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Ü60 im Wedding:
Silbernetz – Erfolg auf der ganzen Linie

Über die Evaluation des Silbernetz-Hilfetelefons gegen Alterseinsamkeit
8. Juli 2026

Wie kann man im höheren Alter die Einsamkeit überwinden? Denn die Familienstrukturen ändern sich und viele Alte verwitwen heute erst später, da die allgemeine Lebenserwartung steigt: Was ist, wenn im Umfeld niemand verfügbar ist für die eigenen Interessen, Sorgen und Anliegen? Der Weddinger Silbernetz e. V. bietet seit 2018 ein Hilfetelefon, das anonym, vertraulich und kostenfrei Gespräche für Ü 60 unter einer Hotline und einer Festnetznummer anbietet.

Elke Schilling, Gründerin des Silbernetzhilfetelefons – Foto Renate Straetling

Es hat bereits einen einmillionsten Anruf gegeben, und die Zahl der Anrufe wuchs stetig um 20% pro Jahr. Dies Hilfetelefon erhält öffentliche Mittel und wurde nunmehr im Hinblick auf seine Reichweite und Wirkung evaluiert. Hier die wichtigsten Einschätzungen dazu:

Das Ergebnis der Evaluation durch das DZA (Deutsches Zentrum für Altersfragen), die im Auftrag des Bundesfamilienministeriums erfolgte, ist überraschend positiv, und allgemein lässt sich zusammenfassen, dass Silbernetz e. V. die sehr zurückgezogenen alten Menschen erreicht und schon mit kurzen Gesprächen die Einsamkeit spürbar lindert, die Last mindert und positive Impulse setzt.

Elke Schilling, selbst Weddingerin, sagt mir im Gespräch: „Ich bin glücklich über dieses Ergebnis, zu Reichweite und Wirkung!“ Schließlich ist sie die Gründerin des Silbernetzes und hat die Idee und die Umsetzung nach einer Vereinsgründung im Jahr 2016 durchgefochten. Ende 2017 startete das Feiertagstelefon, das ab Weihnachten 2017 Anrufe annahm und ab September 2018 in Berlin für den regelmäßigen allgemeinen Betrieb loslegte.

Wir sprechen darüber, wie alle Alten, die vielleicht noch mit 85 und älter alleine leben, erreicht werden können, denn nicht nur ist mittlerweile an vielen Orten ein weit gefächertes Seniorenangebot gegeben, sondern die Angebote können auch bei Hausbesuchen vorgestellt werden.

So gibt es in Berlin den Gratulationsservice, der zum 70. Geburtstag von älteren Mitbürger.innen aktiv wird. Aufgrund von beantworteten Glückwunschbriefen und der Übergabe eines Blumenstraußes an der Wohnungstür kann das zu weiteren Ausgangspunkten für weitere Beratungen bei den alten Menschen in ihrem Zuhause führen.

Also, weiter so mit dem Silbernetztelefon! Aber wie soll das gehen ohne weitere Finanzierungen?

Derzeit bietet Silbernetz seine Gespräche bundesweit an, aber nur zwei Bundesländer (Berlin und NRW) fördern es. Wie die Telefonseelsorge könnte auch Silbernetz durch alle Bundesländer eine Basisfinanzierung erhalten. Das könnte Berlin bei der Fachministerkonferenz der Bundesebene ansprechen.

Berlin finanziert fünf Fachkräfte, drei Teilzeit- und zwei Vollzeitmitarbeitende, alle anderen müssen durch Stiftungen und Spenden getragen werden. „Wenn wir keinen Durchbruch bei der Finanzierung erreichen, dann sind wir vermutlich in fünf Jahren tot“, sagt Elke Schilling in diesem Zusammenhang sehr deutlich.

2. Foto von lks. Elke Schilling Fotos: Silbernetz e.V.

Die Veranstaltung zur Vorstellung der Evaluationsstudie mit einem breit besetzten Podium war sowohl im Bum in Kreuzberg als auch im Livestream erlebbar, und ist auch auf Youtube verfügbar. Das Gefühl der Einsamkeit ist nachweislich über Jahrzehnte hinweg eher stabil, aber das Risiko, als alter Mensch in der Einsamkeit zu verharren, nimmt erst im Alter zu. Das Alter macht durchaus unbeweglich und verhindert manchmal Neukontakte und Neuorientierungen. Daher kann Einsamkeit ein chronischer Stressor werden und gesundheitlich Folgewirkungen zeigen, die auch einen Teufelskreis eröffnen, eine Spirale des einsamen Verbleibens, das zudem schambehaftet ist, sodass keine Hilfe außen gesucht wird.

Hier greift das Silbernetztelefon schon mit niedrigschwelligem Zugriff auf das heimische Telefon ein und gibt eine Erleichterung auch für die einsamsten zwei Prozent der Alten, die jedoch sehr heterogen in sich sind, wie Dr. Oliver Huxhold, Leiter des Evaluationsteams des DZA anspricht. Elke Schilling sagt, es sei schwierig, die Telefonnummer auf den üblichen Werbewegen zu verbreiten und da anzubieten, wo sie gebraucht wird. Daher sitze sie in allen TV-Interviews und TV-Sendungen, mit bedruckten T-Shirts, die die 0800 4 70 80 90, zeigen. Einblendungen und Laufbänder sind zwar nett gemeint, bedeuten für alte Leute oft Frust, weil diese so schnell keine Notizzubehöre griffbereit haben oder nicht so schnell mitschreiben können.

So wird das Angebot zum Türöffner bei den Älteren für weitere Angebote vor Ort. Dadurch, dass diese Evaluation eines anonymen niedrigschwelligen Hilfeangebots per Telefon stattfand, was die erste Wirkungsanalyse dieser Art weltweit ist, ist zudem auch ein hoher Impuls für weitere und ähnliche Projekte gesetzt.

In der Podiumsdiskussion war man sich einig, dass man keine Diagnose Einsamkeit im medizinischen Register wünsche, denn das impliziere womöglich eine Gabe von Pillen dagegen. Ebensowenig seien KI-Gespräche gegen Einsamkeit erwünscht, betont die Spandauer SPD-Abgeordnete Atli. Elke Schilling verwies auf die Dreistufigkeit des Silbernetzes, bei dem anonyme Anrufe beantwortet werden, aber auch Silbernetz-Freundschaft und Silberinfo im Angebot sind. Was es aber nicht gäbe, das seien zuverlässliche und flächendeckende Informationssysteme für Ältere bis ins lokale Leben, solche, die für diese Altersgruppe handhabbar seien.

Da ist also noch etwas Wünschenswertes offen und eine wichtige unbeantwortete Frage: Wen haben wir nicht erreicht?

Links

Silbernetz: Telefon 0800 4 70 80 90 oder auf Festnetz 030 544 533 00

Täglich von 8 bis 22 Uhr, anonym, vertraulich und kostenfrei.

Über die Evaluation durch DZA

 https://www.dza.de/. Dort ist auch den Link zum YouTube-Kanal, wo die Veranstaltung erneut zu sehen ist

Dort ist auch der Link zur Broschüre über die Evaluation von Silbernetz.

https://www.dza.de/detailansicht/fachtagung-einfach-mal-reden-evaluationsstudie-zur-reichweite-und-wirksamkeit-der-silbernetz-hotline

Weitere Beiträge Kolumne Ü 60 über Elke Schilling

Renate Straetling

Renate Straetling

Jg 1955, aufgewachsen in Hessen; ab 1973 Studium an der FU Berlin, Sozialforschung, Projekte und Publikationen.
Selfpublisherin seit 2011 bei epubli.com, u.a. Kinder_SciFi
www.renatestraetling.wordpress.com
Im Wedding seit 2007.
Mein Wedding-Motto:
Unser Wedding: ein großes lebendiges Wimmelbild ernsthafter Menschen!

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