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Hochpreisiger Wohnungsbau:
Luxuswohnen jetzt auch im Wedding?

28. März 2026
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Die soziale Struktur des Gebiets um die Müllerstraße wird sich in den kommenden Jahren verändern. Das liegt aber weniger an der Verdrängung der ansässigen Wohnbevölkerung (davon ist zurzeit nur in gewissem Maß in „Milieuschutzgebieten“ auszugehen), sondern vielmehr am Wohnungsneubau, der absehbar hauptsächlich im Segment der eher hochpreisigen, frei finanzierten Wohnungen stattfinden wird.

Längerfristig sollen etwa im Gebiet südlich des S-Bahnhofs Wedding („Block 112„) solche Wohnungen entstehen oder auf dem Dach des ehemaligen Karstadt-Warenhauses am Leopoldplatz. Am ehemaligen Schillerpark-Center soll an der Stelle des Parkdecks und seiner Einfahrt größtenteils frei finanzierter Wohnungsbau kommen – stellenweise erlaubt der Lärm der U-Bahn-Gleise des benachbarten Betriebsdepots der BVG hier aber nur „gewerbliches Wohnen auf Zeit“ (z. B. Ferienwohnungen, Apartments für Geschäftsreisende oder auch Obdachlosenunterkünfte).

Auf dem Gelände neben dem jetzigen AOK-Servicecenter an der Ecke Müller- und Ostender Straße will ein Projektentwickler gleich eine ganze Wohnanlage mit 300 freifinanzierten Wohnungen errichten. An der Ecke Lynar- und Müllerstraße entsteht ein gemischter Wohn- und Gewerbebau. Der Flachbau der ehemaligen Isbank gegenüber dem Leopoldplatz wird mit Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen aufgestockt. Auf Freiflächen nahe der Müllerstraße 56 (gegenüber Ex-Karstadt) ist ein Studentenwohnheim geplant, nebenan soll auf einer bestehenden Tiefgarage ein neues Wohnhaus errichtet werden. Und das sind nur einige Projekte unmittelbar im Sanierungsgebiet, es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Sozialer Wohnungsbau in größerem Umfang (100 Wohneinheiten) findet dagegen aktuell nur auf dem Gelände des Paul-Gerhardt-Stifts statt.

Offenbar hat sich die Einschätzung des Weddings auf dem Immobilienmarkt verändert. Bislang scheuten Investoren vor dem Neubau hochpreisiger Wohnungen in sozialen Brennpunkten eher zurück. Eine Zeitlang waren Mikro-Apartments in Mode. Der Neubau teurer Wohnungen fand aber andernorts statt, in der Europa-City zum Beispiel oder auf dem Gelände des ehemaligen Tacheles in der Spandauer Vorstadt. Für die Europa-City findet man derzeit im Netz Mietangebote für 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter zuzüglich Nebenkosten. Am ehemaligen Tacheles werden (sehr dicht aufeinander gepackte) Eigentumswohnungen „für höchste Lebensqualität“ zu Preisen von 13.000 bis 20.000 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Solche märchenhaften Preise für Wohneigentum gibt der Wedding in absehbarer Zeit vermutlich nicht her. In preisliche Regionen wie in der Europacity könnten die nicht gebundenen Mieten frei finanzierter Neubauten aber vermutlich vorstoßen – denn die Wohnungsnot ist groß in Berlin.

Die, die sich so teure Wohnungen leisten können, kommen inzwischen oft aus dem Ausland. In den meisten Firmen im IT- und KI-Sektor sowie in der Pharmabranche, wo man recht gut verdienen kann, ist die alltägliche Betriebssprache bereits Englisch.

Besonders viele der dort Beschäftigten kommen seit einiger Zeit aus Indien. Aktuell werden bereits genauso viele indische Staatsbürger in Berlin leben wie polnische, und einige von ihnen gehören zu den Gutverdienern, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt. Der Grund: viele Inder sind in IT- und Hightech-Berufen beschäftigt, wo die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften groß und die Löhne entsprechend sind.

Im Berliner Innenstadtbereich bieten zudem die internationalen Lebensstile einen handfesten Standortvorteil. Und wenn der Arbeitsplatz gut zu erreichen ist, dürften viele bereit sein, auch 2000 Euro und mehr für eine Zweizimmerwohnung aufzubringen. Mit solchen Preisen muss man inzwischen in Wirtschaftsmetropolen fast überall auf der Welt rechnen – in manchen Metropolen wie z. B. New York oder Paris sogar noch mit deutlich mehr.

Autor: Christof Schaffelder

Dieser Artikel wurde zuerst in der Zeitschrift Ecke Müllerstraße veröffentlicht.

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16 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Wir haben Verdrängung genau andersherum kennengelernt. Schöne ruhige Wohnanlage eines großen bekannten privaten Vermieters wurde vor einigen Jahren an Stadt verkauft. Seither nur noch – vorsichtig formuliert – bildungsferne Neueinzüge. Überall Müll, rücksichtslose laute Nachbarn. Am Ende mussten wir umziehen.

  2. Ich verstehe nicht warum Verdrängung damit nichts zu tun haben soll. Dadurch werden mit der Zeit doch auch die Lebenshaltungskosten steigen.

    Die internationalen Investoren, die für die Wohnungskrise mit verantwortlich sind, trreffen sich übrigens im Sommer wieder in Berlin zum SuperReturn International.

    P.S.: Passt bitte auf, arme indische Student:innen nicht gegen die lokale Bevölkerung auszuspielen. Verstehe nicht, warum es relevant ist, aus welchem Land die Investoren kommen.

    • Internationale Investoren sind nicht an der Wohnungskrise schuld. Wohnen is teuer und knapp weil Bauen teuer ist. Bauen ist teuer weil wir so viele sinnlose Normen haben. Schuld an den sinnlosen Normen sind vor allem Lobbyinteressen aus der Baubranche.
      Hinzu kommt schlecht umgesetzte Regulierung aus der Politik. Wir haben ein fehlendes gesellschaftliches Verständnis dafür was eigentlich dieses Wohnraum-Problem auslöst. Alle denken es muss nur mehr reguliert werden und das ist ein fataler Fehler. Regulierung ist wie eine Schmerzspritze: Kann sinnvoll sein wenn gezielt eingesetzt. Wir aber hängen wie Süchtige an dieser Nadel und kümmern uns nicht darum das eigentliche Problem zu lösen.

        • Wenn das Vermieten von Wohnraum so lukrative Renditen erbringen würde, wie es uns glauben gemacht werden soll, würde sehr viel mehr Wohnraum gebaut.
          Und wenn man sich z. B. die Entwicklung des Aktienkurses und der Dividende von der Deutschen Wohnen und der Vonovia SE anschaut, sind die Aktionäre in den letzten Jahren auch nicht reich geworden…
          Der Wohnungsmarkt ist total verzerrt – nicht zuletzt durch staatliche Eingriffe.

    • Nicht nur so indirekt, sondern viel direkter. Die sehr hohen Mieten werden den Mietspiegel anheben und damit werden auch alle Mieten für andere steigen, denn auch im Milieuschutz orientieren sich Mieten und Mieterhöhungen am Mietspiegel.

    • …Weil Milieuschutz immer auch Ghetto-Bildung bedeutet. Eine zeitgemäße Ausstattung von Wohnungen mit z. B. Türsprechanlagen mit Kameras, Gästetoilette oder nachträglicher Anbau von Balkonen wird nicht erlaubt. Das führt dazu, dass Menschen, die diese Einrichtungen schätzen, wegziehen. Übrig bleiben Neuankömmlinge, für die selbst ein niedriger Wohnstandard im Wedding eine Verbesserung ihrer Verhältnisse bedeutet.

  3. Wenn ich an die 2000 Euro Miete zahlen muss, möchte ich nicht auf dem Dach vom ehemaligen Karstadt wohnen. Die Gegend wird doch immer gruseliger. Wenn ich nur beim Türken einkaufen kann (mehr ist ja da nicht) (nichts gegen Bolu, etc.), das würde mich nicht zufriedenstellen.

    • Im Erdgeschoss des Karstadt-Gebäudes ist ein Lidl. Direkt gegenüber ein Penny. Richtung Seestraße kommt dann noch ein denns, Bio Company, Rewe. Ich kann ihre Aussage wirklich nicht nachvollziehen.

      • Ich kann die gruseligen Gedanken von @Chistel Hif gut nachvollziehen! Es geht ja nicht nur um die Versorgung mit Lebensmitteln, sondern auch – und vorrangig – um ein Einkaufs“Erlebnis“! 😀
        Und das bleibt im Wedding auf der Müllerstr. nun wirklich auf der Strecke!
        Da hat ja selbst die wahrlich nicht dolle Turmstraße mehr und attraktiveres zu bieten!
        Eine Müllerstr. lebt nicht allein von einem Leuchtturm a la Bünger!

  4. Hallo an Alle, auch an die, die nicht gegrüßt werden wollen.
    Der Wedding wird geschlossen – wegen Reichtum.
    Die Ureinwohner kommen in Reservate, die bereits verstorbenen werden ausgestopft und hiernach ins Heimatmuseum.
    Achtung Satire Achtung ⚠️
    Die Zukunft ist das, was WIR! daraus machen.
    Das Leben ist Veränderung und kommt immer, wirklich immer, von vorne!
    Dem Weddinger wird niemals bange, dit is so!
    Sonniges Wochenende!

  5. Guten Morgen. Ich verstehe nach wie vor nicht, wer entlang der Müllerstr. – besser wird es hier schließlich nicht, ganz im Gegenteil – bereit ist, dann wohl astronomische Mieten zu zahlen. Hätten wir das Geld so locker, dann wären wir längst im Südwesten Berlins.

  6. … und in welche Moabits und Weddings möchten all diejenigen umziehen, wenn deren Mondgehälter aus Zeitverträgen und durch Kündigungen entfallen?

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