Armdrücken mit dem Clanchef

Uwe Wilhlem Die Frau mit den zwei Gesichtern
Cover des Buches: Die Frau mit den zwei Gesich­tern. Gra­fik: blan­va­let Verlag

04.10.2020 Ein neu­er Wed­din­g­ro­man, par­don Gesund­brun­nen­ro­man, ist da. Uwe Wil­helm hat mit “Die Frau mit den zwei Gesich­tern” einen Roman geschrie­ben, der zu gro­ßen Tei­len in der Bad­stra­ße und teil­wei­se im Gesund­brun­nen­cen­ter spielt. Es ist ein Roman über Clans, über Frau­en, die sich durch­schla­gen (wort­wört­lich gemeint) und über die düs­te­ren Sei­ten des Lebens. Die Geschich­te spielt im kri­mi­nel­len Halb­mi­lieu und ist doch kein Kri­mi. Und wie der Titel ver­mu­ten lässt: die Haupt­rol­le über­nimmt eine Frau. Hier die Buchbesprechung:

“Sie müs­sen mir hel­fen. Mein Vater will mich nach Bei­rut schi­cken. Ich soll da mei­nen Onkel hei­ra­ten. Aber der ist häss­lich. Außer­dem wird er mich ver­ge­wal­ti­gen und mir vier Kin­der machen, mich irgend­wann tot­schla­gen. Und wenn ich nicht nach Bei­rut flie­ge, bringt mein Vater mich um.” Noa, die Haupt­fi­gur, hört die­se Sät­ze von einem vor ihr sit­zen­den und wei­nen­den Teen­ager­mäd­chen. Was soll man da machen? Da muss man hel­fen. Zumal wenn man, wie Noa, ein Unter­neh­men für Per­so­nen­schutz führt. Noch dazu eines, das aus­schließ­lich Frau­en schützt. Man muss hel­fen, auch wenn die­ses Unter­neh­men nur einer ein­zi­gen Frau besteht, aus Noa selbst. Man muss hel­fen selbst dann, wenn der Vater Sami Mous­sa heißt, der tat­säch­lich Men­schen umbringt, weil er Clan­chef ist, oben­drei ein mäch­ti­ger. Und natür­lich wird die gan­ze Sache auf den fol­gen­den 395 Sei­ten nicht bes­ser, eigent­lich läuft gar nichts gut, bis es auf Sei­te 396 dann doch gut ausgeht.

GesundbrunnenCenter
Ort der Hand­lung: Gesundbrunnen.

Der Roman holt weit aus. Er geht weit zurück in die Ver­gan­gen­heit von Noa. Und räum­lich zieht das Buch wei­te Krei­se bis Pots­dam, als Vil­len­vor­ort von Ber­lin, und bis in den Liba­non. Span­nung ent­steht, weil es immer wie­der neue Über­ra­schun­gen gibt. Lesern, die Lokal­ko­lo­rit mögen, bie­tet das Buch ver­trau­te Namen von Stra­ßen und Restau­rants. Aktu­el­le Ber­li­ner Ereig­nis­se flie­ßen eben­falls ein.

Im Mit­tel­punkt steht Noa, die müde und knapp bei Kas­se ist. Und die ein dunk­les Geheim­nis zu bewah­ren hat. Uwe Wil­helm por­trai­tiert mit Noa und den ande­ren weib­li­chen Figu­ren, Frau­en, die sich durch­bei­ßen. Frau­en, “die kei­ne Angst vor Män­nern haben”, wie es im Klap­pen­text heißt. Frau­en in einer har­ten Welt, die vor einem Arm­drü­cken mit einem über­mäch­ti­gen Clan­boss nicht zurückschrecken.

Fazit: “Die Frau mit den zwei Gesich­tern” ist ein unter­hal­ten­des Buch aus dem Hier und Jetzt, mit vie­len über­ra­schen­den Wen­dun­gen und har­ten Sto­rys aus dem Clanmilieu.

Über Uwe Wihelm

Der viel ver­öf­fent­li­chen­de Autor Uwe Wihelm war zunächst Schau­spie­ler, seit 1987 ver­fasst er Dreh­bü­cher und Roma­ne. Er bear­bei­te­te das Dreh­buch für den 2010 aus­ge­strahl­ten Tat­ort Hei­mat­front und schrieb eines für den 2015 aus­ge­strahl­ten Poli­zei­ruf Ika­rus.  Die Zahl sei­ner Dreh­bü­cher beläuft sich bei Wiki­pe­dia auf 24, plus mehr als 100 Fol­gen für Vor­abend­se­ri­en. Ohne “Die Frau mit den zwei Gesich­tern” zählt Wiki­pe­dia fünf Roma­ne von ihm auf. Auf den Buch­co­vern die­ser Roma­ne ist zumeist die Beschrei­bung Thril­ler ver­merkt. Uwe Wil­helm wur­de 1957 in Hanau gebo­ren und lebt im Orts­teil Gesundbrunnen.

Uwe Wilhlem: “Die Frau mit den zwei Gesichtern”
Roman, Taschen­buch, erschie­nen 15. Juni 2020, 10 Euro
Blan­va­let Taschen­buch Verlag
ISBN: 978–3734107016
Erhält­lich beim Buch­händ­ler an der Ecke über geni­al­lo­kal.

Autorenfoto Andrei SchnellAnd­rei Schnell liest einen Gesund­brun­nen­ro­man, der sich wie ein Kri­mi anfühlt. 

Andrei Schnell

Mit ostdeutschem Hintergrund bin ich im Weddingspektrum einer von vielen anderen Sonderlingen. Ich vergleiche Politik gern mit Sport, dann ist sie spannend und nicht bierernst. Wenn ich ein Buch lese, frage ich mich immer, wo ich es besprechen kann. Ich reporte ja für Weddingweiser, Weddinger Allgemeine Zeitung und Kiezmagazine. Ich mag Geschichten und Geschichte.

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