere Krise gut überstehen, gesund und munter. Habt es gut und bleibt gesund! PS: Wenn Ihr jemanden habt, der/die auf der Suche nach Geschenkmöglichkeiten ist: mit dem Gutscheinverkauf unterstützt Ihr uns nach wie vor sehr!“

Bingoscheine auf einem Tisch
Foto: Andaras Hahn

Der Autor dieses Absatzes veranstaltet normalerweise 1 mal im Monat Bingo im Mastul. Das fällt logischerweise aus. Nächsten Mittwoch soll es dafür ein kleines Charity-Bingo per Livestream geben. Die Lose kosten dieses Mal nix, es kann aber während der Ziehung gespendet werden und man kann Gutscheine für Weddinger Institutionen gewinnen.
Wie? Erst einmal eine Mail an bingo@weddingweiser.de schreiben und euer Bingolos anfordern. Wahrscheinlich werden es 2 Runden werden. Die restlichen Infos folgen dann. Zugeschaut werden muss aber definitiv am 1. April um 19:30 per Livestream. Link und Co folgen.

Wir haben jetzt die Möglichkeit, für viele Einrichtungen Gutscheine zu kaufen, im Vertrauen darauf, sie später einlösen zu können. Dazu empfehlen wir die Plattform helfen.berlin. Wir können außerdem für Livestreams spenden (wie bei den Brauseboys).

Bei unseren Lieblingscafés und Restaurants, die jetzt noch offen haben, können wir bestellen und an der Tür abholen. Viele bauen derzeit einen Lieferdienst auf, wenn sie sich nicht schon einem Anbieter angeschlossen haben. Wir haben eine Liste angelegt, um einen groben Überblick über Take-aways im Wedding zu bekommen, aber brauchen dringend eure Infos!

Auch wichtig in Zeiten von Corona

Nicht nur in Zeiten von Corona fällt es besonders der politisch leisen und dennoch allgegenwärtigen Vielzahl an Obdachlosen schwer, sich Gehör zu verschaffen. In den letzten Tagen entstanden in ganz Berlin sogenannte Gabenzäune für Obdachlose. An Ihnen können Passanten nicht nur Essenspakete aufhängen, sondern vor allem auch Hygieneartikel. Sei es Desinfektionsspray oder beispielsweise Artikel für Frauen. Die Gabenzäune des Wedding haben wir hier vorgestellt.

Das Himmelbeet bekommt einen Ableger, das ElisaBeet. Wo, ab wann und was darauf so wachsen wird, steht hier.

Unsere Veranstaltungs- und Kulturredakteure sitzen zu Hause, statt im Wedding unterwegs zu sein. Kein Problem! Sie haben auf die Schnelle eine Fortsetzungsgeschichte mit (vorerst) 11 Folgen geschrieben, die unter dem Namen „Müller 42“ dienstags und freitags veröffentlicht werden. Wir hoffen, euch gefällt es! Gerne könnt ihr die Autoren kontaktieren und Feedback geben.

Wir haben was gegen Vereinsamung. Und deswegen geben wir euch die Möglichkeit, Videokonferenzen abzuhalten. Kostenlos und wirklich einfach, wir haben es ausprobiert und finden es großartig. So funktioniert es.

Bleibt gesund!


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