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Älter als Groß-Berlin: Bootsverleih Fischerpinte am Plötzensee darf nicht verschwinden!

14. Juni 2022
Block vom Plötzensee auf die Fischerpinte

„Es ist mir scheiß­egal, wer die­sen Ort hier über­nimmt, aber er soll blei­ben“ sagt Vio­la, Stamm­gäs­tin der Fischer­pin­te am Plöt­zen­see. Die Boo­te schau­keln bedäch­tig auf dem Was­ser. „Sie hören Schla­ger­ra­dio Ber­lin-Bran­den­burg – auf 106 Mega­hertz“, flüs­tert es aus dem Radio. „Die Wie­ner sind fer­tig!“ ruft Mit­ar­bei­te­rin Anja über den Steg. „Ein Bier und eine Brau­se bit­te.“ „Ein Ruder­boot für zwei.“ Die Son­ne scheint auf die Gäs­te des Boots­ver­leih. Hier ist die Welt in Ord­nung. Noch.

Wie beschreibt man am bes­ten einen Ort im Wed­ding, den ein Teil der Wed­din­ger sehr gut kennt, ein Teil über­haupt nicht und bei dem der Rest der Leser und Lese­rin­nen unsi­cher ant­wor­ten wird: “Ach, da unten, wo es die Boo­te gibt, oder?“ Ein Ort, der nicht heu­te vor dem Aus steht, aber in drei, fünf oder zehn Jah­ren. Oder mor­gen.
Und viel­leicht beschreibt das die­ses unauf­ge­reg­te Plätz­chen im Wed­ding am bes­ten. So unauf­ge­regt und lei­se wie die Fischer­pin­te am Ufer des Plöt­zen­sees liegt, so unvor­her­seh­bar ist das „Wie-lan­ge-noch?“.

Es ist wich­tig zu wis­sen, dass die Fischer­pin­te eigent­lich „Düring Wolf­gang Boots­ver­leih“ heißt. Denn salopp gesagt: Stirbt Herr Düring, stirbt die Pin­te. So will es das Amt, genau­er das Stra­ßen- und Grün­flä­chen­amt und das möch­te auch das Umwelt- und Natur­schutz­amt. Die Erlaub­nis, die­sen Ort zu bewirt­schaf­ten, hat ein­zig und allein Herr Düring. Kein Fami­li­en­mit­glied und auch kein poten­zi­el­ler Käu­fer mit dicken Schei­nen im Kof­fer. Kein Aber. Niemand.

Und es ist wich­tig zu wis­sen, dass das Are­al, auf dem sich die Fischer­pin­te befin­det, Land­schafts­schutz- und kein Natur­schutz­ge­biet ist. Die­ser Unter­schied ist gewal­tig, auch für das Bootshaus.

Ein Groß­teil der Reh­ber­ge wur­de 1953 als Land­schafts­schutz aus­ge­wie­sen, auch die Sei­te, auf der sich die Fischer­pin­te befin­det, sowie das Gewäs­ser an sich und der Ufer­be­reich. Wären die Reh­ber­ge ein Natur­schutz­ge­biet, wäre jeg­li­cher mensch­li­cher Ein­griff nahe­zu ver­bo­ten. Ein Land­schafts­schutz­ge­biet dage­gen defi­niert sich unter ande­rem durch die „beson­de­re kulturhistorische(n) Bedeu­tung einer Land­schaft oder auch auf­grund ihrer beson­de­ren Bedeu­tung für die Erho­lung“ (Quel­le). Bei­des dürf­te die Fischer­pin­te wohl erfüllen.

Vor rund 34 Jah­ren hat Wolf­gang Düring die Fischer­pin­te erwor­ben. Das Häus­chen, nicht das Grund­stück. Bereits damals exis­tier­te an die­ser Stel­le ein Boots­ver­leih mit Imbiss, genau wie jetzt. Das Gebiet gehör­te dem Senat, jetzt dem Bezirk, genau­er gesagt: Der Pacht­ver­trag mit der Fischer­pin­te ging vom Senat an das Bezirks­amt Mit­te über. Irgend­wann, so ganz klar ist das wohl nicht, wur­de ent­schie­den, dass im Fal­le des Todes von Herrn Düring die Fischer­pin­te zurück­ge­baut wer­den muss. Eben­so im Fal­le einer Geschäfts­auf­ga­be. Haus, Steg. Zaun. Abriss. Platt­ma­chen. Auf eige­ne Kos­ten. Höhe? Nie­mand weiß es.

Eine Kos­ten­schät­zung wür­de durch das Amt erst im Rah­men einer Besei­ti­gungs­an­ord­nung und dro­hen­der Ersatz­vor­nah­me erfol­gen“, heißt es vom Stra­ßen- und Grün­flä­chen­amt.

„Nicht in die Bade­an­stalt rein­fah­ren und nicht zu nah ans Ufer!“ ist der freund­li­che, aber bestimm­te Hin­weis, wenn eines der Ruder- oder Tret­boo­te den Steg ver­lässt. „Und nun viel Spaß!“
Fast genau­so regel­mä­ßig, zur Belus­ti­gung der am Steg sit­zen­den Besu­cher, heißt es danach „Rück­wärts rudern, ihr müsst euch dre­hen. Nee, anders­rum!”. Je nach Geschick und Lam­pen­fie­ber der rudern­den Per­son lässt sich anschlie­ßend ein unge­schick­tes Im-Kreis-Pad­deln beob­ach­ten, bis die rich­ti­ge Hand-Pad­del-Augen-Rücken-Koor­di­na­ti­on ein­ge­nom­men wur­de. Die Gäs­te am Steg ver­ges­sen wäh­rend­des­sen, dass sich neben ihnen die hek­ti­sche Metro­po­le befin­det. Der ent­spann­tes­te Ort im Wed­ding exis­tiert hier nicht nur, er ver­ein­nahmt einen.

Blick von Steg Richtung Fischerpinte
Blick von Steg Richtung Fischerpinte

„Ich mach nicht mehr lan­ge, küm­me­re dich um Wolf­gang“, war eine der letz­ten Anwei­sun­gen von Moni­ka Düring. Moni­ka, das ist die Frau von Herrn Düring. Wenn Besu­cher sie beschrei­ben müss­ten, reicht zu sagen „Die Frau mit dem Atem­ge­rät und Kip­pe, die Stren­ge”, oder ein­fach „die Che­fin”. Nie­mand kann an einem Sau­er­stoff­ge­rät hän­gen und wäh­rend­des­sen so gemüt­lich eine paf­fen. Sie schon. Moni­ka Düring saß immer an ihrem Plöt­zen­see, sie atmet den See, die Fee vom Plöt­zen­see titel­te der Tages­spie­gel vor eini­gen Jah­ren. Sie stand anfangs allein in der Küche. Hat Essen zube­rei­tet, Boo­te raus­ge­ge­ben, aus­ge­schenkt, im Som­mer nie frei gemacht. „Des­we­gen isse so kaputt gewe­sen, weil sie immer 100% geben woll­te. Man muss­te ver­su­chen mit ihr klar­zu­kom­men. Für Leu­te, die kein Geld hat­ten, hat sie alles gemacht. Herz­lich war sie, inner­lich. Als ich das ers­te Mal hier war, dach­te ich nur: ›Oh Gott‹. Ich bin zusam­men­ge­zuckt, nur wegen ihrer Stim­me, aber ab dann wur­de regel­mä­ßig geknif­felt. Nun sitzt Moni­ka da oben und sagt: ›Ihr kommt jetzt klar!‹ “, so beschreibt sie eine Besu­che­rin. Denn Moni­ka Düring ist tot – im April ver­stor­ben. Nach Außen war sie die Che­fin, aber nicht auf dem Papier. Sonst wäre die­ser Ort bereits Geschich­te. Es ver­deut­licht, wie schnell hier alles vor­bei sein kann.

Zurück zu Wolf­gang Düring. Mitt­ler­wei­le fast 80 Jah­re alt und nur noch sel­ten am Ufer des Plöt­zen­sees zu sehen. Auch er war eine Zeit­lang sehr krank. „Die haben vor­her noch gehei­ra­tet, damit sie (Moni­ka) viel­leicht die Pin­te behal­ten kann“, ver­rät eine Stamm­gäs­tin. „Funk­tio­niert hät­te das nicht, das wis­sen wir nun.“ Und sie plau­dert wei­ter aus: „Die Ren­te für ihn allein reicht nicht, aber die Ein­nah­men aus dem Som­mer müs­sen es“ – um anschlie­ßend über den Win­ter zu kom­men. Wür­de er auf­hö­ren wol­len, woher soll das Geld für den Rück­bau kom­men? Abge­ben kann er es aber auch nicht. „Vor­letz­tes Jahr war das ganz doll. Da kamen ganz vie­le Leu­te und woll­ten kau­fen. Moni­ka woll­te das aber gar nicht, also geht ja eh nicht.“ Und so ist Herr Düring mit dem ent­spann­tes­ten Ort im Wed­ding schick­sal­haft ver­bun­den – eben­so finan­zi­ell und der Ort mit ihm. Eine gegen­sei­ti­ge Abhängigkeit.

Gestemmt wird der Betrieb der Fischer­pin­te haupt­säch­lich von Anja und Bie­ne. Bevor die ers­ten Besu­cher erschei­nen, sind sie schon lan­ge da. Boo­te säu­bern, ein­kau­fen, vor­be­rei­ten, kon­trol­lie­ren. Dann Boo­te raus­ge­ben, aus­schen­ken. „Wie­ner sind fer­tig!“ und wenn ein guter Tag ist, den Gäs­ten Musik­wün­sche erfül­len. Bier ver­kau­fen, Ber­li­ner Wei­ße – nur in Plas­te­be­chern (Auf­la­ge des Amts), Nüs­se, Eis, „was macht ihr da? Weg vom Ufer!“, Kuchen, Fisch­bröt­chen, „Bock­wurst ist fer­tig!“, „Wir haben kei­ne Boo­te mehr“. „Um 21 Uhr ist aber Schluss, schaffst du sonst gar nicht mit zwei Leu­ten. Vor zehn bis­te trotz­dem nicht raus. Die Leu­te wol­len den Son­nen­un­ter­gang sehen, aber nach 12 Stun­den willst du nach Hau­se“. Heißt es. „Vie­le den­ken, du wirst hier reich, aber du kommst gera­de so über den Win­ter. Und es gab schon Jah­re, wo es fast gar nicht mehr ging. Finan­zi­ell.“ Und ergän­zend: „Es wür­de uns am Her­zen lie­gen, die Toi­let­ten neu­zu­ma­chen. Aber wie lan­ge geht das hier noch (mit Herrn Düring)? Man kann kaum nach vor­ne schauen.“

Anja von der Fischerpinte am Ausschank
Anja von der Fischerpinte

Über das Ver­hält­nis zum nahe­ge­le­ge­nen Strand­bad: „Die haben immer gesagt: wenn was ist, ihr Hil­fe braucht, dann kom­men wir rüber, was wir denen hoch anrech­nen. Manch­mal haben die Leu­te das Boot auf dem See ste­hen las­sen, dann haben die uns das rüber­ge­schleppt. Nun las­sen wir uns die Aus­wei­se geben. Eini­ge ver­ste­hen das nicht, hier darf nicht geba­det wer­den. Ein­mal war eine Frau hier und ist ins Was­ser. Ich sag: Sofort raus hier. Dann kam der Schwan und haut ihr auf’n Kopf. Da muss­te ich sie raus­zie­hen, sie war betrun­ken. Voll wie Tau­send Eimer.“

Das Amt, der Ufer­schutz und die Zukunft?

Das ist das Leben an der Fischer­pin­te und das Leben mit ihr, aber es gibt noch die behörd­li­che Sei­te. Die Fischer­pin­te ist wie beschrie­ben im Land­schafts­schutz­ge­biet, das Ufer gilt auf­grund der Flo­ra und Fau­na als beson­ders schüt­zens­wert. Neue, höhe­re Zäu­ne sol­len das Ufer schüt­zen. Seit Sep­tem­ber 2021 herrscht ein „Betre­tungs­ver­bot für bestimm­te Ufer­be­rei­che“, genau­er gesagt alles zwi­schen Fischer­pin­te und Strand­bad. Nur hält sich nie­mand dar­an und kon­trol­liert wird das so gut wie nie. Eine Besu­che­rin meint: „Sim­ma doch mal ehr­lich: die Prei­se da drü­ben im Strand­bad kön­nen ja nicht alle bezah­len. Fami­lie plus Kin­der – Essen kanns­te mit­neh­men, aber dann willst du ja auch mal ein Eis oder so. Als Hartz-IV-Emp­fän­ger has­te so und so viel am Tag, ja dann geh­s­te Wild­ba­den. Wie­so för­dert man das nicht stär­ker?“ (das Strandbad)

Es ist der 3. Juli. Auf 30,5°C wird das Ther­mo­me­ter an die­sem Tag im Wed­ding klet­tern. Abküh­lung bie­ten nur die Grün­flä­chen der Reh­ber­ge. Abseits des Betons nur hier das küh­le Nass. Die Boo­te am Boots­ver­leih Plöt­zen­see schau­keln bedäch­tig auf dem Was­ser, ein leich­ter Wind weht über den See. Wir befin­den uns im Jahr 1920.
Denn min­des­tens seit 1920 gibt es einen Steg an der Stel­le der heu­ti­gen Fischer­pin­te, inklu­si­ve Boo­te. Somit exis­tiert die­ser Ort län­ger als die Stadt Ber­lin, wie wir sie heu­te verstehen.

Plötzensee 1920. Zu sehen Militärbadeanstalt, Wellenbad und im Bau befindliches Strandbad
Plötzensee 1920. Zu sehen Militärbadeanstalt, Wellenbad und im Bau befindliches Strandbad

Min­des­tens seit 1946 wird ein Boots­ver­leih am Nord­ufer 23 im Bran­chen­ver­zeich­nis der Stadt auf­ge­führt – die Adres­se der Fischer­pin­te. Und min­des­tens in der Päch­ter­ge­ne­ra­ti­on vor Herr Düring gab es zusätz­lich zum Boots­ver­leih einen Aus­schank. Wahr­schein­lich aber eben­so lan­ge wie der Steg exis­tiert. So ist die Fischer­pin­te längst ein eige­nes Wed­din­ger Denk­mal. Sie ist mit der Flo­ra und Fau­na des Sees ver­wach­sen. Hat Groß-Ber­lin ent­ste­hen sehen, hat den Wed­ding zum Bezirk Wed­ding wer­den sehen, hat erlebt, wie Wed­ding auf dem Papier zu Mit­te wur­de und von Gesund­brun­nen getrennt wur­de. Gehört zum Plöt­zen­see und andersrum.

„Für die erfor­der­li­che Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung im Land­schafts­schutz­ge­biet müss­te jedoch das Umwelt- und Natur­schutz­amt zustim­men. Bei­de Ämter eint die Für­sor­ge und die Bemü­hun­gen zum Schutz der Natur, so dass hier kei­ne ande­re Ent­schei­dung mög­lich ist. […]

So heißt es heut­zu­ta­ge aus dem Grün­flä­chen­amt. Im Umkehr­schluss heißt es aber auch: das wur­de damals so beschlos­sen und ent­schie­den. Aber es wur­de nicht beschlos­sen, weil es muss­te, son­dern weil es so sein soll­te. Vor vie­len, vie­len Jah­ren.

Das Bezirks­amt hat bereits 2011 auf eine Anfra­ge der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (Anfra­ge durch DIE LINKE) mit­ge­teilt, dass aus Umwelt­schutz­grün­den weder eine neue Ver­pach­tung noch eine Unter­ver­mie­tung in Betracht kom­men. […] Bereits 2011, knapp 20 Jah­re nach dem Ver­trags­ab­schluss durch die Senats­ver­wal­tung, war die­se Ent­schei­dung Aus­druck eines Para­dig­men­wech­sel hin­sicht­lich eines höhe­ren Schutz­be­dürf­nis­ses des im Land­schafts­schutz­ge­biet lie­gen­den Plöt­zen­sees.“ Heißt es wei­ter vom Grün­flä­chen­amt.

Das Umwelt- und Natur­schutz­amt beschreibt sich auf ihrer Home­page „die wach­sen­de Stadt mit ihrer immer stär­ke­ren Ver­dich­tung und deren Fol­ge­er­schei­nun­gen bestim­men die Arbeit des Umwelt- und Natur­schutz­am­tes […]. Die­sen Her­aus­for­de­run­gen kann nur durch eine inter­dis­zi­pli­nä­re Auf­ga­ben­wahr­neh­mung begeg­net wer­den.“ Das klingt schon mehr nach 2022 als 1990, zumin­dest auf dem Papier.

Das ver­än­dert die aktu­el­le Lage aller­dings nicht. Abriss also, kom­me was wol­le. Nur hat sich die­se Stadt in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert. Immer mehr Frei­flä­chen ver­schwin­den, die Stadt wird vol­ler, sie wird wär­mer und die Men­schen ent­de­cken ihre Nach­bar­schaf­ten stär­ker als vor eini­gen Jah­ren. Wie­so spie­gelt sich das nicht in aktu­el­len Beschlüs­sen wider, oder wer­den Ent­schei­dun­gen auf das Jetzt ange­passt? Wie­so wis­sen die meis­ten Erho­lungs­su­chen­den der Reh­ber­ge gar nicht, dass sie sich teil­wei­se in einem Land­schafts­schutz­ge­biet befin­den? Wel­chen Stel­len­wert das Ufer des Plöt­zen­sees hat? Was die Zäu­ne wirk­lich bedeu­ten und ero­die­ren­de Ufer­ab­schnit­te? Wie­so instal­liert man nicht Info­ta­feln am Steg der Fischer­pin­te zur Flo­ra und Fau­na? Zu den Vögeln, Fischen, Enten – mög­li­cher­wei­se auch zu den Schild­krö­ten und erklärt, war­um das rest­li­che Ufer so wich­tig ist.

Das wird nicht zwangs­läu­fig die Wild­ba­den­den abhal­ten, aber es schafft ein Bewusst­sein. Das Amt ver­sucht schon seit län­ge­rem für das The­ma zu sen­si­bi­li­sie­ren, aber spo­ra­disch ein­ge­setz­te Park­ran­ger und kaum sicht­ba­re Hin­weis­ta­feln schei­nen nicht die Lösung zu sein.

Biene von der Fischerpinte mit Fernglas
Biene von der Fischerpinte mit Fernglas

Wie soll ver­mit­telt wer­den, dass Ufer­schutz wich­tig ist, wenn aber gleich­zei­tig die Kon­trol­len sowie­so nicht statt­fin­den und genau die Ecke, an der die Fischer­pin­te steht und wo man auf die Natur ach­tet, ver­schwin­den soll? Was erwar­tet das Amt, wenn die Fischer­pin­te in eini­gen Jah­ren direkt am Ufer vor sich hingam­meln wird, weil sie nie­man­dem mehr gehört und Geld für den Rück­bau gar nicht vor­han­den ist, der zu allem Über­fluss auch noch bestimm­te Kri­te­ri­en eines Land­schafts­schutz­ge­bie­tes erfül­len muss? Wie­so geht das Amt davon aus, dass wider bes­se­re Erfah­rung alles gut wer­den wird? Zu oft wur­den in Ber­lin Din­ge abge­ris­sen oder ver­kauft, um es weni­ge Jah­re spä­ter zu bereu­en. Stich­wort kul­tur­his­to­risch.

Es stimmt, laut Geset­zes­text zum Land­schafts­schutz­ge­biet Reh­ber­ge sind Bau­ten und Ver­kaufs­stän­de nicht zuläs­sig, nur gab es die Pin­te a) 1953 schon, b) waren bis heu­te 2–3 Betrei­ber­wech­sel kein Pro­blem und c) sind Aus­nah­me­ge­neh­mi­gun­gen erlaubt.

Nie­mand möch­te, dass irgend­wann der nächs­te Inves­tor um die Ecke kommt und die­ses Klein­od kauft, weil sein Kof­fer der Größ­te ist. Aber genau weil sich das Are­al im Land­schafts­schutz­ge­biet befin­det, weil es vom Amt ver­pach­tet wird, besteht die Mög­lich­keit, die fairs­te Lösung von allen vor­zu­se­hen. Ganz im Sin­ne einer immer vol­ler wer­den­den, sich ver­dich­ten­den Stadt. Nach dem Tode von Herrn Wolf­gang Düring liegt es in der Hand des Amts, die Fischer­pin­te in einem fai­ren und sozi­al aus­ge­rich­te­ten Inter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren, wie bei­spiels­wei­se beim Park­ca­fé Reh­ber­ge, als Ort erhal­ten zu las­sen. Nur muss das jetzt vor­be­rei­tet wer­den und neu gedacht wer­den. Strand­bad, Frei­luft­ki­no, Park­ca­fé, Sport­an­la­gen – und der miss­ach­te­te Boots­ver­leih als fünf­tes Rad am Wagen. Sie alle kön­nen zusam­men für einen bes­se­ren Umgang der Wed­din­gern mit der Natur sor­gen. Wür­de die­ser Ort nach über 100 Jah­ren ver­schwin­den, wäre es ein wei­te­res ech­tes Ber­li­ner Ori­gi­nal, das für immer weg ist. Aber vie­le Ori­gi­na­le hat die­se Stadt nicht mehr, vor allem kei­ne so in die Natur ver­wach­se­nen wie der ent­spann­tes­te Ort im Wed­ding, die Fischer­pin­te.

Wer die­ses Klein­od erhal­ten will, kann nun hel­fen: Mit dem Erschei­nen die­ses Arti­kels beginnt die Unter­schrif­ten­samm­lung für einen Ein­woh­ner­an­trag mit dem Titel Wei­ter­be­trieb eines Boots­ver­leih am Plöt­zen­see ermög­li­chen. Die im Antrag for­mu­lier­ten For­de­run­gen wer­den so an die Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) her­an­ge­tra­gen. 1.000 Unter­schrif­ten wer­den benö­tigt. Ist der Ein­woh­ner­an­trag zuläs­sig, ent­schei­det die BVV unver­züg­lich, spä­tes­tens jedoch inner­halb von zwei Mona­ten nach Ein­gang des Antrags. Die Unter­schrif­ten­lis­ten lie­gen am Tre­sen der Fischer­pin­te aus. Ande­re Orte könn­ten fol­gen. Zur Unter­schrift berech­tigt sind nur Per­so­nen, die in Mit­te gemel­det sind.

Die Lis­te gibt es eben­falls hier zum Down­load.

Kurz vor Ver­öf­fent­li­chung die­ses Arti­kels wur­de eben­falls durch die Frak­ti­on DIE LINKE ein Antrag mit dem Titel „Boots­ver­leih Düring am Plöt­zen­see erhal­ten!“ in die BVV-Mit­te eingebracht.

Vor 5 Jah­ren erschien erst­mals ein Bei­trag bei uns über die Fischer­pin­te. Urig-schön am See: Wed­ding am Was­ser: Fischer­pin­te – das Prin­zip Eckkneipe

Andaras Hahn

Andaras Hahn

Schreibt assoziativ, weiß aber nicht, was das heißt und ob das gut ist. Macht manchmal Fotos: @siehs_mal
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