Kundgebung für Soziokultur und gegen Abriss

Diesterweg
Das ehemalige Schulhaus des Diesterweg-Gymnasiums. Foto: Weddingweiser

Die einen sind von der Architektur des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums in der Swinemünder Straße begeistert, die anderen wollen das orangefarbene Ufo im Brunnenviertel so schnell wie möglich abreißen. Zum Beispiel Stadtrat Carsten Spallek (CDU), der wegen Wassereinbruch von einem „Totalschaden“ spricht. Die Initiative ps wedding ruft nun für den 14. Oktober zu einer Kundgebung auf. Sie sehen in einem Abriss einen „politischen Totalschaden“. Hier erklären sie warum:

Machtablösung im Bezirk

Vier von fünf Stadträten. Von links Ephraim Gothe, Stephan von Dassel, Sabine Weißler, Carsten Spallek. Foto Andrei Schnell.
Vier von fünf Stadträten. Von links Ephraim Gothe, Stephan von Dassel, Sabine Weißler, Carsten Spallek. Foto: Andrei Schnell

Die Kämpfe um die Posten im Bezirk Mitte sind fast beendet. Am 27. Oktober wurde das neue Bezirksamt gewählt. (Das Bezirksamt, das grob als eine Art Bezirksregierung verstanden werden kann, ist nicht zu verwechseln mit dem landläufigen Begriff vom „Amt“.) Es besteht aus fünf Stadträten, die die Bezirkspolitik in Mitte maßgeblich beeinflussen. Welcher der fünf Stadträte den größten Einfluss haben wird, wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Hier eine Vorstellung der zukünftig politisch fünf einflussreichsten Menschen in Mitte.

Wo sind im Bezirk Unterkünfte für Flüchtlinge, Herr Stadtrat?

Baustadtrat Carsten Spallek - Foto: Andrei Schnell
Baustadtrat Carsten Spallek – Foto: Andrei Schnell

Ehrenamtliche wie zum Beispiel rund um die Initiativen „Wedding hilft“ oder „Moabit hilft“ leisten viel, wenn es um die Willkommenskultur im Bezirk geht. Auch für Stadtrat Carsten Spallek (CDU) ist das Thema Flüchtlinge derzeit das beherrschende Thema. Der Bezirk Mitte ist wegen des nahenden Winters gefragt, Flüchtlinge jetzt mit guten Quartieren zu versorgen. Am Rande des Kiezfestes im Brunnenviertel äußerte sich Baustadtrat Carsten Spallek dazu, wo Flüchtlinge in Mitte untergebracht werden könnten.

Frischzellenkur für den guten alten Leopoldplatz

Am Freitag, den 25. Oktober wird ab 17:30 Uhr der umgebaute Leopoldplatz feierlich eingeweiht. Aus Sicht der beteiligten Institutionen ist die Neugestaltung ein Musterbeispiel für eine gelungene Bürgerbeteiligung. Nicht nur, dass die Wünsche der Beteiligten konkret umgesetzt wurden sei ein Erfolg, sondern auch die Entschärfung der unbestreitbar vorhandenen sozialen Probleme auf dem Platz. Zeit, sich einmal die ganze Geschichte des Platzes anzuschauen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

1835 stand auf dem Gebiet des heutigen Leopoldplatz nur die alte Nazarethkirche. Erst Jahrzehnte später wurde um die von Schinkel entworfene schlichte Backsteinkirche herum ein drei Straßenblöcke aussparender Platz angelegt, der bald von Mietskasernen umbaut war.

Leopold ist ein althochdeutscher Name und bedeutet so viel wie „Der Tapfere aus dem Volk“. Nach einem Volkshelden wurde der Platz 1891 jedoch nicht benannt. Vielmehr bezieht sich der Name auf den Erfinder des Gleichschritts, Leopold I., Fürst von Anhalt- Dessau, auch „der alte Dessauer“ genannt. Ohnehin gibt es in der Umgebung des „Leo“ zahlreiche Straßennamen, die an Schlachten oder (fragwürdige) Personen der Militärgeschichte erinnern. Und dass dieser einstmals geschlossene Stadtplatz einmal das Zentrum des Wedding sein würde, war im Hobrechtschen Bebauungsplan von 1862 nicht vorgesehen.

In der Nachkriegszeit wurden die Müller-, die Luxemburger und die Schulstraße autogerecht ausgebaut. Zudem avancierte der südwestliche Platzteil durch die Eröffnung des unterirdischen Kreuzungsbahnhofs „Leopoldplatz“ (1961) zum wichtigen Schnittpunkt zweier U-Bahnlinien. Die zentrale Funktion dieses Platzes wurde durch die Ansiedlung eines Karstadt-Warenhauses 1978 noch verstärkt. Planer legten 1985 im Rahmen eines aufwändigen Umgestaltungsprozesses noch einmal Hand an und platzierten ein rundes Granitbecken mit Springbrunnen vor dem denkmalgeschützten Schinkel-Kirchenbau.

Der jüngste Umbau

Der aktuelle Umgestaltungsprozess wurde erst angestoßen, als im Rahmen des städtebaulichen Programms „Aktive Zentren“ Fördermittel zur Verfügung standen. Es war klar, dass diesmal auch die vielen Nutzungskonflikte auf dem Leopoldplatz entschärft werden mussten. Aus Sicht der Planer ist nun am Ende des Prozesses festzustellen: durch konkretes gemeinsames Handeln hat sich ein starkes Netzwerk von Menschen gebildet, das heute bereit ist, Verantwortung für Andere und den Stadtraum zu übernehmen. Als bedeutender Konsens bildet sich heraus, dass der Leopoldplatz „ein Platz für alle“ sein muss.  Seit  Anfang 2011 wurde unter Beteiligung vieler Akteure schrittweise die Verbesserung der Platzanlage geplant und gebaut. Gleich zu Beginn des Prozesses wurde durch eine Initiative der Platznutzer und Anrainer der „Runde Tisch Leopoldplatz“ ins Leben gerufen. Durch dieses Vorgehen ist es beispielsweise gelungen, einen eigenen Aufenthaltsbereich für Trinker hinter der Alten Nazarethkirche zu schaffen.

Gestalterisch ein Minimalkompromiss

Die anwesenden Politiker (Senator, Bezirksbürgermeister, Bezirksstadtrat) werden sich daher bei der Eröffnungsveranstaltung auf die eigene Schulter klopfen, doch festzustellen bleibt: diesmal haben die Bürgerinnen und Bürger die wichtigste Arbeit gemacht. Dabei standen, wie es auf dem Platz vordringlich erschien, die sozialen Fragen im Vordergrund. Gestalterisch ist das Ergebnis jedoch sehr fragwürdig: wurde 1985 noch in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz eine Umgestaltung vorgenommen, die die Schinkelkirche und einen historischen Kontext bedacht hat, ist nun ein Minimalkompromiss herausgekommen, der niemandem weh tut.

NazarethkirchstrWie der dreigeteilte Platz gestaltet wurde, hat im Laufe der letzten Monate erstaunlich wenig Diskussionen ausgelöst. So wurde der repräsentative vordere Platz vor der Alten Nazarethkirche als Ort für Veranstaltungen und Märkte definiert – obwohl sich viele eine Wiederherstellung der ursprünglichen Parkanlage vor der Schinkelkirche gewünscht hätten. Im mittleren Teil gibt es hingegen Raum für Familien mit einem Spielplatz und einer Liegewiese. Der hintere Platz bleibt als wohnungsnaher Erholungsbereich erhalten.

Die beteiligten Bürger haben sich um historische Zusammenhänge wohl kaum geschert, der Denkmalschutz wurde nicht weiter beachtet. So kommt es beispielsweise, dass der Burgspielplatz „Prinz Leopold“ genannt werden konnte. Worauf sich der verspielte Name bezieht, spielte keine Rolle, schon gar nicht die Tatsache, dass es sich beim Namensgeber Leopold um einen ausgesprochenen Militaristen handelte. Ebenso losgelöst vom historischen Kontext muss man auch die Entfernung des häufig zugemüllten, dennoch zur Schinkelkirche passenden Springbrunnenbeckens sehen: das modische Fontänenfeld, wie es jetzt angelegt wurde, ist schneller gereinigt. Erfahrungen anderer Städte zeigen jedoch, dass eine solche Anlage auf lange Sicht kostenanfälliger sein kann.

Einen Bezug der Platzgestaltung zum Umfeld des „Roten Wedding“ oder eine Erklärungstafel der „blutrünstigen“ Straßennamen in der Umgebung wird der Besucher des neuen Leopoldplatzes also vergeblich suchen. Es fehlen sogar Straßenschilder mit der Aufschrift „Leopoldplatz“ – nur der U-Bahneingang zeigt, wie dieser wichtige Platz heißt. Auf der Positivseite hingegen ist zu verbuchen, dass der zentrale Ort des Wedding kulturell wiederbelebt wurde, sei es durch die „Fête de la Musique“ oder den Weihnachtsmarkt.

Jetzt darf gefeiert werden

Leopoldplatz Kreuzung Müllerstr SchulsDie Feier selbst dürfte der Bedeutung des Leopoldplatzes angemessen sein. Beginn der feierlichen Eröffnung ist um 17.30 Uhr. Am Kulturprogramm aus Musik, Theater, Tanz und Licht beteiligen sich zahlreiche Künstler wie die Theatergruppe „Unter Druck“, die Musiker Eva Agnes Schoppe und Tim Karweick sowie die Band „Beatsafari“.

Die Finanzierung der Baumaßnahme in Höhe von ca. 1,8 Mio. € erfolgte aus Städtebaufördermitteln des Bund-Länder-Programms Aktive Zentren. Die Einweihungsfeier wird durch das Kulturnetzwerk Wedding i.G., das Bezirksamt Mitte und zahlreiche Akteure organisiert. Die Begleitausstellung  „Kooperativ handeln – Privates Engagement aktivieren und bündeln!“ ist vom 25. Oktober bis ca. Ende November in der Alten Nazarethkirche zu besichtigen.

Freitag, 25. Oktober

ab 17.30 Uhr

mit Kulturprogramm mit Theater, Musik und Licht

Beiträge mit Bezug zum Leopoldplatz

Weddingwoche #39: Kein Foto mit den Fans

Ein bisschen komisch war ihm schon – dem Bezirksstadtrat Carsten Spallek, als er jüngst zur Einweihung schritt. Mit Absperrband, Schere und vereinzeltem Blitzlichtgewitterchen. Zu eröffnen gab’s die neue Toilettenanlage auf dem Leopoldplatz. Ein Hightech-Teil mit verschließbarer Toilette (15 Minuten für 10 Cent) und angeschlossenem Pissoir (kostenlos).  Das wirklich Schöne: Uns Steuerzahler kostet „die Reduzierung der vorhandenen Nutzungskonflikte auf dem Leopoldplatz“ (Politikersprech) keinen Cent. Weil nämlich der Herr Spallek hart verhandelt und den Stadtmöbelbetreiber und Draußenwerber Stroer AG dazu bekommen hat, alle Kosten für Anlage und Wartung zu übernehmen. Als Gegenleistung darf Stroer einige neue Standorte mit supermodernen Werbeflächen bespielen. Ach ja: Bei der Toiletteneröffnung hatten Spallek und seine Entourage jede Menge Publikum. Vornehmlich Damen und Herren, die gerne mal schon früh einen heben. Deren Freude war groß. Ein gemeinsames Foto mit seinen begeisterten Fans wusste der Stadtrat allerdings zu verhindern.

Autor: Ulf Teichert

Unsere Kolumne “Weddingweisers Woche” erscheint jeden Samstag in der Bezirksausgabe Wedding des Berliner Abendblatts.

Dem Dreck selbst etwas entgegensetzen

Der Frühling lockt die Weddinger aus ihren Wohnungen ins Grüne. Neben den Parks findet man auch auf dem Panke-Grünzug das eine oder andere schöne Fleckchen, wo man die Sonne genießen kann. Doch im Buschwerk oder am Uferstreifen zeigen sich nicht nur pflanzliche Frühlingsboten, sondern auch der ganze Müll eines Winters. Warten, dass der von allein verschwindet, kann man oft lange. Der aufmerksame Bürger kann es der Stadtreinigung überlassen, den Unrat aufzusammeln, denn die BSR hat ein Dreckeckentelefon eingerichtet und rückt an, wenn es sich so richtig lohnt. Wenn das alles nicht hilft, heißt es selbst zupacken.

Thorsten Haas bei einer Putzaktion im Jahr 2011
Thorsten Haas bei einer Putzaktion im Jahr 2011

„Gleich drei Putzaktionen werden wir in diesem Frühling an drei Abschnitten der Panke durchführen“, sagt Thorsten Haas von panke.info e.V. Auftakt wird die Aktion am Montag, den 16. April um 14:00 Uhr vor der Uferstraße 12 (Kino am Ufer) sein. Am Donnerstag den 19. April ebenfalls ab 14:00 Uhr wird die Wildnis vor der Bibliothek am Luisenbad, Travemünder Straße 1, gesäubert. Diese Aktion findet in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Wedding statt. Beim anschließendem Kaffee wird der achte Geburtstag der Freiwilligenagentur gefeiert.

Dreck weg an der Panke heißt es zum Abschluss am 23. April im Rahmen der Kampagne „Schön und Gut, Sauberkeit im Soldiner Kiez“. Stadtrat Carsten Spallek nutzt den Termin, um selbst zuzupacken und somit das eine oder andere schöne Fotomotiv für die Presse zu bieten. Treffpunkt ist die Panke-Fußgängerbrücke an der Gotenburger Straße um 16:00 Uhr. Um 18:00 Uhr wird die Aktion auf dem Abenteurspielplatz Panke (Gottschalkstraße Ecke Wilhelm-Kuhr-Straße) mit einem gemeinsamen Essen ausklingen.

 

 

 

Kinder helfen tatkräftig, das Panke-Ufer vom Dreck zu befreien
Kinder helfen tatkräftig, das Panke-Ufer vom Dreck zu befreien

Für die Vorbereitung und Durchführung der Aktionen braucht panke.info natürlich jede Menge freiwillige Helfer. Nicht nur mit Greifern und Handschuhen: „Gesucht werden Menschen, welche die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen und beispielsweise Flyer verteilen“ erzählt Thorsten Haas. Gern gesehen sind auch Kuchenspenden. Wer die Aktionen fotografisch dokumentieren möchte, kann sich ebenfalls an panke.info wenden. Da auch Kindergärten und Schulen an den Aktionen beteiligt sind, können sich auch Freiwillige bei der Betreuung der Kinder einbringen. „Und selbstverständlich werden viele helfende Hände für die Durchführung der Putzaktion entlang der Panke gebraucht“, betont Thorsten Haas noch einmal. Darum geht es letztendlich ja: dem Dreck selbst etwas entgegenzusetzen.

Veranstaltungstipp: Mit dem Grünflächenamt ins Gespräch kommen

Am 16. April um 12:30 laden das Kino am Ufer und der Verein panke.info zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung im Kino am Ufer, Uferstraße 12, ein. Herr Kube und Herr Ruth vom Grünflächenamt Berlin-Mitte beantworten die Fragen der Anwohner zum Thema Baumfällungen, Pflanzenrodungen und zur geplanten Umgestaltung der Panke. Interessierte sind eingeladen, ihre Fragen zu stellen. Im Anschluss an die Veranstaltung findet um 14:00 Uhr eine Putzaktion am Grünstreifen der Panke statt. Hierfür werden noch freiwillige Helfer gesucht. Müllbeutel und Zangen werden durch die BSR gestellt.