BVG-Baustelle Seestraße

Rund um den Bahnhof Seestraße wird gebaut. Ersatzverkehr ist die Folge. Foto: Hensel
Rund um den Bahnhof Seestraße wird gebaut. Ersatzverkehr ist die Folge. Foto: Hensel

AKTUALISIERT An einer der verkehrsreichsten Kreuzungen Berlins wird gerade der BVG-Verkehr total umgekrempelt. Auf dem U-Bahnhof Seestraße fahren die Bahnen Richtung Alt-Tegel anders. Doch auch über der Erde müssen sich Fahrgäste umorientieren: Bis zum 2. Oktober entfällt der Straßenbahnverkehr auf dem Ast zum Virchow-Klinikum, wovon auch die Tramhaltestelle am U-Bahnhof Seestraße betroffen ist.

Schotter, Schotter, grün, grün, grün

Nicht irgendwie bewachsen, sondern bewusst begrünt sind die Gleise in der Osloer Straße. Foto: D. Hensel
Nicht irgendwie bewachsen, sondern bewusst begrünt sind die Gleise in der Osloer Straße.

Ich wünsche mir ein Straßenbahngleis! Um neben den Schienen in der wilden Wiese spazieren zu gehen, um bei Linienunterbrechungen im Gleisbett picknicken zu können, um mit dem kleinen Weddinger Züge zu zählen. Aber vor allem: hätte ich ein Straßenbahngleis, könnte ich es begrünen. Ich könnte, den Mauerpfeffer, den ich beim Langen Tag der StadtNatur am Sonntag (19.6.) geschenkt bekommen habe, wie geheißen, zerrupfen und mit den nachwachsenden Pflanzen meine eigene grüne Oase anlegen. Es würde wachsen und sprießen und schon im übernächsten Jahr könnte ich selbst zu Gleisführungen einladen.

Die Geschichte der Straßenbahn im Wedding

Foto: Hensel

„Als Kind fuhr ich am liebsten mit der Linie 3“, erzählte mir vor ein paar Jahren ein älterer Kollege, der in der Nähe der Osloer Straße aufgewachsen ist. Damals war gerade die Tramtrasse in der Mitte der Osloer- und der Seestraße als „Linie 23“ wiedereröffnet worden. Die historische Ringlinie 3 besaß durch die Teilung der BVG schon seit 1951 einen West- und einen Ostast. Beide Äste begannen bzw. endeten an der Osloer Straße / Grüntaler Straße. Ab dem Mauerbau 1961 war für die Ost-Linie 3 schon vor der Bösebrücke Schluss, wo 1962 an der Björnsonstraße eine Wendeschleife eingerichtet wurde. Letztendlich „überlebte“ die Linie 3 aber nur im Ostteil der Stadt: im Westen wurde die Strecke auf der Osloer- und der Seestraße nämlich am 1. August 1964 stillgelegt, das Linienende am Fehrbelliner Platz war nur noch mit Bus und U-Bahn erreichbar. Das ist nun über fünfzig Jahre her – doch die Geschichte dieser Strecke nahm noch einen interessanten Verlauf.