Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel im Interview

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Seit über 100 Tagen im Amt. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel. Foto Andrei Schnell

Interview Der in Münster geborene Stephan von Dassel ist seit dem 28. Oktober 2016 Bürgermeister für den Bezirk Mitte. Er regiert nun im ehemaligen Rathaus Moabit in einem Büro, das so groß ist, dass es für einen kleinen Ballsaal ausreichen würde. Dabei ist eigentlich jemand, der auf Statussymbole verzichtet. So trägt er dem Reporter, der etwas ungeschickt alle Hände voll hat, die Jacke hinterher. Sogar beim Dienstwagen samt Chauffeur winkt er ab, weil er „Radfahren einfach für effizienter hält“. Mit 17 Jahren ist von Dassel bei den Grünen eingetreten und blickt nun als 50-jähriger auf eine bruchlose Parteikarriere zurück. Auf der anderen Seite ist er jemand, der weniger über Parteilinien und mehr über „Lösungen für Probleme“ sprechen möchte. Der Weddingweiser fragte von Dassel nach seinen Zielen für Mitte, nach dem „Grün“ in seiner Politik und über seine Pläne mit der Beuth-Hochschule.

Bezirksbürgermeister von Dassel über seine Ziele für Mitte

Haci Bayram Moschee
Die Haci Bayram Moschee in der Soldiner Straße. Foto: Andrei Schnell

Herr von Dassel, was wollen Sie in den fünf Jahren als Bezirksbürgermeister in Mitte erreichen?
Stephan von Dassel: Ich denke da an drei Punkte. Erstens: Wir brauchen eine Verwaltung, die den Anforderungen der Bürger gerecht wird. Das betrifft Wartezeiten, Freundlichkeit der Mitarbeiter, die Qualität und die Beratung. In allen Punkten sind Verbesserung möglich und teilweise auch nötig. Wichtig ist mir, dass unsere Serviceversprechen nicht nur auf Papier stehen. Zweitens: Ohne Zweifel müssen wir bei der Integration weiterkommen. Wir müssen stärker das Motto des Jobcenters umsetzen, das heißt, wir müssen fördern und fordern. Wir wollen in Zusammenarbeit mit Moscheen und Verbänden deutlich machen, dass wir keine Menschen wollen, die sich in gesellschaftliche Nischen verkriechen, sondern aktiv in die Gesellschaft einbringen. Und wir wollen die Barrieren für eine solche Teilhabe auch aktiv abbauen. Drittens: Bürgerbeteiligung. Ich bin nicht der Meinung, dass Bürger über wirklich alles abstimmen sollen, aber sie sollen alles nachvollziehen können. Bürgerbeteiligung fängt für mich mit Information an. Das ist für mich noch wichtiger als die Frage, ob die Bürger und Bürgerinnen immer mit allem einverstanden sein müssen, was die Politik entscheidet. Allen kann man es eh nicht recht machen.

Sie sind auch Stadtrat für Wirtschaft. Was wollen Sie hier erreichen?
Stephan von Dassel: Die Wirtschaft braucht die Bezirke eigentlich nur teilweise. Aber für die Unternehmen, die unsere Unterstützung brauchen, soll unsere bezirkliche Wirtschaftsförderung als Ansprechpartner und Problemlöser wahrgenommen werden. Zum Beispiel soll die EU-Beratung gestärkt werden. Damit Unternehmen hierzu kompetent beraten werden können.

Von Dassel über das „Grüne“ seiner Politik

Fahrradspur
Fahrradspur auf der Gartenstraße. Foto: Andrei Schnell

An welchen Erfolgen soll Ihre Amtszeit nach fünf Jahren als eine grüne Amtszeit zu erkennen sein?
Stephan von Dassel: Klar, wir müssen in fünf Jahren für den Radverkehr etwas verbessert haben. Der Radverkehr muss noch attraktiver und sicherer werden. Auch die Schulsanierung ist für mich ein grünes Thema. Es reicht nicht, dass immer gesagt wird, Bildung hat Vorrang – und dann gehen die Schüler auf Schulen, wo die Toiletten nicht funktionieren. Ein weiteres grünes Thema ist der öffentliche Raum. Hier müssen wir innerhalb der fünf Jahre einen Weg gefunden haben, zu vermitteln zwischen den berechtigten Interessen der Anwohner und den Menschen, die außerhalb der Wohlstandsgesellschaft leben. Beispiel Obdachlose.

Kann man nach 100 Tagen schon zurückblicken? Was wurde bereits auf den Weg gebracht?
Stephan von Dassel: Zurückblicken kann man natürlich noch nicht. Aber es stimmt, es wurde weniger auf den Weg gebracht, als ich mir gewünscht habe. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Aber immerhin, im Kollegium des Bezirksamts unter uns fünf Stadträten, aber auch innerhalb der 2.500 Beschäftigten im gesamten Amt wird deutlich, dass langsam das Wir und das Miteinander maßgeblich wird, und nicht mehr so sehr das Ich.

Von Dassel über den Wedding und die Beuth-Hochschule

Soldiner Straße
Soldiner Kiez soll „nicht unter Denkmalschutz gestellt werden“. Foto: Andrei Schnell

Welche Ihrer politischen Ziele betreffen den Wedding direkt?
Stephan von Dassel: Wir, die Verwaltung, wollen erstens einen Leopoldplatz für alle. Das ist eine Baustelle. Bei einem Treffen am 23. Februar geht es genau mit dieser Frage weiter. Der Leo ist das Herz des Weddings. Und so muss er aussehen und sich präsentieren. Für den Wedding wichtig ist zweitens auch das Thema Milieuschutz. Den müssen wir auch umsetzen, der darf nicht nur auf dem Papier existieren. Die Mischung ist im Wedding ist erfrischend. Die müssen wir erhalten. Wir wollen keine Problemviertel unter Denkmalschutz stellen, sondern wir wollen Entwicklung. Ich denke da an den Soldiner Kiez. Und dort wo sich Kieze entwickeln, wie zum Beispiel der Sprengelkiez, da müssen wir aufpassen, dass dort irgendwann nicht nur noch Bundestags-Abgeordnete wohnen. Auch darf die gastronomische Entwicklung das Kleingewerbe nicht verdrängen. Wobei ich mir drittens wünsche, dass die Müllerstraße und die Badstraße wieder qualitative Geschäftsstraßen werden. Auch – viertens – die weitere Entwicklung der Beuth-Hochschule zu einem Aushängeschild des Wedding ist mir wichtig.

Beuth-Hochschule
Parkhaus gegen Baugenehmigung. Foto: Weddingweiser

Inwiefern kann der Bezirk die Entwicklung der Beuth-Hochschule beeinflussen?
Stephan von Dassel: Immerhin haben wir im Bezirk eine Genehmigungsbehörde, wenn es um Bauanträge geht – von geplanten neuen Laboren bis zur Betriebskita sind wir da im Boot. Die Schillerbibliothek könnte erweitert und stärker an die Beuth-Hochschule angebunden werden. Wir hoffen auch, dass das Parkhaus in der Luxemburger abgerissen werden kann, um dort Wohnungen bauen zu lassen. Der Eigentümer des Parkhauses ist die Beuth-Hochschule. Wir hoffen auf einen Vertrag, in dem das Parkhaus dem Bezirk übergeben wird. Denn eins ist klar, Mitte und auch der Wedding wachsen. Und da brauchen wir dringend neue Wohnungen.

Interview: Andrei Schnell, Fotos: Andrei Schnell


2 Kommentare
  1. […] Der in Münster geborene Stephan von Dassel ist seit dem 28. Oktober 2016 Bürgermeister für den Bezirk Mitte. / Weiterlesen auf http://www.weddinweiser.de. […]

  2. jaja, die schultoiletten.das mitte die city klos zumachen will,die meisten d.h.fast alle im wedding,kein wort.
    radverkehr super,kein wort zu miesen ampelschaltungen und das es unmöglich ist einen oamt Mitarbeiter im wedding anzutreffen.
    rund ums Virchow und beuth herrscht parkanarchie.problemviertel unter Denkmalschutz?wie sieht die „Entwicklung“ aus nette gentrifizierung wie im sprengelkiez?

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

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