Was, wann, wo Wedding (26. Woche)

Endspurt vor den Sommerferien, die in einer Woche beginnen! Von Müdigkeit keine Spur: Am Gartenplatz wird der 125. Geburtstag eines Wahrzeichens gefeiert, denn so lange steht die Kirche St. Sebastian bereits am Platze. Das Literaturfestival Afrolution 2018 ist dagegen eine eher junge Idee – es lädt zu Lesungen, Performances, Diskussionen, Workshops, Kieztouren und vielem mehr ein. Im City Kino Wedding gibt es die letzte (besondere) Filmvorführung vor der Sommerpause. Und dann ist das natürlich wieder das Ausstellungs- und Eröffnungswochenende der Kolonie Wedding. Dies und viel mehr steckt in unserer Übersicht.

Unverblümt Kulturexpedition #16

Das Plakat für die 16. Ausgabe von Unverblümt. Plakat: georg+georg
Das Plakat für die 16. Ausgabe von Unverblümt. Plakat: georg+georg

Am 30. Juni ab 18.30 Uhr findet die dritte Unverblümt Kulturexpedition in diesem Jahr statt. Los geht es diesmal in der Galerie Wedding in der Müllerstraße. Hier gibt es die Gelegenheit, die Gruppenausstellung „Berlin Wedding. Ein Stadtteil – 16 fotografische Positionen“ zu besuchen, die an diesem Tag mit der Veröffentlichung des durch Crowdfunding finanzierten Fotobuches endet.

„Liebes Wedding“ – Berlins erste deutsch-türkisch-polnische Veranstaltungsreihe

liebes-wedding_titelbild_1200x6003„Ähm, ursprünglich aus Polen“ und „Ja, meine Eltern sind in der Türkei geboren“ – zwei Sätze, die tausende junger Deutsch-Polen und Deutsch-Türken schon zig Mal gesagt haben. Doch die beiden größten Migrationsgruppen Berlins wollen nicht immer nur reden, sondern gemeinsam feiern – mit allen Interessierten aus dem Wedding.

Café Morena: Kneipe und Galerie

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Café Morena, 2017 [Foto: Sulamith Sallmann]
Kneipencharme meets Kunst. So könnte man es nennen, denn Chrissi betreibt ihre illustre Trinkstube zusammen mit der Kunstgalerie Montagehalle der Schwestern Sabrina und Sandra Schieke. Gepflegt wird im Café Morena Bier konsumiert, eine Kugel auf dem Billardtisch geschoben, mal ein Dartpfeil geworfen oder mit den Herrschaften über Alltagsproblemchen philosophiert. Bis sich die Tür zu den Nebenräumen öffnet, denn dann gilt es Kunstwerke und die dazugehörigen Künstler/innen zu bestaunen, bisweilen bei Vernissagen kleine Häppchen zu verspeisen und noch mehr Bier für die gute Stimmung zu konsumieren. Hinter allem steckt Herz und Seele. Von der Einrichtung bis zu den Stammtischleuten, die jeden neugierig willkommen heißen, über regelmäßige Konzerte für aufstrebende Musiker/innen und wechselnde Ausstellungen.

Café Morena, Malplaquetstraße, Kneipe, Wedding
Café Morena, 2017 [Foto: Sulamith Sallmann]
Eine hinreißend kultige Berliner Kneipe, die immer für eine Überraschung gut ist.

Cafe Morena. Foto Dominique Hensel.
Cafe Morena. Foto Dominique Hensel.

Autorin: Laura Warskulat

Malplaquetstraße 25 l., geöffnet Mo-Fr 10.30 – 22 Uhr, Sa/So 10.30 – ?

Website

Dieser Beitrag ist eine Veröffentlichung aus dem downloadbaren Gastroführer für den Malplaquetkiez. Dieser wurde vom Quartiersmanagement Pankstraße gefördert.

„Wedding Works“: von Hand gemacht im nördlichen Wedding

In diesem Blog haben wir schon über einige der Manufakturen im Wedding berichtet, die hier günstige Produktionsbedingungen für ihre Nischenprodukte gefunden haben. Nun arbeiten vier räumlich nah beieinander liegende Manufakturen zusammen. Den Produkten ist eines gemeinsam: sie sind alle handgemacht und haben mit Massenware nichts zu tun.

Uta Koloczek und ihr ErfolgsproduktWer sich für Kreatives im Wedding interessiert, sollte sich den 23., 24. und 25. November für die „Wedding Works“ vormerken. Etwas abseits der Müller- und der Seestraße haben sich um die Kameruner Straße herum einige Manufakturen angesiedelt. Dabei dienen den Kreativen die Ladenlokale in erster Linie als Produktionsorte. Dadurch sind leider keine regelmäßigen Öffnungszeiten möglich. Deshalb laden sie erstmalig gemeinsam am letzten November-Wochenende unter dem Titel „Wedding Works“ zu sich ein. Der Titel ist zugleich auch Programm, denn im Mittelpunkt steht das Handwerk. Jeder produziert selbst und zwar vor Ort. Es ist, wenn man so mag, der Gegenentwurf zur Welt der Massenproduktion.

Den Kreativen über die Schulter schauen

Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)
Haus der feinen Kost (Foto: Elke Stamm)

Die Stadtteilvertretung Müllerstraße, die als Jury über die Gelder des Gebietsfonds wacht, fand die Idee spannend und unterstützt somit das Projekt auch finanziell. Das Ganze war zunächst für den Sommer geplant, die Haushaltssperre führte zu einer mehr monatlichen Verzögerung.„Wedding Works“ beinhaltet eine Eröffnung, ein Kulturprogramm und Führungen. Im Vordergrund stehen die handwerklichen Techniken, vor allem am Samstag und Sonntag. Da kann jeder, der mag, den Kreativen über die Schulter schauen. Es soll aber auch mitgemacht, mitgedacht und probiert werden z.B. bei der Herstellung von Gürteln, dem Gießen von Porzellan, dem Entwerfen von Kleidern oder bei der Verkostung von Salatsoßen und Gewürzmischungen.

In Zukunft gemeinsam

Für die Zukunft wird als ein verbindendes Element ein Label entwickelt und ein Flyer mit den Standorten der Beteiligten herausgegeben. Es soll eine einheitliche Fahne für die Läden erstellt werden. Diese soll dann den Besuchern helfen, die Werkstätten zu finden und darauf hinweisen, dass sie geöffnet sind. Mit dabei sind das „Haus der feinen Kost“, die „manuFACTORY“, die „Montagehalle-Berlin“ sowie „Leevenstein“.
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Wedding Works

23. – 25. November

verschiedene Läden im Afrikanischen Viertel

Montagehalle Berlin: Der Stoff, aus dem Weddinger Mode ist

Die Montagehalle ist ein heller, freundlicher Ort – irgendwie aufgeräumt, aber doch gemütlich. Es gibt raue, weiß verputzte Wände, eine Regalwand mit künstlerischen Grafiken. Da sind farbenfrohe Tücher zu bewundern und Jersey-Schlangen in (fast) allen Regenbogennuancen, die berühmten „Frühlingsröllchen“. Etliche Kleiderpuppen und -ständer präsentieren Shirts, Röcke und Roben von leuchtend bunt über flippig mit Stempeldrucken bis dezent und edel.

Der Name „Montagehalle Berlin“ ist einerseits das Label der gemeinsamen Kollektion von Annette Haußknecht und Suse Stock, andererseits der Name ihres Geschäftes in der Togostraße 79 a in Berlin-Wedding. Es ist gleichzeitig Verkaufsstätte und Arbeitsplatz für zwei Modeschaffende und eine Grafikerin, eine Kreativwerkstatt eigentlich. So gesehen ist die „Halle“ im Namen wohl mit einem Augenzwinkern gemeint.

Im weißen Kittel geheiratet

Eine Kundin in der "Montagehalle"
Eine Kundin in der „Montagehalle“

„Kittel, damit fing es bei mir an. Praktische Kleidungsstücke mit Taschen für allen möglichen Krimskrams sollten es sein“, erzählt Suse Stock, die Modedesign studiert hat. Dass ihre Kittel nichts mit jenen zu tun haben, die Oma früher praktisch Tag und Nacht getragen hat, davon kann man sich in der Montagehalle Berlin überzeugen. Sie werden – wie alle Kleidungsstücke der Kollektion – maßgeschneidert. Es gibt unter anderem Varianten aus Jeans oder Seide, mal sportlich, mal elegant. Sogar alte OP-Kittel kommen, komplett umgearbeitet, zu ganz neuen Ehren. „Der Stoff ist wunderbar weich, weil er unzählige Male gewaschen wurde“, so Suse Stock.

Wie zum Beweis, dass sie von ihrer Geschäftsidee überzeugt ist, erzählt die gebürtige Düsseldorferin:  „Ich selbst habe sogar in einem weißen Seidenkittel geheiratet. Als Gag war eine kleine grüne Zielscheibe mit Pfeil darauf appliziert. Mein Mann trug die Gleiche am Anzug.“

„Wir verdrehen uns nicht!“

 Annette Haußknecht (links) und Suse Stock
Annette Haußknecht (links) und Suse Stock

Annette Haußknecht, die ursprünglich Architektin war und eher zufällig in die Modebranche gekommen ist, erklärt, dass jede von ihnen ihre eigenen Sachen produziere und die Arbeitsstile sehr unterschiedlich seien. „Suse zeichnet Skizzen und sucht danach die Stoffe aus. Ich hingegen mache das frei Schnauze. Ich habe einen Stoff und überlege mir dann, was ich draus mache“, erklärt die 42-jährige. So entstehen ausschließlich Unikate, die eine eigene Handschrift tragen: „Ballonröcke sind beispielsweise eine Spezialität von mir“, sagt Annette Haußknecht, die ebenfalls aus dem Rheinland stammt. „Wir inspirieren uns gegenseitig, lernen voneinander. Trotzdem verdrehen wir uns nicht, bleiben, wie wir sind.“ ergänzt Suse Stock. Weil das gut klappt, gibt es auch eine gemeinsame Kollektion.

Immer auf der Suche nach dem besonderen Stoff

Handgemacht und einzigartig: Frauenmode in der Montagehalle

Was beide Frauen besonders verbindet, ist die Liebe zum „Rohstoff“ ihres Schaffens. Oft begeben sie sich gemeinsam auf die Suche, nach den besonderen Stoffen, nach den kleinen, aber feinen Chargen. Und als logische Konsequenz verarbeiten sie die sorgfältig gewählten Textilien auch auf ganz besondere Weise. So werden zum Beispiel Webkanten als optisches Stilmittel in Szene gesetzt oder aus Probedrucken vom Anfang eines Stoffballens entstehen T-Shirts mit klaren graphischen Mustern.

Auf die Frage, wie handgemachte Mode sogar im Wedding funktioniert und wie es dazu gekommen ist, antwortet Annette Haußknecht: „Wir sind bewusst im Wedding, auch, um den Ort aufzuwerten. Wir wohnen hier, daher arbeiten wir auch hier.“ Die beiden Modemacherinnen wissen, dass ihr Geschäft einzigartig im Wedding ist. „Anfangs war ich schockiert, wenn die Leute nicht an uns glaubten. Wenn sie hier hereinkamen und uns ihre Zweifel mit der teilweise rauen Berliner Art rüberbrachten“, erinnert sich Annette Haußknecht.  Inzwischen ist es anders:  man ist bekannt, man wird erkannt.

Hochwertig und einzigartig

Von außen präsentiert sich die Montagehalle Berlin sehr exklusiv, fast minimalistisch. Hochwertig sind die Sachen von Suse Stock und Annette Haußknecht gewiss, keineswegs jedoch teuer. Die beiden bieten maßgeschneiderte Frauenkleidung zu echten Weddinger Preisen. Änderungen sind (fast) immer machbar.

Es lohnt sich, einzukehren und zu stöbern. Herz und Zentrum der Montagehalle Berlin bildet ein großer Tisch; gleichzeitig Arbeitsplatz für zwei, manchmal Zwischenstopp für den Nachwuchs zwischen Schule und daheim, immer auch Beratungsort. Annette Haußknecht meint: „Ich bin absolut überzeugt von Suses Sachen und sie von meinen. Wir stecken so viel Herzblut in die Arbeit, dass wir uns freuen, wenn die Kunden gezielt zu uns kommen.“

Autorin: Birgit Wahle

Montagehalle Berlin

Togostr. 79a
13351 Berlin

Tel. 030/81 70 55 12
info(at)montagehalle-berlin.de

Aktuelle Öffnungszeiten: Mo und Mi 15-18, Di und Do 9-12 Uhr
und immer wenn die weiße Fahne draußen hängt

 

An der Togostraße tut sich was

Ein ungewohntes Bild im WeddingDas Gebiet zwischen Togostraße, Kameruner Straße und der Seestraße ist das größte geschlossene Altbaugebiet im Afrikanischen Viertel in Berlin-Wedding. Ich habe den Eindruc, dass sich der Togokiez immer mehr zu einem Anziehungspunkt für Kreative entwickelt.  Kein Wunder, lebt es sich hier doch ganz passabel in preiswerten Altbauten. Die Verkehrsanbindung ist hervorragend, es gibt viel Gastronomie und ein Kino, und dauch ie vielen Einkaufsmöglichkeiten an der Müllerstraße und am Leopoldplatz sind nah.

Man muss jedoch den Kiez gar nicht verlassen – es lohnt sich vielmehr, sich einmal genauer in den Straßen umzusehen. So hat sich eine Salatdressing-Manufaktur namens „Blattgold“ in der Kameruner Straße 14 angesiedelt. Ganz untypisch für den Wedding ist die Bezeichnung des Manufaktur-Ladens als „Haus der feinen Kost“. An der Ecke Togo-/Kameruner Straße hält sich seit Jahren der Bioladen „Naturkost“. Wo sich doch sonst im Wedding kein solches Geschäft dauerhaft etablieren konnte – hier funktioniert es offensichtlich.

Im gegenüberliegenden Eckhaus Kameruner Straße 14 / Togostraße befindet sich seit November eine neue Galerie. Von Donnerstag bis Sonntag werden dort noch bis zum 4. Dezember „Drei Orte, zusammengelegt“ gezeigt.

Kreative Pioniere sitzen seit einiger Zeit in der Togostraße 79 a in der „Montagehalle Berlin„. Unter dem Motto „1 Laden, 2 Leute, 3 Labels“ wird dort Mode aus dem Wedding erdacht und hergestellt.

Schon zum zweiten Mal findet vom 1. bis 4. Dezember der Weddinger Wunderbazar im Advent mit Mode, Malerei, Accesoires, Taschen, Filz, Strick, Comics, Fotografie und Keramik statt. 12 Designer und Künstler aus der Monbtagehalle und einem Projektatelier präsentieren am Donnerstag von 19 – 23 Uhr und Freitag, Samstag und Sonntag von 11 – 19 Uhr ihre Werke.

Man darf gespannt sein, wie sich dieser Teil des Afrikanischen Viertels in den kommenden Jahren entwickelt. Vielleicht strahlt diese urbane und kreative Meile auch in die nördlicheren Teile des Afrikanischen Viertels aus. Dies ist jedoch schwer vorstellbar – dort dominieren noch die reinen Wohngebiete.