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Buchhandlung und Bistro im Wedding:
Frau Polda: Bücher, Kuchen und Kiezgefühl

15. Juli 2026

Wer den ganzen Leopoldplatz bis zum Ende läuft, kann die Maxstraße kaum übersehen. Vor dem Buchbistro Frau Polda stehen Tische auf dem Bürgersteig, ein großer Baum spendet Schatten, drinnen warten Bücherregale, draußen sitzen Menschen bei Kaffee, Kuchen oder einem Getränk. Alle paar Minuten grüßt Mitinhaber Alessandro jemanden, der vorbeikommt. Ein kurzes Hallo, ein Winken, ein paar Worte. So sieht ein Ort aus, der nach einem Jahr schon ziemlich gut im Kiez angekommen ist.

Frau Polda ist Buchhandlung und Café zugleich. Oder Café und Buchhandlung. Zwischen Kinderbuchregalen, Geschenken, Kuchen, Waffeln, Focaccia und Getränken ist an der Maxstraße ein Treffpunkt entstanden, der nicht nur Bücher verkauft, sondern Menschen zum Bleiben bringt. Seit der Schließung des Belle-et-triste ist Frau Polda außerdem die einzige inhabergeführte Buchhandlung im Wedding.

„Auf dieser Seite des Leopoldplatzes gab es vorher nicht so viele Möglichkeiten“, sagt Alessandro, der aus der Toskana stammt und schon lange am Leo lebt. Inzwischen kommen viele Leute aus dem Kiez. Manche haben ein Buch im Kopf, andere nur eine Pause. Und manche bleiben einfach hängen.

Lieber wenig, aber richtig


Buchhändlerin Svenja und Geschäftspartner Alessandro haben Frau Polda von Anfang an nicht als klassische Buchhandlung geplant. Das Bistro gehört zum Konzept. Svenja sagt offen, dass sich weder die Gastro noch das Büchergeschäft bisher allein tragen würden, wenn man den Umsatz und Gewinn des jeweils anderen Bereichs herausrechnete. Genau deswegen spielt jeder Bereich seine gleichberechtigte Rolle und ist Teil derselben Idee.

Die Karte ist überschaubar. Kuchen, Waffeln, Focaccia, Apérol, Peroni-Bier. Nichts Überfrachtetes, kein Versuch, alles gleichzeitig zu sein – und das Essen wird selbstgebacken. Alessandro nennt die Speisen „korrekte Sachen“. Das passt gut zu diesem Laden: lieber weniger anbieten und es ordentlich machen.

Draußen zeigt sich besonders gut, warum das funktioniert. Svenja schwärmt von der Lage, vom Grün, vom Licht, vom Schatten. An schönen Tagen könne sie selbst manchmal kaum glauben, wie gut der Laden hier liegt. Der Blick am Baum vorbei auf die Gemeinschaftsgärten und den Spielplatz entspannt, es gibt einen Tisch, ein Gegenüber, vielleicht ein Gespräch. Und wenn es passt, eben auch ein Buch.

Kinder dürfen hier blättern

Dass Frau Polda ein Nachbarschaftsort geworden ist, zeigt sich auch an der Kinderbuchecke. Sie ist nicht nur Dekoration, sondern darf benutzt werden. Svenja erinnert sich an einen Buchladen aus ihrer Kindheit, in dem Kinder zwar Zielgruppe waren, aber ständig beobachtet wurden. Bloß nichts anfassen, bloß nichts falsch machen.

Bei Frau Polda soll das anders sein. Natürlich sind Bücher Ware. Aber es gibt Leseexemplare, es darf geblättert werden, Kinder sollen nicht das Gefühl haben, in einem Laden nur geduldet zu sein. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht überall.

Wenn ein Buchclub mehr wird

Einmal im Monat trifft sich bei Frau Polda der Buchclub. Die Teilnehmenden kennen sich inzwischen untereinander besser, bringen eigene Ideen mit, erzählen von Projekten, laden andere ein. Eine Teilnehmerin habe angefangen, in ein Notizbuch zu schreiben, erzählt Svenja. Immer wenn sie ein Buch mit der Gruppe liest, entsteht daraus etwas Eigenes: eine Kurzgeschichte, ein Essay, eine Reaktion. „Einfach etwas, was dadurch angestoßen wird“, sagt Svenja.

Auch Autor:innen aus dem Kiez sind schon vorbeigekommen. Eine Lesung gab es bereits, weitere könnten folgen. So wächst hier langsam ein literarischer Ort.

Bestellen geht auch im Kiez

Bei aller Wohnzimmeratmosphäre bleibt Frau Polda natürlich ein Laden. Und ein Laden braucht Kundschaft. Svenja sagt, viele wüssten zwar, dass man alle Bücher über den Großhandel auch in die Buchhandlung liefern lassen kann. Aber noch nicht alle wüssten, dass neue deutschsprachige Bücher wegen der Buchpreisbindung überall gleich viel kosten. Wer ein aktuelles deutsches Buch bei Frau Polda bestellt, zahlt also nicht mehr als im Internet oder bei einer großen Kette.

Abholen lässt sich das Buch unter der Woche bis 19 Uhr, samstags im Sommer sogar bis 22 Uhr. Und vielleicht ist genau das der Unterschied: Man holt nicht einfach Ware ab, sondern kommt noch einmal vorbei. Vielleicht gibt es einen Kaffee, vielleicht ein Gespräch, vielleicht den nächsten Tipp. So werden Wege im Kiez nicht nur kürzer, sondern auch ein bisschen verbindlicher.

Schön, dass ihr da seid

Am meisten überrascht hat Svenja im ersten Jahr, wie viele Menschen einfach hereinkamen und sagten, wie schön es sei, dass es Frau Polda am Leo gibt. Irgendwann sei sie fast misstrauisch geworden: „Ja, schön, dass wir da sind – aber ist es wirklich so schön?“ Offenbar ja.

Vielleicht liegt es daran, dass Frau Polda eine Lücke füllt. So gibt es auch hübsche, nachhaltig produzierte Geschenke für Groß und Klein. Es kann so einfach sein: Ein Tisch draußen. Ein Regal drinnen. Ein Buchtipp von Svenja. Oder ein Hallo von Alessandro.

Frau Polda, Maxstraße 10c
Mo–Mi 10–19 Uhr, Donnerstag Ruhetag, Fr 10–19 Uhr, Sa 10–22 Uhr

Zum ersten Geburtstag am 18. Juli ist ein Fest geplant. Es soll Rabatt auf die Gastronomie geben und eine Tombola auf Spendenbasis. Der Erlös fließt in ein Bücherpaket für ein Kinderheim im Elisabethstift. Auch das passt zu Frau Polda: Der Laden feiert sich nicht nur selbst, sondern denkt den Kiez mit.

Exklusiv auf dem Weddingweiser-Instagramkanal bekommt ihr regelmäßig Frau Poldas Buchtipps.

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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