Wir wollen ein Tempelhofer Feld im Norden!

Wollen wir auch: Viel Platz für alles Mögliche wie hier auf dem Tempelhofer Feld. Foto: Hensel
Wollen wir auch: Viel Platz für Was-Auch-Immer wie hier auf dem Tempelhofer Feld. Foto: Hensel

Meinung Lange war klar, dass der Flughafen Tegel schließen wird. Kommt jetzt doch noch ein Politikumschwung und im September ein nostalgischer Volksentscheid pro Tegel? Wir sind gegen die Offenhaltung des Flughafens. Gründe gibt es viele. Dieser ist unser liebster Grund: Wir wollen ein Tempelhofer Feld im Norden der Stadt!

Seit vielen Jahren scheint es zum Greifen nahe zu sein: Mit einer Fläche halb so groß wie der Wedding, nah an der Innenstadt, ohne das Schreckgespenst von 150.000 Litern Kerosin im Tank von nur einem abstürzenden Flugzeug, bekommt unser Nachbar Reinickendorf plötzlich Platz geschenkt. Innerstädtische Flughäfen sind nämlich ideale Flächenreserven – für Menschen. Einmal für sie freigegeben, nehmen die Stadtbewohner diese Flächen sofort in Beschlag. Bestes Beispiel: das Tempelhofer Feld. Mit der überfälligen Schließung des Flughafens Tegel bekommt der Norden Berlins die größte Entwicklungschance seit Jahrzehnten.

Flugzeug im Landeanflug auf Tegel. Zu nah über der dicht besiedelten Stadt!

Was mit dem geschenkten Platz geschehen soll, steht fest. Es soll die Berlin TXL – The Urban Tech Republic entstehen. Berlin kann diese Fläche jetzt so gut gebrauchen wie nie zuvor. Für 9.000 Wohnungen in zentraler Lage, die die Stadt so dringend braucht. Für die innovative und für die Region so wichtige Beuth Hochschule, die an den Weddinger Standorten aus allen Nähten platzt und die Studienplätze abbauen müsste, wenn sie nicht wie geplant auf das Gelände des Flughafens Tegel ziehen kann. Für die Feuerwehrakademie. Für Start-ups, die Raum für Entfaltung und neue Arbeitsplätze brauchen. Für ein Erholungsgebiet so groß und genauso reizvoll wie das Tempelhofer Feld, mit Skatern auf der Startbahn, Grillflächen und Hundeauslaufgebieten im Wiesenmeer. Zum Kitesurfen und Radfahren. Mit wunderschönen Sonnenuntergängen an der Ost-West-Landebahn. Oder wofür auch immer, da fällt den Menschen schon ein, wie sie dieses Geschenk für sich nutzen.

Bisher ist unser Feld: hässlich wie die Nacht.

Tegel als Zweitflugplatz für Berlin, weil der BER bei seiner Eröffnung zu klein zu sein scheint? Nicht in der Innenstadt! Auch die nostalgiegeschwängerte Sympathie für einen kleinen Flughafen, der dann nur ein paar Geschäftsleuten, Staatsgästen und Privatjetbesitzern eine bequeme Cityanbindung bieten wird, wiegt das Potenzial dieser Fläche für alle anderen, ganz normalen Stadtbewohner nicht auf. Es sind nämlich 300.000 Berliner – was der Einwohnerzahl Mannheims entspricht,  – die vielleicht einmal im Jahr selbst in ein Flugzeug steigen. Ansonsten dürfen sie den jährlich 185.000 Starts und Landungen nur zuhören. Man hat es ihnen jahrzehntelang versprochen, dass damit irgendwann Schluss ist und sie haben sich darauf verlassen. Dieses Versprechen muss weiter gelten.

Als die neuen BER-Flugrouten bekannt wurden, waren es die betroffenen Zehlendorfer Vielflieger, die um ihre Ruhe fürchteten und deswegen auf die Barrikaden gingen. Aber wir Nordberliner haben auch einen Anspruch auf Ruhe und darauf, dass wir endlich entlastet werden. Moderne Schallschutzfenster sind kein Trost. Ein weiteres Tempelhofer Feld ist da wohl das Mindeste.

3 comments

  1. Christoph Melzer

    Der Vergleich mit Tempelhof ist wirklich schräg! Aber im Gegensatz zu Alex meine ich, dass Arbeitsplätze in einem Technologiepark und bezahlbarer Wohnraum für viel BerlinerInnen durchaus zu einer lebenswerten Stadt gehören. Ganz im Gegensatz zu einem Flughafen inmitten von Wohngebieten!

  2. Alex

    Der Vergleich mit dem Tempelhofer Feld ist ziemlich schräg. Es sollen in Tegel riesige Insustrie- und Gewerbeflächen entstehen. Das werden sicher keine lebenswerte Räume.

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