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Was die Großen vom Weddingweiser lernen können:
#TdL: Zum heutigen Tag des Lokaljournalismus

5. Mai 2026
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Die Zahlen schwanken je nach Zählweise zwischen rund 215 und 320 Lokalzeitungen, die es in Deutschland noch gibt. Der Markt schrumpft, und in vielen Regionen existiert nur noch ein einziges Blatt vor Ort. In dünn besiedelten Gegenden wie der Prignitz wird teils darum gerungen, dass überhaupt noch eine gedruckte Zeitung erscheint – und zuverlässig im Briefkasten landet.

Ob Müllsammeln oder Fest – lokale Berichterstattung und Veranstaltungskalender halten Stadtteile zusammen

Dass lokale Berichterstattung für das Funktionieren einer Gesellschaft wichtig ist, liegt nahe. Selbst in den Großstädten stehen Verlage unter enormen Spardruck. Dieser hat lange Zeit besonders den Lokalteilen zugesetzt. Im großen Berlin mit seinen 96 Ortsteilen hatten sich die etablierten Zeitungen über Jahre aus der kleinteiligen Kiezberichterstattung zurückgezogen. Ihre Inhalte kostenlos ins Netz zu stellen, während die Einnahmen aus Printanzeigen und Abo-Zahlen wegbrachen, ließ sich wirtschaftlich kaum darstellen.

In diese Lücke sind in Berlin zahlreiche Blogs gestoßen. Unabhängig von klassischen Medienhäusern, die ihre Berichterstattung finanzieren müssen, haben sie begonnen, den spezifischen Charakter einzelner Stadtteile sichtbar zu machen. So entstand 2011 auch der Weddingweiser. Besonders im Wedding ging es darum, einem medial vermittelten Bild, das den Stadtteil vor allem mit Kriminalität und Polizeimeldungen verband, ein anderes Image entgegenzusetzen. Denn das öffentliche Bild war ganz anders, als es die Bewohner:innen selbst empfanden. „Wir sind eben mittendrin“, beschreibt Renate Straetling die Stärke des Lokalblogs. Sie schreibt beim Weddingweiser mit und betreut unter anderem eine Kolumne zu Themen des Älterwerdens. In den vergangenen Jahren ist es der ehrenamtlichen Redaktion um Gründer Joachim Faust gelungen, täglich mindestens einen neuen Beitrag zu veröffentlichen. Zahllose weitere Autor:innen haben dazu einmalig oder mehrfach beigetragen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Auf dem Leopoldplatz war der Weddingweiser schon häufig mit einem Weddingmarkt-Stand vertreten.

Diese Berichterstattung von unten ist ein Pluspunkt, mit dem lokale Blogs zur Medienvielfalt beitragen können. Neben den vielen positiven Erfahrungen, die Bewohner:innen im Alltag eines vielfältigen Stadtteils teilen, entstehen so Geschichten aus dem direkten Umfeld – über Nachbarschaft, Gastronomie, Initiativen und kleine Läden. In einer Stadt wie Berlin können klassische Lokalzeitungen das naturgemäß nur punktuell leisten.

Die Community macht den Unterschied

Auch in anderen Berliner Stadtteilen – etwa in Neukölln, Prenzlauer Berg oder Moabit – gab und gibt es Beispiele für die digitale Wiederentdeckung des Lokalen. Doch ein lokales Magazin allein macht noch lange kein erfolgreiches Produkt, wie der Weddingweiser zeigt. Denn nur dort kommt eine seit 2011 organisch gewachsene Community hinzu: In den sozialen Medien beteiligen sich viele Menschen am digitalen Austausch über den Stadtteil, ergänzt durch einen Newsletter, der wöchentlich gut 3.000 Abonnent:innen erreicht. Die hohe lokale Resonanz spiegelt sich auch in Auszeichnungen wieder, darunter der „Goldene Blogger“ 2023 in der Kategorie Lokal sowie 2025 der Lokaljournalismus-Preis der Medienanstalt Berlin-Brandenburg – vergeben für die eigene Weddingweiser-App, die insbesondere jüngere Zielgruppen anspricht. Darin findet sich auch der Zugang zum umfangreichsten Veranstaltungskalender im ganzen Stadtteil – unabdingbar für Kulturanbieter und lokale Initiativen.

„Es ist eine der coolsten und abwechslungsreichsten Websites der Hauptstadt: Seit 2011 gibt es den Weddingweiser, ein wohl kuratiertes und liebevoll gepflegtes Blog voller Tipps, Beobachtungen und Anekdoten aus Wedding und aus Gesundbrunnen“ – mit diesen Worten würdigte die Berliner Zeitung vor vier Jahren unsere Arbeit. Und eine Leserin schrieb: „Meine Freunde fragen immer: Woher weißt du denn das alles schon wieder? Und ich so: Weddingweiser!“ Das genau ist die Stärke des Lokalen – es wirkt sich ganz praktisch auf den Alltag aus.

Der heutige Tag des Lokaljournalismus – ausgerichtet durch viele namhafte Verlagshäuser – lenkt den Blick auf all jene, die täglich für verlässliche Informationen vor Ort sorgen. Neben professionellen Redaktionen gehören dazu auch ehrenamtlich getragene Projekte wie der Weddingweiser, die im dichten Gefüge einer Großstadt Orientierung, Austausch und Sichtbarkeit schaffen.

Das zeigt: Auch die Großen können durchaus etwas von den Kleinen lernen – nämlich, wie man News, Nähe und Nutzen schafft.

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P.S. Zu unserem 15. Geburtstag loben wir bald einen Schreibwettbewerb für journalistische und literarische Texte aus! Wir sagen euch rechtzeitig Bescheid.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

6 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Einen herzlichen Dank an alle, die am Gelingen des Weddingweisers beteiligt sind. Ich bin in den 70er und 80er im Wedding aufgewachsen, habe dann meine Heimat zum Studium verlassen und bin außer einzelnen Besuchen nicht zurückgekehrt. Um so mehr macht es mir Freude, über den Weddingweiser die Entwicklung des Weddings zu verfolgen, auch wenn mich einige dieser Veränderungen eher traurig stimmen. Aber die Verbindung zu meiner Heimat bleibt erhalten. Macht bitte weiter so.

  2. Ich finde Lokaljournalismus auch deshalb wichtig, weil LJ eher KI-resistent ist. Außerdem bietet er (damit) auch eine Gegenprobe zu den ueberregionalen Trends in Politik und Gesellschaft. Schließlich haben damit Viele Zugang zu News und eigener sozial pruefbarer Berichterstattung.
    Ich denke, das wird in wachsenden Städten immer wichtiger werden.

    • Zugang zu Journalismus ist auch vor dem Hintergrund zunehmender Bezahlschranken tatsächlich ein sehr wichtiger Aspekt. Jap!

  3. Den Weddingweiser habe ich schon gelesen, da wohnte ich noch in meiner „ewigen Heimat“ Spandau und damals deutete nichts, absolut gar nichts daraufhin, dass ich mal in den Wedding ziehen werde. Ich weiß auch gar nicht mehr wie ich zum Weddingweiser gekommen und hängengeblieben bin, aber ich bin es. Ich werde den Weddingweiser auch definitiv dann noch lesen, wenn wir, wie zeitnah geplant, hier nicht mehr wohnen werden.
    Ich schätze die täglichen interessanten Artikel, ich schätze das Miteinander im Kommentarbereich, den mMn stets respektvollen Grundton, trotz oft sehr gegensätzlicher Meinungen und ich freue mich jedesmal den Weddingweiser-Stand auf dem Weddingmarkt zu sehen.

    • Danke, dieser Rückhalt im Kiez bestätigt uns auch immer wieder, dass wir uns in der richtigen Richtung bewegen und eine große Community hinter uns wissen,

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