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PaSch -Patenschaften für Schulkinder:
Begegnungen im Kleinen, die Großes bewirken

18. März 2024

Das Patenschaftsprojekt "PaSch - Patenschaften für Schulkinder" setzt sich seit 2010 für gleiche Bildungschancen und Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder ein. Doch es ist mehr als das: Hier entstehen Begegnungen zwischen sehr unterschiedlichen Lebenswelten.  

Unterwegs mit dem Patenkind. Foto: Fabrik Osloer Straße e.V.

PaSch ist ein Projekt der NachbarschaftsEtage des Vereins Fabrik Osloer Straße e.V. und ist ursprünglich aus der Stadtteilarbeit im Wedding hervorgegangen. Im Mittelpunkt stehen Patenschaften für Grundschulkinder im Wedding. Die ehrenamtlichen Pat:innen schenken den Patenkindern Zeit und Aufmerksamkeit und stehen ihnen als erwachsene Vorbilder zur Seite. Einmal pro Woche treffen sie sich und erleben gemeinsam die Stadt, lernen voneinander und erweitern ihren Horizont. Ob beim Erkunden Berlins, Erledigen von Hausaufgaben, kreativen Aktivitäten, Sport oder Musik – die gemeinsame Zeit ist wichtig, denn bei dem Projekt geht es vor allem um eines:  Beziehungsaufbau. 

Max und Murat, die Patenfreunde

Ein Beispiel für den Erfolg des Projektes sind Max und Murat (11, Namen geändert). Die beiden sind nun schon seit fast einem Jahr ein eingespieltes Team. Fahrrad fahren, Frisbee spielen, Bowlen, Klettern oder auch einfach nur gemeinsam ein Spiel spielen - die beiden Patenfreunde, wie sie sich selbst nennen, haben viel erlebt in den vergangenen Monaten. In dieser Zeit ist eine spürbare Verbindung entstanden. "Eigentlich bin ich inzwischen schon Teil der Familie", sagt Max grinsend, während Murat das mit einem fröhlichen Nicken bestätigt. Sie haben viel voneinander gelernt. Murat sagt, dass er selbständiger geworden ist und jetzt viel öfter nach draußen geht, aber auch besser in der Schule geworden ist und mehr liest.  

Das liegt vor allem an einem gemeinsamen Interesse, das Max und Murat verbindet: Animes und Mangas. Bevor er Max kannte, hat Murat vor allem die Verfilmungen oder Serien geschaut. Jetzt liest er viele Comics und strahlt über das ganze Gesicht, wenn er ein bisschen von seiner großen Leidenschaft berichten kann. Ein Buch hat er sogar dabei und zeigt es allen in der Runde. "Das Besondere ist, dass man Mangas immer von hinten nach vorne liest", erklärt er. Murat ist ein vielseitig interessiertes Kind. Für seine Mutter war genau das ein Beweggrund, ihn für das Patenschaftsprojekt von PaSch anzumelden. Sie wollte ihm ermöglichen, seinen Interessen besser nachgehen zu können. Darüber hinaus war ihr wichtig, dass Murat eine männliche erwachsene Bezugsperson in seinem Leben hat. Der Elfjährige lebt mit seiner Mutter und der Achtjährigen Schwester Ayşe in einem Frauenhaushalt. 

Positive Vorbilder sind für Kinder unglaublich wichtig und können viel Veränderung bewirken. Doch auch für die Menschen, die diese Vorbildfunktion erfüllen, verändert sich während einer Patenschaft einiges. Für Max ist die Patenfreundschaft zu Murat eine wertvolle Bereicherung. Vorher war er als Lesepate aktiv, aber das reichte ihm nicht aus. "Ich wollte einfach einen nachhaltigeren Einfluss haben", sagt er. Dass er letztendlich auch für sich unglaublich viel dazulernen würde, hatte er vorher nicht erwartet. Dank des Patenschaftsprojektes hat Max die Möglichkeit gehabt, eine für ihn völlig neue Lebenswelt kennenzulernen. Begeistert erzählt er von einem besonderen Erlebnis: einem Besuch der Şehitlik Moschee am Columbiadamm zu Iftar (Fastenbrechen während des Ramadan). Er berichtet davon, wie er mit offenen Armen empfangen wurde und er Fleisch aß, obwohl er eigentlich vegetarisch lebt und wie sie sich dank Murats Übersetzungskünsten mit Männern aus Syrien unterhalten konnten. Max resümiert: "Ich habe während des letzten Jahres unglaublich viel gelernt. Zum Beispiel über den lockeren Umgang mit dem Glauben und dass sich Dankbarkeit nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesten, wie einer Einladung zum gemeinsamen Essen, ausdrücken lässt." 

Der Weg zur Patenschaft

Damit eine Patenschaft auf Dauer so gut funktioniert wie bei Max und Murat, legen die drei Projektmitarbeiterinnen Viola, Stefanie und Aynur viel Wert auf die umfassende Vorbereitung aller Beteiligten. Die Familien spielen dabei natürlich eine wichtige Rolle. Bevor die Patenschaft losgeht, findet eine ausführliche Beratung für die Familie des Patenkindes statt. Nach dem Kennenlernen suchen die Kolleginnen dann nach einer passenden Patin oder einem Paten.

Dafür werden mit potenziellen Pat:innen intensive Vorgespräche geführt. Nicht nur Interessen oder Hobbys werden dabei thematisiert. Die Gespräche gehen in die Tiefe, sodass sich die PaSch-Mitarbeiterinnen ein möglichst umfassendes Bild der Person machen können, die Pat:in werden möchte.
Konkret gestaltet sich die Vorbereitung auf die Patenschaft für die Ehrenamtlichen so: Zunächst findet eine telefonische Beratung für den oder die Interessierte:n statt. Zeigt sich dabei, dass das Engagement bei PaSch das richtige für die Person ist , gibt es ein ausführliches Kennenlern-Gespräch mit den Mitarbeiterinnen, dem ein Vorbereitungs-Workshop gemeinsam mit anderen Pat:innen folgt. Dabei werden sie auf die bevorstehende Zeit mit dem Patenkind vorbereitet und es können Erwartungen und Konfliktpotenziale besprochen werden. 

Verbunden über eine Patenschaft. Foto: Fabrik Osloer Straße e.V.

Findet das PaSch-Team dann ein passendes „Match“zwischen einem Kind und einer ehrenamtlichen Person für eine Patenschaft, finden drei Kennenlerntermine mit allen Beteiligten statt. Schließlich müssen sich alle wohlfühlen, bevor die gemeinsame Zeit zu zweit beginnt. Während der Patenschaften gibt es eine enge Begleitung von den PaSch-Mitarbeiterinnen. "Es gibt immer das Angebot, dass wir da sind, wenn es Fragen oder Probleme gibt", sagt Viola. Zusätzlich gibt es immer wieder Workshops oder gemeinsame Ausflüge mit anderen Tandems. Hier ist keiner auf sich gestellt.

Beim ersten Treffen zu zweit haben Max und Murat ein Spiel gespielt. Was genau sie damals gespielt haben, wissen sie nicht mehr. Dass sie zu richtigen Patenfreunden wurden, ging dann sehr schnell, da sich die beiden von Anfang an sehr gut verstanden haben. Die Patenschaften dauern mindestens ein Jahr. Doch die meisten treffen sich länger, einige Verbindungen bleiben über viele Jahre bestehen. Auch Murat und Max wollen sich nach dem Jahr weiterhin treffen. Vielleicht nicht mehr jede Woche, aber bestimmt alle zwei Wochen. Max gehört jetzt schließlich zur Familie. 

Gemeinsam gegen Vorurteile

Es wird also deutlich, dass es um so viel mehr geht, als um das Mentoring an sich. Denn hier kommen Lebenswelten zusammen, die sich im Alltag sonst wohl kaum begegnen würden. Mit dem Projekt schaffen Viola, Aynur und Stefanie das, was wir als Gesellschaft am nötigsten brauchen: Begegnungen. Nur im Austausch miteinander können wir etwas gegen die manifestierten Vorurteile zwischen unterschiedlichen Gruppen unternehmen. Sich bei PaSch zu engagieren ist ein Handeln gegen die Spaltung der Gesellschaft. Wer also einen Schritt aus der eigenen Blase heraus wagen will und mehr tun möchte, als gegen rechts zu demonstrieren, kann hier einen wertvollen Beitrag auf einer ganz persönlichen Ebene leisten. Murats Schwester Ayşe (Name geändert) sucht noch nach einer passenden Patin. Vielleicht findet sich ja hier eine interessierte Person? 

Gut zu wissen

Am 30. April findet um 18.30 Uhr eine Info-Veranstaltung bei "Kamine und Wein" in der Prinzenallee 58 statt. Weitere Infos findet ihr hier: https://pasch-paten.de/

PaSch - Patenschaften für Schulkinder, Osloer Straße 12, Ansprechpartnerinnen: Viola Hoppe, Aynur Pinarbasi und Stefanie Tragl , E-Mail: [email protected] (Bitte eine Rückrufnummer mitschicken), Telefon: (0176) 81 94 55 62 oder (030) 37 30 17 59

Ina Raterink

ist irgendwo zwischen Feldern, Massentierhaltung und Holland im niedersächsischen Nirgendwo aufgewachsen und wurde deswegen schon früh zur Autorin. Jetzt genießt sie den Gegensatz im Wedding und will all seine Facetten kennenlernen und festhalten.

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