8Leben – Die Versuchsanordnung auf der Kameruner

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Was kommt dabei her­aus, wenn eine Grup­pe von Künst­lern, Musi­kern, Autoren und Stu­den­ten vier Mona­te lang ein leer geräum­tes Laden­lo­kal mit­ten im Wed­ding bespielt? Ein Experiment!

Alles fing damit an, dass Nora sich eine Pau­se für ihren Second Hand-Laden Frack du Lac im Afri­ka­ni­schen Vier­tel wünsch­te. Das mach­te die Run­de in ihrem Freun­des­kreis, und so fand sich eine Grup­pe von neun Leu­ten zwi­schen 25 und 45 Jah­ren zusam­men, die sich die Mie­te tei­len. Über dem Laden hängt die alte Leucht­re­kla­me des frü­he­ren Lebens­mit­tel­la­dens, auf der das Wort „Leben“ in geschwun­ge­ner Schrift noch zu erken­nen ist.„Eine Kat­ze hat sie­ben Leben, und wir fan­den die Zahl acht pas­sen­der“, sagt Mario lachend. Der aus Sizi­li­en stam­men­de Künst­ler erzählt uns gemein­sam mit dem Stu­den­ten Chao von den vie­len Ideen, die das Kol­lek­tiv für den klei­nen Raum hat.

Vier Monate unter der Markise

Allein die oran­ge-brau­ne Mar­ki­se aus den 1970ern ist ein Hin­gu­cker. Dar­un­ter kann man pri­ma sit­zen und das Gesche­hen auf der leben­di­gen Kame­ru­ner Stra­ße beob­ach­ten. Aus dem „8Leben“-Team kom­men so vie­le Ideen, dass vier Mona­te gar nicht aus­zu­rei­chen schei­nen. Allein bei der Eröff­nungs­par­ty am 9. Juni tanz­ten die Gäs­te Lim­bo, spiel­ten Dosen­wer­fen und konn­ten Zeich­nun­gen aus einer Map­pe gewin­nen, die Mario irgend­wo gefun­den hat.

 

Videos, Lesungen, Tee-Zeremonien

Am Frei­tag, den 16. Juni wer­den die grü­nen Wän­de des Ladens von der Künst­le­rin Kat­ja geweißt. Dann kön­nen alle Besu­cher am Abend die Wän­de bema­len, wie sie wol­len.  Das Stra­ßen­le­ben vor der Haus­num­mer 43 soll fil­misch doku­men­tiert wer­den: Tely, Micha und Mario pla­nen ein Video-Essay aus Video-Schnip­seln her­vor­zu­brin­gen. Auch wird es sze­ni­sche Lesun­gen geben – „ich fin­de Micha­el Kohl­haas von Kleist inter­es­sant, da sich der Text mit Gerech­tig­keit und Selbst­jus­tiz aus­ein­an­der­setzt“, sagt Mario. Der chi­ne­sisch­stäm­mi­ge Chao plant klei­ne Tee-Zere­mo­nien, im vol­len Bewusst­sein, dass er im Wed­ding kei­ne ori­gi­nal chi­ne­si­sche Tee­kul­tur umset­zen kön­nen wird. Egal, die Idee zählt. Und auch von innen strotzt der Mini-Laden nur so von lau­ter krea­ti­ven Impul­sen, wie die lie­be­voll illus­trier­ten Anwei­sun­gen zum Bas­teln von Papp­ho­ckern, die das Wed­din­ger Team­mit­glied Katha­ri­na dann auch gleich im Laden auf­ge­stellt hat. „Nix ist fix“, so fas­sen Mario und Chao die ers­ten Tage in der Kame­ru­ner Stra­ße zusammen.

Tiefenentspannt

Auch das Umfeld des klei­nen Ladens wirkt an die­sem Som­mer­tag tiefen­ent­spannt. „Die Haus­meis­te­rin von neben­an passt auf uns auf“, sagt Mario. Dafür hel­fen die 8Le­ben-Leu­te den älte­ren Haus­be­woh­nern schon mal beim Tüten­schlep­pen. Chao erhofft sich, dass er sei­nen Wohn­kiez noch mal ganz neu ken­nen­ler­nen kann – je nach­dem wie sich das Expe­ri­ment im Second-Hand-Laden den Som­mer über so ent­wi­ckelt. Man muss sehen, was hier geht, und was nicht.

Kame­ru­ner Stra­ße, das Expe­ri­ment kann beginnen!

8Leben, Kame­ru­ner Stra­ße 43

Das Pro­gramm des Pro­jekts auf der Website

Nächs­te Ver­an­stal­tung: Frei­tag, 16. Juni “The­re is no glue to this solution”
Inter­ak­ti­ves Wand-Bema­len, ab 19.00 Uhr

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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