Neuer Glanz fürs Strandbad Plötzensee

Der Wedding hat im Laufe der Jahre viel von seiner Geschichte verloren. Für eine über 100 Jahre alte „blaue Perle“ scheint es nun aber einen Rettungsanker und eine Zukunft zu geben. Das Freibad am Westufer des natürlichen Gewässers mit seinem markanten Backsteingebäude ist seit diesem Jahr an ein neues Team verpachtet. Die Betreiber Michael Verhoeven und Katharina Zahn – Geschäftsführerin – wollen das Potenzial dieses Naturparadieses mitten in der Stadt heben, und etwas gegen die permanente Übernutzung des Sees an seinem Ostufer tun. Statt wild im Landschaftsschutzgebiet zu baden soll es wieder gute Gründe geben, ins frisch renovierte Strandbad zu gehen.

Auf eine Kirschsaftschorle mit Weddingweiser-Fan Nr. 3333

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Wir WW-Redakteure fragen uns immer wieder, was das eigentlich für Leute sind, die unsere Beiträge lesen. Wer da über unsere Scherzchen schmunzelt, sich für unsere Anliegen interessiert oder unsere Rechtschreibfehler bemerkt. Zur aktuellsten Schnapszahl auf unserem Facebook-Zähler haben wir uns vorgenommen, mal einen von euch kennenzulernen. Und so hat an einem Sommernachmittag am Leopoldplatz Johannes seine ganz persönliche Wedding-Geschichte erzählt.

„Da, wo ich wohne, lebe ich auch“ – Weddinger im Porträt

Wir porträtieren Weddinger in Text und Bild. Heute sprechen wir mit Flo, 40, über sein Leben im Wedding. 

Flo wohnt in der Buttmannstraße. Er ist Erzieher und arbeitet als Nachtwache in einem Behindertenwohnheim in Gießen. Das macht er zwölf Nächte im Monat, den Rest der Zeit verbringt er in Berlin. Flo lebt in einem Ein-Raum-Apartment. Es gibt eine kleine muschelige Küche mit Badeofen, das Zimmer dagegen ist sehr groß und durch ein Hochbett auch sehr geräumig. Die Toilette suche ich vergebens. Sie befindet sich eine halbe Treppe tiefer.

Zuhause ist es doch am schönsten: 30 Jahre StattReisen

Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

„Statt zu verreisen, kann man auch in der Stadt bleiben und diese unter immer wieder neuen Gesichtspunkten erleben“, beschreibt Jörg Zintgraf, Geschäftsführer von StattReisen Berlin, das Konzept seiner Firma. Schon seit 1983 bietet das Weddinger Unternehmen Stadtspaziergänge an, die gleichermaßen für Touristen von außerhalb und für Einheimische konzipiert sind. Gut die Hälfte der Teilnehmer an den Führungen sind folgerichtig auch Bewohner Berlins. „Die Touristen und die Berliner miteinander ins Gespräch bringen ist uns ganz wichtig“, sagt Zintgraf, „denn so wird der Zoo-Effekt vermieden und die Stadt wirklich greifbar gemacht.“ Zunehmend interessieren sich nämlich die Berlin-Besucher nicht nur für die Gebäude und Museen, sondern auch für den ganz normalen Alltag in dieser Millionenstadt „Es kann durchaus reizvoll sein, sich auch die vermeintlichen Ghettos näher anzusehen“, sagt der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Dr. Christian Hanke, in dessen Bezirk mit Moabit, Wedding und Gesundbrunnen drei Ortsteile liegen, die Reiseführer noch nicht auf dem Schirm haben. Doch dass genau in den Wohngebieten der „kleinen Leute“ ein touristischer Reiz liegen kann, glaubt auch der Bürgermeister. Es kann für den einen oder anderen Touristen durchaus spannend sein, eine preiswerte Unterkunft in einem einfachen, aber lebendigen Innenstadtviertel wie dem Wedding zu haben und von dort aus Berlin zu erkunden.

Wedding von Kennern für Neugierige

Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

In einer Umfrage haben wir die Facebook-Fans des Weddingweisers gefragt, was sie Besuchern im Wedding gerne zeigen. Neben den „Top-Sehenswürdigkeiten“ wie den beiden Schinkelkirchen am Leopoldplatz bzw. an der Pankstraße Ecke Badstraße, der Weltkulturerbe-Siedlung Schillerpark oder dem Plötzensee werden auch kuriose und eher unauffällige Dinge genannt. Zum Beispiel empfiehlt ein Leser einen kurzen Spaziergang in den Sprengelkiez zum Madenautomaten in der Tegeler Straße, „weil der einfach ein Unikat ist“, und im Anschluss geht es dann in den Humboldthain wegen der Aussicht. Je nach Interessengebiet gibt der Wedding auch schon eine Menge thematischer Spaziergänge her, z.B. wenn es nur um Kunst gehen soll: „für die Großen und die Kleinen: secondhomeproject, Galerien in den Osramhöfen, Ateliers auf dem ExRotaprint-Gelände und in den Uferhallen“ und vieles mehr, schreibt eine Leserin. Oder man schickt den Besuch nur in Kneipen wie das Eschenbräu, zur Lesung mit den Brauseboys, in die Atelierwochenenden der Kolonie Wedding oder ins Mastul.

Für Fremde eher überraschend sind die vielen „Geheimtipps“ – die für Weddinger alles andere als geheim sind – wie ein Spaziergang am Panke-Grünzug, am Nordhafen, durch den Sprengelpark oder der kleine Eiffelturm vor dem Centre Francais.

Weddings Schätze liegen im Verborgenen

Thematische Führung durch den Wedding
Thematische Führung durch den Wedding

Zum 30jährigen Jubiläum von Stattreisen schreibt der Tagesspiegel: „Längst ist der inzwischen mehr mittelständische als rote Wedding nur noch ein Teil der Erkundung, die ganze Stadt ist entdeckenswert.“ Und letztendlich haben die Erfinder der Stattreisen recht, wenn sie auf die Verbindung von Touristen und Einheimischen bauen. So schreibt ein Leser, welche drei Dinge er seinen Besuchern zeigt: „die Hinterhöfe gewisser Wohnhäuser, die Panke entlang laufen und Geschichten dazu erzählen, Seitenstraßen entdecken“, und fügt hinzu: „Abseits des Trubels ist der Wedding am schönsten.“

 

StattReisen, Büro: Liebenwalder Str. 35a