Versuch einer Gastronomiekritik über das „Volta“

Ich weiß nicht mehr, wann und wie ich über das Volta gestolpert bin, jedenfalls bin ich nicht daran vorbeigelaufen, sondern gezielt hingegangen, nachdem ich irgendwo davon gehört, gesehen, gelesen hatte.

imageMan stolpert nicht über das Volta, weil seine Lage sehr speziell ist: gegenüber von ARAL, neben Penny oder Norma oder Netto. Zu diesen Läden verhält sich das Volta wie schwarz zu weiß, oder Salat zu Fleisch. Das Volta ist nämlich zweifellos premium.

Nur die Lage erstaunt auf den ersten Blick: im Brunnenviertel in Gesundbrunnen, dem letzte Geheimtipp im Wedding für harte Szenefetischisten, denen der Bezirk schon wieder zu gentrifiziert ist. Das ist so gar nicht premium (U- Bf Voltastraße). Vor meinem geistigen Auge höre ich Rainald Grebe singen: „Opa ist glücklich gestorben, und war nie da.“ Fairerweise muss man sagen, dass es nur ein Steinwurf zur Bernauer Straße mit dem Flohmarkt am Mauerpark ist, nach NoTo, also jenen Bereich north of Torstraße, der in den letzten Jahren merklich gentrifiziert worden ist, auch. Wenn man es also genauer betrachtet, ist die Lage gar nicht so beschissen.

Also Lunch im Volta. Kann man schön hin spazieren, die Brunnenstraße entlang. Ich glaube, das Gebäude – ein bisschen wie
der Bonner Kanzlerbungalow, aber nur ein ganz bisschen – war früher mal eine Kantine, die Volta– Crew hat alles an Schand und Plastik rausgekloppt, jetzt hat es Fabrik-Minimal-Charme und schicke Polster-Metallstühle und Bänke. Gerade so, dass es für ein Mittagessen perfekt ist, aber nicht zum Versacken verführt.

Auf der Karte steht, so haben mich andere Gastronomiekritiken gelehrt, Fusionsküche, ich glaube, das heißt in der Theorie, verschiedene Ländereinflüsse zu etwas Schickem, Neuem zu kombinieren. In der Praxis heißt das zum Bleistift:

  • Thai- Crunch Salat mit knusprigen Wan- Tan-Blättern & Erdnuss- Orangen- Koriander- Dressing
  • Marinierter Fenchel mit Oliven Crostini, Pekannüssen & Grapefruit
  • Frittiertes Snickers mit Milky Way- Creme & Kit- Kat- Krümeln
  • Gebratene Hühnerbrust mit Pfeffersauce, dazu selbstgemachte Süßkartoffelspalten und Spitzkohl
  • Geschmorte Kohlroulade mit Nusskartoffeln

Im VOLTA in der BrunnenstraßeDas Volta kann also irgendwie alles, und alles wirklich gut. Perfekte Mittagsportionen, und ganz egal ob Salat, Suppe, Bürgerliche Küche, Pasta oder oder oder- allesamt gut abgestimmt, fair im Preis und mit dem gewissen Etwas (zum Beispiel herrliche Kontraste zwischen kross/knackig und sämig/weich). Leider hat das Volta seine Mittagskarte jüngst eingestellt – Pech gehabt.

Es bleibt die Abendkarte – und weil die Volta-Macher aus dem Abendgeschäft stammen („Cookies“), wird’s auch abends sicher sehr schön dort sein. Musik säuselte auch tagsüber durch den weiten, großen Raum mit offener Küche. Also: Empfehlung ins Volta zu gehen, die Toiletten sind auch sauber. Und: abends gibt es hervorragende Cocktails und Burger, die bereits eine kleine Berühmtheit geworden sind.

Autor: Leon Tilly

VOLTA

Brunnenstr. 73, Wedding, 13355 Berlin

Mo-Sa ab 18 Uhr

Facebook-Seite des VOLTA

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