Der unterirdische Koloss von der Bellermannstraße

Baugrube der Wasserbetriebe in der Bellermannstraße
Foto: @alengpeng

Antike Ausgrabung, ein unbekannter U-Bahnhof, ein Ufo, der Bierkeller der benachbarten Eckkneipe „Beim Dicken“ – als wir ein aus der Höhe geschossenes Bild der Baustelle Bellermannstraße/Grüntaler Straße veröffentlichten, kamen zahlreiche ernste und weniger ernste Kommentare unserer Leser. Fragen über Fragen. Wir haben ganz einfach bei der Stelle nachgehakt, die wegen Kanalarbeiten auf den Bauschildern genannt ist: den Berliner Wasserbetrieben (BWB).

Kanalarbeiten am 130 -jährigen Bauwerk

Pumpwerk in der Bellermannstraße
Pumpwerk Bellermannstraße

Dazu befragt, teilt uns Stephan Natz, Pressesprecher der BWB, ausführlich mit: „An dieser Stelle sanieren wir ein so imposantes wie großes Bauwerk aus der Gründerzeit der Berliner Kanalisation. Wir befinden uns hier ja faktisch vor dem Pumpwerk des Hobrechtschen Radialsystems Berlin X an der Berllermannstraße, zu dessen Einzugsgebiet auch weite Teile von Prenzlauer Berg gehören. Dieses Radialsystem ging am 10. Juni 1890 ein Betrieb und hat damals auf das Rieselfeld Buch gepumpt.

Unter dieser Kreuzung vereinigen sich drei eindrucksvolle Mischwasserkanäle, was man auf dem Bild mit ein wenig Hilfe auch ganz gut erkennen kann: Am oberen Rad der Baugrube kommen von links ein 2 Meter hoher ei-förmiger Kanal, von oben ein ebenso hoher kastenförmiger Kanal und von rechts ein 1 Meter hoher Ei-Kanal. In dem großen „Ufo“ ist eine 10 Meter lange Überlaufschwelle. Deren Höhe und damit die Höhe des Pegels im dann vereinigt dem Pumpwerk zufließenden Kanal (2 Meter hoch, 3 Meter breit) stellt das Limit des Pumpwerks dar. Wird dieses Limit bei Starkregen erreicht, dann wird „das Zuviel“ in die Panke abgeschlagen. Das wollen wir nicht mehr und haben deshalb den Stauraumkanal am Mauerpark sowie das Wehr an der Osloer Straße gebaut; einige andere Schwellen wurden ebenfalls erhöht.

Umleitung im Jahr 2020

Jetzt wollen wir das ganze große Bauwerk erneuern. Künftig wird es nicht mehr rund, sondern eckig sein. Dafür müssen wir die Kanäle oberirdisch mit einem sogenannten Hamburger Heber mit einem Durchmesser von 1,80 Meter, der Ende Januar 2020 fertig sein wird, und unterirdisch mit einem 1,40 Meter-Rohr umleiten und im Februar die gesamte runde Decke abnehmen. Bis Ende August wird dann ein neues Bauwerk mit all diesen Funktionen entstehen.“

Grundsätzliches zum Berliner Entwässerungssystem

Foto: A. Schnell

Die Berliner Innenstadt wird über Mischwasserkanäle entwässert, d. h., Regen- und Schmutzwasser werden gemeinsam gesammelt und über Pumpwerke zu einem Klärwerk transportiert. Die Kapazität der Pumpwerke ist auf ein Maß limitiert, das in den Klärwerken den biologischen Reinigungsprozess bis zur Leistungsgrenze ausnutzt. Deshalb hat die Kanalisation Regenüberläufe als Abzweige, die bei Starkregen anspringen. Dann läuft dort mit Regen verdünntes Schmutzwasser ins nächste Gewässer – im Wedding ist das die Panke. Damit solche Überläufe seltener werden, planen und bauen die Berliner Wasserbetriebe bis 2024 rund 303.000 Kubikmeter Stauraumkanäle und andere Speicher, von denen 236.000 Kubikmeter bereits fertig sind. So ist beispielsweise am Mauerpark der bisher größte Stauraumkanal fertiggestellt worden.


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