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Kuriose Geschichte dreier Denkmäler

Sie zieren zwei Weddinger Grünanlagen, doch das Schicksal hat drei höchst unterschiedliche Denkmäler miteinander verbunden.
30. Januar 2021
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Schil­ler­denk­mal, Rin­ger­denk­mal an der Cat­cher­wie­se, Rathen­au­brun­nen: Die drei bekann­tes­ten Denk­mä­ler im nord­west­li­chen Wed­ding sind auf eigen­ar­ti­ge Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den. Sie sind unter­schied­lich ent­stan­den – aber 1941 hat man ihr Schick­sal mit­ein­an­der verknüpft.

Ursprünglich nicht so geplant

Dass im Schil­ler­park an den Dich­ter Fried­rich Schil­ler erin­nert wird, war zunächst nicht geplant. Die  Anla­ge erhielt 1905 ihren heu­ti­gen Namen, am 100. Todes­tag von Fried­rich Schil­ler, der Park selbst wur­de erst 1913 ein­ge­weiht. Auch wenn die Natio­nal­so­zia­lis­ten den Bild­hau­er Rein­hold Begas schätz­ten, lie­ßen sie sei­ne Wer­ke regel­recht durch die Stadt wan­dern. So wur­den sei­ne Skulp­tu­ren von der Sie­ges­al­lee im Tier­gar­ten sowie das Natio­nal­denk­mal Bis­marcks vom Königs­platz vor dem Reichs­tag an die zen­tra­le Allee im Tier­gar­ten am Gro­ßen Stern ver­legt, wäh­rend das Schil­ler-Denk­mal vom Gen­dar­men­markt wegen der dort statt­fin­den­den Para­den 1936 abge­baut und in ein Depot ver­bracht wurde.

Rathenau-Denkmal eingeschmolzen

Eines der Denkmäler im Wedding
Rathen­au­brun­nen Rehberge

Im Schil­ler­park soll­te nun eine Kopie des im Ori­gi­nal aus Mar­mor bestehen­den Schil­ler-Denk­mals auf­ge­stellt wer­den. Dafür wähl­te man aller­dings ein robus­te­res Mate­ri­al, näm­lich Bron­ze. Die­ses stand zur Ver­fü­gung, da 1934 das erst 1930 auf­ge­stell­te abs­trak­te Denk­mal des Bild­hau­ers Georg Kol­be für den jüdi­schen Emil Rathen­au (Begrün­der der AEG) und sei­nen Sohn Wal­ter Rathen­au (Außen­mi­nis­ter der Wei­ma­rer Repu­blik) im Volks­park Reh­ber­ge von den Nazis ent­fernt wor­den war. 1941 schmolz man die Bron­ze ein und fer­tig­te dar­aus das Schil­ler-Denk­mal. Im sel­ben Jahr wur­de mit dem Bau des Flak­bun­kers Hum­boldt­hain begon­nen. Und eben­falls 1941 wur­de die Auf­füh­rung von Schil­lers bedeu­tends­tem Werk “Wil­helm Tell”,  in dem Tyran­nen­mord gerecht­fer­tigt wird, ver­bo­ten. Das mar­mor­ne Ori­gi­nal­denk­mal gelang­te übri­gens erst 1988 an sei­nen alten Stand­ort in Ost­ber­lin zurück. Davor hat­ten sich der Schil­ler am Liet­zen­see im West­teil und die Figu­ren des Denk­mal­so­ckels im Tier­park Fried­richs­fel­de im Ost­teil der Stadt befunden.

Was durch Schiller ersetzt wurde

Eines der Denkmäler im Wedding
Volks­park Rehberge

Doch wo seit 1941 das Schil­ler­denk­mal steht, war vor­her eine ande­re Skulp­tur. 1920 war dort näm­lich die 1906 aus Bron­ze gegos­se­ne „Rin­ger­grup­pe“ von Wil­helm Haver­kamp auf­ge­stellt wor­den. Die­se erhielt einen neu­en Stand­ort, näm­lich an der gro­ßen Spiel­wie­se im Volks­park Reh­ber­ge. Und ver­pass­te die­ser Flä­che gleich ihren Namen, näm­lich Cat­cher­wie­se – ein Name, den heu­te im Afri­ka­ni­schen Vier­tel jedes Kind kennt.

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