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Verhandlungen zum Platznamen enden mit Arbeitsauftrag

Elise und Otto Hampel - Grafik: SPD Abteilung 16
Eli­se und Otto Ham­pel – Gra­fik: SPD Abtei­lung 16

Der namen­lo­se Platz vor dem ehe­ma­li­gen Rat­haus­turm hat auch nach einem Tref­fen zwi­schen Namens­ge­ber und Platz­ei­gen­tü­mer kei­nen Namen erhal­ten. Wal­ter Frey, von der Stadt­teil­ver­tre­tung mensch.müller kämpf­te letz­ten Mitt­woch, 26. August, wort­reich für den Vor­schlag Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Platz. Sven Lemiss, Geschäfts­füh­rer der lan­des­ei­ge­nen Ber­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment hielt dage­gen. Die kla­ren Fron­ten weich­ten am Ende der Ver­hand­lung ein klein wenig auf. Die Namens­kämp­fer hof­fen nun, ihr Ziel errei­chen zu kön­nen, wenn es ihnen gelingt das Bezirks­amt zu einer ein­deu­ti­gen Stel­lung­nah­me zu bewegen.

Sven Lemiss von der Ber­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH (BIM) ver­wies dar­auf, dass der Haupt­mie­ter, das Job­Cen­ter, den neu­en Namen ablehnt. Die BIM ist Eigen­tü­me­rin des Plat­zes und Pri­vat­plät­ze kön­nen vom Bezirks­amt nicht mit Namen ver­se­hen wer­den – nur der Eigen­tü­mer kann eine Benen­nung vor­neh­men. Das Job­Cen­ter, den die BIM als wich­tigs­ten Mie­ter ernst nimmt, lehnt den Namen ab, weil es fürch­tet, es könn­te zu Ver­ball­hor­nun­gen kom­men. Eine Ein­stel­lung, die nicht gera­de selbst­be­wusst zu nen­nen ist, aber mit der die BIM umge­hen muss. Den­noch deu­te­te Sven Lemiss an, dass für ihn eine Benen­nung denk­bar wäre, wenn das Bezirks­amt sich ein­deu­tig zu dem Namen bekennt. Das Job­Cen­ter schick­te kei­nen Ver­te­ter zum Termin.

Rathausvorplatz WeddingDie Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung (BVV) steht schon seit Jah­ren ein­deu­tig für den Namen Eli­sa-und-Otto-Ham­pel-Platz. „Ich erwar­te von der BIM und dem Bezirks­amt, dass dem bestän­dig klar gemach­ten Wunsch der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ent­spro­chen wird. Die BVV hat alle Beschlüs­se dazu gefasst.“, so Vera Mor­gen­stern, Vor­sit­zen­de AG Geschich­te BVV-Ber­lin Mit­te. Doch die BVV ist kein Par­la­ment, dass gesetz­kräf­tig Beschlüs­se fas­sen kann. Für den Bezirk bin­den­de Beschlüs­se fas­sen kann nur das Bezirks­amt, wobei das Wort Bezirks­amt dop­pel­deu­tig ist. Gemeint ist nicht eine Behör­de, die umgangs­sprach­lich als Amt bezeich­net wird. Bezirks­amt meint hier den Bezirks­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke und die vier Stadträte.

Zumin­dest Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke schreibt im von der Lan­des-SPD her­aus­ge­ge­be­nen Ber­li­ner Stadt­blatt: „Der Platz am Rat­haus soll in Zukunft nach Eli­se und Otto Ham­pel benannt wer­den.“ Das kann man als neu­tra­le Aus­sa­ge lesen oder als Bekennt­nis. Bei­des ist mög­lich. Auch, dass die fünf Ent­schei­dungs­trä­ger um Chris­ti­an Hanke auf einer ihrer regel­mä­ßi­gen Sit­zun­gen schrift­lich den Wunsch nach einer Benen­nung in Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Platz fest­hal­ten, soll­te mög­lich sein.

Kurz gesagt: Wenn das Bezirks­amt sich posi­tio­niert und wenn Sven Lemiss zu sei­ner Andeu­tung steht, dann klappt die Ben­nung des namen­lo­sen Plat­zes vor dem ehe­ma­li­gen Rat­haus. Zumal die Pres­se­spre­che­rin der BIM, Kat­ja Cwe­jn, auf Anfra­ge ein­deu­tig erklärt, “dass die BIM, soll­te das Bezirks­amt Mit­te einen Beschluss zur Benen­nung des Rat­haus­vor­plat­zes tref­fen, die­sem Beschluss fol­gen und die Benen­nung des Rat­haus­plat­zes in Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Platz beim Bezirks­amt bean­tra­gen und anschlie­ßend umset­zen werden.”

Für den Namen Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Platz kämp­fen die Stadt­teil­ver­tre­tung mensch.müller, die AG Geschich­te der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, der Wed­din­ger Hei­mat­ver­ein und die orts­an­säs­si­ge SPD-Glie­de­rung 16. Die Namens­fin­dung begann vor zwei Jah­ren. Den Namen brach­te die CDU ein. Vom Ehe­paar Ham­pel war nie­mand Mit­glied in der SPD oder KPD und somit für die Kon­ser­va­ti­ven tragbar.

Eli­se und Otto waren zwar Wider­stands­kämp­fer, aber eher unpo­li­ti­sche Leu­te – für den Autor Hans Fal­la­da viel­leicht gera­de des­halb ein idea­les Vor­bild für sei­nen Roman „Jeder stirbt für sich allein“, in dem die Unmensch­lich­keit des NS-Regimes The­ma ist.

Nach­trag Juni 2016: Die Namens­ge­bung für den Rat­haus­vor­platz ist einen ent­schei­den­den Schritt vor­an­ge­kom­men. Die Ber­li­ner Immo­bi­li­en Manage­ment GmbH hat inzwi­schen beim Bezirks­amt den Antrag auf Benen­nung des Plat­zes nach den Wider­stands­kämp­fern Eli­se und Otto Ham­pel gestellt.

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mensch.müller Stadt­teil­ver­tre­tung
Ber­li­ner Immo­bi­li­en­ma­nage­ment GmbH – ehe­mals Liegenschaftsfond
Über die Ham­pels und Fal­la­das Buch schreibt EckeMüller
Älte­re Arti­kel auf dem Wed­ding­wei­ser 1 und 2
Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Hanke im Juni auf Sei­te 2 im Ber­li­ner Stadtblatt
§5 Ber­li­ner Stra­ßen­ge­setz ver­langt, dass Namen der Ori­en­tie­rung dienen
Die zuge­hö­ri­gen Aus­füh­rungs­vor­schrif­ten im Ber­li­ner Amts­blatt Nr. 35 / 12. 08. 2011
Wie Stra­ßen in Mit­te umbe­nannt wer­den sol­len, Beschluss 2002

Autor: And­rei Schnell
Gra­fik: SPD Mit­te Abtei­lung 16

Andrei Schnell

Man hat mir versichert, es gäbe keine Vorschrift zu gendern und ich sei in dieser Frage frei, nicht wahr? Außerdem: Mein Hintergrund ist ostdeutsch, das beruht auf Erlebnissen. Und: Politik sehe ich mir an wie Sportwettbewerbe. Plus: Lese ich ein Buch lese, dann möchte ich es gleich besprechen. Ich mag Geschichten und Geschichte. Mister Gum möchte ich abschließend erwähnen.

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