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Stadt und Dorf mitten im Wedding:
3 gute und 3 schlechte Seiten am Osramkiez

Der Kiez rund um die Malplaquetstraße und die Osramhöfe liegt zwischen der Müllerstraße, See-, Nazarethkirch-, Schulstraße und Reinickendorfer Straße. Er ist ein dicht bebautes Altbauviertel, geprägt von Wohnblöcken aus der Vorkriegszeit, lebendigen Plätzen und – besonders – von seiner Mischung aus Ruhe und Urbanität.

Die guten Seiten

Wer hier lebt, profitiert von einer wirklich guten Verkehrsanbindung: Der Leopoldplatz ist Knotenpunkt für U6 und U9 sowie mehrere Buslinien – man kommt schnell in alle Richtungen. Aber auch die U-Bahnhöfe Nauener Platz und Seestraße liegen nah am Kiez.

Die vielen Altbauten verleihen dem Viertel urbane Atmosphäre: Viele Häuser stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, mit Blockrandbebauung und vielen kleinen Geschäften. Ein paar Cafés und Restaurants haben sich zwischen besonders rund um die Malplaquetstraße etabliert – ein echtes wohlig-großstädtisches Feeling, ohne dass es gleich überdreht wirkt. Die schönste Wohnanlage ist das Karl-Schrader-Haus, ein genossenschaftliches, repräsentatives Mietshaus an der Ecke Liebenwalder und Malplaquetstraße. Wohlfühlen ist da auf jeden Fall angesagt. Für die meisten Kiezbewohner ist ihr Viertel wie ein kleines Dorf, überschaubar und mit einer guten Nachbarschaft.


Tipp: Die „drei M“ machen den Kiez besonders familiär: die Kunst- und Kulturbar Mastul e.V., die Kneipe Café Morena und die Pizzeria Monella. Also eine gute Mischung aus Kultur, Geselligkeit und guter Gastronomie.


Die problematischen Seiten

Doch wo Licht ist, sind Schatten nicht weit. Zunächst: Mangel an Grün und Belastung durch Verkehr. Zwar gibt es den Leopoldplatz, den Garnisonsfriedhof und den Schillerpark in der Nähe, aber dazwischen liegen laute, breite Straßen wie die See- und Müllerstraße, die das Viertel von seinen Nachbarn abklemmen; die Straßen als Fußgänger zu überqueren ist nicht immer angenehm. Der Kiez selbst ist zwar verkehrsberuhigt, aber trotzdem wird durch die gepflasterten Straßen ungehemmt gerast.


Tipp: Richtig Kiezatmosphäre schnuppern kann man im schönen Café Largo, das sich genau in der Mitte an der Ecke Malplaquet-/Utrechter Straße befindet.


Ein weiterer Punkt: durchwachsene Bausubstanz. Manche Häuser und Höfe zeigen deutlich, dass Pflege und Sanierung noch nötig sind – Fassaden, Hinterhöfe oder Eingangsbereiche sind nicht immer auf dem gleichen Niveau. Es gibt auch verwaiste Flächen wie z.B. bei Möbeltown, einem seit langem leerstehender Laden. Umgekehrt wird aber viel auch durch horrende Mieten verdrängt: In der ehemaligen Osramfabrik steckt inzwischen so viel Geld, dass man sich fragt, wer diese Preise in Zukunft eigentlich zahlen soll.


Tipp: Im Antiquariat Mackensen könnt ihr nach Herzensluft in alten Schinken stöbern. Neue Bücher gibt es in den Buchhandlungen Belle-et-triste und Frau Polda.


Schließlich: Konflikte bei Nutzung und Lebendigkeit. Das Viertel ist voller Alltag: Gewerbe, Gastronomie, Wohnungen, Kunstprojekte – das macht es spannend. Plätze, Straßen und Höfe sind je nach Tageszeit sehr belebt, aber freilich stellenweise auch vernachlässigt. Wer Ruhe erwartet, findet sie in diesem Kiez nicht überall. Auch Schattenseiten wie starker Durchgangsverkehr können den Wohnkomfort beeinflussen.


Fazit

Der Leopoldplatz-/Osramkiez ist ein Viertel mit allen Vorteilen einer Stadt und dem Lebensgefühl eines Dorfes: sehr gut angebunden, architektonisch spannend, sozial und kulturell vielseitig. Aber es ist kein vollkommener Ort – die Mischung aus Verkehr, dichter Bebauung und wenig Grünflächen macht ihn herausfordernd. Für Menschen, die das Stadtleben schätzen und bereit sind, zwischen lebhafter Straße und ruhigem Hinterhof zu leben, ist er einer der lebenswertesten Kieze im Wedding.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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