Irgendwie speziell: Berliner Straßenschilder

Über Straßennamen ereifern sich die Berliner immer wieder gerne, vor allem, wenn die Straßen einen neuen Namen erhalten sollen. Im Afrikanischen Viertel im Wedding, aber auch anderswo kochen die Gemüter hoch über die Frage, ob die Stadt denn keine anderen Probleme habe als sich mit der Würdigung von historisch fragwürdigen Menschen durch Straßenschilder zu beschäftigen. Zeit, dass wir uns auch einmal mit der Frage auseinandersetzen: Was macht eigentlich ein Berliner Straßenschild aus?

Anhänger des Wedding: Ist das Kunst?

Anhänger - Foto von Wilhelm Berges
Anhänger. Foto: Wilhelm Berges

Kiezkultur Wann die Menschen etwas banal finden oder sensationell, ist schwer vorherzusagen. So ist das auch mit einem so sperrigen Thema wie „Anhänger“. Wer war nicht überrascht, dass ausgerechnet aus einem Post auf der Weddingweiser-Pinnwand über abgestellte Anhänger eine rege Diskussion entstand? Und daraus die erste Pinnwand-Serie: „Anhänger des Wedding„. Höchste Zeit, einmal mit dem Erfinder der Serie zu sprechen.

Was Weddinger zum Valentinstag schenken

Zum Valentinstag? Eine gemalte Blume an der Swinemünder Brücke. Foto: Hensel
An der Swinemünder Brücke. Foto: Hensel

Blumen zum Valentinstag sind blöd, dienen nur dem Umsatz der fiesen Blumenindustrie? Wir brauchen keinen aufgesetzten Tag, um uns zu sagen, dass wir uns noch immer lieben. Um uns Blumen und Aufmerksamkeit zu schenken. Dieser üblichen, jährlich vorgetragenen Argumention kann man folgen oder sie für vorgeschoben halten. Mir persönlich ist es ja egal, ob Valentinstag ist: Hauptsache ich bekomme Blumen. Für alle, die mit diesem Tag der Verliebten verquer liegen, gibt es auch im Wedding Alternativen. Statt Blumen schenken wir …

Müllerstraße = Krachmacherstraße

IMG_0671Zugegeben: Die meisten von uns wünschen sich keine Friedhofsruhe in der Stadt. Aber allein vom Straßenverkehr sind in Berlin derzeit 300.000 Menschen von Lärm oberhalb der Werte, welche als gesundheitsschädlich gelten, betroffen. Dazu kommen noch S- und Straßenbahnen, Flugzeuge aber auch Lärm durch andere Menschen. Durch Lärm steigt das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, der Schlaf wird gestört und die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab.

Weddingwoche #2: Tannen-Glück

Nach Neujahr liegen Tannenbäume auf dem Bürgersteig
Nach Neujahr liegen Tannenbäume auf dem Bürgersteig

Die Weddingwoche ist eine neue wöchentliche Kolumne. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Es soll ja Menschen geben, die lassen ihren Weihnachtsbaum am liebsten bis kurz vor Ostern stehen. Nun gut, einem jeden sei eine individuelle Therapie der Winterdepression zugestanden. Die Mehrzahl war wohl erfreut, dass die BSR schon jetzt zum Rauswerfen aufruft. Man kann ja beim momentanen Wetter auch durchaus mit den Jahreszeiten durcheinander kommen. Und so ist Berlin derzeit ein wahrlich grüner Parcours. Allerorten liegen Bäume rum und Idefix, der kleine Gallier-Hund, würde sich vermutlich die Augen aus dem Kopf heulen. Auch für die winterfesten Radfahrer sind die ausgedienten Bäume wohl kein Grund zur Freude. Vorteil gegenüber den ebenfalls meist grünen Glasscherben, die traditionsgemäß nach Silvester die Radwege zieren: Man sieht die Bäume wenigstens schon von weitem und kann sie großräumig umfahren.


Aber man soll ja nicht nur das Schlechte sehen in der Welt. Energetisch betrachtet haben diese Weihnachtsbäume ja einen durchaus positiven Effekt. Bei mir war das so: Als das Abnadeln anfing und das Abschmücken erledigt war, galt es nur, die Distanz zur Straße zu überbrücken. Realistisch eingeschätzt, war die Entfernung zum Bürgersteig vom Fenster aus schlicht zu weit. Ich bin ja nicht Boris Henry, der Speerwurfmeister. Also hab ich das gute Stück durchs Treppenhaus geschleift. Das Ausmaß der Verheerung wurde mir erst auf dem Rückweg klar, als ich wie ein indischer Fakir über ein Meer von Nadeln wieder nach oben ging. Geplagt vom Gewissen ums Gemeinwohl hab ich also fleißig die schöne Bescherung aufgefegt. Eine körperliche Anstrengung vom Feinsten – schließlich wohne ich im vierten Stock.

Und wenn dann die Bäume als Heizmaterial zweitverwertet werden, komme ich bestimmt gleich nochmal ins Schwitzen, wenn denn der Winter endlich kommt.

Also: Bäume abschmücken, raus auf die Allee – dabei an die Radler denken – und dann schön das Treppenhaus fegen. Wegen der guten Nachbarschaft.

Wann holt die BSR im Wedding die Weihnachtsbäume ab?

Abgeholt wird im Wedding am 7.  und nochmal am 14. Januar.

Autor: Marcus Bauer

Link zu einem Download der letzten Ausgaben des Berliner Abendblatts

Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel?

Großes Bürgerinteresse, wenn es um Straßennamen geht

Alles Mögliche hat hier einen Afrikabezug....
Alles Mögliche hat hier einen Afrikabezug....

Der Saal im Paul-Gerhardt-Stift ist am Abend des 30. Mai 2011 gut gefüllt. Zahlreiche interessierte Anwohner, Lokalpolitiker und Vertreter von Bürgerinitiativen möchten mehr über Gerüchte und Fakten erfahren, wenn es um den Umgang mit den Straßennamen im Afrikanischen Viertel geht. Die SPD in Mitte hat zu einer Diskussionsveranstaltung eingeladen, um den Prozess der Entwicklung des Afrikanischen Viertels zu einem Lern- und Gedenkort anzustoßen.

Das Afrikanische Viertel ist das größte Flächendenkmal mit kolonialhistorischem Bezug in Deutschland“, erklärt der auf die deutsche Kolonialgeschichte spezialisierte Historiker Dr. Joachim Zeller, der selbst in Namibia geboren wurde. Das Afrikanische Viertel hat das Potenzial, die Geschichte Afrikas stellvertretend für ganz Deutschland zu erzählen, findet auch Dr. Christian Hanke, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte. „Wedding hat sich verändert, unsere Gesellschaft ist bunter geworden“, erläutert der Lokalpolitiker und fügt hinzu: „Im Afrikanischen Viertel können wir die Geschichte Afrikas nach der Dekolonisierung weitererzählen.“ Die Entwicklung eines Lern- und Gedenkortes setzt eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte voraus. Die Straßennamen im Viertel, die zwischen 1899 und 1958 benannt wurden, spiegeln die jeweilige deutsche Haltung zu Afrika wider – sei es eine Werbung für die Kolonialpolitik bis 1919, sei es eine Würdigung des 1958 unabhängig gewordenen Staates Ghana.

Ein Lern- und Gedenkort der anderen Art

An der Togostraße

Aus Sicht mancher Teilnehmer der Runde sind von den 24 Straßennamen, die in dieser Häufung einmalig in Deutschland sind, drei Bezeichnungen nicht mehr tragbar. Es handelt sich dabei um die Petersallee, den Nachtigalplatz und die Lüderitzstraße. Alle drei mit einer Straße geehrten Persönlichkeiten haben im 19. Jahrhundert auf unterschiedlichste Art dazu beigetragen, große Teile Afrikas für die Kolonialansprüche des Kaiserreichs zu sichern. „Die meisten Gedenkorte betreffen den Nationalsozialismus oder die deutsche Teilung. Warum nicht auch einmal ein Gedenkort für Afrika?“ fragt sich Bruni Wildenhein-Lauterbach, die den Wahlkreis im Abgeordnetenhaus vertritt. Dabei ist es ihr als gebürtige Berlinerin wichtig, dass sich auch die Anwohner mit ihrem Viertel und ihren Straßennamen identifizieren. Sie sollen neue Namen nicht übergestülpt bekommen.

Genau dies befürchtet die Bewohnerinitiative „Pro Afrikanisches Viertel“. Ihren Mitgliedern geht es nicht darum, den Gedenkort zu verhindern. Sie sehen aber vor allem die Kosten, die eine Umbenennung für den Bezirk, aber auch Bewohner und Gewerbetreibende mit sich bringt. „Warum kann nicht eine Zusatztafel erklären, nach wem die Straße benannt wurde?“ fragt ein Anwohner. Dadurch wüssten Besucher und Bewohner des Viertels, welche Person in welcher Zeit mit der Benennung geehrt wurde und welche Motivation dahinter stand. Für den Bezirksbürgermeister wäre dies kein adäquater Umgang mit den zahlreichen Opfern der kolonialen Vergangenheit. Inzwischen hat die Bezirksverordnetenversammlung den Beschluss gefasst, eine Infosäule im Afrikanischen Viertel aufstellen zu lassen. Über den Text gab es unterschiedliche Auffassungen – daher hat man sich auf zwei Texte geeinigt, die zwei unterschiedliche Perspektiven auf die Kolonialgeschichte aufzeigen. Eine solche Infotafel, deren Standort noch nicht geklärt ist, ist durch ihren umstrittenen Text selbst Teil des Prozesses, sagt Bürgermeister Dr. Hanke.

Ein Prozess, der jetzt erst beginnt und an dessen Ende das gesamte Afrikanische Viertel ein Lern- und Gedenkort ist. Ein Vorbild dafür könnte das Bayerische Viertel in Schöneberg sein, an dem im Straßenbild der schrittweisen Entrechtung der Juden in der Nazizeit gedacht wird. Diesen Prozess auf die Umbenennung von Straßen zu reduzieren, würde an dem Potenzial vorbeigehen, das ein solcher Lern- und Gedenkort für diesen Teil des Wedding darstellen kann. Nur die Interessen weniger Anwohner zu berücksichtigen, wird der deutschlandweiten Bedeutung des Afrikanischen Viertels nicht gerecht.