Max-Josef-Metzger-Platz vielfältig nutzbar

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Kurz vor der Eröff­nung Foto: Weddingweiser

Klamm­heim­lich und ohne eine eine Infor­ma­ti­on für die Anwoh­ner oder ande­re Inter­es­sier­te wur­de der drei­ecki­ge Max-Josef-Metz­ger-Platz vor Ostern zur Benut­zung frei­ge­ge­ben. Die Bau­zäu­ne sind ver­schwun­den und die Grün­an­la­ge wur­de bei son­ni­gem Wet­ter von der Bevöl­ke­rung sofort in Besitz genommen.

Foto: Roland Schnell

Sogar der Trink­brun­nen an der Mül­ler­stra­ße (auf der Höhe der Trep­pe zur U 6) ist schon in Betrieb. Das wür­de den Alko­hol­geg­ner Metz­ger sicher freu­en, dass hier jeder kos­ten­los sei­nen Durst stil­len kann, ohne zum “Lauf­bier” grei­fen zu müs­sen. Die Ber­li­ner Was­ser­be­trie­be stel­len die­se Brun­nen in der gan­zen Stadt auf, wo sie mit ganz nor­ma­lem Was­ser aus der Lei­tung ver­sorgt wer­den. Man kann alle Trink­brun­nen auf einer Kar­te finden.

Es gibt kei­nen Hin­weis, dass die Öff­nung in einem Zusam­men­hang mit dem Todes­tag von Metz­ger am 17. April 1944 geschah. An die­sem Tag, der 2019 auf den Vor­abend des Grün­don­ners­tag gefal­len ist, fand in der gegen­über­lie­gen­den Kir­che St. Joseph eine Gedenk­mes­se für Metz­ger statt und es wur­de die Gedenk­ta­fel  in der Will­de­now­stra­ße mit einem Blu­men­ge­bin­de geschmückt.
Foto Roland SchnellDie Ste­le zum Geden­ken an Max Josef Metz­ger auf dem Platz wur­de lei­der bis­her nicht gerei­nigt und wird von den Kin­dern als Turn­ge­rät betrachtet.

Auch mit dem Kon­sum von Alko­hol wur­de schon begon­nen und es ist zu hof­fen, dass die Ent­wick­lung einer “Trin­ker­sze­ne” wie auf dem Leo­pold­platz, wo man seit vie­len Jah­ren die­sem Pro­blem rela­tiv hilf­los gegen­über­steht, ver­mie­den wer­den kann.

Eine Rei­he von beque­men Bän­ken ent­lang der Lauf­stre­cke rund um den Platz laden zum Ver­wei­len ein.

Dezenter Hinweis auf Esperanto

Wer die Zei­chen zu deu­ten weiß, fin­det auf der Lauf­bahn sogar Hin­wei­se auf Espe­ran­to. Es wur­den “moti­vie­ren­de Sprüch”« auf den Asphalt auf­ge­tra­gen, die Läu­fer zu wei­te­ren Akti­vi­tä­ten auffordern.

Foto Roland Schnell
Espe­ran­to-Schrift­zug

So kann man etwa “kvar­fo­je man­f­ra­pi” oder “streĉi” oder “kli­niĝi” lesen.

Damit hat sich der Max-Josef-Metz­ger-Platz einen Ein­trag in die Lis­te der Zamen­hof/E­spe­ran­to-objekt­oj (ZEO-oj), red­lich ver­dient. Die­se Lis­te führt alle Sach­zeu­gen (Stra­ßen, Plät­ze, Denk­mä­ler, Gedenk­ta­feln) auf, die in irgend­ei­nem Zusam­men­hang mit Espe­ran­to ste­hen. In Ber­lin sind das unter ande­rem der Espe­ran­to-Platz in Neu­kölln mit der Zamen­hof-Eiche und der Zamen­hof-Park in Lich­ten­berg, der in die­sem Jahr sein 10-jäh­ri­ges Jubi­lä­um fei­ern kann. Dazu gibt es dort ein Fest am 9. August.

Unleserliche Tafeln im Boden

Ent­lang der Mül­ler­stra­ße wur­den vier qud­ra­ti­sche Metall­plat­ten in den Boden ein­ge­las­sen. Lei­der ist der Text kaum zu erken­nen und die Blü­ten, die der­zeit den Boden bede­cken, tra­gen nicht zur Les­bar­keit bei. Des­halb kann noch nicht gesagt wer­den, ob und wie auf den Aspekt »Espe­ran­to« im Leben von Max Josef Metz­ger ein­ge­gan­gen wird.

Text/Fotos: Roland Schnell

Hin­weis der Redak­ti­on: Offi­zi­ell ist laut “Akti­vem Zen­trum Mül­ler­stra­ße” die Eröff­nung für den 6. Juni 2019 vorgesehen.

Über den Namensgeber

Der 1887 gebo­re­ne Metz­ger war ein deut­scher katho­li­scher Pries­ter, der wegen sei­ner pazi­fis­ti­schen Über­zeu­gung vom Volks­ge­richts­hof unter Vor­sitz sei­nes Prä­si­den­ten Roland Freis­ler am 14. Okto­ber 1943 zum Tode ver­ur­teilt und nach sechs Mona­ten hin­ge­rich­tet wur­de. hat­te bis zu sei­ner Ver­haf­tung am 29. Juni 1943 in einer Woh­nung über dem heu­ti­gen Gemein­de­saal der St. Josefs­kir­che gelebt. Er wur­de in einem nur 70 Minu­ten dau­ern­den Schau­pro­zess vom Volks­ge­richts­hof zum Tod ver­ur­teilt. Er wur­de am 17. April 1944 im Zucht­haus Bran­den­burg-Gör­den durch Ent­haup­tung hin­ge­rich­tet. Das Todes­ur­teil gegen Max Josef Metz­ger wur­de 1997 vom Land­ge­richt Ber­lin aufgehoben.

Gastautor

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2 Comments

  1. Ich ver­ste­he nicht, wie­so die “Trin­ker­sze­ne” ein “Pro­blem” ist. Auch für sie ist es doch schön, wenn sie sich nicht mehr an dem schä­bi­gen Aus­gang des U‑Bahnhofs Leo­pold­platz auf­hal­ten muss, son­dern sich in den Park legen oder set­zen kann. Genau­so wie ich mich freue, wenn ich mein Bier drau­ßen in gemüt­li­cher Atmo­sphä­re trin­ken kann.

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