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Wie auf’m Dorf: Alte Straßennamen im Wedding

Foto: Samuel Orsenne bearbeitet: WeddingweiserEs gibt nur weni­ge Stra­ßen­na­men, die schon seit Mit­te des 19. Jahr­hun­derts bekannt sind. Dazu zäh­len See‑, Bad‑, Brun­nen- und Mül­ler­stra­ße, aber auch die Acker‑, Wiesen‑, Trift‑, Feld- oder Gar­ten­stra­ße. Sol­che Namen fin­det man auch auf jedem Dorf? Kein Wun­der: Der Wed­ding war ursprüng­lich eine Bau­ern­sied­lung, dann ein land­wirt­schaft­li­ches Gut, und lag immer vor den Toren der Stadt Ber­lin. Erst 1861 wur­de der Wed­ding auch offi­zi­ell Teil Ber­lins. Vie­le Namen sind jedoch schon viel älter.

Namen aus der Zeit vor der Eingemeindung 1861

Acker­stra­ße seit 1801

Auf Ver­an­las­sung König Fried­richs II. wur­de die Stra­ße durch die Äcker der Ber­li­ner Feld­mark ange­legt. Sie war damals die mitt­le­re Stra­ße der Kolo­nie Voigt­land, die von 1752 bis 1770 durch die Zuwan­de­rung von Hand­werks­ge­sel­len aus dem Vogt­land ent­stan­den war. Damit die Hand­wer­ker ganz­jäh­rig in Ber­lin blie­ben, wur­den dort 30 Häu­ser für 60 Fami­li­en gebaut. Das Gebiet bestand aus vier lan­gen Rei­hen mit Häu­sern und dazwi­schen­ge­le­ge­nen Gär­ten. 1801 baten die Bewoh­ner in der Rosentha­ler Vor­stadt um die Benen­nung die­ser Straße.

Gar­ten­stra­ße seit 1801

1770 befahl Fried­rich II. die Ansied­lung aus­län­di­scher Gärt­ner­fa­mi­li­en. 1772  erhiel­ten zuerst zehn Gärt­ner­fa­mi­li­en je ein Haus und vier Mor­gen (etwa einen Hekt­ar) Land. Die Stra­ße wur­de, wie die Acker‑, die Berg‑, die Brun­nen- und die Inva­li­den­stra­ße, um 1752 ange­legt. Sie hieß ab Mit­te des 18. Jahr­hun­derts Ham­bur­ger Land­wehr. 1801 erba­ten Anwoh­ner vom Poli­zei-Direk­to­ri­um die offi­zi­el­le Benen­nung der Stra­ßen in der Rosentha­ler Vor­stadt, die auch erfolg­te. 1833 wur­de die Ver­län­ge­rung der Gar­ten­stra­ße eben­falls so benannt. 1881 for­der­ten Anwoh­ner den Namen Hum­boldt-Stra­ße. Die­ser Antrag wur­de jedoch abgelehnt.

Gericht­stra­ße seit 1827

Bei der Par­zel­lie­rung wur­de der Weg neu ange­legt und erhielt den Namen nach dem Hoch­ge­richt, das sich damals dort befand. Die Hin­rich­tungs­stät­te wur­de um 1749 in den Wed­ding ver­legt. Der Gal­gen stand bis 1840 am heu­ti­gen Gar­ten­platz. Der Name hat also nichts mit dem nahe­ge­le­ge­nen Amts­ge­richt am Brun­nen­platz zu tun.

Brun­nen­stra­ße seit 1801

Die Stra­ße wur­de 1752 auf Anord­nung Fried­richs II. vom Rosentha­ler Tor zum Bad Gesund­brun­nen ange­legt. Vor­her wur­de sie Stra­ße von Rosen­thal genannt. 1801 baten Anwoh­ner um die Benen­nung der Straße.

See­stra­ße seit spä­tes­tens 1827

Ihr Name bezieht sich, wie soll­te es anders sein, auf den Plöt­zen­see, der an ihrem Ende liegt. Der spä­ter zuge­schüt­te­te “Klei­ne Plöt­zen­see” lag auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te. Schon 1877 eröff­ne­te dort die ers­te Bade­an­stalt,  bis 1918 exis­tier­te hier eine Mili­tär-Bade­an­stalt. Die Bebau­ung der beson­ders brei­ten See­stra­ße erfolg­te erst 1907.

Mül­ler­stra­ße seit spä­tes­tens 1827

Die Stra­ße erhielt ihren Namen nach den Müh­len, die damals an der rech­ten Sei­te der Stra­ße stan­den und nach den dort 1827 woh­nen­den 25 Mül­lern. Zu Beginn des 18. Jahr­hun­derts waren an den Adler- und Sel­ler­tei­chen Polier‑, Schleif- und Ham­mer­müh­len gegrün­det wor­den. Die Mül­ler­stra­ße war auf einer Kar­te, die um 1701 ent­stan­den war, als Stra­ße nach Ora­ni­en­burg eingezeichnet.

Feld­stra­ße seit 1858

Die­ser Weg führ­te über die Feld­mark vor den Toren Berlins.

Wie­sen­stra­ße seit 1827

Bis zur Wie­sen­stra­ße erstreck­ten sich die Gär­ten und Wie­sen des Vor­werks Wed­ding. Bei der Par­zel­lie­rung des Wed­ding wur­de die Stra­ße neu ange­legt. Auf der Kar­te von 1827 ist die Stra­ße bereits nament­lich eingezeichnet.

Trift­stra­ße seit spä­tes­tens 1827

Um 1700 hieß die Stra­ße Weg nach Fehr­bel­lin und Rup­pin. Trift, auch Hutung, nennt man eine  Vieh­wei­de auf ärm­li­chen Böden, meist für Schaf­her­den genutzt, sowie einen vom Vieh benutz­ten Weg zwi­schen Wei­de und Stall. Der Name wur­de nach der damals vor­han­de­nen gro­ßen Magis­trat­s­trift, bis zu der die­se Stra­ße führ­te, gewählt. Bei der Par­zel­lie­rung der Käm­mer­er­hei­de 1827 wur­de die Stra­ße neu ange­legt. Damals aller­dings bedeu­tend län­ger als heu­te, ver­lief sie von der Mül­ler­stra­ße weit nach Wes­ten, über die Torf­stra­ße hinaus.

Torf­stra­ße seit 1832

Die 1832 ange­leg­te Stra­ße erhielt ihren Namen nach den torf­hal­ti­gen Wie­sen, die sich zu bei­den Sei­ten der Stra­ße hin­zo­gen. 1872 wur­de die Stra­ße, die damals von Trift- bis Inva­li­den­stra­ße führ­te, geteilt: Von Trift­stra­ße bis zur Bahn behielt sie den Namen Torf­stra­ße, von Fenn­stra­ße bis Inva­li­den­stra­ße bekam sie den Namen Lehr­ter Stra­ße. Bei­de Tei­le waren durch die Torf­stra­ßen­brü­cke über den Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal ver­bun­den. Die im Krieg stark beschä­dig­te Brü­cke wur­de 1968 durch einen Neu­bau ersetzt, der aber bereits 1980 wie­der abge­bro­chen wur­de. Dafür ent­stand 1979/80 der Torfstraßensteg.

Prin­zen­al­lee seit spä­tes­tens 1857

Prin­zen nah­men einst­mals die­sen Weg, um vom Kanin­chen- und Hüh­ner­gar­ten im Wed­ding zum Schloss Nie­der­schön­hau­sen zu gelan­gen. Der Kanin­chen­gar­ten lag süd­lich der heu­ti­gen Prin­zen­al­lee; dort befin­den sich heu­te die Bellermann‑, Stet­ti­ner und Grün­ta­ler Stra­ße. König Fried­rich I. ließ etwa 1712 das Wild­ge­he­ge für den Kron­prin­zen, den spä­te­ren Fried­rich Wil­helm I., als “Jagd­p­lai­sier” anle­gen. Dort gab es dann Fasa­ne, Reb­hüh­ner, Hasen und Kanin­chen. Das Gehe­ge bestand jedoch nur weni­ge Jah­re. 1753 bewarb sich der Ber­li­ner Bür­ger Johann Paul Fischer um das Land, da er auf ihm eine Maul­beer­plan­ta­ge anle­gen woll­te. Auf einer Kar­te von 1857 ist die Stra­ße bereits nament­lich als Prin­zen­al­lee eingezeichnet.

Foto: S. Orsenne

 

Wel­cher Name ist denn nun der ältes­te im Wed­ding? Das dürf­te die Bad­stra­ße sein. 1701 wur­de dort eine Heil­quel­le ent­deckt, die im Jah­re 1799 zu Ehren von Köni­gin Lui­se “Lui­sen­bad” genannt wur­de. Die Stra­ße erhielt Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ihren Namen. Auf der Kar­te von 1722 sind Bad- und Brun­nen­stra­ße ohne Namen an der Pan­ke­müh­le als Weg ein­ge­zeich­net. Bis Ende des 19. Jahr­hun­derts über­quer­te die Stet­ti­ner Eisen­bahn zu ebe­ner Erde die Stra­ße, und zwar zwi­schen Bad­stra­ße 15 und 16.

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