Seit dem 15. Juni schließt die neue S15 diese Lücke: Sie fährt vom Gesundbrunnen über den Bahnhof Wedding direkt zum Hauptbahnhof.
Vom Gesundbrunnen dauert die Fahrt etwas mehr als fünf Minuten, vom Bahnhof Wedding sogar nur etwa drei Minuten. Die Züge verkehren tagsüber alle zehn Minuten. Besonders für Fahrgäste der U6 wird der Bahnhof Wedding damit interessant. Wer aus Richtung Rehberge, Seestraße oder Leopoldplatz kommt, erreicht den Hauptbahnhof nun mit einem Umstieg und ohne den Umweg über Friedrichstraße oder Naturkundemuseum.
Neuer Weg zum Flughafen
Besonders bedeutsam ist die Strecke seit der Neuordnung des Regionalverkehrs im Dezember 2025. Der Flughafenexpress FEX fährt seitdem nicht mehr über Gesundbrunnen und Ostkreuz, sondern vom Hauptbahnhof über Potsdamer Platz und Südkreuz zum Flughafen BER.
Damit verlor Gesundbrunnen seine regelmäßige Direktverbindung zum Flughafen. Die S15 gleicht diesen Verlust zumindest teilweise aus. Vom Gesundbrunnen oder vom Bahnhof Wedding geht es schnell zum Hauptbahnhof und dort weiter mit dem FEX oder anderen Regionallinien.
Zusätzlich gibt es ungefähr alle zwei Stunden eine umsteigefreie Regionalverbindung zwischen Gesundbrunnen und dem BER. Einige Züge des FEX werden am Hauptbahnhof zum RE5 und fahren über Gesundbrunnen, Oranienburg und Neustrelitz weiter in Richtung Rostock oder Stralsund. In der Gegenrichtung gelangen Fahrgäste mit diesen Zügen direkt zum Flughafen.
Eine provisorische Station
Am Hauptbahnhof endet die S15 nicht an einem gewöhnlichen S-Bahnsteig, sondern in einer unterirdischen Interimsstation unter der Invalidenstraße. Sie liegt neben dem U-Bahnhof der U5 und ist über eine Passerelle mit dem Hauptbahnhof verbunden. Von dort kommt man auch schnell zur Straßenbahnhaltestelle.
Die Station wirkt entsprechend funktional: ein vergleichsweise schmaler Mittelbahnsteig mit Betrieb auf nur einem Gleis und eine reduzierte, aber durchaus schicke Gestaltung mit blau gepunkteten Platten auf den Stützpfeilern. Sie ist nicht als dauerhafter Bahnhof gedacht, sondern soll den Betrieb ermöglichen, bis der endgültige Bahnhof gebaut ist. Weil der Bahnsteig nur für vierteilige Halbzüge ausreicht, kann die S15 zunächst nicht mit längeren Zügen betrieben werden. Die Fortsetzung der Strecke zum Potsdamer Platz befindet sich noch im Planungsverfahren.
Die Lücke an der Brücke
Auffällig ist auch, wo die S15 nicht hält. Zwischen Wedding und Hauptbahnhof durchquert sie das Entwicklungsgebiet rund um die Europacity, ohne dort eine Station zu bedienen. Ein zusätzlicher S-Bahnhof an der Perleberger Brücke ist seit Jahren geplant, wurde aber nicht gemeinsam mit der Strecke gebaut. Der Halt würde das dicht bebaute Gebiet zwischen Moabit, Lehrter Straße und Heidestraße erschließen. Vorgesehen sind wegen der unterschiedlichen Höhen der beiden Streckenäste Bahnsteige oberhalb und unterhalb der Perleberger Brücke. Vorsorgemaßnahmen wurden bereits berücksichtigt, das eigentliche Planungs- und Genehmigungsverfahren steht jedoch noch aus.


Europacity, Fotos: Joachim Faust
Der erste Teil der S21
Die S15 ist der erste Abschnitt des größeren Projekts S21, mit dem eine zweite Nord-Süd-Verbindung durch Berlin entstehen soll. Bereits jetzt hat der erste Abschnitt neun Jahre länger gebraucht als geplant. Später sollen Züge vom Nordring über Hauptbahnhof und Potsdamer Platz bis zur Yorckstraße und möglicherweise weiter zum Südkreuz fahren. Dadurch soll auch der bestehende S-Bahn-Tunnel über Friedrichstraße entlastet werden.
Bis dahin bleibt die S15 eine Pendellinie mit drei Stationen. Ihre Einfädelung auf den Ring am Bahnhof Wedding und die Wendezeit am Bahnhof Gesundbrunnen könnten für Instabilität im Betrieb sorgen. Das wird die nahe Zukunft zeigen.
Fotos, wenn nicht anders angegeben: Felix Kayser (@kayserlich)











