Schlagwörter: Urnenfriedhof

Der Musensohn des Wedding: Jonny Liesegang

Eingang Afrikanische Str. 146c
Eingang Afrikanische Str. 146

Möchte man des Weddings Kern und Wesen ergründen, so begegnet man auf seiner Reise zu den historischen Quellen unweigerlich zwei Dingen. Zum einen dem Mythos des roten Weddings sowie zum anderen dem Weddinger  Mundartdichter Jonny Liesegang. Von letzterem, fast vergessenen Musensohn des Weddings handelt dieser Artikel.

»Sehn’se, det is Berlin«

Der sogenannte Rote Wedding. Es ist die Geschichte eines Bezirks sowie dessen aufmüpfigem Arbeitermilieus, auf das man sich auch heute noch allzu gerne beruft. Es ist eine Geschichte von den Schattenseiten einer Industrialisierung und dem politischem Widerstand der 1920er bis 1940er Jahre. Um es kurz zu halten sei an dieser Stelle dem Zugezogenen wie dem »inna- und außahalbschen Berlina« die Schrift zum Thema »Widerstand im Arbeiterbezirk« von Hans-Rainer Sandvoß sowie der Abschnitt Industriegeschichte »Vom Wedding in alle Welt« in: »Der Wedding. Auf dem Weg von Rot nach Bunt« von Gerhild H. M. Komander empfohlen. Weiterlesen

„Burgersinn“ im Baudenkmal

Seit letztem Sommer werden die Weddinger an einem Kiosk der West-Berliner Wirtschaftswunderjahre an der Kreuzung Müller- und Seestraße mit dem Nationalgericht der Amerikaner – dem Hamburger – versorgt. Dabei verdankt das Schnellrestaurant mit dem Namen »Rebel Room« (der Weddingweiser hat darüber schon berichtet) seine Existenz dem Berliner »Toilettenkönig« Hans Wall und dem zwischen ihm und dem Land Berlin abgeschlossenen Toilettenvertrag.

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Moccachino: Kurz mal woanders sein…

 

Filiale Schwyzer Straße
Filiale Schwyzer Straße

Der Aufsteller auf der Müllerstraße zog uns magisch an: „heiße Schokolade, weiß oder braun“. Bei winterlichen Temperaturen funktioniert diese Werbebotschaft erst recht. Früher führte der Bürgersteig zwischen der Ungarn- und der Seestraße gegenüber dem Alhambra-Kino ja einfach nur am Urnenfriedhof entlang, doch seit gut zwei Jahren befindet sich an der Stelle des früheren Blumengeschäfts ein Café. Das unscheinbare 70er-Jahre-Gebäude ist ziemlich untypisch für die ansonsten von hohen Gebäuden geprägte Gegend und passt eher in ein Dorf. Ein Grund mehr, sich darauf einzulassen. Unter dem mit Holzlatten verkleideten Giebel, der mit einem Kronleuchter akzentuiert wird, haben die Betreiber ein in Weiß- und Brauntönen gehaltenes Kaffeehaus eingerichtet. Eine große Kuchentheke hält auf der linken Seite eine riesige Auswahl an Torten und Gebäck bereit. Auf der rechten Seite gibt es herzhaftes türkisches Backwerk.
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Die Gerichtstraße: Labor des neuen Wedding

eGerichtstr. Graffiti Berlin 65Den schick sanierten und modern wirkenden Altbau an der Brücke über die Panke hat der Wedding schon auf seine Art begrüßt. „65 Berlin“ steht dort aufgesprüht, sozusagen als Hinweis, mit wem es die neuen Hausbewohner hier zu tun kriegen. Die Gerichtstraße ist, trotz der schönen Altbauten und Gewerbehöfe, keine gediegene Adresse. Noch nicht.
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Antonkiez: Kein Totentanz im Kiez rund um den Urnenfriedhof

Nettelbeckplatz
Nettelbeckplatz

Man tut diesem kleinen Kiez vielleicht etwas unrecht, wenn man ihn kaum wahrnimmt, denn er liegt etwas verloren zwischen Leopoldplatz, Nettelbeckplatz und dem S-Bahn-Ring. Dabei geht auf diesen Teil des Wedding gar die Besiedlung des ganzen Ortsteils zurück: an der heutigen Ecke Reinickendorfer-/ Pankstraße  stand noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts das 1601 gegründete Gut „Vorwerk Wedding“ und musste erst dem großflächigen Bau von Mietskasernen weichen. Die Straßen des Kiezes sind teilweise von 1820 und damit älter als die meisten Nebenstraßen des Wedding, die auf den Hobrecht-Plan aus dem Jahr 1862 zurückgehen. Heute geht man an der Kösliner Straße achtlos vorbei, aber dieser ellenbogenförmige Weg steht für das, was den Ruf des „Roten Wedding“ mit begründete. Die ganze Gegend war eine KPD-Hochburg. Im Jahr 1929 führte das Verbot einer Maidemonstration zum Bau von Barrikaden. Das Eingreifen der Polizei mündete in blutigen Straßenkämpfen – 19 Tote waren am Ende des Tages zu beklagen! Nicht weniger brachial war der Umgang mit der Geschichte nach dem Krieg: nahezu kein Gebäude hat die Kahlschlagsanierung  überstanden, dafür erinnert aber – abseits des Orts des Geschehens-  ein Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke über die Panke an den „Blutmai“ 1929. Weiterlesen