Einzug oder nichts. Viele Kandidaten brauchen die Erststimme.

Den Wert der Erststimme nicht unterschätzen. Foto Andrei Schnell.
Den Wert der Erststimme nicht unterschätzen. Foto Andrei Schnell.

Ist die Erststimme überhaupt wichtig, wenn doch eh alle Politker über die Listen ins Parlament kommen? Die Antwort lautet: Jein.

Dieser Beitrag stellt die drei chancenreichsten Kandidaten der Weddinger Wahlkreise vor. Wer von ihnen die meisten Erststimmen in seinem Wahlkreis holt, der wird die nächsten fünf Jahre im Abgeordnetenhaus sitzen. Wer den Wahlkreis nicht gewinnt, der ist in der Regel nicht drin. Die Liste sichert nur wenige ab. (Fast) alles offen also.

Für die Kandidaten der SPD und der CDU gilt: sie gelangen in der Regel ins Abgeordnetenhaus durch einen Sieg bei den Erststimmen. Das liegt daran, dass diese beiden Parteien (wahrscheinlich wieder) besonders viele Direktmandate erringen. Diese Direktmandate belegen dann Sitze, die der SPD und der CDU laut Zweitstimme zustehen. Erfahrungsgemäß bleiben dann für Nachrücker von der Liste nur wenige Sitze übrig. Für die Kandidaten der anderen Parteien gilt: Je weiter oben in der Liste, desto besser.

Du wohnst …
… im Brüsseler Kiez? Dann lies Wahlkreis 4.
… im Afrikanischen Viertel, im Englischen Viertel oder am Leo? Dann lies Wahlkreis 5.
… im Soldiner Kiez, Gesundbrunnen oder am Nettelbeckplatz? Dann lies Wahlkreis 6.
… im Brunnenviertel, Antonkiez, am Nettelbeckplatz, im Sprengelkiez? Dann lies Wahlkreis 7.

Wahlkreis 4

Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 4. Grafik Landeswahlleiter Berlin.
Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 4. Grafik Landeswahlleiter Berlin.

Der Wahlkreis 4 ist eigentlich ein Moabiter Wahlreis. Als Anhängsel gehört der Brüsseler Kiez dazu.

Andreas Wiedermann, SPD, ist 34 Jahre alt, geborener Weddinger, Historiker. Derzeit schreibt er an einer Doktorarbeit. Sein politischer Schwerpunkt bisher: Arbeit gegen Rassismus. Er war bislang aktiv bei den Jusos. Andreas Wiedermann stellt sich vor auf www.wiedermann-spd.de und auf Facebook. Sein Platz 7 auf der Bezirksliste bringt ihn wahrscheinlich nicht ins Abgeordnetenhaus.

Marc Urbatsch, Grüne, ist 40 Jahrre alt, geboren bei Paderborn in Nordrhein-Westfalen, Mitgründer der Webseite www.arbeiterkind.de, bezeichnet sich als Kaufmann. Derzeit Fraktionssprecher der Grünen in der BezirksVV. Er ist im Landesvorstand der Grünen. Sein politischer Schwerpunkt, so sagt er, ist der Erhalt der sozialen Infrastruktur.  Marc Urbatsch stellt sich vor auf www.marcurbatsch.de und auf Facebook. Sein Platz 24 auf der berlinweiten Landeslister gibt ihm gute Chancen auf einen Einzug ins Abgeordnetenhaus.

Florian Nöll, CDU, ist 33 Jahre alt, geboren in Bottrop im Ruhrgebiet, ist Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. Besser als die Bezeichnung Unternehmer trifft für ihn die Bezeichnung Gründer zu. Politisch ist Florian Nöll bislang nicht aktiv gewesen, er will sich vermutlich – neben klassischen CDU-Themen – für ein besseres Klima für Start-Ups einsetzen. Florian Nöll stellt sich vor auf www.noell.berlin und auf Facebook. Er steht nicht auf der Bezirksliste.

Rückblick auf das Ergebnis der Erststimmen bei der Wahl 2011:
SPD = 29,2 %, Grüne = 23,2 %, CDU = 15,5 %.

Wahlkreis 5

Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 5. Grafik Landeswahlleiter Berlin.
Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 5. Grafik Landeswahlleiter Berlin.

Bruni Wildenhein-Lauterbach, SPD, ist 69 Jahre alt, ist geborene Weddingerin, hat Einzelhandeslkauffrau gelernt und in der Verwaltung gearbeitet. In der Politik hat sie seit 1992 in der BVV Mitte Erfahrungen gesammelt und seit 2006 im Abgeordnetenhaus. Als Vorsitzende des Hauptausschusses im Abgeordnetenhaus ist ihr Schwerpunkt gewissermaßen alles. Bruni Wildenhein-Lauterbach stellt sich vor auf www.wildenhein-lauterbach.de und auf Facebook. Bruni Wildenhain-Lauterbauchs Einzug ins Abgeordnetenhaus ist durch Platz 2 der Bezirksliste abgesichert.

Sven Rissmann, CDU, ist 38 Jahre alt, Kindheit im Wedding, Jurist. In der Politik hat er seit 1999 in der BVV Mitte Erfahrungen gesammelt und seit 2006 im Abgeordnetenhaus.  Sein politischer Schwerpunkt sind Verfassungs- und Rechtsangelegenheit. Sven Rissmann stellt sich vor auf  www.sven-rissmann.de und auf Facebook. Sein Platz 5 auf der Bezirksliste ist kein Ticket fürs Abgeordnetenhaus.

Daniel Gollasch, Grüne, ist 33 Jahre alt, in Leipzig geboren, Politikwissenschaftler. Beruflich hat er mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun. Er arbeitet in der AG Aktiv gegen Rechts. Dieses Thema dürfte auch sein politischer Schwerpunkt sein. Daniel Gollasch stellt sich vor auf www.danielgollasch.de und auf Facebook. Bei einem sehr guten Ergebnis der Grünen kommt er mit seinem Platz 30 der berlinweiten Landesliste ins Abgeordnetenhaus.

Rückblick auf das Ergebnis der Erststimmen bei der Wahl 2011:
SPD = 34 %, CDU = 24,6%, Grüne = 18,2 %.

Wahlkreis 6

Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 6. Grafik Landeswahlleiter Berlin.
Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 6. Grafik Landeswahlleiter Berlin.

Ralf Wieland, SPD, ist 60 Jahre alt, in Wilhelmshaven geboren. Ursprünglich hat er Speditionskaufmann gelernt. Seit 1999 ist er Mitglied im Abgeordnetenhaus. Er ist zur Zeit Präsident des Abgeordnetenhauses. Er stellt sich vor auf www.ralf-wieland.de. Sein Platz 1 auf der Bezirksliste sichert ihm den Einzug.

Markus Kunz, CDU, ist 38 Jahre alt, ist geborener Schwabe (Tailfingen), arbeitete bei einem Interessenverband. Politisch hat er bislang im Ortsverband gearbeit. Ein politischer Schwerpunkt durch Mitarbeit in Themengruppen zeigt seine Selbstdarstellung auf www.gesundbrunnen-hat-potential.de und auf Facebook nicht. Er steht nicht auf der Bezirksliste.

Nedim Bayat, Grüne, ist 50 Jahre alt, in Aralik im Osten der Türkei geboren. Der Wirtschaftsingenieur arbeitet als Lehrer. Bisherige politische Arbeit und belegbare politische Schwerpunkte teilt er auf www.gruene.berlin/nedim-bayat nicht mit. Er hat ein Profil auf Facebook. Er steht nicht auf der berlinweiten Landesliste.

Rückblick auf das Ergebnis der Erststimmen bei der Wahl 2011:
SPD = 31,8 %, Grüne = 28,2 %, CDU = 18,2 %.

Wahlkreis 7

Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 7. Grafik Landeswahlleiter Berlin.
Muster Stimmzettel Direktkandidaten (Erststimme) Wahlkreis 7. Grafik Landeswahlleiter Berlin.

Maja Lasić, SPD, ist 37 Jahre alt, geboren in Mostar in Bosnien, arbeitete viele Jahre bei der Bildungsinitiative TeachFirst, ist promovierte Biologin. Bildung ist eines ihrer wichtigsten politischen Schwerpunkte. Politisch aktiv ist sie in der AG Migration und AG Bildung. Außerdem ist sie im Landesvorstand der SPD. Maja Lasić stellt sich vor auf www.maja-lasic.de und auf Facebook. Ihr Platz 6 auf der Bezirksliste gibt ihr kein Ticket fürs  Abgeordnetenhaus.

Jenny Neubert, Grüne, ist 29 Jahre alt, geboren in Marienberg in Sachsen, ist Lehrerin bis Klasse 10 in Friedrichshain. Sie hat politische Erfahrungen als Mitglied der BezirksVV gesammelt. Bildung ist eines ihrer wichtigsten politischen Schwerpunkt-Themen. Jenny Neubert stellt sich vor auf www.jennyneubert.de und auf Facebook. Sie steht nicht auf der berlinweiten Landesliste.

Katharina Becker, CDU, ist 30 Jahre alt, geboren in Neustadt bei Hannover, arbeitete als Produktverantwortliche in verschiedenen Internetfirmen. Sie engagiert sich innerhalb der CDU in der Frauenunion. Frauenthemen dürften deshalb ihr politischer Schwerpunkt sein. Katharina Becker stellt sich vor auf www.katharina-becker.com und auf Facebook. Sie steht nicht auf der Bezirksliste.

Rückblick auf das Ergebnis der Erststimmen bei der Wahl 2011:
SPD = 33,5 %, Grüne = 22,8 %, CDU = 17,9 %.

Autor: Andrei Schnell, Muster der Stimmzettel: Landeswahlleiter Berlin.

5 Kommentare
  1. Ich habe echt nur so blöde Kandidaten zur Auswahl! grrrrrr….. Frage mich, was nun das kleinere Übel ist.

  2. Eine gute Übersicht und wieder eine echte Fleißarbeit. Dankeschön dafür!

  3. häää? die kandidat_innen der linken und der piraten hättet ihr ja auch noch kurz vorstellen können…

    1. Aus meiner Sicht, lassen die Ergebnisse der Erststimmen(!) in den letzten Jahren nicht vermuten, dass die Linken oder die Piraten einen Direktkandidaten durchbringen.

      1. Aus Ihrer Sicht? Standard ist, alle in der aktuellen Bürgerschaft vertretenen Parteien mit ihren Kandidaten abzubilden.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: