Lesermeinung zum Plötzensee: Doppelmoral an der Uferzone

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Doppelmoral bei der Toleranz von Wildbadern?
Pro­me­na­de am rech­ten Plötzenseeufer

Unse­re Lese­rin Dana wünscht sich mehr Dif­fe­ren­zie­rung, wenn es um dien­je­ni­gen geht, die an der Ost­sei­te des Plöt­zen­sees auf der Stein­mau­er sit­zen. Sie fin­det: Wer auf der Stein­mau­er sitzt und von dort ins Was­ser springt, rich­tet weni­ger Scha­den an als die, die den Zaun über­win­den und die Ufer­zo­ne zer­tram­peln. Herrscht hier eine Doppelmoral?

Stress an der Steinmauer

“Ich nut­ze seit über 10 Jah­ren, seit mein Sohn älter gewor­den und nicht mehr ins Frei­bad beglei­tet wer­den muss, die nicht offi­zi­el­le Bade­stel­le am Stein­gar­ten, schräg gegen­über der Bade­an­stalt, und gehe u.a. des­we­gen von dort im Som­mer ins Was­ser, weil ich (und mei­ne gan­zen Freun­de) dort eben nichts zer­tram­peln, tottre­ten oder ver­wüs­ten kön­nen. Wir gehö­ren auch zu den Leu­ten, die stän­dig dort sind, nicht nur som­mers, und oft den zurück­ge­las­se­nen Müll der See-Tou­ris­ten weg­ma­chen und aus dem Was­ser holen.
Wir hal­ten uns, teil­wei­se seit Jahr­zehn­ten, dort auf, die Mau­ern, Stein-Trep­pen und den Beton ver­wüs­ten wir nicht, und wenn wir im Som­mer dort schwim­men gehen, dann ist das eben, weil es seit Jah­ren unse­re Lieb­lings­stel­le am Plöt­zi ist, mit West­blick, und wir las­sen uns dort auch nicht vom gele­gent­lich in Erschei­nung tre­ten­den Ord­nungs­amt weg­schi­cken: Dort darf man sich auf­hal­ten, es ist Teil der fast ein Jahr­hun­dert alten Rehberge-Parkanlage.

Foto (C) Lisa Jura
Foto © Lisa Jura

Wie oft haben wir erlebt, dass die Ord­nungs­hü­ter jedoch am Stein­gar­ten echt Stress machen, ver­su­chen, Leu­te aus dem Was­ser zu holen (“das ist eine Straf­tat, ver­las­sen Sie sofort das Was­ser” und ande­re Lächer­lich­kei­ten wie einem zu ver­bie­ten auf einer Mau­er zu sit­zen. Ver­mie­den wur­de jedoch die letz­ten Jah­re, genau die­je­ni­gen Leu­te anzu­spre­chen, weg­zu­schi­cken und zur Kas­se zu bit­ten, die den Zaun über­klet­tern und das gesam­te Ufer seit meh­re­ren Jah­ren zur mul­ti-hedo­nis­tisch-ego­is­ti­schen Par­ty-Zone zer­klä­ren, Natur­schutz nein dan­ke, nach mir die Sint­flut, Haupt­sa­che nach dem akti­ven Zer­tram­peln von bebrü­te­ten Eiern und dem Platt­sit­zen letz­ter zäher Pflänz­lein abends vegan-nach­hal­tig zu spei­sen und sich anschei­nend auch gut so zu füh­len mit sei­ner aus­ge­leb­ten, wider­sprüch­li­chen Dop­pel­mo­ral.
Das Ord­nungs­amt hat da aus dem Natur­schutz-Ufer­ge­biet so sel­ten mal Mit­men­schen raus­ge­holt oder Knöll­chen ver­teilt, was 1. ange­bracht und 2. gerecht­fer­tigt und im öffent­li­chen Inter­es­se wäre, das Ver­let­zen des aus­ge­wie­se­nen Natur­schutz­ge­biets ist eine Ord­nungs­wid­rig­keit und kann dem­entspre­chend geahn­det wer­den, wären die letz­ten Jah­re rund um den See inner­halb des Zau­nes dort rigo­ros und täg­lich alle auf­ge­scheucht, kon­trol­liert und zur Kas­se gebe­ten wor­den, hät­ten sich das vie­le über­legt und gelas­sen, denn das tut finan­zi­ell bald weh. Nach dem drit­ten, vier­ten Knöll­chen in dich­ter Fol­ge kommt kei­ner mehr. Aber lei­der wur­de seit Anle­gen des Zau­nes kei­ne Maß­nah­men ergrif­fen, die Ver­let­zun­gen des Brut­schutz­ge­bie­tes zu ver­hin­dern und unat­trak­tiv zu machen wie durch solch stän­di­ge Prä­senz / Kon­trol­len inkl. Abkassieren.

Tiere wandern ab

Schwan am Strand
Schwan am Strand

Scha­de zu sehen, wie unser Lieb­lings­see lang­sam ver­kommt, der See ist vege­ta­tiv fast tot, da tum­melt sich nichts mehr, vor eini­gen Jah­ren hat­ten sich sogar Biber ange­sie­delt, selbst die Schild­krö­ten habe ich ewig nicht gese­hen und den letz­ten Rei­her letz­tes Jahr, außer einem Enten- und einem Schwan- Pär­chen und deren Nach­wuchs sind noch 3 Amei­sen gesich­tet wor­den,  die waren gera­de am Abwan­dern, bes­se­re Wel­ten zu suchen, eine neue, ruhi­ge­re, sau­be­re­re Hei­mat finden.”

Ein­sen­dung von Dana

 

Gastautor

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1 Comment

  1. Jetzt sind natür­lich wie­der die “vega­nen” jun­gen Leu­te Schuld… War­um druckt ihr sowas und stellt die­se “Dop­pel­mo­ral” auch noch in die Überschrift?
    Ich ver­ste­he ja, dass die Leu­te sau­er sind, aber sol­che plat­ten Kli­schees brin­gen hier wirk­lich nie­man­den wei­ter, geschwei­ge denn las­sen sie sich irgend­wie bewei­sen. Ja man­che jun­gen Leu­te in Ber­lin leben vegan, die aller­meis­ten aber nicht und wer genau über den Zaun in den Ufer­be­reich klet­tert, weiß hier niemand.
    Ich bezweif­le auch, dass irgend­je­mand am Ufer aktiv bebrü­te­te Eier zertrampelt…

    Ansons­ten stim­me ich dem Bei­trag aber zu, gera­de die Leu­te an den Stein­trep­pen beson­ders zu kon­trol­lie­ren, erscheint mir auch wenig sinnvoll.

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