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Weddinger:innen ärgern sich:
Zaun am Plötzensee: Stresstest nicht bestanden

6. Juni 2026

Die Baumaßnahmen sind abgeschlossen: Ein 1,65 Meter hoher Zaun umgibt fast das gesamte Seeufer – ausgenommen an der geschlossenen Fischerpinte, dem Strandbad und dem Steingarten an der Hans-Schomburgk-Promenade. Doch schon nach den ersten warmen Tagen zeigt sich: Die fast völlige Abriegelung des Sees wird von zahlreichen Badenden nicht akzeptiert.

Der neue, erhöhte Zaun wurde an einigen Stellen bereits zerstört; Badende haben sich Zugang zum See verschafft, wo das Ufer geschützt werden soll. Uns erreichten zahlreiche Zuschriften von Leser:innen, wie die von Alexander: „Dieser Vandalismus macht mich echt fertig. Die Natur in einigen Abschnitten fing gerade erst an, sich ein klein wenig zu erholen. Ich habe kürzlich sogar ein Nutria im See entdeckt.“

Schon Mitte Mai fragten wir uns: Wird dieser Sommer der erste, an dem die Natur am sieben Hektar großen Plötzensee, weitgehend von Menschen abgeschirmt, zur Ruhe kommt? Die Frage kann bereits jetzt mit „Nein“ beantwortet werden. Denn es gibt außer dem Steingarten, wo der Sprung ins Wasser – von einer Mauer aus – von den Behörden stillschweigend akzeptiert wird, keinen kostenlosen Uferzugang mehr. Bei der Abwägung „Natur gegen Naherholung“ wurde der Natur absoluter Vorrang eingeräumt.

Die Initiative „Free.Swimming.Plötzensee“ will sich damit nicht abfinden. Sie fordert die Anerkennung des Steingartens und drei weiterer Zugänge als offizielle Badestellen – verbunden mit Rettungsringen und Warnschildern zur Wassertiefe. „Naturschutz und Naherholung für alle sind kein Widerspruch – generelle Zugänge sind die Lösung“, meinen die Initiatoren. Insbesondere die FKK-Wiese am Westufer des Sees solle wieder einen Zugang erhalten, wünschen sich die Aktivisten.

Einstweilen ärgern sich Weddinger über die mutwillige Beschädigung öffentlicher Einrichtungen, die weit darüber hinausgehen, als sich nur Zugang zu verschaffen: „Die zerstörten Elemente sind auch noch hinter der Absperrung im Wasser – also da, ob überhaupt niemand hin soll“, schreibt Alexander.

Kommentar

Dem Bezirksamt steht im Wahlkampfjahr wieder ein heißer Sommer am See bevor: Fischerpinten-Zukunft und Uferzaun sind zwei Themen, die die Weddinger:innen bewegen. Einfach Zaun drum, Problem gelöst – das kann es eben nicht sein. Gleichzeitig ist die radikale Forderung der Initiative, ganze vier (!) freie Seezugänge einzurichten, mit dem dringend nötigen Naturschutz nicht vereinbar.

Wie auch immer die verfahrene Lage am See ist: Vandalismus an öffentlich finanziertem Eigentum ist durch nichts zu rechtfertigen! Dem Bezirksamt sollte das aber eine Lehre sein, dass bei Nutzungskonflikten auch Ventile geschaffen werden sollten, wenn sich die Auswirkungen in verantwortbaren Grenzen halten sollen. Die Weddinger:innen haben einen Anspruch darauf, dass Naturschutz und Erholungsbedürfnis in Einklang gebracht werden.

Beim Bürger:innengespräch am Freitag, dem 12. Juni um 18:30 Uhr in der Kapernaumkirche in der Seestraße 34 kann Stadtrat Christopher Schriner zu den vielen Punkten Stellung beziehen. Man darf gespannt sein.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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