Mausoleum und Mikrobiologie: Das Robert-Koch-Institut

Tag für Tag flimmern seit einigen Wochen Bilder aus einem Saal über die Bildschirme der Nation: Das Robert-Koch-Institut (RKI) ist jedem und jeder Deutschen inzwischen genauso ein Begriff wie der Name der Bundeskanzlerin. Das verwundert nicht, denn dort werden fast jeden Tag aufs Neue die Gesundheitsrisiken für die deutsche Bevölkerung eingeschätzt und in Pressekonferenzen bekanntgegeben – eine überlebenswichtige Aufgabe in Zeiten der Corona-Pandemie. Was aber die Wenigsten wissen: Dieses Institut befindet sich im Wedding.

Nach dem ersten Leiter benannt

Mausoleum für Robert Koch
Das Mausoleum, Foto: Fridolin Freudenfett / Lizenz CC-BY-SA 4.0

Bereits im Jahr 1891 wurde das Königlich Preußische Institut für Infektionskrankheiten errichtet. Es befand sich anfangs in einem Wohnhaus in der Schumannstraße in Berlin-Mitte. Leiter des Instituts war der schon damals berühmte Robert Koch, ein Mikrobiologe und Mediziner. Gemeinsam mit Louis Pasteur gilt er als Begründer der Bakteriologie.1876 war es Koch gelungen, die Rolle des Milzbranderregers zu beschreiben. Sechs Jahre später entdeckte er dann den Tuberkulose-Erreger. 1905 wurde Robert Koch der Nobelpreis für Medizin verliehen. Nach dem Tod des Wissenschaftlers im Jahr 1910 wurde das Institut nach ihm benannt.

Das Hauptgebäude des RKI befindet sich im Straßendreieck Nordufer/Föhrer Straße/Buchstraße direkt am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Es wurde 1897 – 1900 mit drei Geschossen im Stil der deutschen Neorenaissance errichtet. Das repräsentative Gebäude mit zwei Seitenflügeln gruppiert sich um einen Ehrenhof. Eine Besonderheit ist der Umbau eines Raums der photographischen Abteilung: 1910 wurde er zu einem Mausoleum für Robert Koch umgestaltet, wo die Asche des Nobelpreisträgers in einer Nische hinter einer Marmorplatte beigesetzt wurde. Ein Urnenbeisetzungsgesetz, das dem entgegengestanden hätte, gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Über 125 Jahre alt

Auch wenn das RKI 1952 Teil des Bundesgesundheitsamts wurde, verblieb der Hauptsitz mit Laboren und Tierställen weiter in Berlin (West). Nach der Wiedervereinigung werden Bereiche verschiedener DDR-Behörden ins RKI integriert, darunter Teile des Zentralinstituts für Hygiene, Mikrobiologie und Epidemiologie in Berlin-Schöneweide und des Instituts für Experimentelle Epidemiologie in Wernigerode im Harz. Der Standort in Wernigerode ist bis heute eine Außenstelle des RKI. Nach der Auflösung des Bundesgesundheitsamts 1994 erhielt das RKI den Status als selbstständige Bundesoberbehörde und ist eine zentrale Forschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland.

2001 kamen mit dem neuen Infektionsschutzgesetz neue Aufgabe auf das RKI zu, unter anderem die Erkennung und Bekämpfung bioterroristischer Gefahrenlagen. 2016 feierte das RKI seinen 125. Geburtstag. An vier Standorten in Berlin und Wernigerode arbeiten mehr als 1.100 Menschen aus 90 verschiedenen Berufen, darunter rund 450 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, insbesondere seit dem Auftreten der ersten Infektionsfälle von Covid-19 Ende Januar in Bayern, unterstützt das RKI die Gesundheitsbehörden vor Ort durch Epidemiologen.
In den modernen Labors des RKI, die an der Seestraße neben dem Virchow-Klinikum entstanden sind, werden auch labordiagnostische Leistungen angeboten. Das 2018 eröffnete Hochsicherheitslabor an der Seestraße steht nun für diagnostische Arbeiten mit Erregern der höchsten Risikogruppe 4 (z.B. Ebola-, Lassa- oder Nipahviren) zur Verfügung.

 

Robert-Koch-Institut
Robert Koch Institut an der Seestraße

Seit 2015 ist Lothar Wieler Präsident des RKI. Sein Name und sein Gesicht sind seit der Corona-Krise auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt – dank der mehrmals wöchentlich stattfindenden Pressekonferenzen aus dem Robert-Koch-Institut am Nordufer. Und so kommt auch der Wedding im Moment fast täglich in die Wohnzimmer von Millionen Haushalten in ganz Deutschland.

 


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