Ein Platz, der keinen Namen trägt

Rathausvorplatz WeddingEinen Namen hat dieser Platz schon längst verdient. Und jetzt, wo die neue Schillerbibliothek eröffnet hat und die Arbeitsagentur das frisch sanierte Hochhaus beziehen kann, käme eine Benennung gerade richtig. Immerhin hatten sich im vergangenen Jahr nach zahlreichen Vorschlägen unter anderem aus der Weddinger Bevölkerung verschiedene Gremien im Stadtteil beziehungsweise im Bezirk für eine Benennung des Rathausvorplatzes nach den Weddinger Widerstandskämpfern gegen die Nazi-Diktatur Elise und Otto Hampel ausgesprochen. Zuletzt sogar die komplette Bezirksverordnetenversammlung. Eine Grundlage dieser Beschlüsse war die Zusage der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die als Eigentümerin des zentralen Bereichs des Platzes bei einer Namensgebung das letzte Wort hat, einen entsprechenden Beschluss der BVV zu übernehmen. Doch nun hat die BIM ihre Zusage überraschend zurückgezogen. Als Begründung wurde die mit einer Platzbenennung erforderliche Adressänderung für das neue Job-Center im „Rathausturm“ genannt, das unter einer neuen Anschrift nicht gut aufzufinden sei. Ein vorgeschobenes Argument, meint die Stadtteilvertretung mensch.müller. Angesichts der Länge der Müllerstraße – 3,5 Kilometer, mehr als 180 Hausnummern – wäre ein eigener und damit herausgehobener Platzname für die allgemeine Orientierung und das Auffinden des Job-Centers ausgesprochen hilfreich. „Bedauerlicherweise haben in letzter Zeit die technisch-bürokratischen Einwände gegen die Platzbenennung nach den beiden Weddinger Widerstandskämpfern einen übermäßig hohen Stellenwert erhalten“, heißt es in einem Offenen Brief der Stadtteilvertretung. „Dabei gehörte es sich vielmehr, dass die Würdigung des Widerstands gegen die Nazis, den das Arbeiterehepaar Elise und Otto Hampel in unserem Stadtteil geleistet hat, an vorderster Stelle steht und die größere, die eigentliche Bedeutung hat. Denn diese beiden Namen symbolisieren die progressive und antifaschistische Tradition des Wedding.“ Das Schicksal von Elise und Otto Hampel wurde durch den internationalen Roman-Bestseller von Hans Fallada, „Jeder stirbt für sich allein“, weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt.

Deshalb erwartet die Stadtteilvertretung vom Bezirksamt beziehungsweise den Bezirksstadträten ein deutlicheres Engagement auf der politischen und öffentlichen Ebene.

Wiederholte öffentliche Äußerungen von Bezirksamtsseite wie: „Es gibt keine Realisierungsperspektive“ oder „Das ist jetzt vom Tisch“ ließen vielmehr auf mangelnden Einsatz in dieser Frage schließen. Und das, obwohl es den eindeutigen BVV-Beschluss für Elise und Otto Hampel als Namensgeber für den Rathausvorplatz gibt – ein Beschluss, dem sich auch das von der BVV gewählte Bezirksamt verpflichtet fühlen sollte.

Autor: Ulf Teichert

Ursprünglich erschienen im Berliner Abendblatt


1 Kommentar
  1. […] Über die Hampels und Falladas Buch schreibt EckeMüller Ältere Artikel auf dem Weddingweisser 1 und 2 Bürgermeister Christian Hanke im Juni auf Seite 2 im Berliner Stadtblatt §5 Berliner […]

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