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Sommerbad Humboldthain:
Schwimmen, Sonnenbaden und Pommes mit Kultur

24. Juni 2019
Kunst­ki­osk am Becken­rand: Das „Tro­pez“ star­tet in die Sai­son. Foto: Ink Agop

Das Frei­bad Hum­boldt­hain ist rund um den Bahn­hof Gesund­brun­nen der­zeit einer der Top-Orte im Kiez.  Ein Streif­zug durch Geschich­te und Gegen­wart des belieb­ten Sommerbades.

Am Anfang waren Ver­wüs­tung und Trüm­mer – bis 1948 der Ber­li­ner Senat den Wie­der­auf­bau des im Krieg völ­lig zer­stör­ten Hum­boldt­hains beschließt. Die Rui­nen der gespreng­ten Flak­bun­ker wer­den mit Schutt und Sand bedeckt und spä­ter mit Bäu­men und Sträu­chern bepflanzt: Die Hum­boldt­hö­he ent­steht. Zu Füßen die­ses über 80 Meter hohen künst­li­chen Ber­ges beginnt im Herbst 1950 dann der Bau des Volks­schwimm­ba­des Wedding.

Die neue Anla­ge soll – wie es auf einer zeit­ge­nös­si­schen Bau­ta­fel heißt – der „Erho­lung und Freu­de“ die­nen. Bei­des haben die Wed­din­ger nach Krieg und Blo­cka­de drin­gend nötig, zumal ihr Stadt­bad in der Gericht­stra­ße eben­falls stark beschä­digt ist und vor­erst nicht benutzt wer­den kann. Die­ser Umstand wiegt umso schwe­rer, da in jener Zeit die meis­ten Woh­nun­gen in der Umge­bung weder Dusche noch Bad haben.

Blick von der Hum­boldt­hö­he auf das neu erbau­te Som­mer­bad. Im Hin­ter­grund sind Häu­ser der Wie­sen- und der Hoch­stra­ße zu sehen, 1950er Jah­re. Foto: Samm­lung Ralf Schmiedecke

Das neue Schwimm­bad am Hum­boldt­hain wird nach Plä­nen des Archi­tek­ten Bru­no Grim­mek (1902–1969) errich­tet. Der hat­te ein Jahr zuvor bereits das Neu­köll­ner Colum­bi­a­bad ent­wor­fen. 600 Not­stands­ar­bei­ter sind mit dem Bau beschäf­tigt. Die Kos­ten in Höhe von einer Mil­li­on D‑Mark wer­den aus dem „Not­pro­gramm für Ber­lin“ und aus Mit­teln des Mar­shall-Plans finan­ziert. Nur zehn Mona­te spä­ter ist die über­wie­gend in Hand­ar­beit errich­te­te Anla­ge fer­tig, Tau­sen­de Ber­li­ner fei­ern am 11. August 1951 die Eröffnung.

Anfangs war das Gelän­de für 3.000 Per­so­nen aus­ge­legt, denen 2.000 Qua­drat­me­ter Was­ser­flä­che und 96 Kabi­nen zur Ver­fü­gung stan­den. Seit­dem hat das Som­mer­bad Hum­boldt­hain zahl­rei­che Erwei­te­run­gen, Moder­ni­sie­run­gen und Umbau­ten erfah­ren, geblie­ben ist sei­ne gro­ße Beliebt­heit weit über den Wed­ding hin­aus. Schwim­men, Plan­schen, Rut­schen, Son­nen­ba­den und Eis­schle­cken kann man hier nach wie vor bestens.

Das Som­mer­bad Hum­boldt­hain ist in der Bade­sai­son einer der belieb­tes­ten Orte im Brun­nen­vier­tel. Foto: D. Hensel

Vor eini­gen Jah­ren ist ein Aspekt hin­zu­ge­kom­men, den man eher nicht mit einem Schwimm­bad in Ver­bin­dung bringt: Kunst. Anfang 2017 pach­te­te eine jun­ge Kura­to­rin die in die Jah­re gekom­me­ne Gast­stät­te am Becken­rand, gestal­te­te die Räum­lich­kei­ten um und gab der neu­en Restau­ra­ti­on den Namen „Tro­pez“. Was natür­lich sofort an den süd­fran­zö­si­schen Nobel­ba­de­ort Saint-Tro­pez den­ken lässt, doch kei­ne Ban­ge: Statt Aus­tern und Cham­pa­gner gibt’s hier immer noch Cur­ry­wurst, Pom­mes, Bier und Limo.

 

Zusätz­lich wer­den im „Tro­pez“ nun auch Aus­stel­lun­gen, Lesun­gen und Per­for­man­ces ver­an­stal­tet. So waren dort in der ver­gan­ge­nen Sai­son recht eigen­wil­li­ge Kunst­ob­jek­te zu bestau­nen, zum Bei­spiel eine gigan­ti­sche rot-wei­ße Snack­box, gefüllt mit bun­ten Pool-Nudeln aus Schaum­stoff. Außer­dem konn­te man ein Video­spiel aus­pro­bie­ren oder in einem Schleim­sumpf nach Ver­bor­ge­nem suchen. Nicht unbe­dingt nach jeder­manns Geschmack, aber das Som­mer­bad Hum­boldt­hain hat damit ein gewis­ses Allein­stel­lungs­merk­mal unter den Ber­li­ner Bädern. Was sich das Tro­pez-Team aus­ge­dacht hat: Tro­pez-Web­site.

Der Text ist im Kiez­ma­ga­zin brun­nen, Aus­ga­be 2/2019 erschie­nen. Text: Alex­an­der Dowe, Fotos: Domi­ni­que Hen­sel, Archiv Ralf Schmiedecke

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