Himmelbeet: Alles Paletti beim Gartencafé

Gartencafé (C)Himmelbeet Das ist das Ziel: alles ist so hergestellt, dass es unendlich oft wiederverwendet werden kann oder komplett kompostierbar ist. Die Kunst ist, dafür die richtigen Produkte und die passenden Materialien auszusuchen. Als das Team des Gemeinschaftsgartens „Himmelbeet“ eine Küche und ein größeres Café plante, sollte dieser natürliche Kreislauf angewandt werden. Die Wahl des Baumaterials fiel deshalb auf Europaletten und Stampflehm. Was daraus entstand, ist höchst ungewöhnlich…

„Coffee Circle“: Äthiopische Kaffeebohnen aus dem Wedding

coffeecircle-526.08.2014 Inzwischen ist das junge Berliner Unternehmen Coffee Circle von Kreuzberg in den Wedding gezogen. Dort hat es mehr Platz für den eigenen Kaffee, den es direkt aus Äthiopien importiert und in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreibt. Auch die eigene Rösterei soll im Gewerbehof in Bahnhofsnähe bald Platz finden. Einkaufsleiter Hannes Fendrich, der auch deutscher ‚Brühmeister‘ ist, hat uns in den neuen Räumlichkeiten herumgeführt.

Geschlossen: „Il Conservatorio“: Der echte Italiener an der Ecke

Il_conservatorio_1Warum zum Geier hat man den kleinen Italiener an der Ecke nicht schon viel früher entdeckt? Schon beim zweiten oder dritten Besuch fühlt man sich im Conservatorio, als wäre man bereits ein halbes Leben Stammgast. Das liegt zum einen am günstigen italienischen Essen mit dem fancy 80er Jahre-Ambiente, zum anderen am charmanten Wirt und seinen Kumpels: Die sitzen nämlich am Eingang und trällern gerne mal ein Liedchen oder reißen Witze. Lebte er im Antonkiez, Prince würde hier essen und auf den samtenen blauen Stühlen Platz nehmen.

Tigelleria di Caprio: Klein, aber köstlich

Tigelle

Aktualisiert 2017: der Cafébetrieb wurde eingestellt, es gibt aber noch das Catering-Unternehmen.

Der Antonkiez zählt nicht gerade zu den gastronomisch attraktiven Vierteln im Wedding. Eine Mischung aus Backshops und türkischen Männercafés lässt einen in die angrenzenden Nachbarschaften rund um Malplaquet- und Sprengelstraße flüchten. Seit der Eröffnung der Moritzbar gibt es nun aber endlich einen neuen Lichtblick: die Tigelleria di Caprio.

Himmelbeet: Ansteckendes Grün

Das Projekt eines Gemeinschaftsgartens hat am 16. Juni mitten im Wedding, gegenüber des Leopoldplatzes an der Schulstr. / Ecke Ruheplatzstraße eröffnet. Da dieser Standort anfangs nicht für das Himmelbeet vorgesehen war, mussten sich die Macher ganz neu ausrichten – und entdecken jetzt die großen Vorteile…

Himmelbeet Hannah Lisa Linsmaier„Etwas, was an dieser Ecke so typisch ist, sind die vielen Leute, die uns nebenbei finden und ganz überrascht sind“, erzählt Hannah Lisa Linsmaier. So hat das Himmelbeet an seinem Standort plötzlich so etwas wie Laufkundschaft. Kein Wunder, denn diese Stelle direkt gegenüber des langgezogenen Leopoldplatzes, quasi im Schatten des Turms der Neuen Nazarethkirche, ist mitten im Herz des Wedding angesiedelt. „Wir sind dem Mitarbeitern des Schulamts sehr dankbar, dass sie uns so schnell diese Brache zur Verfügung gestellt haben“, sagt die Projektverantwortliche. Ursprünglich sollte das ambitionierte Urban Gardening-Projekt nämlich auf dem leerstehenden Parkdeck des Schillerpark-Centers realisiert werden – mit der Supermarktkette real als Sponsor. Doch eine Baugenehmigung liegt für diesen ungewöhnlichen Ort noch nicht vor, genauso wenig wie der Brandschutz für den Dachgarten geklärt ist. So kommt es, dass das triste Dach des Centers nun also erst einmal grau bleibt.

Der richtige Standort

HimmelbeetDoch was für ein Gewinn für den viel zentraler gelegenen Leopoldplatz! 300 Beete haben die frühere Eislauffläche, die lange Jahre als Sportplatz genutzt wurde, in ein grünes Paradies verwandelt. Gut die Hälfte der Hochbeete sind sogenannte Pachtbeete, die so beliebt sind, dass es für sie bereits eine Warteliste gibt. Hier können Weddingerinnen und Weddinger, fachlich begleitet und unter den Augen einer interessierten Nachbarschaft, gärtnern und am Ende des Sommers hoffentlich auch eine reiche Ernte einfahren.

Den ganzen Sommer über hat das Himmelbeet auf seinem exponierten Eckgrundstück von 10 bis 18 Uhr geöffnet. In einer auf sypmathische Art zusammengezimmerten Bretterbude gibt es einen Getränke- und Kuchenverkauf – gärtnern oder das Grün genießen macht schließlich durstig und hungrig. Aus aufeinander gestapelten Europaletten wurden außerdem Sitzgelegenheiten und auch eine Art Bühne gefertigt.

Himmelbeet SchildDer Verkauf von Jungpflanzen rundet das urbane Gartenprojekt ab und trägt gleichzeitig zur Finanzierung bei. Gut zwanzig bis dreißig Ehrenamtliche helfen regelmäßig, dass das Himmelbeet gut durch den Sommer kommt. Die Idee des Gärtnerns mitten im Kiez ist so ansteckend, dass das Projekt jetzt schon an seine Grenzen stößt: „Vielleicht können wir auf der Fläche der ehemaligen Seniorenfreizeitstätte an der Schulstraße auch einen Garten entwickeln“, hofft Hannah Lisa Linsmaier. Denn die Fläche an der Ecke Ruheplatzstraße ist bald ausgereizt.

Wer weiß – vielleicht wird aus dem vorerst geplatzten Traum vom Dachgarten ein viel kleinteiligeres, aber mehrere Stellen im Wedding erreichendes Projekt?

„Himmelbeet“ startet erst einmal mit Bodenhaftung

Unter dem Motto „Himmel auf Erden“ eröffnet das mit großer Spannung erwartete Weddinger Gartenprojekt. Die Anspielung bezieht sich auf die Tatsache, dass aus dem als ein Dachgarten geplanten Unterfangen zunächst ein Garten auf Bodenniveau wird. 

 

Pressemitteilung von Himmelbeet 

Am Sonntag, 16. Juni 2013, öffnet der interkulturelle Gemeinschaftsgarten himmelbeet von 10 Uhr bis 20 Uhr mit einem Gartenfest in der Ruheplatzstraße 12 seine Pforten.

Da sich der Start auf dem Dach des Schillerpark-Centers aus bautechnischen Gründenum unbestimmte Zeit verzögert, wird der Garten 2013 zunächst auf einer Brachfläche in der Ruheplatzstraße eröffnen. Das Himmelbeet ist ein interkultureller Gemeinschaftsgarten, der Menschen aller Altersstufen beim Gärtnern im Gemeinschaftsgarten oder in eigenen Pachtbeeten, aber auch beim Bauen mit recycelten Materialien in der Werkstatt, bei verschiedenen Workshops, im Gartencafé, bei Teambuilding-Workshops für Firmen und bei Kulturveranstaltungen zusammenbringt.

Am 16. Juni wird es Seedball- und Siebdruck-Workshops und eine Bastelecke für die klein(st)en Gartenfreunde geben. Außerdem können sich Pflanzenliebhaber und Garteninteressierte von den Himmelbeetlern über das Gelände führen lassen. Darüber hinaus werden die selbstgezogenen Jungpflanzen zum Verkauf angeboten. Auch musikalisch gibt es ein buntes Programm: die jugendlichen Weddinger Rapper Kings of Kiez, sowie die Berliner Band Django Lassi, die mit ihrem Mix aus Jazz und Balkanmusik die Besucher zum Tanzen bringen wollen.

Für Speis und Trank wird gesorgt sein und auch der Bezirksbürgermeister Dr. Christian Hanke, der das Projekt von Anfang an unterstützt hat, hat bereits seinen Besuch angekündigt.

„Diesem Tag ging fast ein ganzes Jahr Planung voraus. In den letzten 12 Monaten haben wir sehr viel Unterstützung erfahren und sind begeistert, wie das Projekt bisher von den Weddingern angenommen wird. Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt endlich loslegen können. Alle sind eingeladen, sich am himmelbeet zu beteiligen“, so Hannah Lisa Linsmaier, die Initiatorin des Projekts.

Erde und Saatgut wurden bestellt, ehrenamtliche Unterstützer mobilisiert, Jungpflanzen aufgezogen und pikiert, Pflanzpatenschaften und Pachtbeete vergeben, Beete gebaut – aber jetzt ist es endlich soweit: Das Himmelbeet öffnet die Gartenpforte für alle, die Lust haben, mitzugärtnern, neue Leute kennenzulernen oder einfach ein bisschen Grün im Wedding genießen möchten.

Der Garten wird von Juni bis Ende Oktober von Montag bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr geöffnet sein.

Große Eröffnung des Gartenprojektes himmelbeet am 16. Juni ab 10 Uhr an der
Ruheplatzstraße Ecke Schulstraße im Wedding

„Second Hemd“: Kleidung und ein guter Zweck

Rein oder nicht? Foto: D_Kori
Rein oder nicht? Foto: D_Kori

Klamottenläden gibt es viele, an Second-Hand-Läden besteht kein Mangel. Auch in den beiden Weddinger Filialen von „Second Hemd“ kann man (und Frau) qualitativ hochwertige Kleidung aus zweiter Hand zu günstigen Preisen erstehen.

Das Besondere an den beiden von der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Berlin – Mitte e.V. (AWO) betriebenen Läden: Sie ermöglichen straffällig gewordenen Frauen, ihre Geldstrafen abzuarbeiten und somit eine Inhaftierung zu vermeiden.

Geldstrafen werden in der Regel bei relativ „kleinen“ Delikten verhängt, z.B. Schwarzfahren, Beleidigungen, Diebstähle. Doch was tun, wenn man die Strafe nicht bezahlen kann? Dann droht eine Inhaftierung, um die Geldstrafe „abzusitzen“. Eine Alternative bietet die von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Einrichtung „IsA-K (Integration statt Ausgrenzung – Kleiderwerkstatt)“. Die Einrichtung bietet Frauen in schwierigen Lebenssituationen sowohl die Möglichkeit, ihre Geldstrafen abzuarbeiten als auch eine Beratung durch eine erfahrene Sozialarbeiterin. IsA-K und Second Hemd arbeiten hier Hand in Hand: Die an die Läden gespendeten Textilien werden in der Kleiderwerkstatt aufbereitet und kommen dann tip-top in den Ladenverkauf. Die Gewinne aus dem Verkauf kommen direkt IsA-K zugute. Gegenwärtig bietet IsA-K bis zu 30 Frauen die Chance, dem Gefängnis zu entgehen.

Second Hemd hat übrigens keineswegs – wie der Name vermuten lassen würde – nur Hemden im Angebot, sondern das komplette Programm an Damen- und Herrenbekleidung, darüber hinaus auch Schuhe, Heimtextilien sowie (in der Filiale Plantagenstraße) Kinderartikel. Das Projekt lebt von gespendeten Textilien, die gern direkt in den Läden abgegeben werden können. Bei größeren Stückzahlen, oder, falls der Spender nicht selbst vorbeikommen kann, werden die Kleidungsstücke nach Rücksprache auch von Second Hemd abgeholt.

Second-Hemd-Läden

Prinzenallee 74 Ecke Osloer Str. (Soldiner Kiez)

Mo-Fr 11 – 18 Uhr, Sa 10  16 Uhr

Plantagenstr. 43 Ecke Reinickendorfer Str. (Nettelbeckplatz)

Mo – Fr 12-18 Uhr, Sa 10 – 16 Uhr

www.second-hemd-berlin.de und www.isa-k.de.

Quelle: Wahlkreis-Rundschau des Abgeordneten Ralf Wieland
Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Autors

Weitere Second-Hand-Läden im Wedding:

Die ZweigStelle, Tegeler Str. 25

Antonkiez: Kein Totentanz im Kiez rund um den Urnenfriedhof

Nettelbeckplatz
Nettelbeckplatz

Man tut diesem kleinen Kiez vielleicht etwas unrecht, wenn man ihn kaum wahrnimmt, denn er liegt etwas verloren zwischen Leopoldplatz, Nettelbeckplatz und dem S-Bahn-Ring. Dabei geht auf diesen Teil des Wedding gar die Besiedlung des ganzen Ortsteils zurück: an der heutigen Ecke Reinickendorfer-/ Pankstraße  stand noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts das 1601 gegründete Gut „Vorwerk Wedding“ und musste erst dem großflächigen Bau von Mietskasernen weichen. Die Straßen des Kiezes sind teilweise von 1820 und damit älter als die meisten Nebenstraßen des Wedding, die auf den Hobrecht-Plan aus dem Jahr 1862 zurückgehen. Heute geht man an der Kösliner Straße achtlos vorbei, aber dieser ellenbogenförmige Weg steht für das, was den Ruf des „Roten Wedding“ mit begründete. Die ganze Gegend war eine KPD-Hochburg. Im Jahr 1929 führte das Verbot einer Maidemonstration zum Bau von Barrikaden. Das Eingreifen der Polizei mündete in blutigen Straßenkämpfen – 19 Tote waren am Ende des Tages zu beklagen. Nicht weniger brachial war der Umgang mit der Geschichte nach dem Krieg: Nahezu kein Gebäude hat die Kahlschlagsanierung  überstanden, dafür erinnert aber – abseits des Orts des Geschehens-  ein Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke über die Panke an den „Blutmai“ 1929.

Im Schatten des Krematoriums

Urnenfriedhof Gerichtstraße
Urnenfriedhof Gerichtstraße

Das schönste Gebäude im Kiez ist zugleich auch eine ganz besondere Sehenswürdigkeit. Es handelt sich nämlich um Berlins ältestes Krematorium von 1909/10. Es wurde schon errichtet, bevor die Leichenverbrennung auf dem Gebiet Preußens 1912 legalisiert wurde. Bis dahin konnten nur Urnen von Verstorbenen beigesetzt werden, die außerhalb Preußens verbrannt wurden. Der Urnenfriedhof, der einen ganzen Straßenblock einnimmt, ging aus dem ersten städtischen Friedhof Berlins aus dem Jahr 1828 hervor. Kurios ist, dass es eher die wohlhabenden Schichten waren, die sich für diese Form der Bestattung entschieden und so kommt es, dass auch viele bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Politik die Urnenhalle im Krematorium Wedding mit ihrer Asche beehren. Das achteckige Gebäude enthält eine antik anmutende Feierhalle und wird seinerseits von einer achteckigen Flügelanlage umschlossen. Darin befinden sich weitere Nischen mit Urnen, so genannte Kolumbarien. Das Weddinger Krematorium stellte 2010 den Betrieb ein und wurde im Jahr 2012 verkauft. Das ungewöhnliche Gebäude wurde zu einem Kultur-Campus umgestaltet. Besitzer des Ensembles, zu dem noch ein Leichenhaus, die Friedhofsverwaltung und der Gärtnerstützpunkt gehören, ist die Silent Green Kulturquartier.

Auch sonst prägen öffentliche Gebäude das Gebiet. Imponierend ist der Komplex aus mehreren Schulgebäuden, die am Schnittpunkt dreier Straßen in einer perfekten Symmetrie geplant waren. Realisiert wurde der Plan zwar nur zu drei Vierteln, dennoch beeindruckt die schiere Größe: 3300 Schüler konnten nach der Eröffnung im Jahr 1913 in 67 Klassen unterrichtet werden! Heute befindet sich die Volkshochschule in einem der Schulgebäude. Auch das ehemalige Postamt in der Gerichtstraße (1926-28) ist durch seine expressive Formensprache aus Sprossenfenstern und Backsteinen durchaus stadtbildprägend.

Gerichtstraße und Nettelbeckplatz im Mittelpunkt

Stattbad GerichtstrApropos Gerichtstraße: Das Stadtbad Wedding war das letzte von Ludwig Hoffmann erbaute Bad aus dem Jahr 1907.  Im ehemaligen Wedding war der Wohnraum knapp und es gab kaum sanitäre Einrichtungen. Deshalb waren die Wannen- und Duschabteilungen wichtiger Bestandteil des Stadtbades. Seit 2002 ruht allerdings der Badebetrieb. Unter dem Namen Stattbad wurde das Gebäude für Kunstausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Allerdings wurde seitens des Bezirksamts im Mai 2015 die Schließung verfügt; schließlich wurde es im Sommer 2016 ganz abgerissen und wich dem Neubau von Studentenappartements.  In der Schererstraße etabliert sich übrigens ein weiterer kleiner Kunststandort. In der Gottschedstraße, auf der anderen Seite der Reinickendorfer Straße, haben sich einige Bars angesiedelt. Vor allem das Ex Rotaprint-Projekt dürfte auch zu einer Verstetigung von gewerblichen Strukturen beitragen.

In der Adolfstraße
In der Adolfstraße

Wohin die Reise des Antonkiezes geht, ist schwer absehbar. Kahlschlagsanierung und sozialer Wohnungsbau (vor allem der 1980er Jahre) prägen das zerrissene Gebiet immer noch. Immerhin hat die Verkehrsberuhigung des Nettelbeckplatzes im Jahr 1985 dazu beigetragen, dass man sich inzwischen gerne auf dieser Freifläche aufhält. Anziehungspunkte mit Strahlkraft gibt es nur wenige, aber es gibt sie. Trotzdem liegt dieses Gebiet einfach zentral und ist aus allen Richtungen gut erreichbar. Gut möglich, dass sich das Image des Kiezes rund um den Urnenfriedhof bald ändert.

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Prinz-Eugen-Straße
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ABGERISSEN: Stattbad Wedding: in Kunst schwimmen

Die Umkleide wird zum SitzungssaalLudwig Hoffmann entwarf das Stadtbad Wedding in der Gerichtstraße nahe am Nettelbeckplatz. Vom einstigen Glanz blieb nach Kriegszerstörungen wenig; 2001 wurde das sanierungsbedürftige Bad stillgelegt. Doch der Dornröschenschlaf ist vorbei: statt Chlor und Wasser gibt es nun an diesem exponierten Standort Kunst.

Ein leeres Schwimmbecken ist schon ein sonderbarer Anblick. Was man sonst nur tastend mit den Zehen oder tauchend erahnen kann, ist hier freigelegt: eine große abschüssige Fläche, die an einer hohen Wand endet. Die Einstiege am Beckenrand sind nun die Leitern, über die man den Boden des Beckens erreicht, auf dem sich nun alles abspielt. Wer denkt bei Sofas und Liegestühlen auf dem Grund eines Schwimmbads nicht sofort an Octopussy’s Garden … ?

Kein Wunder, ist das im Jahr 2001 stillgelegte Stadtbad Wedding seit 2009 beliebte Location für – im Wortsinn – schräge Partys. Doch auch Künstler entdecken den ungewöhnlichen Ort zunehmend als Rahmen für ihre Projekte. Bei Tag sorgen die großen Fensterflächen des Raumes für eine großartige Lichtsituation in der Halle, was zusammen mit der Großzügigkeit des Raums eine ideale Präsentation bildender Kunst ermöglicht. „Wir hatten schon einige internationale Kunstkritiker hier. Die waren alle sehr angetan“, sagt Jochen Küpper von der Firma KD, der in seiner Funktion als kultureller Organisator durch das Gebäude führte.
Die Eintrittskarten bitte!

Unter dem Namen Stattbad Wedding versuchen er und seine Mitstreiter schon seit 2009 erfolgreich, das ausgediente Hallenbad als Kulturstandort zu etablieren. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Kino – Ideen und Visionen sind zuhauf vorhanden und zum Teil auch schon erfolgreich umgesetzt worden. Auf der großen Terrasse könnte sich ein Café ansiedeln, dahinter könnte möglicherweise ein Grundstück angekauft werden, das als Spielplatz oder Skulpturenpark bespielt werden könnte. „Kunst an der Wand haben wir hier ja schon. Auch eine Form von Street Art, allerdings nicht ganz die, die wir hier gerne hätten“, mein Küpper und deutet von der Terrasse aus auf die Graffiti an der Außenwand.

Der Chlorgeruch ist verschwunden, doch ansonsten verströmt das Gebäude noch überall den abgerissenen Charme eines ausgedienten öffentlichen Hallenbades. Hinweisschilder, Schließfächer, das Kassenhäuschen und nichts als Fliesen überall … Auf die Bemerkung einer Besucherin, ob dieser Zustand nicht gerade das Spannende an der Sache sei, meint Küpper: „Wir möchten schon vieles lassen, wie es ist. Das Ziel ist aber ein höherwertiger Standard.“ Von der geplanten Sanierung und dem Umbau werden wohl auch die schiefen Böden der Becken betroffen sein, die bisher leider nicht so viele Nutzungsmöglichkeiten erlauben, wie sie den Gestaltern dieser Räume vorschweben. Man darf gespannt sein, welche Wandlungen dem alten Bad noch bevorstehen.

Autorin: Jutta Schierholz

Nach Plänen von Ludwig

An der Straße befand sich ein drei- bis viergeschossiges Vorderhaus, das in roten Ziegeln ausgeführt und mit Sandsteinschmuck versehen war. In diesem Gebäude befanden sich die Kassenhalle und die Bäderabteilung mit 77 Wannen- und Brausebädern. Das Vorderhaus wurde im II. Weltkrieg zerstört und 1966 durch einen Neubau ersetzt, in dem sich heute Café, Verwaltung und ein Solarent-Bräunungsstudio befinden. Die rückwärtig gelegenen Trakte enthalten zwei räumlich getrennte Schwimmbecken. Becken I, ursprünglich nur für Männer gedacht, mißt 25 m x 10 m, Becken II, ursprünglich für Frauen, hat die Maße 19,80 m x 8,50 m (Quelle: www.luise-berlin.de)

Stattbad Wedding - SchwimmbeckenMehr zum Thema:

Nach Schließung und Abriss des Stadtbades im Jahr 2016