Berliner Mauer: Eine Geschichte von anno dazumal?

Blick auf den ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße. Foto: Hensel
Blick auf den ehemaligen Mauerstreifen an der Bernauer Straße. Foto: Hensel

Kolumne Die beiden Halbweddingerinnen wissen vermutlich nicht, wovon ich spreche. Fast jeden Tag überqueren sie die ehemalige Grenze nahe der Bernauer Straße. Mal laufen sie hinüber zum Mitte-Wohnsitz, mal radeln sie zurück zum Wedding-Domizil. Manchmal fahren sie mit der U-Bahn unten durch, gelegentlich folgen sie dem Grenzstreifen mit der Straßenbahn in Richtung Prenzlauer Berg ohne einen Gedanken an die Bedeutung des historischen Schauplatzes.

25 Jahre Mauerfall im Wedding: Licht an, Merkel kommt

25JahreMauerfallAm 9. November jährt sich der Mauerfall zum 25. Mal. Aus diesem Anlass gibt es zahlreiche Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Durch seine Lage an der ehemaligen Mauer finden an den Grenzen des Brunnenviertels viele Aktionen statt. Die Lichtgrenze führt am Kiez entlang und Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zur zentralen Gedenkveranstaltung in die Bernauer Straße.

25 Jahre Mauerfall: Theater in den Unterwelten

25JahreMauerfallNeun Meter unter der Bernauer Straße ist es dunkel und kalt und staubig. Doch Hoffnung treibt die Menschen immer weiter voran durch die Finsternis in die andere Welt, nach West-Berlin. Vor 50 Jahren wurde der Fluchttunnel unter der Berliner Mauer nur vom Schein der Taschenlampen erhellt. Im November formt Jonathan Groth an zehn Abenden einen Tunnel aus Licht in das Gewölbe der ehemaligen Oswald-Brauerei. Das Theater in den Unterwelten nimmt zum 25. Jahrestag des Mauerfalls das Stück „Im Tunnel“ von Kai-Uwe Kohlschmidt wieder auf. Die Premiere findet am 1. November um 20 Uhr im Theater in den Unterwelten, Bernauer Straße 143 statt. Wer sich das Stück anschauen möchte, sollte sich bereits jetzt eine der wenigen Karten reservieren.

Gleimtunnel: Licht aus für die Party?

25JahreMauerfallJedes Jahr am 2. Oktober wird abends der Gleimtunnel zwischen Wedding und Prenzlauer Berg für den Autoverkehr gesperrt, weil dann die Gleimtunnel-Party stattfindet. In diesem Jahr wurde dort jedoch viel gebaut und bis vor kurzem war der Tunnel einseitig gesperrt – das hat die Sponsoren verunsichert und nun fällt die achte Gleimtunnel-Party aus. In dem Jahr, in dem der Mauerfall vor 25 Jahren ganz groß gefeiert wird, wird gerade das grenzüberschreitende Ereignis an diesem geschichtsträchtigen Ort nicht begangen.

Ein Mann und sein Ost-West-Café

25JahreMauerfallIch gehe nicht sehr oft ins Ost-West-Café. Aber ich fahre sehr gern oft daran vorbei. Seit das Café-Restaurant vor zwei Jahren an der Brunnenstraße, Ecke Bernauer Straße eröffnete, ist der Eingangsbereich das Brunnenviertels belebt. Das ist, grob zusammengefasst, der Verdienst des Ost-West-Cafés. An schönen Tagen sitzen an den Tischen auf dem Gehweg nun immer Menschen. Auch Innen ist es meist sehr gut gefüllt und abends knipst der Besitzer oft die neongrünen Leuchten an, damit noch mehr Passanten das Café bemerken. Das ist auch ein Effekt: Die Menschen auf der anderen Seite der Brunnenstraße, in Alt-Mitte, können die grellen Lichter sehen und denken jetzt vielleicht seltener, dass hinter der ehemaligen Mauer die Stadt irgendwie abgestorben oder total gefährlich ist. Denn hier ist jetzt ein Café, hier ist Licht, hier ist ganz normales Leben, obwohl hier Wedding ist.

Die Kolumne: Hoffnung für die Gleim-Oase

Jetzt ist der Denkmalschutz gefordert

Dunja und Holger an ihrem Wunschbaum. Was sie selbst sich wünschen, ist klar: Gleim-Oase soll bleiben!

Weil das neue Wohngebiet im nördlichen Teil des Mauerparks angeblich nur von der Wedding-Seite her erschlossen werden kann, sollen ein Teil der Stützwand des Gleimtunnels und die Gleim-Oase genannte Mittelinsel einer neuen Zufahrtsstraße weichen. Das Bezirksamt bastelt an entsprechenden Bebauungsplänen. Doch die könnten sich bald erledigt haben. Wie sich nämlich jetzt herausgestellt hat, handelt es sich bei der Mittelinsel um eine 1983 von der Degewo in Auftrag gegebene gartenkünstlerische Arbeit. Mit der Architekt Bernd Vogel und das renommierte Künstler-Ehepaar Carlini sehr wohl auch Bezug zur nahen Grenze zu Ostberlin genommen haben. Einer von vielen Gründen, einen Antrag auf Unterschutzstellung nach dem Landesdenkmalschutzgesetz zu stellen. Das ist inzwischen geschehen. Die Hoffnung auf Erhalt der Gleimoase wächst.

Das Kaninchenfeld: Langohren zum Nachdenken

Während nach und nach die Büros im überdimensionalen BND-Gebäude bezogen werden, ahnt kaum jemand, dass nur wenige Meter davon noch ganz andere die Ohren spitzen. Das Kunstwerk „Kaninchenfeld“ der Künstlerin Karla Sachse hat seit seiner Installation 1999 viel mitgemacht. Aber wer genau hinschaut, kann sie noch entdecken, die goldenen Langohren der Chausseestraße.