Weddingwoche #7: Der Papst geht, Kaufland kommt!

Die Wed­ding­wo­che ist eine wöchent­li­che Kolum­ne über aktu­el­le Ereig­nis­se in unse­rem Stadt­teil. Die­se erscheint auch sams­tags im Ber­li­ner Abend­blatt, Aus­ga­be Wedding.

Kaufland-Bauschild (Foto: P.Arndt)
Kauf­land-Bau­schild (Foto: P.Arndt)

Wäh­rend ich die obe­re Mül­ler­stra­ße ent­lang­spa­zie­re, über­le­ge ich, was es bedeu­tet, dass wir bald nicht mehr Papst sind. Für mich hat es hof­fent­lich kei­ne gro­ßen Kon­se­quen­zen, denn ursprüng­lich woll­te ich nie Papst wer­den. Trotz­dem hat man sich doch irgend­wie dar­an gewöhnt. Plötz­lich ragt vor mir ein gro­ßes, neu auf­ge­stell­tes Bau­schild in die Höhe und reißt mich aus mei­nen Gedan­ken. Auf ihm steht “Kauf­land kommt!”, was so kämp­fe­risch klingt, dass ich unwill­kür­lich einen Schritt zurück­wei­che. Ver­mut­lich ist es eine War­nung an den nur rund 200 Meter ent­fern­ten Real, sich schon mal warm anzu­zie­hen. Ich male mir aus, mit was für einem Schild Real kon­tern wird, bedaue­re, dass die Flä­che nicht für ein schwe­di­sches Möbel­haus reich­te und wer­de schließ­lich melan­cho­lisch. Denn hier stand sie, die inzwi­schen abge­ris­se­ne Mül­ler­hal­le. In der Markt­hal­le konn­te man außer dem Duft von fri­schem Obst und Brat­fett auch noch die Aura des alten Front­be­zirks Wed­ding atmen. Die­ser char­mant-schumm­ri­ge Beton­bau war eines der letz­ten Refu­gi­en für Ber­li­ner Ori­gi­na­le. Es muss­te ja nicht die Auf­nah­me ins Welt­kul­tur­er­be sein, aber gab es wirk­lich kei­ne Mög­lich­keit die Hal­le samt der Ori­gi­na­le zu erhal­ten? Man­che Din­ge schät­zen wir offen­bar erst, wenn sie nicht mehr sind. Ich trös­te mich mit einem Fisch­bröt­chen in Moni’s Fisch­ka­jü­te und beschlie­ße, mich damit abzu­fin­den, kein Papst mehr zu sein. Viel­leicht wer­de ich ja 2014 wie­der Fußball-Weltmeister.

Autor: Ingo Scharmann

TIPP: Monis Fisch­ka­jü­te: Mül­ler­str. 114, U Rehberge

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