Sotto: Ein italienischer Abend in 2 Gängen

Vegetarisches Restaurant & Pizzeria: Bis jetzt ist die gesamte Gegend um die Neue Hochstraße eine gastronomische Wüste gewesen. Wo es bisher höchstens Backstuben, ein paar Spätis und einen Dönerladen gab, ist mit dem „Sotto“ ein kleiner gastronomischer Spross herangewachsen.
 Klassische und experimentelle italienische Küche, natürlich auch mit Pizza, in vegetarischem und veganem Gewand.

Freude auf Pizza

Es ist eine schöner herbstlicher Nachmittag, als wir das Sotto betreten. Kaum ist die Tür einen Spalt offen, glaubt man, in Italien zu sein. Ein Meer aus Stimmen, Italo-Pop, Kinderlachen und das Klappern von Töpfen und Pfannen aus der Küche ist  zu vernehmen. Hier ist Leben in der „Bude“!

 Im hinteren Teil des Restaurants werden wir herzlich begrüßt und können uns einen der letzten freien Tische aussuchen. Ein Blick in die Karte zeigt: Alle Gerichte sind vegetarisch, zum Teil auch vegan. Die Freude auf Pizza ist grenzenlos. Leider war es an diesem Tag so voll, das alle fertig fermentierten Teigrohlinge schon weg waren. Der Teig wird hier nämlich 2-3 Tage kaltfermentiert, und bekommt dadurch erst seine Porung und Struktur. Für jeden Tag gilt in Sachen Pizza übrigens eines: nur bis 18 Uhr, plus Mittagsangebot, und dienstags nur Pizza.

Trotzdem bestellten wir eine Pizza Spinaci und eine Pizza Porkkala, mit geräucherter Karotte, obwohl der neu angesetzte Teig noch mindestens 1 Tag zum Gären bräuchte. Wenig später kommen sie, und sie könnten vom Geschmack nicht gegensätzlicher sein. Die Spinaci ist trotz Mozzarella und Ricotta sehr natürlich, leicht und wird von einem tollen Pesto begleitet. Dagegen ist die Porkkala eine richtige Hau-drauf-Pizza mit kräftigem Räucheraroma, Ruccola und gerösteten Pinienkernen. Letzterer würde eine Sauce, Creme oder ein Püree zusätzlich gut stehen, da die geräucherte Karotte ordentlich Dampf hat und alle anderen Aromaten fast erschlägt. Also genau das Richtige für Menschen, die bei vegatarischen Gerichten „Schinken“-Aroma wollen.

Einen Traum verwirklicht

Nach diesem gelungenen ersten Gang nutzen wir die Zeit, um mit dem finnisch-italienischen Betreiberpaar zu reden. Bettina Hajanti und Mattia Mancini eröffneten im Oktober das Sotto und verwirklichten sich einen Traum. Nach einem Wirtschafts- und Business-Studium sollte bei Bettina die große Karriere folgen, aber irgendwie fühlte sich das alles nicht richtig an. Da sie und Mattia es lieben zu kochen und gerade auch Gäste glücklich zu machen, richteten sie ihr Leben völlig neu aus. Nun sind sie Gastronomen, Eltern und glücklich, auch wenn sie noch am Anfang mit allem stehen.

Als zweiten Gang gibt es Anti-Pasti, Bruschetta und dazu handgemachte grüne Scialatelli (dickere und kurze Fettucini), Kreationen der aus Mailand stammenden jungen Küchenchefin Elena D’Alto. 
Die Anti-Pasti und Bruschetta sind vegetarisch, teils auch vegan. Der warme Salat mit geschmortem Sellerie, im Pizzaofen gerösteten Topinambur, Kartoffel und Roter Beete passt geschmacklich super zum Herbst. Beim Sellerie-Carpaccio mit dem Thymian erleben wir viel Frische durch die Marinade, wobei das Sellerie der Hauptdarsteller bleibt.
 Das Bruschetta mit dem Kohl war überraschend leicht und geschmackvoll. Aber das andere mit der Kürbis-Creme inklusive Orangen-Noten, Senfkörnern und marinierten Tempeh ist eine Wucht. 
Die aus Süditalien stammenden Scialatelli sind bissfeste Nudeln, die in grünem Pesto geschwenkt und mit einer Nocke festeren Rotkohl-Pesto, konfierten Tomaten und salzigen Mandelflocken serviert werden. Da ist geschmacklich richtig viel los, ohne dass ein Aroma das andere überlagert. Der Küchenchefin Elena D’Alto merkt man ihre Liebe und Verbundenheit zur heimischen Küche an. Sie experimentiert mit einem Mix aus traditioneller italienischer Küche mit Einflüssen ihrer vielen Reisen. Dafür werden, so gut es geht,  saisonale und regionale Produkte verwendet.

Das Sotto ist ein schöner Ort für Jung und Alt, auch für Fleisch-Esser sehr lehrreich. Dank der einfachen Einrichtung, der Keramik-Deko, den offenen Wänden und Messingrohren als Kabelführung ist es auch fern jeder fancy Hipster-Gastronomie.
 Das Leben schreibt manchmal seine eigene Geschichte, so wie die von Bettina, Mattia, Elena und dem Sotto. Bettina Hajanti hätte wohl am wenigsten gedacht, dass einmal eintritt, was sie mit 19 Jahren bei einer Mexico-Reise auf eine Wunsch-Karte  an sich selbst geschrieben hat.

Sotto

Neue Hochstraße 25 
13347 Berlin

Montag: Ruhetag
, Dienstag 12-22 Uhr und nur Pizza plus Mittagsangebot
, Mi-So. 12-22 Uhr /bis 18 Uhr nur Pizza plus Mittagsangebot / ab 18 Uhr die große Karte


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