Unsere Autor:innen sind nicht nur im Wedding unterwegs – sie sind mittendrin im Alltag. Im Supermarkt, auf dem Spielplatz oder beim Schlendern durchs Viertel: Überall warten Geschichten, Geräusche, Begegnungen. Und manchmal schreiben uns sogar Leser:innen direkt. So entstehen sie – diese kleinen, echten Kiezmomente. Alles Wedding.

Paket – mit oder ohne Schreck?
Letztlich laufe ich gegen Abend zur Müllerstraße Höhe Kaufland und muss zum Paul-Gerhardt-Stift die Straße an der Ampel Ecke Türkenstraße überqueren. Brav stehe ich wartend an der roten Fußgängerampel, aber als achtsame Autofahrerin schaue ich dennoch nach links und rechts und … mir stockt ein bisschen der Atem …bleibe mit dem schweifenden Blick an der Maske hängen. Hallo, was hat ein scream ghostface mitten auf der Müllerstraße zu suchen? Bald ist Halloween, aber jetzt noch nicht.
Auf den zweiten Blick sehe ich, dass die Maske in einer Fahrerkabine eines Van aufgehängt ist.
Kommt das nächste Paket also mit Maskenmann oder steckt da ein Fahrer in seinem Fond fest und weiß, dass er die Menge an geladenen Paketen heute nicht mehr schaffen wird – und schnappt vor Schreck in einem vorletzten Atemzug noch nach Luft?
Ein bisschen Spaß muss sein, ja gerne, aber so dolle?
Renate Straetling
Diamant am Straßenrand
Ich repariere mein Moped auf dem Gehweg vor der Haustüre. Hatte einen blöden Unfall vor ein paar Tagen auf der Müllerstraße, vor der Ecke Afrikanische Straße, wo das Spielcasino ist. Der Mann im Kleinwagen vor mir sieht einen Kumpel in der Kneipe auf anderen Straßenseite, haut in die Bremsen und zieht links rüber. Ich knalle hinten drauf. „Ich hab doch geblinkt“, schreit der blasse, dünne Kerl, der aus dem Auto springt. „Du bist rübergezogen ohne zu blicken“, schrei ich zurück. Ich fotografiere sein Nummernschild. Das übliche Gezeter. Plötzlich steht sein Freund aus der Kneipe neben ihm. Breitschultrig, dunkler Bart, hängende Arme. „Kann ich helfen?“, fragt er. Und er will mich wohl wirklich nach Hause fahren. Der Fahrer will dafür, dass ich das Foto lösche. Irgendwas ist hier faul, aber: Zwei gegen einen. Ich sehe zu, dass ich das Moped wieder ans Laufen kriege und fahre weiter. Meine Söhne warten, dass ich sie vom Sport abhole.
Jetzt sitz ich hier mit dem Schaden. Ich habe den Scheinwerfer ausgebaut, kneife ein Auge zu und halte die Glühbirne prüfend gegen den wolkenlosen Himmel. Die ist hinüber. „Wie ein Diamant“, höre ich da jemand hinter mir sagen. Ein junges arabisches Pärchen geht mit seinem Kinderwagen an mir vorbei. „So prüft man einen Diamanten“, ruft der junge Mann über die Schulter zu und lacht aufmunternd. Der Autoteileladen am Ende der Müllerstraße verkauft mit einen neuen Diamanten für 5,90 Euro.
Rolf Fischer
Mitgehört im Wedding
Ich gehe zur U-Bahn. Auf dem breiten Bürgersteig kommt ein Mann, der aussieht, als ob er indische Wurzeln hat. Er hat einen kleinen Hund dabei, der hinter ihm hertrottet. Irgendwann dreht der Mann sich um und spricht in einer mir unverständlichen Sprache mit dem Hund. Der reagiert nicht, also ruft er ihn: „Waldi!“ Da muss ich schmunzeln.
Und jetzt seid ihr dran!
Ihr habt etwas gesehen oder erlebt, das in die Kiez-Momente gehört? Dann schickt uns eure Entdeckung – gern mit Foto – an:
📩 [email protected]
Und wenn ihr Lust auf mehr Wedding habt: Bleibt dran! Wir sammeln weiter für euch – kleine und große Geschichten aus dem Kiez.

