Spaziergänge im Büchlein

Cover des Bänd­chens Ber­li­ner Spa­zier­gän­ge. Gra­fik Elsengoldverlag

22.12.2019 “Mit 5 Mark sind Sie dabei.” Das Büch­lein “Mit­te mit Wed­ding und Tier­gar­ten” der Rei­he Ber­li­ner Spa­zier­gän­ge ist mit fünf Euro sehr güns­tig. Auf 66 Sei­ten zusam­men­ge­drängt fin­det sich alles Wich­ti­ge, was eine Stadt­füh­rung über die drei ehe­ma­li­gen Bezir­ke zu erzäh­len hät­te. Wem es drau­ßen zu luf­tig ist, der bleibt mit dem Heft auf dem Sofa sit­zen und kann sich den­noch infor­miert fühlen.

“Der Wed­ding – An den Ufern der Pan­ke” heißt das Kapi­tel ab Sei­te 54. Start der Wan­de­rung ist am Hoch­haus der Bay­er AG, vor­mals Sche­ring. End­sta­ti­on ist an der Bad­stra­ßen­brü­cke. Für Men­schen, die mit dem Buch in der Hand die Stre­cke in Natu­ra ablau­fen möch­ten, ist das eine gute Stre­cke. Und in der Bad­stra­ße fin­det sich sicher ein klei­nes Café, um das Gele­se­ne sacken zu las­sen. Der Autor Chris­ti­an Simon dage­gen emp­fiehlt in sei­nem Schluss­atz selt­sa­mer­wei­se: “Vom 1977 eröff­ne­ten U‑Bahnhof Pankstra­ße (U8) kön­nen wir den Wed­ding wie­der verlassen.”

Ein chro­no­lo­gi­sches Geschichts­buch ist es nicht, obwohl die am Ende die gesam­te Geschich­te des Wed­dings in gro­ben Zügen ange­ris­sen wur­de. Die Grün­dungs­ge­schich­te vom Adels­ge­schlecht de Wed­din­ge wird ange­tippt, die Bei­spie­le für die Indus­tria­li­sie­rung wer­den erwähnt, die Gesund­brun­nen­quel­le wird ange­spro­chen. Die Wahl der Rou­te ist damit gelun­gen. Es ergibt sich ein ange­neh­mer Spa­zier­weg, der gleich­zei­tig wesent­li­che Punk­te der Stadt­ge­schich­te zeigt.

Auf jeder Sei­te fin­det sich ein Foto, man­che davon sind his­to­ri­sche Fotos, die einen Ein­druck ver­mit­teln, wie es frü­her ein­mal war. Lei­der ent­hält der Abschnitt Wed­ding deut­lich weni­ger alte Bil­der als die vor­her­ge­hen­den Kapitel.

Sicher, Ken­ner der Geschich­te des Wed­dings wer­den dem schma­len Band nicht viel Neu­es ent­neh­men. Es rich­tet sich eher an neu in den Kiez gezo­ge­ne Nach­barn, die einen ers­ten Ein­druck von ihrer neu­en Umge­bung gewin­nen wol­len. Es hat auch die rich­ti­ge Grö­ße, um in einen Brief gesteckt zu wer­den. Der kann der Ver­wandt­schaft geschickt wer­den, damit die­se sieht, das man in einen Stadt­teil mit Tra­di­ti­on gezo­gen ist. Wenn das Buch die Neu­gier­de auf mehr geweckt hat, dann ist die Web­sei­te von Ger­hild Kom­man­der zu emp­feh­len. Die Autorin des gut les­ba­ren Buches “Der Wed­ding: auf dem Weg von Rot nach Bunt” (2006) bie­tet auch Stadt­füh­run­gen an.

Anga­ben zum Buch: Chris­ti­an Simon, Mit­te mit Wed­ding und Tier­gar­ten, ISBN 9783962010317, Preis: 5 Euro. Erschie­nen im Okto­ber 2019. Link zum Elsen­gold Ver­lag.

Autorenfoto Andrei Schnell

And­rei Schnell ent­deckt eine Visi­ten­kar­te zur Geschich­te des Weddings.

Andrei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

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