Zu Besuch in der fremden Mitte von Berlin

In der Friedrichstraße. Foto: Hensel
Runde Ecken. Foto: Hensel

Kolumne Neulich war ich mal wieder in Mitte zu Gast. Das klingt vielleicht merkwürdig, denn ich wohne ja offiziell in Mitte. Genauer gesagt wohne ich, weil es ein Mensch hinter einem Schreibtisch vor fast 20 Jahren so wollte, im Ortsteil Gesundbrunnen. Doch Gesundbrunnen ist nicht meine Heimat, genauso wenig wie Mitte. Ich bin Weddingerin. Warum ich niemals sage, dass ich in Mitte wohne, fiel mir neulich bei meinem Besuch „in der Stadt“ wieder ein.

Herbststürme Xavier & Co – Eine Schadensbilanz

Es war noch nicht mal ein Orkan, sondern bloß ein „schwerer Sturm mit Orkanböen“, der am 5. Oktober über Berlin hinwegfegte. Das Sturmtief „Xavier“ hinterlässt dennoch deutliche Narben im Stadtbild, die nach dem Sturm oft erst nach und nach sichtbar wurden. Insgesamt 56.000 Bäume hat er laut der Umweltsenatorin Regine Günther vernichtet, davon 46.000 in den Berliner Wäldern und rund 10.000 an Straßen, in Parks und auf Friedhöfen. Hinzu kommen wohl auch noch Tausende auf Privatgrundstücken. Berlin lag im Zentrum der schlimmsten Zerstörungszone. Die größte im Flachland gemessene Windgeschwindigkeit erreichte der Sturm mit 137 Kilometern pro Stunde über dem Wannsee.

Finger weg von unseren Baumscheiben!

Baumscheibe Bepflanzung
Eine Baumscheibe: angemeldet oder nicht?

Der Umgang des Bezirks Mitte mit von Bürgern eigeninitiativ bepflanzten Baumscheiben ist berlinweit ziemlich einmalig: Die Bepflanzungen und Zäune werden kurzerhand entfernt, weil sie eine Unfallgefahr für Fußgänger darstellen können. Mit diesem juristisch nachvollziehbaren, aber wenig bürgerfreundlichen Verfahren ist die Stadtteilvertretung Müllerstraße nicht einverstanden und hat sich mit einem offenen Brief an die zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) gewandt.

Mauerpark – geschenkt!

Der Flohmarkt am Mauerpark, im Vordergrund wird die Erweiterungsfläche des Parks umgestaltet. Foto: Hensel
Der Flohmarkt am Mauerpark, im Vordergrund wird die Erweiterungsfläche des Parks umgestaltet. Foto: Hensel

Gehört der Flohmarkt am Mauerpark zum Wedding? Auf dem Papier ist das Gebiet rund um den Biergarten Mauersegler und den Flohmarkt seit langem Brunnenviertel. Doch das weiß fast niemand und das fühlt sich auch nicht so an. Der „gefühlte Wedding“ endet natürlich gleich hinter den Häusern in der Wolliner- und der Graunstraße. Flohmarkt am Mauerpark, Touristen, Mauersegler, Blumenladen – alles Prenzlauer Berg. Ab sofort stimmt das Bauchgefühl. Bye, bye Mauerpark!

Kiez-Shirts: Trag den Wedding herum

(C) Johnnyspapablog.de
(C) Johnnyspapablog.de

„Eddi“ steht auf meinem T-Shirt. Was ist denn das für eine Marke, fragt mich die 21-jährige Praktikantin auf Arbeit. Gar keine, sage ich, denn ich trage ein offenes Hemd über dem T-Shirt. Ach, Edding, ja das kenne ich, sagt sie, als sie genauer hinsieht. Das ist doch der wasserfeste Stift. Es sei ihr verziehen, dass sie nicht sofort auf Wedding gekommen ist, schließlich ist sie nicht aus Berlin. Wie auch immer: Die Kiez-T-Shirt-Serie der Firma Ampelmann widmet den wichtigsten Berliner Stadtteilen eine spezifische Variante, vorne einen passenden Schriftzug und hinten ein kiezbezogenes Ampelmannmotiv.

Was die Liste zur BVV-Wahl verrät

Muster Stimmzettel für Wahl BVV-Mitte. Grafik: Landeswahlleiter.
Muster Stimmzettel für Wahl BVV-Mitte. Grafik: Landeswahlleiter.

Wen soll ich am 18. September wählen, ich kenne doch keinen von den Kandidaten für die Bezirkswahl. Sagt mancher. Wer nicht alle persönlich kennt, dem hilft die komplette Liste der Kandidaten, die im Bezirk Mitte für die Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) antreten. Auf dem Stimmzettel stehen nur die drei Spitzenplätze. Die vollständige Liste der Parteien verrät, welche sozialen Gruppen es in den Parteien auf die aussichtsreichen Plätze geschafft haben. Dadurch ergibt sich eine Möglichkeit zu entscheiden, welcher Partei man im Bezirk seine Stimme geben will.

Die Anna-Lindh-Schule: Gemeinsam kämpfen, gemeinsam feiern

Anna-Lindh-Schule
Nicht nur Kekse essen, sondern auch anpacken – Anna-Lindh-Schule

Die Scheiben im Flur sind notdürftig geklebt. An anderen Stellen bröckelt der Putz von den Wänden und auch so manches Waschbecken hat schon lange kein sauberes Wasser mehr gesehen. Auf das Jahr genau 60 Jahre zählt des Schulgebäude der Anna-Lindh-Schule auf der Guineastraße nun schon – und das sieht man ihm an vielen Stellen leider auch an. 1965 bis 2005 unter dem Namen Rehberge-Schule bekannt, scheint seit der Zusammenlegung mit der Goetheparkschule nicht mehr viel in die Substanz des öffentlichen Gebäudes investiert worden zu sein. Doch zum Glück gibt es Eltern, die sich ehrenamtlich engagieren – anstatt zu warten, bis Bezirk oder Senat in Aktion treten. Das diesjährige Jubiläum will man dementsprechend ausgelassen feiern. Alle Nachbarn sind herzlich zum Sommerfest, dem Höhepunkt der Jubiläumswoche zum 60. Geburtstag eingeladen. Das „Ehrenamts“-Team von ALBA hat eigens hierfür schon mal die Flure professionell gereinigt.

Auf die Kufen Wedding!

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Das Mitführen großer Taschen wird mit einem schrillen Triller aus der Pfeife des Chefs vom Dienst bestraft. Sicher ist sicher. Niemand soll aufgrund von Übergepäck auf der Eisfläche stürzen oder andere Eisläufer zu Fall bringen. Sicher ist sicher. Da hätte bestimmt auch die „Mutter des Wedding“ genannte Namenspatronin zugestimmt. Im 1967 erbauten und 1987 nach der ehemaligen Bezirksbürgermeisterin Erika Heß benannten Anlage wird nicht eines Taschen-Ungleichgewichtes wegen gestrauchelt und auf dem Hosenboden umhergerutscht! Im Erika-Heß-Eisstadion in der Müllerstraße haben unzählige Weddinger das sichere Laufen auf zwei Kufen erlernt. Und auf der Eisfläche ist in dieser wie in jeder Saison jede Menge los.

Eiszeit im Wedding

Zum Trost, falls mal der Sommer ebenfalls Ähnlichkeit mit einer Eiszeit haben sollte, oder eben nicht – gibt’s hier noch Tipps, wo man im Wedding gutes Eis essen kann:

Das schmalste Haus Berlins ist fünf Meter breit und befindet sich in der Müllerstraße 156 d nahe der Gerichtstraße. Bei dem darin befindlichen Eiscafé „Dal Col Silvio“ muss man sich zwischen einer großen Auswahl an selbst hergestellten Eissorten entscheiden….

In der Malplaquetstraße 42 (nahe der Nazarethkirchstraße) befindet sich das Eiscafé Pingolino.

In der Maxstraße 11 befindet sich eine Filiale der Eismanufaktur-Berlin.

Bellissimo heißt ein kleines Eiscafé in der Müllerstraße 122 (Nähe Transvaalstraße).

Im Afrikanischen Viertel findet sich in der Transvaalstraße 13 das Eiscafé Kibo mit originellen selbstgemachten Eissorten. Ganz in der Nähe hat auch das Kelly’s aufgemacht (Togostraße 4).

Und ganz am Ende des Brunnenviertels (oder am Anfang) liegt in der Brunnenstr. 55 der „Eis-Berg“ (fast an der Ecke Bernauer Str.)

Näher am Gesundbrunnen liegt das Eis Henri, Brunnenstr. 96, ein preiswertes Eiscafé, in dem das Eis in Becher gespachtelt wird.