Im Wedding prallen Welten aufeinander

Foto: S. Wischmann

Was macht den Wedding so reizvoll? Die Einen finden den Wedding im Grunde total vorhersehbar, ungefähr so wie den ältesten Freund aus Grundschulzeiten. Wer diesen Teil der Stadt mit dieser Einstellung durchquert, wird seine Erwartungshaltung schnell bestätigt sehen. Die Anderen hingegen entdecken ständig etwas Neues, vollkommen Unerwartetes in den Straßen und Parks des Wedding…

GESCHLOSSEN: Der Nachtschwärmer bei Ernst: Alles umgekehrt

Ernst bei einer Veranstaltung 2017
Ernst (r.) im Jahr 2017 (C) Stilbrand

„Zutritt nur für Mitglieder und Freunde“, oder auch der erste Test für den Besucher eines Ladens „Nachtschwärmer“, dessen Besitzer seinen Vornamen scheinbar im umgekehrten Wortsinn auslebt, zumindest für diejenigen, die sich vom Schild an der Eingangstür einschüchtern lassen würden, oder jetzt froh darüber sind, dass sie die Lösung dieses menschlichen Nicht-Rätsels vorgesagt bekommen.

„ResOtto“: Bier und Suppe

Seit kurzem gibt es eine neue Adresse im Wedding, die man sich merken sollte. Nachdem das Lokal die letzten Jahre leer stand, gibt es jetzt im „Resotto“ Bier und Suppe in gemütlicher Runde.

Rese + OttoRese und Otto haben sich Ihren Traum verwirklicht und die letzten drei Monate auf der Baustelle verbracht. Die alten Räumlichkeiten des „Calypso“ hatten eine Komplett-Überholung nötig. Fast täglich waren sie auf der Baustelle und haben abgerissen, aufgebaut, geschliffen, geschraubt und renoviert. Es gab zum Glück zahlreiche Helfer, die gerne mit angefasst haben, mit Kaffee und Kuchen vorbeigekommen sind oder anderweitig ihre Unterstützung angeboten haben.

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen! Der Barraum bietet Platz für 15 bis 20 Gäste, die gemütlich an den Tischen oder in der Sofa- und Sesselecke Platz nehmen können. Im hinteren Bereich befindet sich ein kleines Spielzimmer für Groß und Klein.

Für Suppenkasper

ResottoAn den Wänden hängen Bilder. Die Ausstellung wechselt. Wer was zu zeigen hat, möge sich dort bitte direkt melden!

Täglich gibt es zwei Tagessuppen, von denen eine vegetarisch oder manchmal auch vegan ist. Gekocht wird selbst und zwar mit dem Gemüse der Saison. Wem eine Portion nicht ausreicht, der kann sich Nachschlag holen und zahlt je weitere Kelle einen Euro.

Auch draußen entspannen

Resotto aussen 2Aus der Flasche gibt es verschiedene Erfrischungsgetränke und eine gute Auswahl an Bieren. Im Glas werden unter anderem Säfte, Sekt und Longdrinks serviert. Zum Wachwerden gibt es Espresso und Kaffee. Über die Bar geht aber nicht nur Flüssiges, am Sonntag gab es sogar Kuchen!

Im Sommer lassen sich die Sonnenstrahlen auch auf den Außenplätzen genießen. Hier haben nochmal so viele Gäste Platz wie innen.

Wer seine Suppe lieber zu Hause auslöffelt, kann auch mit einem Teller vorbeikommen.

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Autorin/Fotos: Ramona Gamradt

Resotto Suppe Ramona GamradtResOtto

Sprengelstraße 12

Mo-Do ab 13.30 Uhr, Fr, Sa, So ab 10.00 Uhr mit Frühstücksangebot

 

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekinger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander, sowohl traditionelle Kneipen (Lindengarten, Deichgraf) als auch neuere Cafés und Restaurants (Fünfundsechzig, Auszeit). Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit vielen Jahren die Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo man im Sommer in einem schattigen Biergarten im Hinterhof sitzen kann. In den letzten Jahren wurde durch ein Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.

Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal (hier wurden Wasserflugzeuge gebaut) zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der kleine, aber feine Sprengelpark

Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung weit über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde liegt ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Moabiter Seite. Sie ist mit dem Torfstraßensteg an den Sprengelkiez angebunden. Auch Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschule drücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez mehr studentisches Einflüsse und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torfstraßensteg

Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum zu einem Wohngebiet entwickeln. Die repräsentative Gebäudegruppe zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn im Wedding eher selten gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen. Das Geschäftszentrum des immer beliebter und damit auch teurer werdenden Sprengelkiezes ist neuerdings die Tegeler Straße mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Fachgeschäften. Aber auch in die Sprengelstraße zieht es Nachtschwärmer (in das gleichnamige Musiklokal) oder in die vielen kleinen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Richtung Müllerstraße ist der Kiez stärker von sozialen Problemen geprägt, was vor etlichen Jahren auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Der namensgebende Platz ist eine langgezogene Grünanlage mit Bolz- und Spielplätzen. Genau in dieser Lage ist mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem „roten Wedding“ verbunden. Bedeutend für den ganzen Ortsteil ist auch das Jobcenter direkt gegenüber – untergebracht in einem typischen Arbeitsamtsgebäude aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefskirche an der Müllerstraße