Was im Weddinger Lockdown noch geht. Und was verboten ist.

Wir haben ein­mal die Rege­lun­gen für den Lock­down in einer Über­sicht zusam­men­ge­stellt, die euch eine gro­be Ori­en­tie­rung gibt. Wo wir für Wed­din­ger Geschäf­te und Insti­tu­tio­nen Infor­ma­tio­nen haben, sind die­se ein­ge­pflegt. Stand: 13.01.21., 8.00 Uhr

NochMall – Indoor-Flohmarkt in schick

Nicht ganz im Wed­ding, aber nur einen Stein­wurf ent­fernt in Rei­ni­cken­dorf hat die BSR ein ganz beson­de­res Kauf­haus ein­ge­rich­tet. Auf zwei Eta­gen wer­den in moder­nem, sty­li­schem Ambi­en­te Waren ver­kauft, die nicht nur preis­wert sind, son­dern ein zwei­tes Leben suchen. Wer gern stö­bert, ist in der „Noch­Mall“ auf jeden Fall rich­tig. Und für alle ande­ren bie­tet die­ses beson­ders nach­hal­ti­ge Kauf­haus eini­ge Fea­tures, die den Besuch eben­falls lohnen.

Bitte kein “Weiter so” bei Karstadt Müllerstraße!

Karstadt-Rettung in Sicht
Foto: Andaras Hahn

Kar­stadt Mül­ler­stra­ße bekommt eine Stand­ort­ga­ran­tie für vor­erst drei Jah­re. „Ein guter Tag für den Ein­zel­han­dels­stand­ort Ber­lin“, froh­lock­te der Regie­ren­de Bür­ger­meis­ter heu­te auf der Pres­se­kon­fe­renz im Roten Rat­haus. Gemein­sam mit Wirt­schafts­se­na­to­rin Ramo­na Pop (Grü­ne) und Kul­tur­se­na­tor Klaus Lede­rer (Lin­ke) durf­te er den Abschluss einer Absichts­er­klä­rung, eines Let­ters of Intent, ver­kün­den, die Ber­lin mit dem Eigen­tü­mer­kon­zern Signa und den Ver­mie­tern von zumin­dest vier Waren­häu­sern erreicht hat.

Weshalb die Schließung Karstadts dem Untergang der Titanic ähnelt

Foto: Andaras Hahn

Bei der aktu­el­len Schlie­ßung von Kar­stadt in der Mül­ler­stra­ße 25 im Wed­ding kommt man nicht umhin als an den Unter­gang der Tita­nic zu den­ken. Die Gemein­sam­kei­ten zwi­schen dem Schiff und dem mitt­ler­wei­le schon 40 Jah­re alten Kauf­haus sind kaum zu über­se­hen: Bei­de sind groß, luxu­ri­ös und viel­fäl­tig, bie­ten Essen an und erstre­cken sich über meh­re­re Stockwerke. 

5 Gründe, warum Karstadt an der Müllerstraße bleiben soll

- und wie der wich­ti­ge Anker­punkt am Leo fit für die Zukunft wer­den kann. Noch bis zum 17. Juli könnt ihr euer State­ment zum Erhalt der Kar­stadt-Filia­le abge­ben, sei es direkt an einem Stand am Kauf­haus­ein­gang, im Foy­er des Rat­hau­ses Wed­ding oder per E‑Mail an die Wirt­schafts­för­de­rung des Bezirks­amts Mit­te. War­um Kar­stadt nicht “irgend­ein” Kauf­haus im Wed­ding ist? Lest selbst!

Schließung von Karstadt am Leo: Hingehen, solange es noch geht

Karstadt Müllerstraße - Schließung unvermeidbar? Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

Mei­nung: Wohl jeder Wed­din­ger, jede Wed­din­ge­rin hat Erin­ne­run­gen an ein Ein­kaufs­er­leb­nis bei Kar­stadt am Leo. Wohl­ge­merkt, Erin­ne­run­gen. Denn bei den meis­ten liegt der letz­te Waren­haus­be­such schon län­ger zurück. Jetzt, wo die Schlie­ßung des Kar­stadt ange­kün­digt wur­de, wird uns im Wed­ding schlag­ar­tig bewusst, was für ein wich­ti­ger Sta­bi­li­täts­fak­tor die­ses Kauf­haus für den Kiez ist. Doch wenn es hier über­le­ben soll, muss sich die Attrak­ti­vi­tät von Kar­stadt ändern. Aber auch unser Einkaufsverhalten.

Restaurant im Karstadt: Wo sich alles bewegt, doch die Zeit stillsteht

Laut Ein­steins Rela­ti­vi­täts­theo­rie sind Zeit­rei­sen in die Zukunft mög­lich, in die Ver­gan­gen­heit dage­gen ist man sich noch nicht so sicher. Es gibt einen Ort, eine Welt im Wed­ding, die am Gegen­teil arbei­tet, die sich wehrt, hip zu sein, hip zu tun. Eine Welt, die so ist wie sie ist und nur genau­so bestehen kann. Es ist das Restau­rant im Kar­stadt am Leo­pold­platz. Unauf­dring­lich, durch sei­ne getön­ten Schei­ben, thront es über dem Platz.

Weshalb “Karstadt” am Leo in rot schimmert

Kar­stadt kann für sich in Anspruch neh­men, mit der Archi­tek­tur sei­ner Häu­ser immer dem Trend der jewei­li­gen Zeit zu fol­gen. Das gilt auch für das 1978 fer­tig­ge­stell­te Waren­haus am Leo­pold­platz. Ein Ver­gleich mit ande­ren Kar­stadt-Häu­sern aus jener Zeit erzählt uns eini­ges über die jün­ge­re Architekturgeschichte.

Karstadt am LeopoldplatzDie Pla­nun­gen an dem Stand­ort begin­nen schon weni­ge Jah­re nach der Ein­wei­hung des U‑Bahnhofs Leo­pold­platz, 1923. Man war bestrebt, Waren­häu­ser an Ver­kehrs­kno­ten­punk­ten zu errich­ten. So ver­fügt Kar­stadt am Her­mann­platz seit der Ein­wei­hung im Jah­re 1929 als moderns­tes Kauf­haus Euro­pas über einen direk­ten Zugang zu zwei U‑Bahnlinien. Doch um in inner­städ­ti­schen Lagen Waren­häu­ser zu bau­en, müs­sen Grund­stü­cke auf­ge­kauft und Häu­ser abge­ris­sen wer­den. Am Leo­pold­platz ver­hin­der­ten dies in den 1930er Jah­ren Mie­ter, die ihre Woh­nun­gen nicht ver­las­sen woll­ten. Sie (und die Wirt­schafts­kri­se) ver­an­lass­ten den Kon­zern sogar dazu, sei­ne Plä­ne auf­zu­ge­ben. Die Flä­chen der für das Kauf­haus an der Mül­ler­stra­ße bereits abge­ris­se­nen Gebäu­de wur­den zwi­schen­zeit­lich als Koh­le- und Holz­hand­lung sowie als Wochen­markt genutzt.
In Moa­bit war der Kon­zern, der die Häu­ser sei­ner Kon­kur­ren­ten auf­kauf­te und zum Teil unter ande­ren Namen betrieb, erfolg­rei­cher. So über­nahm Kar­stadt das Waren­haus Lach­mann & Scholz an der Ecke Turm- und Otto­stra­ße und führ­te es als »Karzentra«-Kaufhaus. Die Fas­sa­de des 1903 gebau­ten Gebäu­des war 1924 durch den Archi­tek­ten Mar­tin Punit­zer moder­ni­siert worden.

Erst die neu ange­leg­ten Ver­kehrs­ver­bin­dun­gen, die infol­ge der Nach­kriegs­tei­lung der Stadt ent­stan­den, mach­ten den Leo­pold­platz für Kar­stadt wie­der inter­es­sant. So ent­stand mit der heu­ti­gen U9 ein von Ost-Ber­lin unab­hän­gi­ges Rück­grat des West-Ber­li­ner Ver­kehrs­net­zes. Die­ser U‑Bahn-Neu­bau ver­band ab 1961 den Leo­pold­platz mit dem neu­en Zen­trum von West-Ber­lin, dem Zoo­lo­gi­schen Gar­ten, und ab 1976 mit dem Rat­haus Ste­glitz. Durch den Stra­ßen­durch­bruch der Luxem­bur­ger Stra­ße ent­stand zudem eine direk­te Anbin­dung des Leo­pold­plat­zes an die neue City-West im Haupt­stra­ßen­netz. Zeit­gleich erfolgt die Umge­stal­tung des Umfel­des der neu­en U‑Bahnhöfe.

Am U‑Bahnhof Turm­stra­ße errich­te­te der Archi­tekt Hans Soll 1960 den Neu­bau des Her­tie-Kauf­hau­ses. Um einen Aus­gleich unter den Kon­kur­ren­ten zu schaf­fen, wur­de Kar­stadt gebe­ten, sei­nen beeng­ten Stand­ort in der Turm­stra­ße auf­zu­ge­ben und am Leo­pold­platz neu zu bauen.
Dazu wur­den Anfang der 70er Jah­re die Häu­ser abge­ris­sen, die den Krieg zum Teil unbe­scha­det über­stan­den hat­ten. Vor­ge­se­hen war zunächst ein Neu­bau als gera­de­zu bru­tal mono­li­thi­scher Block, mit rie­sen­haf­ten dun­kel­brau­nen Beton­ver­blen­dun­gen, abge­flach­ten Kan­ten und nur schma­len Fens­ter­öff­nun­gen an der Ober­kan­te des Bau­wer­kes – nach Vor­bild der 1969 in Ham­bur­ger-Eims­büt­tel gebau­ten Filiale.

Die Pla­nung des Hau­ses am Leo­pold­platz fällt aber in die Zeit der ers­ten Schrit­te des Umden­kens in der Bau­po­li­tik und der Hin­wen­dung zur his­to­ri­schen Stadt: Anders als bei der neun Jah­re vor­her eröff­ne­ten Ham­bur­ger Filia­le wur­de das Haus am Leo­pold­platz 1978 in einer engen Abstim­mung mit dem Denk­mal­schutz errich­tet. Dies zeigt sich deut­lich in der Gestal­tung des Hau­ses. So ist die Fas­sa­de geglie­dert, die Lüf­tun­gen und Auf­zug­tür­me sind mit bron­ze­far­be­nen Metall­plat­ten ver­blen­det. Die Beton­fas­sa­de mit ihrem hel­len Rot­ton ori­en­tiert sich an den Back­stei­nen der Alten Naza­reth­kir­che, die Fens­ter­ge­stal­tung bezieht sich auf die Fens­ter­bän­der des Alten und Neu­en Rat­hau­ses. In die­sem archi­tek­tur­his­to­ri­schen Zusam­men­hang ist der Kar­stadt am Leo­pold­platz einer­seits ein Zeug­nis jener radi­ka­len West-Ber­li­ner Stadt­pla­nung der 1970 Jah­re, die mit ihren neu­en Zen­tren, einer moder­nen Ver­kehrs­füh­rung und den Stra­ßen­durch­brü­chen sich gegen den Ost­teil der Stadt zu behaup­ten ver­sucht. Das Gebäu­de ist aber auch ein Bei­spiel für eine Zeit, in der die moder­ne Archi­tek­tur beginnt, ers­te Kom­pro­mis­se mit der his­to­ri­schen Stadt zu schließen.

Wäre das Haus nur 13 Jah­re spä­ter eröff­net wor­den, so hät­te es ver­mut­lich eine his­to­ri­sche Fas­sa­de, ein Dach mit Gau­ben und einem Türm­chen zu Beto­nung der Eck­si­tua­ti­on – so jeden­falls prä­sen­tiert sich das Kar­stadt-Gebäu­de am Tem­pel­ho­fer Damm, das im Jahr 1991 ein­ge­weiht wur­de. Ob uns das heu­te am Leo­pold­platz bes­ser gefal­len würde?

Autor: Eber­hard Elfert

zuerst erschie­nen in der “Ecke Müllerstraße” 

KARSTADT, Mül­ler­str. 25, Mo-Sa 10–20 Uhr