Angenehmes Café am Ufer

In die­ser Ecke des Wed­ding hat gute Gas­tro­no­mie schon lan­ge Tra­di­ti­on. Kein Wun­der bei der Lage mit dut­zen­den Tischen und Stüh­len auf der Außen­ter­ras­se zwi­schen Kiautschoustra­ße und Kanal. Seit August gibt es nun das Café am Ufer, ein Früh­stücks­lo­kal der Extra­klas­se, das auch einen Bar- und Restau­rant­be­trieb bereithält.

“Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez” – deutscher Kolonialismus in Samoa und China

Spren­gel-/Sa­moa­stra­ße

War­um gibt es im Wed­ding eine Samoa­stra­ße und einen Pekin­ger Platz? Aktu­ell wird in den Medi­en viel über deut­schen Kolo­nia­lis­mus und Ras­sis­mus debat­tiert. Daher lud das Inter­kul­tu­rel­le Gemein­we­sen­zen­trum „Spren­gel­haus“ in der Spren­gel­stra­ße 15 am 17. Juni zur Füh­rung “Spu­ren­su­che Kolo­nia­ler Spren­gel­kiez” ein. Unse­re Autorin war mit von der Partie.

Baustellenführungen und Baustellenrallye

Schiller Bibliothek EingangsbereichZum Tag der Städ­te­bau­för­de­rung am 21. Mai

Am Sams­tag, dem 21. Mai fin­det wie­der der »Tag der Städ­te­bau­för­de­rung« statt – in über 500 Städ­ten und Gemein­den in ganz Deutsch­land. Beson­ders enga­giert dabei ist der Bezirk Ber­lin-Mit­te. Dort fin­den mehr Ver­an­stal­tun­gen statt als in irgend­ei­nem ande­ren Bezirk der Stadt. Auch das Akti­ve Zen­trum Mül­ler­stra­ße ist wie­der dabei. Am 21. Mai kann man sich in der neu­en Schil­ler-Biblio­thek über eini­ge aus­ge­wähl­te Pro­jek­te infor­mie­ren, die mit Hil­fe des Städ­te­bau­för­der­pro­gramms »Akti­ve Stadt- und Orts­teil­zen­tren« im Sanie­rungs­ge­biet Mül­ler­stra­ße rea­li­siert wur­den oder noch rea­li­siert wer­den sol­len. Dabei kann man natür­lich auch mit den dafür zustän­di­gen Mit­ar­bei­tern des Bezirks sowie des Büros Jahn, Mack und Part­ner ins Gespräch kom­men, das für die Pro­zess­steue­rung im Gebiet zustän­dig ist. Auch die Stadt­teil­ver­tre­tung mensch.müller wird mit einem eige­nen Infor­ma­ti­ons­stand ver­tre­ten sein. Zudem gibt es stünd­lich Bau­stel­len­füh­run­gen, und am Ende wird fei­er­lich der neue Kin­der­spiel­platz auf dem Zep­pe­lin­platz eröffnet.

Nordufer: Immer am Kanal lang – die entspannteste Straße im Wedding

Nordufer Schiffahrtskanal TorfstraßenstegDer Name deu­tet es schon an – das Nord­ufer liegt am Was­ser. Kaum eine ande­re Wed­din­ger Stra­ße deckt ein so brei­tes Spek­trum an unge­wöhn­li­chen Bau­wer­ken ab: von einer Schleu­se über ein his­to­ri­sches Frei­bad, eine Kran­ken­haus­stadt, ein Mau­so­le­um für einen welt­be­rühm­ten For­scher, über eine denk­mal­ge­schütz­te Wohn­an­la­ge bis hin zu einem „Café Achteck“.

Bau der S 21: Konsequenzen für den Sprengelkiez

Die ers­ten Bäu­me sind gefällt, das Ufer am Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal wird umge­pflügt, der Ufer­rad­weg ist gesperrt und es ist nicht mehr zu über­se­hen: im Febru­ar haben die Arbei­ten für die neue S‑Bahn-Linie 21 begon­nen. Zurück geht die­se Maß­nah­me auf einen Plan­fest­stel­lungs­be­schluss von 2005. Nach zwei Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen der Deut­schen Bahn im betrof­fe­nen Spren­gel­kiez blei­ben mehr Fra­gen als Antworten. 

Regionalzug auf der Bahnbrücke, Foto: D_Kori
Regio­nal­zug auf der Bahn­brü­cke, Foto: D_Kori

Beim zwei­ten Infor­ma­ti­ons­abend war ein Ver­tre­ter der Ver­kehrs­ver­wal­tung, Herr Wus­trow, anwe­send, um Aus­kunft über die ver­än­der­te Ver­kehrs­füh­rung zu geben . Dem Weni­gen, was wirk­lich dazu gesagt wur­de, war zu ent­neh­men, dass es kei­ne Pla­nun­gen gibt. Weder rech­ne man mit höhe­rem Ver­kehrs­auf­kom­men noch mit stei­gen­der Lärmbelästigung.

So wird der Verkehr heute durch den Kiez geführt

Momen­tan führt der Durch­gangs­ver­kehr durch die Tege­ler Stra­ße. Vom Haupt­bahn­hof kom­mend wird die Stre­cke durch den Kiez als Trans­fer zur Auto­bahn oder in den Nor­den benutzt. Zuneh­men­der Schwer­last­ver­kehr sorgt für Lärm­be­las­tung, zumal die Tege­ler Stra­ße bis zur Lynar­stra­ße Kopf­stein­pflas­ter führt. Das Fried­rich-Krau­se-Ufer steht zwar (theo­re­tisch) zur Verfügung,wird aber nicht in dem Sin­ne genutzt, wie es wün­schens­wert wäre. Zudem ist die­se Ufer­stra­ße seit Mona­ten wegen einer Bau­stel­le eine Sack­gas­se. Herrn Wus­trow war das nicht bekannt, so dass er auch nicht sagen konn­te, wer dafür ver­ant­wort­lich ist (ver­mut­lich Vat­ten­fall). An die­ser Bau­stel­le pas­siert aktu­ell nichts, typisch für Pla­nun­gen in die­ser Stadt.

Das wird sich durch den Brückenbau ändern

Die Tege­ler Stra­ße wird für den Durch­gangs­ver­kehr geschlos­sen, es wer­den zu bei­den Sei­ten Sack­gas­sen ent­ste­hen. Die Bahn hat sich ver­pflich­tet, eine Ersatz­stra­ße als Zugang für den Kiez von der Fenn­stra­ße kom­mend zu bau­en. Das wird das “neue Nord­ufer”, das Ende 2014 eröff­net wer­den soll, wenn die Tege­ler Stra­ße geschlos­sen wird.

Im Zick-Zack durch den Sprengelkiez?

So wird die S 21 in die Verkehrssituation eingreifen
So wird die S 21 in die Ver­kehrs­si­tua­ti­on eingreifen

Der Bus­ver­kehr wird von der Fenn­stra­ße kom­mend über das Nord­ufer in die Lynar­stra­ße und dann zurück auf die Tege­ler Stra­ße geführt. Der Rest des Durch­gangs­ver­kehrs wird eben­falls die­sen Ver­lauf neh­men und noch eine wei­te­re Alter­na­ti­ve haben, näm­lich wei­ter gera­de­aus und dann rechts in die Samoa­stra­ße. Die­se Mög­lich­keit wird wahr­schein­lich im Lauf der Zeit belieb­ter wer­den, denn die Auto­fah­rer wer­den die­se Rou­te bevor­zu­gen, weil der „Schlen­ker“ über die Lynar-/Te­ge­ler Stra­ße und eine Ampel­an­la­ge ent­fällt. Bei­de Rou­ten wer­den min­des­tens zwei­spu­rig ange­legt wer­den müs­sen (eine Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lung ist nicht vor­ge­se­hen). Dadurch wer­den im Bereich der Lynar- und Samoa­stra­ße Anwoh­ner­park­plät­ze weg­fal­len, denn die Autos kön­nen dort nicht mehr quer zum Bür­ger­steig par­ken. Auch die jet­zi­ge Nord­ufer-Sack­gas­se dürf­te für Park­plät­ze nicht mehr in Fra­ge kom­men. Kurz noch zur Erin­ne­rung, wel­che Ein­rich­tun­gen sich auf die­sen bei­den Rou­ten befinden:

Lynarstraße/Tegeler Stra­ße: Spiel­platz – Kin­der­ta­ges­stät­te – Schule

Samoa­stra­ße: Der Pekin­ger Platz mit Spiel­platz und dem nahen Sprengelpark

Lärmbelästigung vorprogrammiert

Bauvorbereitende Maßnahmen am Kanalufer
Bau­vor­be­rei­ten­de Maß­nah­men am Kanalufer

Am stärks­ten betrof­fen ist die Lynar­stra­ße. Die Stra­ße führt ab der Ein­mün­dung des Nord­ufers bis zur Ampel Tege­ler Stra­ße Kopf­stein­pflas­ter. Auf die­sem kur­zen Teil­stück wird bis zur Ampel nur beschleu­nigt. Dazu kommt per­ma­nen­ter Lärm durch die War­te­zeit an der Ampel und dann wie­der Beschleu­ni­gung beim Ein­bie­gen in die Tege­ler Stra­ße. Auf die­sem Stück ist in Stoß­zei­ten mit Staus zu rech­nen. Hin­zu kommt der Lärm von dann drei Bahn­tras­sen – schon heu­te ist eine Benut­zung der Bal­ko­ne der Anwoh­ner fast unmöglich.

In die­sem Zusam­men­hang gab es auf dem Tref­fen am 23. Febru­ar eine sehr inter­es­san­te Bemer­kung von Herrn Wus­trow, dem Beauf­trag­ten der Senats­ver­wal­tung. Dem­nach hat die Deut­sche Bahn die ver­ein­bar­te Anzahl von Güter­trans­por­ten (ins­be­son­de­re die Tank­last­zü­ge, die vor­nehm­lich nachts ver­keh­ren), eigen­mäch­tig um ein Viel­fa­ches über­schrit­ten: „Das ist bekannt und man wird das im Auge behal­ten“, beton­te Wus­trow. Lei­der ist das zu wenig und hilft nie­man­dem. Bemer­kens­wert ist, dass die Deut­sche Bahn sich ein­fach so über Ver­ein­ba­run­gen hin­weg­set­zen darf!

Die gesam­te Lärm­be­läs­ti­gung dürf­te also um ein Viel­fa­ches stei­gen, denn ange­sichts der feh­len­den Pla­nung ist natür­lich auch nicht vor­ge­se­hen, den Stra­ßen­be­lag der Lynar­stra­ße zu ver­än­dern. „Man wird das im Auge behal­ten“, glücklicherweise.

Sämt­li­che Ver­kehrs­zäh­lun­gen und Mes­sun­gen, die man vor dem Bau der S 21 durch­ge­führt hat, sind acht bis zehn Jah­re alt. Hin­sicht­lich der Erhe­bun­gen von 2010, die angeb­lich durch­ge­führt wur­den, habe ich kei­ne Infor­ma­tio­nen gefunden.

Auf lan­ge Sicht wird sich der Ver­kehr noch ver­schär­fen, spä­tes­tens, wenn die neue “Euro­pa­ci­ty“ an der Hei­de­stra­ße gebaut ist, wird sich der Durch­gangs­ver­kehr multiplizieren.

Für die Alter­na­tiv­rou­te zur Samoa­stra­ße gilt ähn­li­ches: auch hier führt die Stra­ße Kopf­stein­pflas­ter, mit Staus an der Ecke zur Spren­gel­stra­ße muss gerech­net wer­den, da eine Rechts vor Links-Rege­lung gilt. Alter­na­tiv könn­te man eine Ampel instal­lie­ren. Dies dürf­te jedoch nicht gesche­hen, denn so etwas sehen „Null­pla­nun­gen“ eben nicht vor.

Das Nord­ufer wird, mit etwas zöger­li­cher Ver­bind­lich­keit von Herrn Wus­trow, ver­kün­det, geschlos­sen blei­ben. Man wird sehen. Glau­ben kann man das wohl erst, wenn die im Plan­fest­stel­lungs­be­schluss fest­ge­schrie­be­ne Begrü­nung durch­ge­führt wird. Bis dahin kann alles gesche­hen, man müss­te nur die Pol­ler wie­der abbau­en – der Stra­ßen­be­lag ist noch vor­han­den. Damit hät­te man die idea­le, bil­ligs­te und unkom­pli­zier­tes­te Anbin­dung an die Auto­bahn, die denk­bar ist. Ob das nun beschluss­kon­form ist oder nicht, die Erfah­rung zeigt, dass irgend­wel­che Para­gra­phen immer benutz­bar sind, um ande­re aufzuweichen.

Auf Auto-Irrfahrt durch den Kiez

Tegeler Ecke Lynarstr.
Tege­ler Ecke Lynarstr.

Man kann die Psy­che des Auto­fah­rers nicht beein­flus­sen, dies hat die jüngs­te Ver­gan­gen­heit gezeigt. Selbst das Ange­bot eines zwei­ten Rich­tungs­pfeils an der Hei­de­stra­ße hat den Gewohn­heits­fah­rer nicht davon abge­bracht, sich durch die Tege­ler Stra­ße zu quä­len. Es sind ein paar Meter weni­ger als über das Fried­rich-Krau­se-Ufer auf der ande­ren Kanal­sei­te. Und dann noch die zwei Ampeln …

Das heißt nichts wei­ter, als dass der nor­ma­le Auto­fah­rer auch wei­ter­hin durch den Kiez fah­ren wird.

Er/Sie kann nur die zwei o.g. Vari­an­ten wäh­len. Es wird kei­ne Alter­na­ti­ven geben und ob dann irgend­wel­che Mes­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den, steht in den Ster­nen. Zumal ja sowie­so erst „mal alles im Auge behal­ten wird“. Die­ser Satz fiel übri­gens am 23. Febru­ar öfter. Lei­der hilft es den Anwoh­nern nichts. Durch zu gerin­ge Schutz­maß­nah­men bei stei­gen­dem Ver­kehr wird weder dem Bahn­lärm, noch dem zusätz­li­chen Stra­ßen­lärm Rech­nung getra­gen. So hat z. B. der Senat für die neue Tras­se kei­ne Lärm­schutz­maß­nah­men vor­ge­ge­ben. Im Gegen­zug emp­fiehlt der Autor, ein­mal eine Mes­sung in der Tege­ler Stra­ße /Nordufer/ Lynar­stra­ße in der Zeit von 23 Uhr bis 1 Uhr vor­zu­neh­men, wenn im 5 – 10-Minu­ten-Takt die Güter­zü­ge durchfahren.

Unter dem Strich bleibt beim Stand der Din­ge, dass von Sei­ten der zustän­di­gen Behör­den (und nur die sind zustän­dig, die Bahn ist raus) kei­ne Hil­fe, zumin­dest schnel­le, zu erwar­ten ist, wenn die Stra­ßen­bau­ar­bei­ten abge­schlos­sen sind. „Man wird alles im Auge behalten“.

Dabei gäbe es Alternativen

Foto0945[1]Damit nie­mand Beschwer­de füh­ren kann für die Zeit nach Schlie­ßung der Tege­ler Stra­ße und Öff­nung des Nord­ufers, gibt es natür­lich auch einen Gegen­ent­wurf und recht kos­ten­güns­ti­ge Empfehlungen:

Die Ein­fahrt über das neue Nord­ufer könn­te beschränkt wer­den auf Anlie­ger, die BVG, Ver­sor­gungs­fahr­zeu­ge, Poli­zei und Notfallfahrzeuge.

Der Durch­gangs­ver­kehr könn­te über das Fried­rich-Krau­se-Ufer gelei­tet wer­den, denn genau da ist er am bes­ten auf­ge­ho­ben, weil er nie­man­den stört. Dort gibt es so gut wie kei­ne Wohn­be­bau­ung. Schwer­last­ver­kehr ist gene­rell im Kiez ver­bo­ten (bis auf die Ausnahmen).

Die Maß­nah­men, die für die­ses Kon­zept zu ergrei­fen sind, ver­ur­sa­chen sehr wenig Kos­ten (Verkehrsschilder/Straßenbeschriftung). Aller­dings erfor­dern sie kon­se­quen­tes und zügi­ges poli­ti­sches Handeln.

Ausblick für den Sprengelkiez

Was zu befürch­ten ist: wenn das Nord­ufer geschlos­sen bleibt, wird es eine Tei­lung der Bewoh­ner­schaft des Kiezes geben. Näm­lich in die, die von der ver­än­der­ten Ver­kehrs­füh­rung betrof­fen sind und in die, die davon über­haupt nichts mit­be­kom­men (also alle west­lich des Pekin­ger Plat­zes). Das erschwert es natür­lich, dass sich mög­lichst vie­le aktiv an der Kiez­ge­stal­tung betei­li­gen. Wobei man ja nicht außer Acht las­sen soll­te, dass die Ver­kehrs­be­ru­hi­gung des gesam­ten Kiezes Vor­rang haben sollte.

Da die Ver­än­de­run­gen erst Ende 2014 grei­fen wer­den, wer­den sich weder Senat noch BVV mit dem The­ma beschäf­ti­gen müs­sen. Der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss erging, ohne ver­bind­li­che Rege­lun­gen zu fin­den, wie die Anwoh­ner von der ver­än­der­ten Ver­kehrs­füh­rung zu ent­las­ten sind. Die Schlie­ßung das Nord­ufers am Pekin­ger Platz allein reicht nicht aus. Aber so, wie es aus­sieht, las­sen die poli­tisch Ver­ant­wort­li­chen alles laufen.

Des­halb wäre es nicht schlecht, in den nächs­ten 36 Mona­ten immer mal wie­der ein Zusam­men­tref­fen inter­es­sier­ter Anwoh­ner zu orga­ni­sie­ren, um sich zu infor­mie­ren und im Gespräch zu blei­ben. Denn wenn man erst mit der Arbeit anfängt, wenn alles zu spät ist, dann kön­nen wir auch unse­re Lokal­po­li­ti­ker nicht mehr ein­bin­den und das wäre ein Ver­säum­nis. Und die Din­ge zu tun, die im Zuge der neu­en Ver­kehrs­si­tua­ti­on im Kiez zu tun sind, ist kei­ne Sache, die lan­ge dau­ern muss. Nicht im Voll­zug. Auf dem Weg dort­hin schon. „Wir soll­ten es im Auge behal­ten.” Auch wir Bewoh­ner des Sprengelkiezes!

Autor: Jörg Reinhardt

Erläu­te­run­gen zu den Planungen

Plätze im Wedding

Fal­len wir gleich mal mit der Tür ins Haus und behaup­ten: im Wed­ding gibt es eigent­lich so gut wie kei­ne schö­nen Stadt­plät­ze. Ent­we­der sind es vom Ver­kehr umtos­te Frei­flä­chen oder viel zu gro­ße unwirt­li­che Area­le, als dass man sie als belieb­te Treff­punk­te mit städ­ti­schem Leben wahr­nimmt. Hier eine Top Ten der Frei­flä­chen, die das Wort Platz im Namen füh­ren, von denen aber die wenigs­ten eine ech­te Auf­ent­halts­qua­li­tät besitzen:

Leopoldplatz

Ein langer harter Winter mit Schnee bis in den April...
Ein lan­ger har­ter Win­ter mit Schnee bis in den April…

Der Schnitt­punkt der Ver­kehrs­schnei­sen Mül­ler­stra­ße und Schul­stra­ße, unter dem sich auch gleich zwei U‑Bahn-Lini­en über­ein­an­der kreu­zen, trägt sei­nen Namen seit 1891. Wie vie­le Stra­ßen im Kiez bezieht sich der Name auf den Spa­ni­schen Erb­fol­ge­krieg von 1701–1714. Leo­pold I., Fürst von Anhalt-Des­sau (1676–1747) kämpf­te auf Sei­ten Preu­ßens und war auch als “der alte Des­sau­er” bekannt. Ein­ge­rahmt wird der Platz auf der offe­nen Nord­ost­sei­te von der zunächst kaum als Sakral­bau erkenn­ba­ren Alten Naza­reth­kir­che, die bis 1835 von Karl Fried­rich Schin­kel erbaut wur­de. Die Frei­flä­che zwi­schen den drei den Platz begren­zen­den Stra­ßen und der turm­lo­sen klas­si­zis­ti­schen Kir­che ist ein tra­di­tio­nel­ler Markt­stand­ort und besitzt mit der Skulp­tur “Ado­rant” (Nach­guss des Beten­den Jüng­lings von 325 v.Chr.) ein bedeu­ten­des Kunst­werk, aller­dings gut ver­steckt an sei­nem süd­west­li­chen Rand. Trotz sei­ner über­be­zirk­li­chen Bedeu­tung (vor allem durch das Kar­stadt-Kauf­haus und die U‑Bahn-Kreu­zung) ist der eigent­li­che Platz ein eher zugi­ger Ort, an dem man sich nur ungern län­ger auf­hält als unbe­dingt not­wen­dig. Die vor­letz­te Umge­stal­tung des “Leo” datiert aus dem Jahr 1984, und eine Auf­wer­tung des in die Jah­re gekom­me­nen Plat­zes ist in Angriff genom­men wor­den. Doch der Platz zieht sich, hin­ter der Schin­kel­kir­che, noch über drei Bau­blö­cke hin­aus als lang­ge­zo­ge­nes Recht­eck. Hier hat der “Leo” eher Grün­flä­chen­cha­rak­ter. Dort befin­den sich Spiel­plät­ze und ein neu ange­leg­ter “Trin­ker­be­reich”. Die Neue Naza­reth­kir­che (1891–93) mit ihrem 78 Meter hohen Turm prägt den öst­li­chen Platz­teil. Den namen­lo­sen Vor­platz vor dem Rat­haus Wed­ding, der in Sicht­wei­te, jedoch auf der ande­ren Sei­te der Mül­ler­stra­ße liegt, kann man im wei­tes­ten Sin­ne eben­falls als Bestand­teil des Leo­pold­plat­zes bezeichnen.

Nauener Platz

Ein “Nicht-Platz” ers­ter Güte. Er befin­det sich im Schnitt­punkt von Schul- und Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße, dar­un­ter ein in den 1970ern eröff­ne­ter U‑Bahnhof in Pop-Art-Optik, 1910 benannt nach der bran­den­bur­gi­schen Klein­stadt. Inter­es­san­ter ist da schon die Nut­zung des öffent­li­chen Raums an sei­ner Nord­ost­ecke durch ver­schie­de­ne Genera­tio­nen. Das Umfeld rund um das “Haus der Jugend”, einst u.a. Stand­ort der Kin­der­bi­blio­thek, wur­de 2009 unter dem Mot­to “Naue­ner Neu” umge­stal­tet. Hier befin­den sich Spiel- und Bolz­plät­ze, u.a. auch Spiel­ge­rä­te für Senio­ren. Auf den zwei­ten Blick ein sehr leben­di­ger Platz!

Weddingplatz

His­to­risch inter­es­san­ter Platz an der Stel­le, wo die Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße im schrä­gen Win­kel auf die Mül­ler­stra­ße trifft. Einst hieß er Kirch­platz, was sich auf eine nicht mehr nach­weis­ba­re Kir­che im wüst gefal­le­nen Dorf Wed­ding bezie­hen könn­te, wur­de aber 1835 umbe­nannt. Denn auf sei­ner Flä­che befand sich zuvor das Vor­werk Wed­ding. Die Dan­kes­kir­che in sei­ner Mit­te wur­de bis 1885 von August Orth errich­tet, im 2. Welt­krieg zer­stört und durch einen 1972 eröff­ne­ten sym­me­tri­schen Neu­bau von Fritz Bor­n­e­mann ersetzt, bei der der Glo­cken­turm in die Außen­wand inte­griert wur­de. Bedeut­sam ist der Fir­men­sitz der Fir­ma Sche­ring an sei­nem West­rand seit 1871 – das Phar­ma­un­ter­neh­men wur­de 2006 von der Bay­er AG über­nom­men. Das bis 1974 erbau­te 16-geschos­si­ge Ver­wal­tungs­ge­bäu­de wur­de spä­ter für sei­ne Inte­gra­ti­on in den Stadt­raum prä­miert! Unstrit­tig dürf­te sein, dass die­ser von Kriegs­zer­stö­run­gen gepräg­te und durch Gebäu­de im Zeit­geist der 1970er Jah­re ergänz­te Platz ein vom Ver­kehrs­lärm umtos­ter, unwirt­li­cher Ort ist, der trotz sei­nes Namens wohl kaum als iden­ti­täts­stif­tend für den Wed­ding gel­ten kann und auch als Platz so gut wie nie­man­dem bekannt ist.

Nachtigalplatz

Auf dem Nachtigalplatz
Auf dem Nachtigalplatz

Städ­te­bau­lich inter­es­san­te Lösung an einer Stel­le, wo sich die Togo­stra­ße und die Peter­s­al­lee recht­wink­lig tref­fen und die Afri­ka­ni­sche Stra­ße das Gan­ze dann im 45-Grad-Win­kel schnei­det. Um die­se ver­murks­te Kreu­zungs­si­tua­ti­on her­um wur­de ein recht­ecki­ger Platz mit ein­heit­lich gestal­te­ten Wohn­bau­ten ange­legt; in den vom Ver­kehr frei­ge­las­se­nen Frei­flä­chen befin­den sich tris­te Rasen­flä­chen. Grün­an­la­ge kann man die­se Platz­si­tua­ti­on beim bes­ten Wil­len nicht nen­nen. Ein Defi­zit an Grün­flä­chen bekla­gen die Anwoh­ner aber nicht, befin­det sich doch nur ein paar Schrit­te wei­ter die 120 Hekt­ar gro­ße Flä­che des Volks­parks Reh­ber­ge mit den aus­ge­dehn­ten Klein­gar­ten­ko­lo­nien. Knatsch gibt es eher wegen des Namens­ge­bers, dem Afri­ka­for­scher Gus­tav Nach­ti­gal. Die Umbe­nen­nung des Plat­zes wird ins­be­son­de­re von anti­ras­sis­ti­schen Initia­ti­ven gefor­dert, ist aber der­zeit poli­tisch nicht umsetzbar.

Max-Josef-Metzger-Platz

Auf dem Max-Josef-Metzger-PlatzEinst der Cour­biè­re­platz, benannt nach einem preu­ßi­schen Feld­mar­schall (1733–1811), ist die­se klei­ne Grün­flä­che umge­ben von ein paar Wohn­häu­sern, der St.Josefkirche und der Arbeits­agen­tur Mül­ler­stra­ße. Seit 1954 steht die Trüm­mer­säu­le auf dem Platz, die an den Wie­der­auf­bau erin­nert, den Platz aber eher noch trost­lo­ser erschei­nen lässt als ohne­hin schon. Der 12 Meter hohe Pfei­ler von Ger­hard Schult­ze-See­hof ist mit Mosa­ik­re­li­efs geschmückt. Der “Park” drum­her­um wirkt ins­ge­samt etwas unge­pflegt, kein Wun­der, dass der Platz im Volks­mund Lau­se­park heißt. Da ist der auf der ande­ren Sei­te der Gericht­stra­ße lie­gen­de Urnen­fried­hofs­park mit dem Kre­ma­to­ri­um schon ein schö­ne­rer Blick­fang. Der heu­ti­ge Name des Plat­zes erin­nert an einen streit­ba­ren katho­li­schen Theo­lo­gen, der wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs drei Jah­re lang an der St.Josefkirche gegen­über des Plat­zes gewirkt hatte.

Louise-Schroeder-Platz

Hier, an der Gren­ze zwi­schen Mit­te und Rei­ni­cken­dorf, hat man einen Platz nach Ber­lins ers­ter Ober­bür­ger­meis­te­rin (1947/48) benannt. Der Tages­spie­gel schreibt dazu: “Hat Loui­se Schroe­der … die­sen Platz ver­dient? Er ist ein vom Ver­kehr umtos­tes Mau­er­blüm­chen, ein stil­ler Treff der Trin­ker­sze­ne. Vor allem ist er eine unfrei­wil­li­ge Aus­stel­lung der Schä­den, die der Geld­man­gel Ber­lins an den öffent­li­chen Anla­gen anrich­tet. Es sind zwar noch Spu­ren mini­ma­ler Pfle­ge zu erken­nen, der Rasen ist leid­lich gemäht, die Rosen her­un­ter­ge­schnit­ten. Aber sonst? Die Zier­bee­te der west­li­chen Platz­hälf­te wer­den von Löwen­zahn und Dis­teln über­wu­chert, der Zier­teich auf der Ost-Hälf­te sieht vor lau­ter Algen aus wie ein Sumpf. Und in die Wege hin­ein wuchert Unkraut, alles wächst wild, und in eine Ecke hat irgend­je­mand sei­ne über­zäh­li­gen Ikea-Schrän­ke ent­sorgt.” Muss man noch mehr dazu sagen?

Augustenburger Platz

Augustenburger Platz
Augus­ten­bur­ger Platz

Die­ser Platz, benannt im Jahr 1901 nach einem Schloss in Däne­mark, hat nur eine Haus­num­mer. Immer­hin han­delt es sich beim Adres­sa­ten um das Virchow-Kli­ni­kum der Cha­ri­té. Wie ein Schloss mit einem reprä­sen­ta­ti­ven Vor­hof wirkt der zum Augus­ten­bur­ger Platz wei­sen­de älte­re Teil des bis 1906 von Lud­wig Hoff­mann errich­te­ten Kran­ken­haus­baus. Der Platz selbst ist weni­ger attrak­tiv – eine unge­pfleg­te Grün­an­la­ge mit U‑Bahn-Ein­gang (Amru­mer Stra­ße). Die hier begin­nen­de brei­te Torf­stra­ße mit ihrer grün­der­zeit­li­chen Bebau­ung wird eher als urba­ner Raum wahr­ge­nom­men als die­ser drei­ecki­ge Vor­platz zum Kran­ken­haus. Auf die Idee, sich hier für län­ge­re Zeit hin­zu­set­zen, kommt hier wohl niemand.

Sparrplatz

Groß ist der lang­ge­zo­ge­ne, 1897 nach dem ers­ten Feld­mar­schall Otto Chris­toph Frei­herr von Sparr (1599–1668) benann­te Platz im Spren­gel­kiez ja durch­aus. Kuri­os ist, dass auf bei­den Platz­sei­ten die Sparr­stra­ße ver­läuft – eine Post­adres­se Sparr­platz gibt es nicht. Herr­mann Mäch­tig leg­te 1902 einen Ent­wurf zur Gestal­tung vor, 1919 und 1931 gab es eine erneu­te Umge­stal­tung. 1950 und 1954 erfolg­te eine Neu­an­la­ge, bei der Gehölz­grup­pen gepflanzt und Spiel­plät­ze errich­tet wur­den. Durch das Quar­tiers­ma­nage­ment, das sich nach dem Platz (und nicht nach dem Spren­gel­kiez) benannt hat, ist viel Geld in die Moder­ni­sie­rung der Anla­ge geflos­sen. Heu­te gehört der Platz wie­der zu den ange­neh­me­ren Orten im Wed­ding, zumin­dest tags­über und im Sommer.

Nettelbeckplatz

NettelbeckplatzJoa­chim Chris­ti­an Net­tel­beck ver­tei­dig­te sei­ne Stadt Kol­berg gegen Napo­le­on. Der Platz, wo sich die Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße, die Lin­dower und die Gericht­stra­ße kreu­zen, heißt seit 1884 nach die­sem Kauf­mann. Zuletzt 1985 wur­de der Platz umge­stal­tet, er ist seit­her ver­kehrs­be­ru­higt. Es ist einer der ganz weni­gen Plät­ze im Wed­ding, auf denen man sich auf einer gro­ßen run­den Bank unter Bäu­men nie­der­las­sen kann. Ein Denk­mal namens “Tanz auf dem Vul­kan” (1988) gibt dem run­den Stadt­platz einen Mit­tel­punkt. Die Wie­der­eröff­nung der Ring­bahn mit dem S‑Bahnhof Wed­ding hat sicher auch dazu bei­getra­gen, dass der Net­tel­beck­platz an Auf­merk­sam­keit hin­zu­ge­won­nen hat. Mit dem Kik­i­Sol, dem “Magen­dok­tor” und der Gericht­stra­ße ist der Platz im Mit­tel­punkt eines sich ent­wi­ckeln­den Nacht­le­bens. Als Platz, der für den Wed­ding eine zen­tra­le Bedeu­tung besitzt, wird der Net­tel­beck­platz aller­dings noch nicht wahrgenommen…

Pekinger Platz

1905 wur­de der drei­ecki­ge Platz am Nord­ufer des Schif­fahrts­ka­nals nach der chi­ne­si­schen Haupt­stadt benannt. Damit soll­te an die Beset­zung Pekings durch Trup­pen der Groß­mäch­te unter deut­scher Füh­rung im Jahr 1900 erin­nert wer­den. Das “Café Acht­eck”, ein denk­mal­ge­schütz­tes Pis­soir, stammt aus dem Jahr 1890. Nach­dem der Platz nach dem Krieg als Trüm­mer­ab­la­de­platz gedient hat­te, wur­de er 1949 wie­der als Park errich­tet. 2010 wur­de der Park neu gestal­tet und die Stra­ße Nord­ufer ver­kehrs­be­ru­higt. Seit­her gibt es zahl­rei­che neue Fit­ness-Spiel­ge­rä­te auf der Pro­me­na­de mit Was­ser­la­ge. Auch gibt es mit dem “Aus­zeit” direkt am Platz ein belieb­tes Café. Fazit: Der Pekin­ger Platz ist unbe­strit­ten Wed­dings schönst­ge­le­ge­ner Platz!

Es gibt natür­lich noch mehr Plät­ze im Wed­ding, z.B. den Zep­pe­lin­platz. Wel­cher Platz gefällt euch am wenigs­ten? Und gibt es Plät­ze, die ihr als “schön” bezeich­nen würdet? 

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekin­ger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebau­te Wohn­vier­tel rund um die Spren­gel- und die Tege­ler Stra­ße ver­fügt neben einer weit­ge­hend intak­ten Alt­bau­sub­stanz aus der Grün­der­zeit über eine rich­ti­ge Was­ser­la­ge. Im Süd­wes­ten des Kiezes ver­läuft näm­lich der Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal. Die aus­ge­bau­te Ufer­pro­me­na­de mit ihren reprä­sen­ta­ti­ven Wohn­häu­sern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spa­zier­gän­gen und zu Café­be­su­chen ein. Wie an kei­ner ande­ren Stel­le im Wed­ding rei­hen sich hier gas­tro­no­mi­sche Betrie­be anein­an­der, sowohl tra­di­tio­nel­le Knei­pen (Lin­den­gar­ten, Deich­graf) als auch neue­re Cafés und Restau­rants (Fünf­und­sech­zig, Aus­zeit). Eben­falls im Spren­gel­kiez besteht seit vie­len Jah­ren die Wed­din­ger Haus­braue­rei Eschen­bräu, wo man im Som­mer in einem schat­ti­gen Bier­gar­ten im Hin­ter­hof sit­zen kann. In den letz­ten Jah­ren wur­de durch ein Quar­tiers­ma­nage­ment viel in die vor­han­de­nen Spiel­plät­ze investiert.

Neben dem Sparr­platz und dem Pekin­ger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Spren­gel­park zu nen­nen. Auf dem 10 000 qm gro­ßen ehe­ma­li­gen Indus­trie­are­al (hier wur­den Was­ser­flug­zeu­ge gebaut) zwi­schen der Kiautschoustra­ße und der Spren­gel­stra­ße haben Land­schafts­pla­ner einen urba­nen Sport- und Spiel­park mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der klei­ne, aber fei­ne Sprengelpark

Im Spren­gel­kiez und in sei­ner unmit­tel­ba­ren Umge­bung befin­den sich wich­ti­ge öffent­li­che Ein­rich­tun­gen, deren Bedeu­tung weit über den Wed­ding hin­aus­reicht. Zu nen­nen ist hier vor allem das Robert-Koch-Insti­tut am Nord­ufer. Das 1891 gegrün­de­te Insti­tut ist die zen­tra­le Über­wa­chungs- und For­schungs­ein­rich­tung der Bun­des­re­pu­blik für Infek­ti­ons­krank­hei­ten. Es befin­det sich in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft zum Rudolf-Virchow-Kran­ken­haus (heu­te: Cha­ri­té Cam­pus Virchow). Die zen­tra­le Ber­li­ner Aus­län­der­be­hör­de liegt eben­falls am Kanalufer, jedoch auf der gegen­über­lie­gen­den Moa­bi­ter Sei­te. Sie ist mit dem Torf­stra­ßen­steg an den Spren­gel­kiez ange­bun­den. Auch Beschäf­tig­te und Stu­die­ren­de der nahe gele­ge­nen Beuth-Hoch­schu­le drü­cken dem Spren­gel­kiez ihren Stem­pel auf. Daher fin­det man in die­sem Kiez mehr stu­den­ti­sches Ein­flüs­se und die pas­sen­de Infra­struk­tur als in ande­ren Vier­teln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torf­stra­ßen­steg

Da das Indus­trie­ge­län­de an der Spren­gel­stra­ße erst am Ende des 19. Jahr­hun­derts auf­ge­ge­ben wur­de, konn­te sich der west­li­che Teil des Kiezes am Nord­ufer erst um 1900 her­um zu einem Wohn­ge­biet ent­wi­ckeln. Die reprä­sen­ta­ti­ve Gebäu­de­grup­pe zwi­schen Feh­mar­ner Stra­ße, Nord­ufer und Buch­stra­ße ist ein beson­ders gelun­ge­nes Bei­spiel für genos­sen­schaft­li­chen Reform­woh­nungs­bau. Vor allem die Eck­bau­ten, davon eines sogar mit einem Dop­pel­gie­bel, prä­gen das Kanalufer an die­sem Abschnitt. Auch das Eck­haus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein groß­bür­ger­li­cher Pracht­bau, wie es ihn im Wed­ding eher sel­ten gibt. Die Oster­kir­che liegt an der Samoa­stra­ße / Spren­gel­stra­ße und damit exakt in der Mit­te des Spren­gel­kiezes. Die wuch­ti­ge Back­stein­kir­che ist in die Ecke eines Blocks gebaut und ver­eint Kir­chen­schiff, Turm und Pfarr­haus in einem ein­zi­gen Gebäu­de. Das gewöl­be­lo­se Kir­chen­in­ne­re ist mit pracht­vol­len Male­rei­en ver­se­hen. Das Geschäfts­zen­trum des immer belieb­ter und damit auch teu­rer wer­den­den Spren­gel­kiezes ist neu­er­dings die Tege­ler Stra­ße mit ihren vie­len Cafés, Restau­rants und Fach­ge­schäf­ten. Aber auch in die Spren­gel­stra­ße zieht es Nacht­schwär­mer (in das gleich­na­mi­ge Musik­lo­kal) oder in die vie­len klei­nen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Rich­tung Mül­ler­stra­ße ist der Kiez stär­ker von sozia­len Pro­ble­men geprägt, was vor etli­chen Jah­ren auch der Grund für die Ein­rich­tung des Quar­tiers­ma­nage­ments Sparr­platz war. Der namens­ge­ben­de Platz ist eine lang­ge­zo­ge­ne Grün­an­la­ge mit Bolz- und Spiel­plät­zen. Genau in die­ser Lage ist mit dem Prime-Time-Thea­ter an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kul­tu­rel­ler Anzie­hungs­punkt von ber­lin­wei­ter Rele­vanz ent­stan­den. Des­sen Allein­stel­lungs­merk­mal ist eine fort­lau­fen­de Sei­fen­oper auf der Büh­ne namens “Gutes Wed­ding, schlech­tes Wed­ding”. Doch anders als bei dem ver­meint­li­chen TV-Vor­bild gibt es bei die­sem Thea­ter­spaß mit Wed­din­ger Ori­gi­na­len ech­tes Geläch­ter eines glän­zend unter­hal­te­nen Publi­kums. Direkt neben­an liegt die Ber­li­ner SPD-Zen­tra­le (Kurt-Schu­ma­cher-Haus) – tra­di­tio­nell eng mit dem “roten Wed­ding” ver­bun­den. Bedeu­tend für den gan­zen Orts­teil ist auch das Job­cen­ter direkt gegen­über – unter­ge­bracht in einem typi­schen Arbeits­amts­ge­bäu­de aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefs­kir­che an der Müllerstraße