Baustellenführungen und Baustellenrallye

Schiller Bibliothek EingangsbereichZum Tag der Städtebauförderung am 21. Mai

Am Samstag, dem 21. Mai findet wieder der »Tag der Städtebauförderung« statt – in über 500 Städten und Gemeinden in ganz Deutschland. Besonders engagiert dabei ist der Bezirk Berlin-Mitte. Dort finden mehr Veranstaltungen statt als in irgendeinem anderen Bezirk der Stadt. Auch das Aktive Zentrum Müllerstraße ist wieder dabei. Am 21. Mai kann man sich in der neuen Schiller-Bibliothek über einige ausgewählte Projekte informieren, die mit Hilfe des Städtebauförderprogramms »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« im Sanierungsgebiet Müllerstraße realisiert wurden oder noch realisiert werden sollen. Dabei kann man natürlich auch mit den dafür zuständigen Mitarbeitern des Bezirks sowie des Büros Jahn, Mack und Partner ins Gespräch kommen, das für die Prozesssteuerung im Gebiet zuständig ist. Auch die Stadtteilvertretung mensch.müller wird mit einem eigenen Informationsstand vertreten sein. Zudem gibt es stündlich Baustellenführungen, und am Ende wird feierlich der neue Kinderspielplatz auf dem Zeppelinplatz eröffnet.

Nordufer: Immer am Kanal lang – die entspannteste Straße im Wedding

Nordufer Schiffahrtskanal TorfstraßenstegDer Name deutet es schon an – das Nordufer liegt am Wasser. Kaum eine andere Weddinger Straße deckt ein so breites Spektrum an ungewöhnlichen Bauwerken ab: von einer Schleuse über ein historisches Freibad, eine Krankenhausstadt, ein Mausoleum für einen weltberühmten Forscher, über eine denkmalgeschützte Wohnanlage bis hin zu einem „Café Achteck“.

Bau der S 21: Konsequenzen für den Sprengelkiez

Die ersten Bäume sind gefällt, das Ufer am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal wird umgepflügt, der Uferradweg ist gesperrt und es ist nicht mehr zu übersehen: im Februar haben die Arbeiten für die neue S-Bahn-Linie 21 begonnen. Zurück geht diese Maßnahme auf einen Planfeststellungsbeschluss von 2005. Nach zwei Informationsveranstaltungen der Deutschen Bahn im betroffenen Sprengelkiez bleiben mehr Fragen als Antworten. 

Regionalzug auf der Bahnbrücke, Foto: D_Kori
Regionalzug auf der Bahnbrücke, Foto: D_Kori

Beim zweiten Informationsabend war ein Vertreter der Verkehrsverwaltung, Herr Wustrow, anwesend, um Auskunft über die veränderte Verkehrsführung zu geben . Dem Wenigen, was wirklich dazu gesagt wurde, war zu entnehmen, dass es keine Planungen gibt. Weder rechne man mit höherem Verkehrsaufkommen noch mit steigender Lärmbelästigung.

So wird der Verkehr heute durch den Kiez geführt

Momentan führt der Durchgangsverkehr durch die Tegeler Straße. Vom Hauptbahnhof kommend wird die Strecke durch den Kiez als Transfer zur Autobahn oder in den Norden benutzt. Zunehmender Schwerlastverkehr sorgt für Lärmbelastung, zumal die Tegeler Straße bis zur Lynarstraße Kopfsteinpflaster führt. Das Friedrich-Krause-Ufer steht zwar (theoretisch) zur Verfügung,wird aber nicht in dem Sinne genutzt, wie es wünschenswert wäre. Zudem ist diese Uferstraße seit Monaten wegen einer Baustelle eine Sackgasse. Herrn Wustrow war das nicht bekannt, so dass er auch nicht sagen konnte, wer dafür verantwortlich ist (vermutlich Vattenfall). An dieser Baustelle passiert aktuell nichts, typisch für Planungen in dieser Stadt.

Das wird sich durch den Brückenbau ändern

Die Tegeler Straße wird für den Durchgangsverkehr geschlossen, es werden zu beiden Seiten Sackgassen entstehen. Die Bahn hat sich verpflichtet, eine Ersatzstraße als Zugang für den Kiez von der Fennstraße kommend zu bauen. Das wird das „neue Nordufer“, das Ende 2014 eröffnet werden soll, wenn die Tegeler Straße geschlossen wird.

Im Zick-Zack durch den Sprengelkiez?

So wird die S 21 in die Verkehrssituation eingreifen
So wird die S 21 in die Verkehrssituation eingreifen

Der Busverkehr wird von der Fennstraße kommend über das Nordufer in die Lynarstraße und dann zurück auf die Tegeler Straße geführt. Der Rest des Durchgangsverkehrs wird ebenfalls diesen Verlauf nehmen und noch eine weitere Alternative haben, nämlich weiter geradeaus und dann rechts in die Samoastraße. Diese Möglichkeit wird wahrscheinlich im Lauf der Zeit beliebter werden, denn die Autofahrer werden diese Route bevorzugen, weil der „Schlenker“ über die Lynar-/Tegeler Straße und eine Ampelanlage entfällt. Beide Routen werden mindestens zweispurig angelegt werden müssen (eine Einbahnstraßenregelung ist nicht vorgesehen). Dadurch werden im Bereich der Lynar- und Samoastraße Anwohnerparkplätze wegfallen, denn die Autos können dort nicht mehr quer zum Bürgersteig parken. Auch die jetzige Nordufer-Sackgasse dürfte für Parkplätze nicht mehr in Frage kommen. Kurz noch zur Erinnerung, welche Einrichtungen sich auf diesen beiden Routen befinden:

Lynarstraße/Tegeler Straße: Spielplatz – Kindertagesstätte – Schule

Samoastraße: Der Pekinger Platz mit Spielplatz und dem nahen Sprengelpark

Lärmbelästigung vorprogrammiert

Bauvorbereitende Maßnahmen am Kanalufer
Bauvorbereitende Maßnahmen am Kanalufer

Am stärksten betroffen ist die Lynarstraße. Die Straße führt ab der Einmündung des Nordufers bis zur Ampel Tegeler Straße Kopfsteinpflaster. Auf diesem kurzen Teilstück wird bis zur Ampel nur beschleunigt. Dazu kommt permanenter Lärm durch die Wartezeit an der Ampel und dann wieder Beschleunigung beim Einbiegen in die Tegeler Straße. Auf diesem Stück ist in Stoßzeiten mit Staus zu rechnen. Hinzu kommt der Lärm von dann drei Bahntrassen – schon heute ist eine Benutzung der Balkone der Anwohner fast unmöglich.

In diesem Zusammenhang gab es auf dem Treffen am 23. Februar eine sehr interessante Bemerkung von Herrn Wustrow, dem Beauftragten der Senatsverwaltung. Demnach hat die Deutsche Bahn die vereinbarte Anzahl von Gütertransporten (insbesondere die Tanklastzüge, die vornehmlich nachts verkehren), eigenmächtig um ein Vielfaches überschritten: „Das ist bekannt und man wird das im Auge behalten“, betonte Wustrow. Leider ist das zu wenig und hilft niemandem. Bemerkenswert ist, dass die Deutsche Bahn sich einfach so über Vereinbarungen hinwegsetzen darf!

Die gesamte Lärmbelästigung dürfte also um ein Vielfaches steigen, denn angesichts der fehlenden Planung ist natürlich auch nicht vorgesehen, den Straßenbelag der Lynarstraße zu verändern. „Man wird das im Auge behalten“, glücklicherweise.

Sämtliche Verkehrszählungen und Messungen, die man vor dem Bau der S 21 durchgeführt hat, sind acht bis zehn Jahre alt. Hinsichtlich der Erhebungen von 2010, die angeblich durchgeführt wurden, habe ich keine Informationen gefunden.

Auf lange Sicht wird sich der Verkehr noch verschärfen, spätestens, wenn die neue „Europacity“ an der Heidestraße gebaut ist, wird sich der Durchgangsverkehr multiplizieren.

Für die Alternativroute zur Samoastraße gilt ähnliches: auch hier führt die Straße Kopfsteinpflaster, mit Staus an der Ecke zur Sprengelstraße muss gerechnet werden, da eine Rechts vor Links-Regelung gilt. Alternativ könnte man eine Ampel installieren. Dies dürfte jedoch nicht geschehen, denn so etwas sehen „Nullplanungen“ eben nicht vor.

Das Nordufer wird, mit etwas zögerlicher Verbindlichkeit von Herrn Wustrow, verkündet, geschlossen bleiben. Man wird sehen. Glauben kann man das wohl erst, wenn die im Planfeststellungsbeschluss festgeschriebene Begrünung durchgeführt wird. Bis dahin kann alles geschehen, man müsste nur die Poller wieder abbauen – der Straßenbelag ist noch vorhanden. Damit hätte man die ideale, billigste und unkomplizierteste Anbindung an die Autobahn, die denkbar ist. Ob das nun beschlusskonform ist oder nicht, die Erfahrung zeigt, dass irgendwelche Paragraphen immer benutzbar sind, um andere aufzuweichen.

Auf Auto-Irrfahrt durch den Kiez

Tegeler Ecke Lynarstr.
Tegeler Ecke Lynarstr.

Man kann die Psyche des Autofahrers nicht beeinflussen, dies hat die jüngste Vergangenheit gezeigt. Selbst das Angebot eines zweiten Richtungspfeils an der Heidestraße hat den Gewohnheitsfahrer nicht davon abgebracht, sich durch die Tegeler Straße zu quälen. Es sind ein paar Meter weniger als über das Friedrich-Krause-Ufer auf der anderen Kanalseite. Und dann noch die zwei Ampeln …

Das heißt nichts weiter, als dass der normale Autofahrer auch weiterhin durch den Kiez fahren wird.

Er/Sie kann nur die zwei o.g. Varianten wählen. Es wird keine Alternativen geben und ob dann irgendwelche Messungen vorgenommen werden, steht in den Sternen. Zumal ja sowieso erst „mal alles im Auge behalten wird“. Dieser Satz fiel übrigens am 23. Februar öfter. Leider hilft es den Anwohnern nichts. Durch zu geringe Schutzmaßnahmen bei steigendem Verkehr wird weder dem Bahnlärm, noch dem zusätzlichen Straßenlärm Rechnung getragen. So hat z. B. der Senat für die neue Trasse keine Lärmschutzmaßnahmen vorgegeben. Im Gegenzug empfiehlt der Autor, einmal eine Messung in der Tegeler Straße /Nordufer/ Lynarstraße in der Zeit von 23 Uhr bis 1 Uhr vorzunehmen, wenn im 5 – 10-Minuten-Takt die Güterzüge durchfahren.

Unter dem Strich bleibt beim Stand der Dinge, dass von Seiten der zuständigen Behörden (und nur die sind zuständig, die Bahn ist raus) keine Hilfe, zumindest schnelle, zu erwarten ist, wenn die Straßenbauarbeiten abgeschlossen sind. „Man wird alles im Auge behalten“.

Dabei gäbe es Alternativen

Foto0945[1]Damit niemand Beschwerde führen kann für die Zeit nach Schließung der Tegeler Straße und Öffnung des Nordufers, gibt es natürlich auch einen Gegenentwurf und recht kostengünstige Empfehlungen:

Die Einfahrt über das neue Nordufer könnte beschränkt werden auf Anlieger, die BVG, Versorgungsfahrzeuge, Polizei und Notfallfahrzeuge.

Der Durchgangsverkehr könnte über das Friedrich-Krause-Ufer geleitet werden, denn genau da ist er am besten aufgehoben, weil er niemanden stört. Dort gibt es so gut wie keine Wohnbebauung. Schwerlastverkehr ist generell im Kiez verboten (bis auf die Ausnahmen).

Die Maßnahmen, die für dieses Konzept zu ergreifen sind, verursachen sehr wenig Kosten (Verkehrsschilder/Straßenbeschriftung). Allerdings erfordern sie konsequentes und zügiges politisches Handeln.

Ausblick für den Sprengelkiez

Was zu befürchten ist: wenn das Nordufer geschlossen bleibt, wird es eine Teilung der Bewohnerschaft des Kiezes geben. Nämlich in die, die von der veränderten Verkehrsführung betroffen sind und in die, die davon überhaupt nichts mitbekommen (also alle westlich des Pekinger Platzes). Das erschwert es natürlich, dass sich möglichst viele aktiv an der Kiezgestaltung beteiligen. Wobei man ja nicht außer Acht lassen sollte, dass die Verkehrsberuhigung des gesamten Kiezes Vorrang haben sollte.

Da die Veränderungen erst Ende 2014 greifen werden, werden sich weder Senat noch BVV mit dem Thema beschäftigen müssen. Der Planfeststellungsbeschluss erging, ohne verbindliche Regelungen zu finden, wie die Anwohner von der veränderten Verkehrsführung zu entlasten sind. Die Schließung das Nordufers am Pekinger Platz allein reicht nicht aus. Aber so, wie es aussieht, lassen die politisch Verantwortlichen alles laufen.

Deshalb wäre es nicht schlecht, in den nächsten 36 Monaten immer mal wieder ein Zusammentreffen interessierter Anwohner zu organisieren, um sich zu informieren und im Gespräch zu bleiben. Denn wenn man erst mit der Arbeit anfängt, wenn alles zu spät ist, dann können wir auch unsere Lokalpolitiker nicht mehr einbinden und das wäre ein Versäumnis. Und die Dinge zu tun, die im Zuge der neuen Verkehrssituation im Kiez zu tun sind, ist keine Sache, die lange dauern muss. Nicht im Vollzug. Auf dem Weg dorthin schon. „Wir sollten es im Auge behalten.“ Auch wir Bewohner des Sprengelkiezes!

Autor: Jörg Reinhardt

Erläuterungen zu den Planungen

Plätze im Wedding

Fallen wir gleich mal mit der Tür ins Haus und behaupten: im Wedding gibt es eigentlich so gut wie keine schönen Stadtplätze. Entweder sind es vom Verkehr umtoste Freiflächen oder viel zu große unwirtliche Areale, als dass man sie als beliebte Treffpunkte mit städtischem Leben wahrnimmt. Hier eine Top Ten der Freiflächen, die das Wort Platz im Namen führen, von denen aber die wenigsten eine echte Aufenthaltsqualität besitzen:

Leopoldplatz

Ein langer harter Winter mit Schnee bis in den April...
Ein langer harter Winter mit Schnee bis in den April…

Der Schnittpunkt der Verkehrsschneisen Müllerstraße und Schulstraße, unter dem sich auch gleich zwei U-Bahn-Linien übereinander kreuzen, trägt seinen Namen seit 1891. Wie viele Straßen im Kiez bezieht sich der Name auf den Spanischen Erbfolgekrieg von 1701-1714. Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau (1676-1747) kämpfte auf Seiten Preußens und war auch als „der alte Dessauer“ bekannt. Eingerahmt wird der Platz auf der offenen Nordostseite von der zunächst kaum als Sakralbau erkennbaren Alten Nazarethkirche, die bis 1835 von Karl Friedrich Schinkel erbaut wurde. Die Freifläche zwischen den drei den Platz begrenzenden Straßen und der turmlosen klassizistischen Kirche ist ein traditioneller Marktstandort und besitzt mit der Skulptur „Adorant“ (Nachguss des Betenden Jünglings von 325 v.Chr.) ein bedeutendes Kunstwerk, allerdings gut versteckt an seinem südwestlichen Rand. Trotz seiner überbezirklichen Bedeutung (vor allem durch das Karstadt-Kaufhaus und die U-Bahn-Kreuzung) ist der eigentliche Platz ein eher zugiger Ort, an dem man sich nur ungern länger aufhält als unbedingt notwendig. Die vorletzte Umgestaltung des „Leo“ datiert aus dem Jahr 1984, und eine Aufwertung des in die Jahre gekommenen Platzes ist in Angriff genommen worden. Doch der Platz zieht sich, hinter der Schinkelkirche, noch über drei Baublöcke hinaus als langgezogenes Rechteck. Hier hat der „Leo“ eher Grünflächencharakter. Dort befinden sich Spielplätze und ein neu angelegter „Trinkerbereich“. Die Neue Nazarethkirche (1891-93) mit ihrem 78 Meter hohen Turm prägt den östlichen Platzteil. Den namenlosen Vorplatz vor dem Rathaus Wedding, der in Sichtweite, jedoch auf der anderen Seite der Müllerstraße liegt, kann man im weitesten Sinne ebenfalls als Bestandteil des Leopoldplatzes bezeichnen.

Nauener Platz

Ein „Nicht-Platz“ erster Güte. Er befindet sich im Schnittpunkt von Schul- und Reinickendorfer Straße, darunter ein in den 1970ern eröffneter U-Bahnhof in Pop-Art-Optik, 1910 benannt nach der brandenburgischen Kleinstadt. Interessanter ist da schon die Nutzung des öffentlichen Raums an seiner Nordostecke durch verschiedene Generationen. Das Umfeld rund um das „Haus der Jugend“, einst u.a. Standort der Kinderbibliothek, wurde 2009 unter dem Motto „Nauener Neu“ umgestaltet. Hier befinden sich Spiel- und Bolzplätze, u.a. auch Spielgeräte für Senioren. Auf den zweiten Blick ein sehr lebendiger Platz!

Weddingplatz

Historisch interessanter Platz an der Stelle, wo die Reinickendorfer Straße im schrägen Winkel auf die Müllerstraße trifft. Einst hieß er Kirchplatz, was sich auf eine nicht mehr nachweisbare Kirche im wüst gefallenen Dorf Wedding beziehen könnte, wurde aber 1835 umbenannt. Denn auf seiner Fläche befand sich zuvor das Vorwerk Wedding. Die Dankeskirche in seiner Mitte wurde bis 1885 von August Orth errichtet, im 2. Weltkrieg zerstört und durch einen 1972 eröffneten symmetrischen Neubau von Fritz Bornemann ersetzt, bei der der Glockenturm in die Außenwand integriert wurde. Bedeutsam ist der Firmensitz der Firma Schering an seinem Westrand seit 1871 – das Pharmaunternehmen wurde 2006 von der Bayer AG übernommen. Das bis 1974 erbaute 16-geschossige Verwaltungsgebäude wurde später für seine Integration in den Stadtraum prämiert! Unstrittig dürfte sein, dass dieser von Kriegszerstörungen geprägte und durch Gebäude im Zeitgeist der 1970er Jahre ergänzte Platz ein vom Verkehrslärm umtoster, unwirtlicher Ort ist, der trotz seines Namens wohl kaum als identitätsstiftend für den Wedding gelten kann und auch als Platz so gut wie niemandem bekannt ist.

Nachtigalplatz

Auf dem Nachtigalplatz
Auf dem Nachtigalplatz

Städtebaulich interessante Lösung an einer Stelle, wo sich die Togostraße und die Petersallee rechtwinklig treffen und die Afrikanische Straße das Ganze dann im 45-Grad-Winkel schneidet. Um diese vermurkste Kreuzungssituation herum wurde ein rechteckiger Platz mit einheitlich gestalteten Wohnbauten angelegt; in den vom Verkehr freigelassenen Freiflächen befinden sich triste Rasenflächen. Grünanlage kann man diese Platzsituation beim besten Willen nicht nennen. Ein Defizit an Grünflächen beklagen die Anwohner aber nicht, befindet sich doch nur ein paar Schritte weiter die 120 Hektar große Fläche des Volksparks Rehberge mit den ausgedehnten Kleingartenkolonien. Knatsch gibt es eher wegen des Namensgebers, dem Afrikaforscher Gustav Nachtigal. Die Umbenennung des Platzes wird insbesondere von antirassistischen Initiativen gefordert, ist aber derzeit politisch nicht umsetzbar.

Max-Josef-Metzger-Platz

Auf dem Max-Josef-Metzger-PlatzEinst der Courbièreplatz, benannt nach einem preußischen Feldmarschall (1733-1811), ist diese kleine Grünfläche umgeben von ein paar Wohnhäusern, der St.Josefkirche und der Arbeitsagentur Müllerstraße. Seit 1954 steht die Trümmersäule auf dem Platz, die an den Wiederaufbau erinnert, den Platz aber eher noch trostloser erscheinen lässt als ohnehin schon. Der 12 Meter hohe Pfeiler von Gerhard Schultze-Seehof ist mit Mosaikreliefs geschmückt. Der „Park“ drumherum wirkt insgesamt etwas ungepflegt, kein Wunder, dass der Platz im Volksmund Lausepark heißt. Da ist der auf der anderen Seite der Gerichtstraße liegende Urnenfriedhofspark mit dem Krematorium schon ein schönerer Blickfang. Der heutige Name des Platzes erinnert an einen streitbaren katholischen Theologen, der während des Zweiten Weltkriegs drei Jahre lang an der St.Josefkirche gegenüber des Platzes gewirkt hatte.

Louise-Schroeder-Platz

Hier, an der Grenze zwischen Mitte und Reinickendorf, hat man einen Platz nach Berlins erster Oberbürgermeisterin (1947/48) benannt. Der Tagesspiegel schreibt dazu: „Hat Louise Schroeder … diesen Platz verdient? Er ist ein vom Verkehr umtostes Mauerblümchen, ein stiller Treff der Trinkerszene. Vor allem ist er eine unfreiwillige Ausstellung der Schäden, die der Geldmangel Berlins an den öffentlichen Anlagen anrichtet. Es sind zwar noch Spuren minimaler Pflege zu erkennen, der Rasen ist leidlich gemäht, die Rosen heruntergeschnitten. Aber sonst? Die Zierbeete der westlichen Platzhälfte werden von Löwenzahn und Disteln überwuchert, der Zierteich auf der Ost-Hälfte sieht vor lauter Algen aus wie ein Sumpf. Und in die Wege hinein wuchert Unkraut, alles wächst wild, und in eine Ecke hat irgendjemand seine überzähligen Ikea-Schränke entsorgt.“ Muss man noch mehr dazu sagen?

Augustenburger Platz

Augustenburger Platz
Augustenburger Platz

Dieser Platz, benannt im Jahr 1901 nach einem Schloss in Dänemark, hat nur eine Hausnummer. Immerhin handelt es sich beim Adressaten um das Virchow-Klinikum der Charité. Wie ein Schloss mit einem repräsentativen Vorhof wirkt der zum Augustenburger Platz weisende ältere Teil des bis 1906 von Ludwig Hoffmann errichteten Krankenhausbaus. Der Platz selbst ist weniger attraktiv – eine ungepflegte Grünanlage mit U-Bahn-Eingang (Amrumer Straße). Die hier beginnende breite Torfstraße mit ihrer gründerzeitlichen Bebauung wird eher als urbaner Raum wahrgenommen als dieser dreieckige Vorplatz zum Krankenhaus. Auf die Idee, sich hier für längere Zeit hinzusetzen, kommt hier wohl niemand.

Sparrplatz

Groß ist der langgezogene, 1897 nach dem ersten Feldmarschall Otto Christoph Freiherr von Sparr (1599–1668) benannte Platz im Sprengelkiez ja durchaus. Kurios ist, dass auf beiden Platzseiten die Sparrstraße verläuft – eine Postadresse Sparrplatz gibt es nicht. Herrmann Mächtig legte 1902 einen Entwurf zur Gestaltung vor, 1919 und 1931 gab es eine erneute Umgestaltung. 1950 und 1954 erfolgte eine Neuanlage, bei der Gehölzgruppen gepflanzt und Spielplätze errichtet wurden. Durch das Quartiersmanagement, das sich nach dem Platz (und nicht nach dem Sprengelkiez) benannt hat, ist viel Geld in die Modernisierung der Anlage geflossen. Heute gehört der Platz wieder zu den angenehmeren Orten im Wedding, zumindest tagsüber und im Sommer.

Nettelbeckplatz

NettelbeckplatzJoachim Christian Nettelbeck verteidigte seine Stadt Kolberg gegen Napoleon. Der Platz, wo sich die Reinickendorfer Straße, die Lindower und die Gerichtstraße kreuzen, heißt seit 1884 nach diesem Kaufmann. Zuletzt 1985 wurde der Platz umgestaltet, er ist seither verkehrsberuhigt. Es ist einer der ganz wenigen Plätze im Wedding, auf denen man sich auf einer großen runden Bank unter Bäumen niederlassen kann. Ein Denkmal namens „Tanz auf dem Vulkan“ (1988) gibt dem runden Stadtplatz einen Mittelpunkt. Die Wiedereröffnung der Ringbahn mit dem S-Bahnhof Wedding hat sicher auch dazu beigetragen, dass der Nettelbeckplatz an Aufmerksamkeit hinzugewonnen hat. Mit dem KikiSol, dem „Magendoktor“ und der Gerichtstraße ist der Platz im Mittelpunkt eines sich entwickelnden Nachtlebens. Als Platz, der für den Wedding eine zentrale Bedeutung besitzt, wird der Nettelbeckplatz allerdings noch nicht wahrgenommen…

Pekinger Platz

1905 wurde der dreieckige Platz am Nordufer des Schiffahrtskanals nach der chinesischen Hauptstadt benannt. Damit sollte an die Besetzung Pekings durch Truppen der Großmächte unter deutscher Führung im Jahr 1900 erinnert werden. Das „Café Achteck„, ein denkmalgeschütztes Pissoir, stammt aus dem Jahr 1890. Nachdem der Platz nach dem Krieg als Trümmerabladeplatz gedient hatte, wurde er 1949 wieder als Park errichtet. 2010 wurde der Park neu gestaltet und die Straße Nordufer verkehrsberuhigt. Seither gibt es zahlreiche neue Fitness-Spielgeräte auf der Promenade mit Wasserlage. Auch gibt es mit dem „Auszeit“ direkt am Platz ein beliebtes Café. Fazit: Der Pekinger Platz ist unbestritten Weddings schönstgelegener Platz!

Es gibt natürlich noch mehr Plätze im Wedding, z.B. den Zeppelinplatz. Welcher Platz gefällt euch am wenigsten? Und gibt es Plätze, die ihr als „schön“ bezeichnen würdet? 

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekinger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander, sowohl traditionelle Kneipen (Lindengarten, Deichgraf) als auch neuere Cafés und Restaurants (Fünfundsechzig, Auszeit). Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit vielen Jahren die Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo man im Sommer in einem schattigen Biergarten im Hinterhof sitzen kann. In den letzten Jahren wurde durch ein Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.

Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal (hier wurden Wasserflugzeuge gebaut) zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der kleine, aber feine Sprengelpark

Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung weit über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde liegt ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Moabiter Seite. Sie ist mit dem Torfstraßensteg an den Sprengelkiez angebunden. Auch Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschule drücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez mehr studentisches Einflüsse und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torfstraßensteg

Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum zu einem Wohngebiet entwickeln. Die repräsentative Gebäudegruppe zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn im Wedding eher selten gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen. Das Geschäftszentrum des immer beliebter und damit auch teurer werdenden Sprengelkiezes ist neuerdings die Tegeler Straße mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Fachgeschäften. Aber auch in die Sprengelstraße zieht es Nachtschwärmer (in das gleichnamige Musiklokal) oder in die vielen kleinen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Richtung Müllerstraße ist der Kiez stärker von sozialen Problemen geprägt, was vor etlichen Jahren auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Der namensgebende Platz ist eine langgezogene Grünanlage mit Bolz- und Spielplätzen. Genau in dieser Lage ist mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem „roten Wedding“ verbunden. Bedeutend für den ganzen Ortsteil ist auch das Jobcenter direkt gegenüber – untergebracht in einem typischen Arbeitsamtsgebäude aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefskirche an der Müllerstraße