Foto (c) Andi Weiland
S‑Bahnhof Wed­ding © Andi Weiland

Die vie­len Umstei­ger ärgern sich über ein paar Meter zwi­schen U- und S‑Bahnhof, denen ein Regen­schutz fehlt oder über eine jah­re­lang nicht funk­tio­nie­ren­de Roll­trep­pe. Doch sowohl der modern wir­ken­de S‑Bahnhof und der in Pop-Art-Oran­ge leuch­ten­de U‑Bahnhof Wed­ding sind sehr geschichts­träch­ti­ge Orte und ver­die­nen einen zwei­ten Blick.…

Alt und neu
Alt und neu kom­bi­niert im Viaduktbogen

Der Ring­bahn­hof wur­de am 1. Mai 1872 im nur von weni­gen Hun­dert Ein­woh­nern besie­del­ten Wed­ding eröff­net und ist damit einer der ältes­ten ent­lang der Ring­bahn. Die Stre­cke wur­de in den Jah­ren 1889/1890 auf die noch heu­te erkenn­ba­ren Via­dukt­bö­gen höher­ge­legt. Der Bahn­steig lag wei­ter öst­lich als heu­te, mehr zum Net­tel­beck­platz hin. Erst 1912 erhielt der Bahn­hof einen Aus­gang auch zur Mül­ler­stra­ße. Elek­trisch fuh­ren die Ring­bahn­zü­ge dann ab 1929 – die Ber­li­ner S‑Bahn wur­de zu dem legen­dä­ren Ver­kehrs­mit­tel, das sie bis heu­te geblie­ben ist. Als die Reichs­bahn 1980 streik­te, wur­de der Betrieb ein­ge­stellt und ruh­te bis zum 15. Juni 2002 – der Tag, an dem der gesam­te S‑Bahn-Ring wie­der in Betrieb genom­men wur­de. Der Bahn­hof wur­de auf den bestehen­den Via­dukt­bö­gen wei­ter west­lich, also näher an der U 6, in moder­ner Archi­tek­tur neu gebaut. Zum Net­tel­beck­platz hin blieb der alte back­stein­ver­klei­de­te Ein­gang bestehen, aber von dort sind heu­te län­ge­re Fuß­we­ge bis zum Bahn­steig zurück­zu­le­gen. Auf dem Bahn­steig selbst geht es ange­sichts der aus den Zügen mas­sen­haft strö­men­den Pend­ler meis­tens sehr beengt zu – hier ist Groß­stadthek­tik pur zu spüren.

Seit 1923 Anschluss an die U‑Bahn

Wand eines U-BahnhofsDer U‑Bahnhof der 1923 unter dem Namen Nord­süd-Bahn eröff­ne­ten Stre­cke soll­te eigent­lich Ring­bahn hei­ßen. Für die benach­bar­te Sta­ti­on “Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße”, die sich direkt am Wed­ding­platz befin­det, war der Name “Wed­ding” vor­ge­se­hen. Am Ende war es dann doch der U‑Bahnhof an der Ring­bahn, der “Bhf Wed­ding” hieß. Die­ser Name blieb sogar bis 1972 bestehen, als die Sta­ti­on auf 110 Meter ver­län­gert wur­de und die noch heu­te vor­han­de­nen oran­ge­far­be­nen Wand­flie­sen erhielt. Dort steht nur noch “Wed­ding” – einen Hin­weis auf die von der DDR-Reichs­bahn betrie­be­ne S‑Bahn woll­te die BVG nicht mehr geben. Vor­her hat­te der Bahn­hof die glei­che mini­ma­lis­ti­sche Gestal­tung mit unver­klei­de­ten Wän­den wie sie der benach­bar­te Bahn­hof Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße noch heu­te auf­weist. Die in grau gehal­te­nen Dop­pel­stüt­zen auf dem Mit­tel­bahn­steig stam­men noch aus der Ent­ste­hungs­zeit. Der U‑Bahnhof hat nur zwei Aus­gän­ge, die auf die Mit­tel­in­sel der Mül­ler­stra­ße füh­ren. Wer bis 1980 zur S‑Bahn umstei­gen woll­te, muss­te erst die Mül­ler­stra­ße und dann die Lin­dower Stra­ße über­que­ren. Kein Ver­gleich also mit der heu­ti­gen Umstei­ge­si­tua­ti­on, die rela­tiv kom­for­ta­bel und sicher ist: Autos kön­nen die Mül­ler­stra­ße seit dem Neu­bau des S‑Bahnhofs am U‑Bahnausgang nicht mehr queren.

S-Bahnhof Wedding Lindower Str

Ein wei­te­rer Bei­trag aus der Serie

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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