Mitmachen bei „Mein Wedding 2020“

 

Die Müllerstraße "Mein Wedding 2019" (c) Foto von Susanne Haun

Um ein Haar hätte es die beliebte und etablierte Open Air-Ausstellung „Mein Wedding“ auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße in diesem Jahr nicht mehr gegeben – wenn sie nicht auf Privatinitiative hin gerettet worden wäre. Und außerdem gibt es diesmal sogar ein Preisgeld für die drei Gewinner-Entwürfe. Es gibt also viele Gründe, sich über diesen Aufruf zu freuen – und mitzumachen.

Mein Wedding 5: Zwölf Bilder für die Müllerstraße

Enthüllung eines Bildes der Ausstellung "Mein Wedding 5" auf der Müllerstraße. Foto: D. Hensel
Enthüllung eines Bildes der Ausstellung „Mein Wedding 5“ auf der Müllerstraße. Links im Rollstuhl: Ilse Loeschner, auf dem Plakat als Mädchen zu sehen. Foto: D. Hensel

Sie stehen zwar schon seit einigen Tagen dort, die großen Plakatwände auf der Müllerstraße. Doch am Samstag (1.9.) hat die Freiluftausstellung „Mein Wedding 5“ offiziell eröffnet. Mit Bürgermeisterrede, Sekt, Ehrengast und Gruppenfoto.

Beiträge für „Mein Wedding“ auf der Müllerstraße gesucht

Eröffnung der Ausstellung "mein wedding 4" auf der Müllerstraße. Im Mittelpunkt steht Sharleen von der Leo-Leonni-Grundschule. Sie ist auf dem Plakat zu sehen. Foto: Hensel
Eröffnung der Ausstellung „mein wedding 4“ auf der Müllerstraße. Im Mittelpunkt steht Sharleen von der Leo-Lionni-Grundschule. Sie ist auf dem Plakat zu sehen. Foto: Hensel

Auch in diesem Jahr wird es wieder die Mittelstreifen-Ausstellung in der Müllerstraße geben. Bis zum 15. Juli können Kunstschaffende und Kreative auch aus dem Bereich Kitas und Schulen dafür bildnerische Werke unter dem Motto „Mein Wedding5“ einreichen. Die Ausstellungseröffnung ist voraussichtlich am Samstag, den 1. September um 11 Uhr in der Schiller-Bibliothek.

Mein Wedding4: Kunst für die Müllerstraße gesucht

Bei der Eröffnung der Ausstellung in der Müllerstraße im vergangenen Jahr. Mein Wedding4
Bei der Eröffnung der Ausstellung in der Müllerstraße im vergangenen Jahr. Foto: Standortgemeinschaft Müllerstraße

Die Freiluftausstellung in der Müllerstraße geht in die vierte Runde. Bis zum 7. April haben Künstler, Kitas, Schulen oder interessierte Hobbyfotografen Zeit, einen Beitrag für die Aktion „Mein Wedding4“ bei der Standortgemeinschaft Müllerstraße einzureichen.

Mein Wedding³: Kunst für die Müllerstraße

Mein Wedding Plakatausstellung Müllerstraße
Eine Fotografie von Sulamith Sallmann bei der Ausstellung in der Müllerstraße im vergangenen Jahr.

Die Plakate auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße kommen zurück! Am 21. Mai wird die neue Ausstellung eröffnet. Bis zum 8. April können sich Interessierte noch um einen Platz in der Müllerstraßen-Freiluftgalerie bewerben. Die Standortgemeinschaft Müllerstraße ruft dazu auf, Kunstwerke einzureichen.

Mein Wedding²

Mein Wedding Plakatausstellung MüllerstraßeAuf den ersten Blick sehen die Plakatwände auf dem Mittelstreifen der Müllerstraße wie großformatige Wahlwerbung aus, mit denen die Parteien vor dem Urnengang um Aufmerksamkeit buhlen. Tatsächlich handelt es sich um eine Kunstaktion unter freiem Himmel, bei der Weddinger, Motive einreichen konnten. Wie schon im Juni letzten Jahres war die Aktion initiiert durch die StandortGemeinschaft Müllerstraße e. V., die wieder zwölf Kunstwerke aus insgesamt 28 eingereichten Werken ausgewählt hat. Nach dem Motto “Mein Wedding²” werden unterschiedliche Stilrichtungen einen Einblick in die vielfältige Kunstszene im Wedding geben.

Mein Wedding: „…ist gar nicht so übel“

„Und wo wohnst du so?“ wird man ja des öfteren mal gefragt. Ich sage dann: „Ick wohne im Wedding.“ Die Palette der Reaktionen reicht von mitleidigem Blick à la Mensch-wirf-doch-dein-Leben-nicht-so-weg über „Haste da keine Angst?“ bis hin zu einem simplen, aber doch nicht ganz wertfreien „Aha.“

Lichter der Müllerstraße (Foto: K. Hagendorf)
Lichter der Müllerstraße (Foto: K. Hagendorf)

Für mich sind diese Reaktionen nicht ganz nachzuvollziehen. Der Wedding ist nämlich gar nicht so übel wie alle immer denken. Sicher, wir sprechen hier von einem der sogenannten Problembezirke, und ich würde mich vermutlich nachts auch nicht länger als nötig an der Osloer Straße aufhalten. Aber es ist gibt hier auch schöne Ecken. Hier bei mir im Brüsseler Kiez fühle ich mich zum Beispiel nicht unsicherer als überall sonst in Berlin. Klar, beim Einzug wurden die mit Kindheitserinnerungen getränkten Legosteine meiner Mitbewohnerin geklaut, als sie 10 Minuten unbeobachtet waren. Auf der anderen Seite haben sich vor der alten Wohnung in Prenzlauer Berg Leute mit Messern attackiert. Spinner gibt es eben überall.

Nachts freue ich mich sogar regelrecht auf den Nachhauseweg von der U-Bahn. Ich lege einen kurzen Zwischenstopp am Späti in der Müllerstraße für eine Cola oder ein Bier ein. Damit spüle ich die Aussagen meiner Oma nach dem Motto „Ich hab‘ in den Nachrichten gehört, im Wedding ist dies und das passiert“ weg und schlendere dann gemütlich auf der nie leeren Straße nach Hause. Ich weiß nicht, an wie vielen Casinos und Wettbüros ich dabei vorbeiziehe. Ich glaube, allein von meinem Balkon aus könnte ich fünf davon sehen. Aber das hat alles so einen Hauch von bizarrem Las Vegas-Flair. Nur eben in kleinem Stil und mit mehr Hundehaufen auf dem Gehweg. Kurz vor meinem Hauseingang grüße ich dann höflich den Dönerverkäufer von nebenan. Man kennt sich schließlich schon. Ich denke dann immer bei mir, dass der Wedding so ist, wie ich mir Berlin immer vorgestellt habe, als ich noch in Brandenburg gelebt habe. Multikulti, lebendig, bunt und irgendwie ehrlich. Den Eindruck hatte auch meine Mutter, als sie mich hier das erste Mal besucht hat. Scheint also was dran zu sein. Muttis haben ja meistens recht.

Haus Ecke Seestraße / Afrikanische Str.
Haus Ecke Seestraße / Afrikanische Str.

Es ist außerdem nicht zu bestreiten, dass sich der Wedding entwickelt. „Der Wedding kommt“, pflege ich immer zu sagen. Und das ist schön zu beobachten. Kunstmärkte, Cafés, mehrere neue Studenten-WGs in meinem Haus und nicht zuletzt ein Bio-Markt im Sprengelkiez sind untrügerische Zeichen dafür, dass die sogenannte Gentrifizierung in vollem Gange ist. Ob das nur Vorteile hat, ist natürlich fragwürdig. Wer will schon ein zweites „hipsterbepacktes“ Prenzl’Berg?

Ich für meinen Teil kann nur hoffen, dass der Wedding sich noch lange seinen Charme erhält. Und immer wenn ich auf dem Weg in die wunderschönen Rehberge die Aufschrift „Ick steh uff Wedding, dit is meen Ding“ auf dem bunten Haus an der Seestraße/Ecke Afrikanische Straße sehe, kann ich nur zustimmen und denken: „Ick bin zu Hause“.

Wedding Solidarisch – Gemeinsam durch die Corona-Zeit!

Immer mehr Menschen in Berlin infizieren sich mit dem Coronavirus und es ist ungewiss, wie die nächsten Wochen verlaufen. Alte Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und Handicaps, also sogenannte Risikogruppen, sind besonders durch die Coronaviruspandemie betroffen. Deshalb wurden in sozialen Netzwerken Gruppen und Foren für den Wedding und für die meisten anderen Stadtteile gegründet. Die Gruppen sollen ein Forum der Solidarität und des Austausches für alle Menschen sein, die ihre Nachbar*innen unterstützen wollen. Statt Vereinzelung und Hamsterkäufen suchen wir nach solidarischen Perspektiven und wollen die unterstützen, die von der Gefahr durch das Virus am härtesten getroffen werden. Statt Fake-News und Panikmache setzen wir auf Ruhe, Fakten und Solidarität.

4 (nicht ganz ernst gemeinte) Corona-Tipps aus dem Wedding

In Zeiten des Corona-Virus werden gravierende Einschnitte in unser aller Leben notwendig. Schulen und Kitas werden geschlossen, soziale Kontakte auf ein Minimum heruntergefahren, und manche harren bereits in der Quarantäne aus. Da wird es Zeit für ein bisschen Unterhaltung – die ihr hoffentlich nicht in den falschen Hals bekommt (um bei der Corona-Sprache zu bleiben).