Tiere im Wedding: Jerry, das Hausschwein

Hausschwein JerryBewohner des Afrikanischen Viertels sind ihm bestimmt schon einmal begegnet und haben zwei Mal hinschauen müssen, was da für ein Tier an der Leine läuft: „Das Hausschwein aus der Otawistraße gehört meiner Freundin und wurde wegen einer Haustierallergie angeschafft“, schreibt uns eine Leserin. Sie kann aus eigener Anschauung bestätigen: Jerry lebt gemeinsam mit zwei Frauen, einem Hund und zwei Katzen¹ im Wedding wie Gott in Frankreich – ihm geht es besser als jedem anderen Schwein in der Landwirtschaftshaltung. Und wenn die schöne Jahreszeit angebrochen ist, lässt sich der 65 Kilo schwere Jerry die Sonne am liebsten in der Gartenkolonie auf den Bauch scheinen…

Hausschwein (C) Pamela Herhold
C) Pamela Herhold

Das Halten von Tieren, abgesehen von bestimmten geschützten Arten, wozu das gemeine Hausschwein nicht zählt, ist in Deutschland übrigens nicht verboten, soweit es artgerecht erfolgt und keine Belästigung für die Allgemeinheit davon ausgeht. Artgerechte Haltung geht eigentlich ab drei Tieren los, da Schweine sehr soziale Wesen sind. Aber dafür versteht sich das „Wiesenauer Mini-Schwein“ Jerry ja umso besser mit seinem besten Hundefreund…

Es gibt auch wilde Tiere im Wedding…

¹ http://www.bild.de/regional/berlin/haustiere/jerry-lebt-in-berliner-drei-zimmer-wohnung-44558952.bild.html

UMGEZOGEN: Galerie Franzkowiak: Kein Fremdkörper im Togo-Kiez

GalerieFranzkowiak_AussenansichtDie stille Togostraße mit ihrem breiten Grünstreifen in der Mitte wirkt gemütlich und bestimmt nicht wie ein Kunstquartier. Dennoch hat sich mit der Galerie Franzkowiak ein Anlaufpunkt für Kunstinteressierte etabliert, der sich bei näherer Betrachtung gut in den Kiez einfügt.

Bis Ende 2013 war das frühere Elektronikfachgeschäft in der Togostraße 6 ungenutzt. „Wenn man von der lauten Seestraße abbiegt, kommt man in der Togostraße gleich zur Ruhe“, sagt Josephine Brückner. Eigentlich hat sie für ihre Schwester und sich einen Laden für das Mabellevie-Atelier gesucht. „Doch weil wir wussten, dass unser Bekannter, der Galerist Marc Franzkowiak Räume für eine Galerie sucht, haben wir uns für diese zweigeteilten Gewerberäume interessiert“, erzählt die 28-jährige Kunstwissenschaftlerin. Links das Ladenatelier, rechts die Galerie – Küche und Hinterzimmer werden gemeinsam genutzt.

Nussbreite – Die Wohnzimmerbar im Wedding

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Nachdem in den letzten Jahren das Kulturangebot im Afrikanischen Vierteletwas größer geworden ist, hat 2014 die „Nussbreite“ in der Seestraße 106 eröffnet. An der Ecke zur Togostraße verwandelte sich das frühere Koreanische Restaurant in eine sehr einladende Wohnzimmerbar. Musikfans werden im Wedding hier am ehesten auf ihre Kosten kommen.

Müllerstraße: Der „Ku’damm des Nordens“

Ralf Schmiedecke, Autor von inzwischen 13 Büchern über die Historie diverser Berliner Stadtteile sowie der Berliner Feuerwehr,  lebt seit seiner Geburt im Wedding. Der Hobby-Historiker arbeitet als Sicherheitsingenieur bei der BSR. Seine Freizeitbeschäftigung ist eher eine Leidenschaft: Er sammelt historische Ansichtskarten, Fotos und Firmenrechnungen. Die meisten Exponate stammen dabei aus dem alten Bezirk Wedding. Über den hat er bereits drei Bildbände zusammengestellt – und das vierte Buch ist schon in Arbeit.

Togo bald keine „Kolonie“ mehr

Berlin kann von sich behaupten, 925 Kleingartenanlagen mit mehr als 73.000 Parzellen¹ zu besitzen. Wenn eine Kleingartenkolonie Geburtstag feiert, ist das nichts Besonderes. Doch wenn der „Dauerkleingartenverein Togo“ sein 75 . Jubiläum feiert, ist das für den Bezirksbürgermeister Christian Hanke ein Grund, den Kleingärtnern einen Besuch abzustatten. Wenn auch nicht der Hauptgrund…

GESCHLOSSEN: „Arirang“: Kulinarischer Kopfsprung nach Nordkorea

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Im Wedding gibt es mehrere koreanische Restaurants. Das „Arirang“ ist von allen das unauffälligste. Ein Hinweis darauf, dass das, was hinter abgeklebten Scheiben zubereitet wird, besonders nah an koreanischen Ernährungsgewohnheiten ist? Unser Autor wagt den Versuch…

Freitag nacht, 23.30 Uhr. Ich schlendere die Seestraße entlang, auf dem Rückweg von einem Freund. Hier, zwischen Alhambra-Kino und Autobahn, ist es ruhig um diese Zeit. Aus einem Laden kommt ein Mann mit einem Putzeimer in der Hand und einer Kippe im Mund. Closing Time. „Asiatisch“, denke ich, als ich im Schummerlicht der Straßenlampe sein Gesicht sehe. Mein Blick geht nach oben, zum Schild über dem Geschäft mit den abgeklebten Scheiben. Unverständliche Schriftzeichen, daneben steht Arirang. „Chinesisch ist es nicht, japanisch, glaube ich auch nicht“, mutmaße ich. Jetzt entdecke ich die Kindl-Lampen, die Speisekarte neben der Tür. Bestimmt ein Lieferservice. Auf dem Bürgersteig stehen ein paar Plastikstühle an wackligen Tischen mit grell-bunten Wachstischdecke und den Aschenbechern sehen sie aus, als seien sie der Aufenthaltsbereich für die Fahrer.  In Wirklichkeit sind sie die Außenbestuhlung eines nordkoreanischen Restaurants. Der leicht bizarre, ungeschönte Auftritt setzt sich auf dem Menü fort. Frittiertes Hühnerfleisch mit Ketchup, Schweinebauch, marinierter Tintenfisch, Strandschnecke mit Rindermagen. Keine leichte Kost für mitteleuropäische Gaumen. Echt. Echt!

Das sind „nur“ die Vorspeisen…

Arirang-Koreanisch-1Am Samstag bin ich zur Mittagszeit wieder da. Zwei Männer sitzen rauchend an den Wackeltischen wie neutrale Beobachter einer Welt, mit der sie nur wenig zu tun haben. Meine Hand-zum-Mund-Geste, gepaart mit dem fragenden Blick, bewirkt ein sich verstärkendes Nicken. Denn geht einer der beiden nach drinnen und erscheint mit einer gelben Speisekarte wieder. Dass die Gerichte in drei Sprachen – koreanisch inklusive Vertonung im lateinischen Alphabet, chinesisch und deutsch – benannt und leidlich erklärt sind, öffnet die Tür zu dieser unbekannten kulinarischen Welt höchstens einen Spalt breit. Auch die paar Fotos auf der Rückseite sind keine große Hilfe. Entlang der Preisskala, die bei den Menüs schnell die 20-Euro-Marke reißt, hangele ich mich entlang wenig riskanter Kombinationen: Nudeln, Suppe, wenig scharf… Ich pendele mich ein bei Teigtaschen gefüllt, das Dutzend für 6 Euro, und Nudeleintopf. Dazu ein Weizentee als dezent mutiger Getränkeausflug auf kulinarisches Neuland. Draufzeig-Bestellung. Eigentlich zwei Vorspeisen.

Die Bandbreite neuer Geschmackserlebnisse

Zehn Minuten später kommt in schneller Folge ein Teller mit koreanischen Ravioli – im Kreis gruppiert um ein Schälchen Sojasoße, eine Schale Reis, ein mächtiger Suppenpott voll mit Einlage und dazu ein großer Salatteller mit Gurken, Sojasprossen, frittierten Kartoffeln und Kohl. „Aber den Salat und den Reis habe ich doch gar nicht bestellt!“, bedeute ich dem Kellner. Er lächelt schief und sagt knapp: „Dazu!“ Ich sitze vor einem Berg voller Essen. Ein Schluck Tee, dann Kopfsprung in neue Geschmackswelten. Meine Freischwimmerlehren: Gurke schmeckt mit Chili nicht mehr nach Nix und mildert gleichzeitig Schärfe. Sojasprossen roh muss man nicht mögen und sauer eingelegten Weißkohl nicht zum Alltagssnack erwählen. Genau dafür bieten sich aber die Teigtaschen an – ob mit oder ohne Sojasoße. Der prall gefüllte Suppentopf mit faserigem Rindfleisch und Glasnudeln passt zum Winter wie Wollsocken und Kaminfeuer. Die ideale Anti-Winterdepressions-Ernährung. Bleibt auszuprobieren, wie die Welt koreanischer Hausmannskost hinter der undurchsichtigen Schaufensterscheibe schmeckt.

Autor: Marcus Bauer

Seestr. 106 (nahe Togostr.),

Tel. 45021248, täglich 12 – 23 Uhr